Reizthema Hubschrauber NH90: „Gefährliches Halbwissen“

Hubschrauber sind offensichtlich ein hochgradig emotionales Thema, nicht nur hier bei Augen geradeaus!, sondern auch in der Truppe und bei allen anderen, die mit Drehflüglern zu tun haben. Das führt dann bisweilen zu sehr merkwürdigen Ergebnissen. So hatte sich im vergangenen Jahr der Kollege Gerald Traufetter vom Spiegel mit dem KPMG-Gutachten für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen befasst und dabei auch bei Randthemen im Bereich des Hubschrauberprojekts NH90 Problemhinweise entdeckt:

In dem 1500 Seiten starken Bericht der KPMG-Prüfer finden sich haarsträubende Details zu weiteren Pannen, die sich bei der Entwicklung neuer Waffensysteme ereignet haben. Gehäuft treten sie auf beim Transporthubschrauber NH90. Das anschaulichste Beispiel dafür sind die Helme der Piloten. Die „physiologisch ungünstige Schwerpunktlage des Helmsystems“, so schreiben die Gutachter auf Seite 492, führe dazu, dass die Piloten „tageweise nicht am Flugdienst teilnehmen können“.

Solche Berichterstattung scheint bei manchem zu schnittfestem Schaum vor dem Mund zu führen. Aber gegen die Presse kann man ja was tun –  andere Journalisten dagegen in Stellung bringen. Wie zum Beispiel den so genannten Newsletter Verteidigung, in dessen jüngster Ausgabe in einer lobende Eloge auf den NH90 zu lesen ist:

Blogger, wie ›Augen geradeaus‹, lancieren gefährliches Halbwissen weiterlesen

Deutsche MedEvac-Hubschrauber wieder nach Afghanistan

Auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel wird ein für den Afghanistan-Einsatz bestimmter Transporthubschrauber CH 53 in ein russisches Frachtflugzeug Antonov AH-124-100 verladen.©Bundeswehr/S. Wilke Aufnahmedatum:19.01.2011

Die Bundeswehr wird im September erneut Aufgaben der medizinischen Evakuierung (MedEvac) im Norden Afghanistans übernehmen und dafür zusätzliche Hubschrauber an den Hindukusch verlegen. Geplant sei der Einsatz von zwei Helikoptern des Typs CH53 GS mit MedEvac-Einrüstung, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am (heutigen) Freitag auf Anfrage von Augen geradeaus!. Außerdem würden voraussichtlich drei zusätzliche Besatzungen einschließlich Sanitätspersonal nach Masar-i-Scharif geschickt.

Die Aufstockung des deutschen Einsatzes wurde notwendig, nachdem die dänischen Streitkräfte nach einem Parlamentsbeschluss den bisherigen Einsatz von MedEvac-Hubschraubern in der Resolute Support Mission in Afghanistan beenden. weiterlesen

Hier parkt der SeaLynx vor dem Hotel

sealynx_cux

Wer genau hinguckt (zwischen rotem Zelt und Leuchtturm), sieht einen SeaLynx-Hubschrauber der Bundeswehr, der (am heutigen Donnerstag) vor einem Hotel in Cuxhaven parkt. Na ja, parkt: Durch einen Defekt an einer Hydraulikpumpe gab es Flüssigkeitsnebel im Copckpit, der zur sofortigen Einleitung eines Notverfahrens und eben zur Landung auf einem Parkplatz führte, sagt die Marine. Die Besatzung wurde zwischenzeitlich ärztlich untersucht und ist wohlauf.

Die Maschine – und vermutlich dann auch der Abtranstransport – lässt sich derzeit  via Webcam beobachten.

Nachtrag: Jetzt ist er wieder weg, wie auch die Webcam zeigt – die Maschine ist am Nachmittag gegen 15 Uhr wieder sicher bei ihrem Geschwader in Nordholz gelandet.

(Screenshot von der Webcam, mit freundlicher Genehmigung des Betreibers)

 

Und wieder alle SeaLynx-Bordhubschrauber der Marine am Boden…

SeaLynx_Atalanta_20150420

Seit dem vergangenen Mittwoch ist die Meldung allen durchgegangen, nur den Lesern von Augen geradeaus! nicht: Die SeaLynx-Bordhubschrauber der Deutschen Marine sind, wieder mal, alle am Boden. Aus technischen Gründen.

Aus der Unterrichtung der Öffentlichkeit über die Auslandseinsätze der Bundeswehr vom 3. Juni:

Aufgrund eines technischen Defekts an der Heckrotorantriebswelle an einem der beiden Bordhubschrauber der Fregatte BAYERN wurde am 01.06.15 der Flugbetrieb der Mk88A SEA LYNX-Flotte bis auf Weiteres ausgesetzt. Im Rahmen eines Maßnahmepakets werden zunächst alle Mk88A SEA LYNX überprüft. Sofern keine Beanstandungen vorliegen, kann der Flugbetrieb anschließend mit Einschränkungen wieder aufgenommen werden.

Erst im April hatten die Fregatten der Marine ihre Bordhubschrauber nach einer längeren technisch begründeten Zwangspause wiederbekommen… aber offensichtlich nicht für lange.

(Danke für den Leserhinweis!)

Nachtrag 8. Juni: Die Sperrung wurde bereits am vergangenen Freitag wieder aufgehoben (aber, hm, nicht so kommuniziert…). Alle Hubschrauber dieses Typs wurden überprüft, dabei wurden keine weitere Beschädigungen dieser Art gefunden und deshalb das Vorkommnis als Einzelfall eingestuft. Bist die Ursache ermittelt ist, gilt aber Flugbetrieb untergeschränkten Bedingungen: maximal zwei Stunden Flugzeit sowie Sonderkontrollen vor und nach jedem Flug.

(Foto: Sea Lynx landet auf der Fregatte Bayern – Deutsche Marine)

 

Marine-Einsatz gegen Piraterie: Jetzt wieder mit Hubschrauber

SeaLynx_Atalanta_20150420

Nach etwas längerer, nennen wir es Abstinenz, hat die Deutsche Marine wieder Hubschrauber in ihren Einsätzen zur Verfügung: Auf der Fregatte Bayern im Einsatz bei der EU-Antipirateriemission Atalanta vor Somalia wurden zwei SeaLynx-Helikopter eingeschifft, wie die Marine am (heutigen) Montag mitteilte. Habe es doch eine technisch bedingte Zwangspause gegeben.

Die Zwangspause war in der Tat technisch bedingt, der Begriff Desaster wäre allerdings passender: Im September vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die Marine alle ihre 22 SeaLynx am Boden halten musste, weil Risse im Heckausleger festgestellt worden waren. Erst im Januar dieses Jahres konnten die ersten Maschinen wieder starten –  unter Auflagen.

Nicht so ganz klar ist nach der Mitteilung der Marine, ob alle Auflagen erledigt sind. Oder ob es noch operationelle Einschränkungen gibt?

(Foto: Sea Lynx landet auf der Fregatte Bayern – Deutsche Marine)

 

 

weiter »