Exercise Watch: Die größte Luftlandeübung seit dem Kalten Krieg. In Bayern.

SwiftResponse2015_para

Über die größte Luftlandeübung auf NATO-Seite seit dem Kalten Krieg, Swift Response 2015, ist auf den einschlägigen Seiten einiges zu lesen, deshalb hier im Wesentlichen eine Link-Übersicht dazu. In der breiten Öffentlichkeit hat das Manöver, wenn man auf die Veröffentlichungen in den Medien schaut, dagegen wenig Resonanz gefunden (mit Ausnahme Bayerns, weil ja einer der größten Massenabsprünge mit mehr als 1.000 Fallschirmjägern in Hohenfels in Bayern stattfand; und mit Ausnahme der Rheinischen Post, deren Kollege Helmut Michelis da hingefahren ist). Dabei ist es natürlich eine wesentliche Demonstration des Bündnisses, die das schnellstmögliche Eingreifen unter Beweis stellen soll – unter anderem mit dem Einsatz einer Brigade der 82nd Airborne Brigade Division der USA.

Die Übung ist keine Veranstaltung der NATO, sondern steht unter US-Führung, findet aber praktisch im NATO-Rahmen statt:

Swift Response is a U.S. Army Europe-led multinational training exercise built around a multinational airborne joint forcible entry operation across four European nations. Swift Response will demonstrate the alliance’s ability to operate from intermediate staging bases in Europe, conduct simultaneous airborne forcible entry and follow-on missions. weiterlesen

Oben im Baltikum: Russland schwächer als vermutet?

RAF Typhoon Fighters Police UK Skies

Das ist eine interessante Geschichte, die vielleicht auch hier auf Widerspruch stoßen könnte: Der Kollege Matthew Bodner, der auch für die Moscow Times arbeitet, hat sich die Stärkeverhältnisse von Russland und NATO an der Nordostflanke des Bündnisses angesehen und kommt aufgrund der – öffentlich bekannten – Fakten zu der Einschätzung, dass Russland dort längst nicht so stark ist wie geglaubt, geradezu ein Papiertiger. Sein Fazit:

But if the Kremlin decides it is backed into a corner and must attempt to destabilize NATO and intimidate its Baltic neighbors, it may take a chance and launch a risky attack. Fortunately for the Baltic states, the Western alliance would likely come out on top in a contest against an inexperienced and outmanned Russian military—that is, if NATO chose to commit.

Der ganze Text hier zum Nachlesen beim (westlichen) Institut of Modern Russia.

Da bin ich mal auf die Einschätzungen hier gespannt.

Nachtrag: Thematisch dazu passend, aber eine deutlich andere Sichtweise – ein Papier des Polish Institute of International Affairs: weiterlesen

Gebremste NATO-Eingreiftruppe: Flaschenhals Deutschland

NobleJump_371_Verladung

Orange markiert, liegt Deutschland auf einer Übersichtskarte der Abteilung Strategie und Einsatz des Berliner Verteidigungsministeriums mitten in Europa. Orange markiert bedeutet: 20 Tage Genehmigungsdauer, Genehmigungen erforderlich. So wie Deutschland verfahren bei der Genehmigung für die Ein- und Durchreise von Streitkräften unter den europäischen NATO-Ländern noch Italien, die Türkei und Lettland, noch restriktiver sind lediglich Bulgarien, Griechenland und Litauen. Aber diese Länder sind nicht wie die Bundesrepublik das wichtigste Transitland in Europa. Die Karte zeigt: Die deutschen Bestimmungen sind ein nicht zu unterschätzender Flaschenhals für die Beweglichkeit der neuen superschnellen Eingreiftruppe der NATO, der so genannten Speerspitze.

Dass diese Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), die im September vergangenen Jahres auf dem NATO-Gipfel in Wales unter dem Eindruck der Ukraine-Krise beschlossen wurde, mit den bürokratischen Problemen des hoch regulierten Europa fertig werden muss, ist keine ganz neue Erkenntnis – auch ich hatte im Zusammenhang mit dem VJTF-Manöver Noble Jump im Juni einen Teil des Problems schon mal beschrieben: Der erste Gegner der NATO ist die eigene Bürokratie. Kleine Kostprobe: Die 14 Marder-Schützenpanzer der Bundeswehr wurden bei der Ausfuhr zum Manöver auf den nahegelegenen polnischen Übungsplatz Zagan ordnungsgemäß beim Zoll angemeldet – und bei der Rückkehr nach Deutschland ebenso.

Doch die Auflistung der Ministeriums-Abteilung Strategie und Einsatz belegt, ebenso wie ein Bericht des Ministeriums an den Verteidigungsausschuss vom Mai, über den zuerst tagesschau.de berichtete: Ein Großteil der Probleme ist in Deutschland hausgemacht. Zwar kämpfen die Streitkräfte in allen europäischen Staaten mit den besonderen Regelungen für den grenzüberschreitenden Transport von Waffen, Munition und Ausrüstung. Aber innerhalb der Bundesrepublik kommen ausgefeilte Transportregelungen für Gefahrgut und Schwertransporte hinzu, die die schnelle Verlegefähigkeit der VJTF ausbremsen. weiterlesen

Exercise Watch: Nachlese ‚Rapid Trident 2015′ in der Ukraine


Mit ein bisschen Nachlauf hat die NATO auf ihrem Youtube-Videokanal ein Video der Übung Rapid Trident veröffentlicht, die im Juli im Westen der Ukraine stattfand (Direktlink: https://youtu.be/HRy6QXQe9j8).

Interessant dabei: Rapid Trident ist eine seit Jahren bestehende Manöverserie unter Führung der USA, also keine NATO-Veranstaltung – auch wenn die Ukraine als Partnership-for-Peace-Nation der Allianz eingebunden und ja tatsächlich auch Hauptakteur ist. Und: auf ihrem offiziellen Video-Kanal bezieht die NATO hier eine Position in der Darstellung, die zwar sehr eng an die US-Sichtweise angelehnt ist. Aber nicht unbedingt der Sichtweise aller 28 Mitglieder des Bündnisses entspricht?

 

Großübungen von Russland und NATO: Wächst damit die Kriegsgefahr?

A German Panzerhaubitze 2000 awaits orders from the fire direction center June 11, 2015 at the Drawsko Pomorskie Training Area in Poland as German and U.S. artillery and mortar units train together during Saber Strike 15, a long-standing U.S. Army Europe-led cooperative training exercise. This year’s exercise takes place across Estonia, Latvia, Lithuania, and Poland, and is designed to improve joint operational capability in a range of missions as well as preparing the participating nations and units to support multinational contingency operations. There are more than 6,000 participants from 13 different nations. (U.S. Army photo by Spc. Marcus Floyd, 13th Public Affairs Detachment)

Seit Beginn der Ukraine-Krise vor mehr als einem Jahr haben die Großübungen des Militärs in Russland wie auf der NATO-Seite deutlich zugenommen. Wächst ausgerechnet mit diesen Manövern die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung zwischen beiden Seiten, bereiten sich sowohl die NATO als auch Russland konkret auf einen Krieg gegeneinander vor?

Möglicherweise ja, argumentiert das European Leadership Network (ELN), eine europäische Initiative, in dessen Executive Board unter anderem der deutsche Russland-Beauftragte und SPD-Politiker Gernot Erler und der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe und andere ehemalige europäische Ressortchefs sitzen. Das ELN betrachtete die Übungstätigkeit beider Seiten, die so genannten Snap Drills auf russischer und die Manöverserie Allied Shield auf NATO-Seite:

Both exercises show that each side is training with the other side’s capabilities and most likely war plans in mind. Whilst spokespeople may maintain that these operations are targeted against hypothetical opponents, the nature and scale of them indicate otherwise: Russia is preparing for a conflict with NATO, and NATO is preparing for a possible confrontation with Russia. weiterlesen

weiter »