RC N Watch: OP North gehört jetzt den Afghanen (update)

 

OP-North_Uebergabe_15jun2013A

Der Abzug der Bundeswehr aus der – nach wie vor recht unruhigen - afghanischen Nordprovinz Baghlan geht weiter: Der Observation Post  North (OP North) nördlich der Provinzhauptstadt Pul-e Khumri ist am (gestrigen) Samstag, wie schon lange angekündigt, an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben worden. Die (jetzt etwas ausführlichere) Meldung der Bundeswehr dazu:

Am 15. Juni 2013 übergab die internationale Schutztruppe ISAF, in Anwesenheit des Kommandeurs des Regionalkommando Nord, Generalmajor Jörg Vollmer, den Observation Post North (OP North) an die afghanische Regierung. Damit schreitet, achtzehn Monate vor dem Ende der ISAF-Mission, die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte voran. weiterlesen

Der OP North wird nicht mehr gebraucht

(Foto Timo Vogt/randbild)

Der Rückzug der Bundeswehr aus der Fläche in Afghanistan nimmt Fahrt auf. Das Provincial Reconstruction Team (PRT) Faisabad wurde bereits vor Monaten dicht gemacht. Jetzt wird auch der Observation Point (OP) North in der Provinz Baghlan nicht mehr gebraucht und demnächst geschlossen, langfristig auch das PRT Kundus. Offiziell klingt das so:

Die Sicherheitslage im Regionalkommando Nord in Afghanistan hat sich 2012, nicht zuletzt durch den zahlenmäßigen Aufwuchs und die verbesserten Fähigkeiten der afghanischen Sicherheitskräfte, positiv entwickelt.
(…)
Die Lage ermöglicht eine militärisch angemessene und politisch verantwortungsvolle Kräfteanpassung, die der gemeinsam beschlossenen Strategie aller ISAF-Staaten entspricht. Ihr Ziel ist die Übergabe der Sicherheitsverantwortung in afghanische Hände bis 2014.
Das erlaubt die zunehmende Verlegung deutscher Kräfte aus der Fläche und ermöglicht dadurch die aufeinander abgestimmte Schließung von Einsatzliegenschaften in Nordafghanistan. Deshalb können in 2013 zunächst der Observation Post (OP) North und danach die deutsche Einsatzliegenschaft in Kundus geräumt und übergeben werden.

Nun hat diese verantwortungsvolle Kräfteanpassung zum einen natürlich mit der Übergabe von Sicherheitsverantwortung an die Afghanen zu tun. Zum anderen aber, und vielleicht sogar noch ein wenig mehr, mit dem deutschen Plan, die Stärke des Kontingents am Hindukusch von 4.400 im nächsten Februar über das Jahr 2013 auf 3.300 abzuschmelzen. Die Soldaten müssen ja irgendwo eingespart werden.

Dazu passt die heutige Unterrichtung des Verteidigungsministeriums für die Abgeordneten des Bundestages. Darin steht – zum ersten Mal seit sehr langer Zeit, ich muss mal schauen, ob ich herausfinde, seit wann – unter dem Punkt Militärische Ereignisse:

RC North / Deutsches Einsatzkontingent (EinsKtgt)
Keine berichtenswerten Ereignisse.

 Nachtrag: Der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, Generalleutnant Rainer Glatz, hat die Planung in einem kurzen Interview erläutert. Dankenswerterweise hat mir Radio Andernach diesen O-Ton zur Verfügung gestellt:

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RC N Watch: Erneuter Angriff nahe OP North

Der Vorfall ist schon einige Stunden her, merkwürdigerweise aber erst am Abend auf bundeswehr.de eingestellt worden – und enthält die nicht ganz klare Aussage: Nach derzeitigen Erkenntnissen, wurden keine deutschen Kräfte verwundet.

Am 01. Oktober um 14.48 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (17.18 Uhr Ortszeit) wurden ISAF-Kräfte im Rahmen einer Operation durch einen Sprengstoffanschlag und mit Panzerabwehrhandwaffen sowie Handfeuerwaffen auf einer Verbindungsstrasse in der Provinz Baghlan, circa 25 Kilometer nördlich des OP North, angegriffen. Dabei wurden zwei ISAF-Fahrzeuge beschädigt.
Deutsche Kräfte wurden daraufhin zur Verstärkung aus dem OP North herangeführt. Die zwei beschädigten ISAF-Fahrzeuge werden geborgen. Teile der Reservekräfte aus dem OP North unterstützen und sichern vor Ort. Gegen 15.25 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (17.55 Uhr Ortszeit) wurden weitere deutsche Kräfte sowie ein ISAF-Fahrzeug 15 Kilometer nördlich der Stadt Baghlan mit Mörser, Panzerabwehrhandwaffen und Handfeuerwaffen beschossen.

Da müsste morgen noch ein wenig Klarheit kommen? Zumal die obligatorische Formel fehlt: Der Vorgang ist abgeschlossen…

Nachtrag: Habe noch mal nachgefragt – nach den in Deutschand vorliegenden Erkenntnissen gab es keine Verwundeten. Manchmal dauern die Meldewege etwas…

Nachtrag 2: Inzwischen hat sich bestätigt, dass es keine deutschen Verwundeten gab:

Die an den Gefechtshandlungen beteiligten DEU Kräfte haben abschließend um 23.30 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (02.00 Uhr Ortszeit) der vergangenen Nacht ihre Stützpunkte erreicht.
Es wurden keine Verwundeten oder Schäden gemeldet.Weitere Angriffe auf DEU Kräfte fanden nicht statt.

Und als letzter Nachtrag: Dem RC North gehen die senior leader der Aufständischen nicht aus:

An Afghan and coalition security force arrested a senior Islamic Movement of Uzbekistan leader and weapons facilitator in Chahar Darah district, Kunduz province, today. The arrested IMU leader is suspected of planning and conducting improvised explosive device attacks throughout Kunduz province, as well as coordinating the movement of IED materials for future attacks on Afghan and coalition security forces. The security force also detained two suspected insurgents during the operation.

Lesetipps zum Sonntag: Streitgespräch Waffenexporte. Und ein Blick auf den OP North

An diesem lauschigen (hier zu Lande) Sonntag noch schnell zwei Lesetipps:

In der evangelischen Zeitschrift Chrismon ein Streitgespräch über Waffenexporte zwischen der Theologin Margot Käßmann und dem Krauss-Maffei Wegmann-Erben Burkhart Braunberens:

Panzer für die Saudis?

Und nach der Reportagereise der Reuters-Kollegin Sabine Siebold nach Afghanistan, von der ich vor ein paar Tagen schon mal einen Lesetipp verlinkte, hier ihre Reportage vom OP North:

Schnellkurs in Eigeninitiative

(Hinweis: Angesichts des geplanten Leistungsschutzrechts verlinke ich hier nicht die Webseiten deutscher Printmedien. Chrismon sehe ich, da nicht primär als Verlegerprodukt konzipiert, als Ausnahme; die Texte von Nachrichtenagenturen auf ihren eigenen Webseiten ebenfalls.)

Afghanische Polizisten, deutsche Soldaten

Da die Reportage des Kollegen Joachim Käppner aus Baghlan mittlerweile auf bundeswehr.de komplett zu lesen ist, kann ich ja ohne Leistungsschutzrecht-Bedenken auf das lesenswerte Stück der Süddeutschen Zeitung verlinken:

Gemeinsam einsam

 

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