Aufbau der afghanischen Streitkräfte: Was so schief lief (und läuft)

Vor einigen Tagen haben die afghanischen Streitkräfte ihre ersten US-Hubschrauber vom Typ Blackhawk erhalten. Fast 160 dieser Helikopter soll die Afghan Air Force in den kommenden Jahren bekommen – damit die Streitkräfte des Landes am Hindukusch langfristig selber in die Lage versetzt werden können, gegen Aufständische vorzugehen. Die gebrauchten, aber runderneuerten US-Hubschrauber sollen die Mi-17 aus russischer Produktion ersetzen, die nicht mehr ausreichend gewartet werden können – oder sollen?

Denn der Wechsel von robuster russischer zu amerikanischer Technik ist auch dem Willen des Geldgebers, nämlich des US-Kongresses geschuldet. Und da liegt eines der Probleme, die beim seit Jahren laufenden Aufbau afghanischer Streitkräfte durch die USA und die anderen westlichen Nationen in der NATO-geführten Resolute Support Mission liegen: Hochentwickelte westliche Waffen- und Computersysteme, dazu teilweise auch ohne eine ausreichende Ausbildung dafür, machen Afghanistan nicht nur dauerhaft abhängig, sondern kosten die Geberländer auch mehr als nötig.

Das ist eines der Ergebnisse, zu denen der Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction (SIGAR), eine Art Rechnungshof für das US-Engagement in Afghanistan unter der Leitung von John F. Sopko, in seinem am (heutigen) Donnerstag vorgestellten Bericht über den Aufbau der afghanischen Streitkräfte kommt. Und man muss wohl sagen: seinem ziemlich desilluisionierenden , wenn nicht vernichtenden Bericht. weiterlesen

Lesestoff: „Strategic Communications“ von ISAF in Afghanistan

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Das ist doch mal Lesestoff (den ich auch noch vor mir habe): Die NATO hat ihre PR (bestimmt nicht der passende Begriff) in Afghanistan mal näher untersucht:

“WE HAVE MET THE ENEMY AND HE IS US”
AN ANALYSIS OF NATO STRATEGIC COMMUNICATIONS: THE INTERNATIONAL SECURITY ASSISTANCE FORCE (ISAF) IN AFGHANISTAN, 2003-2014.

und der Blick in die Executive Summary zeigt, dass es interessant werden könnte: weiterlesen

Überraschung: Bundeswehr war in Afghanistan im Krieg

Fast könnte man den Eindruck bekommen, dass in der öffentlichen Diskussion dieser Tage eine große Überraschung herrscht: Die Bundeswehr hat in den vergangenen 13 Jahren (auch) Krieg geführt in Afghanistan. Diese eigentlich nicht neue Erkenntnis entzündet sich an der Berichterstattung über die Auflistung erkannter Gegner der internationalen ISAF-Truppen in Afghanistan, die so genannte Joint Prioritized Effects List (JPEL). Darin sind unter anderem Personen genannt, die im Fokus von ISAF standen und die beobachtet, festgenommen, gegebenenfalls auch getötet werden sollten.

Dass es diese Liste gab und dass auch die Bundeswehr an der Erstellung und – wenn auch mit Vorbehalten – an der Abarbeitung dieser Liste beteiligt war, ist nicht wirklich neu. Auffällig und besorgniserregend ist an den aktuellen Berichten eigentlich nur, wie offensichtlich ungenau die Erfassung für diese Liste war und wie auch Personen darauf gerieten, die nicht darauf gehörten.

Zur Einordnung und als Hilfestellung für die laufende Debatte einige – teilweise seit Jahren veröffentlichte – Informationen:

Die Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) legte im Januar 2012 eine Studie zu Targeted Killing vor, die sich zwar nicht ausschließlich mit dem Kriegsgebiet Afghanistan befasste, aber dazu auch einige Aussagen traf:

Die Bundesregierung verfolgt zwar keine Politik gezielter Tötungen, dürfte sich bei ihrer geheimdienstlichen Kooperation mit den USA jedoch zwangsläufig immer wieder mit dieser Problematik konfrontiert sehen. Vor allem aber ist Deutschland über das militärische Engagement in Afghanistan unmittelbar in einen strategischen Kontext eingebunden, in dem »targeted killing« zur täglichen Praxis gehört. weiterlesen

13 Jahre Bundeswehr in Afghanistan: Die offiziellen Rückblicke

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Nach 13 Jahren Bundeswehreinsatz am Hindukusch, nach dem am (gestrigen) Sonntag offiziell verkündeten Ende der ISAF-Mission gibt es jetzt auch die offiziellen deutschen Rückblicke. Unter anderem als Video der Bundeswehr (Screenshot oben) und als Offener Brief der an der Afghanistan-Mission beteiligten deutschen Ministerien – und das sind nicht nur Verteidigung und Auswärtiges. weiterlesen

Nach 13 Jahren: Ende der ISAF-Mission in Afghanistan

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Die internationale ISAF-Schutztruppe in Afghanistan (den vollen Namen International Security Assistance Force sollte man auch erwähnen) hat am heutigen Sonntag offiziell ihre Mission am Hindukusch beendet – nach ziemlich genau 13 Jahren. Ab dem 1. Januar soll die Nachfolgemission Resolute Support die Unterstützung und vor allem Beratung der afghanischen Sicherheitskräfte weiter gewährleisten. Deutschland will sich daran für die nächsten zwei Jahre mit bis zu 850 Soldaten in Kabul und im Norden des Landes beteiligen.

Den zahlreichen Rückblicken auf ISAF (zum Beispiel hier, und mit besonderem Blick auf die Bundeswehr hier) werde ich an dieser Stelle keinen weiteren hinzufügen. Nur einige Anmerkungen:

Die oft so oder ähnlich zu lesende Formulierung Die NATO hat nach 13 Jahren ihren Kampfeinsatz in Afghanistan beendet ist gleich mehrfach, nun, irreführend. weiterlesen

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