Bundeswehr-Stinger verfehlte ziviles Flugzeug

Doch, man kann auch mit einer Stinger daneben schießen – zum Glück etlicher Passagiere in einer Zivilmaschine über Schleswig-Holstein, wie die Lübecker Nachrichten* berichten:

Auf einem Schießplatz der Bundeswehr im schleswig-holsteinischen Putlos ist es bereits vor einiger Zeit fast zu einer tödlichen Katastrophe gekommen: Ein Soldat feuerte demnach bei einem Übungsschießen eine Stinger-Flugabwehr-Rakete nicht wie vorgesehen auf eine Drohne, sondern auf ein ziviles Flugzeug ab. Der Vorfall vom Mai 2011 wurde erst jetzt bekannt, weil ein 25-jähriger Feldwebel, der damals den Abschuss angeordnet hatte, sich nun vor dem Amtsgericht in Oldenburg (Holstein) verantworten musste, weiterlesen

Neues Leben für den “Gepard”: Schutz von Fußball und Papst in Brasilien

Gepard 1a2 overview

Bei der Bundeswehr ist der Flugabwehrkanonenpanzer Gepard mit dem Ende der bodengebundenen Luftverteidigung des Heeres außer Dienst gestellt worden. In anderen Ländern ist diese deutsche Technik offensichtlich weiterhin begehrt: Brasilien plant den Kauf von 34 gebrauchten Geparden, wie brasilianische Medien berichten (und mehrere Agenturen, unter anderem Reuters, ebenfalls). Die carros de combate sollen bereits in diesem Jahr den katholischen Weltjugendtag mit Stargast Papst Franziskus, im kommenden Jahr die Fußballweltmeisterschaft und 2016 die olympischen Sommerspiele in dem südamerikanischen Land schützen – vor Angriffen mit Flugzeugen, Hubschraubern und Drohnen.

Die Verkaufsbemühungen für das ausgesonderte Material laufen schon länger. weiterlesen

So wirbt man für die “Patriot”

Durch Zufall bin ich auf diesen offensichtlich etwas betagten US-Army-Film über das Flugabwehrsystem Patriot gestoßen. Der stammt aus einer Zeit, als an die Abwehr ballistischer Raketen mit diesem System noch nicht zu denken war – aber diese amerikanische Werbefilmästhetik ist so beeindruckend, dass ich ihn meinen Lesern nicht vorenthalten möchte…

(Nein, laut Abspann stammt der Clip nicht von der Herstellerfirma.)

Merkposten: Nachfrage nach Patriot-Batterien für die Türkei?

Archivbild 2005: Flugabwehrraketensystem Patriot der Bundeswehr (Foto: Bundeswehr/Freude via flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

Die Rolle der NATO als Beistandspartner für ihr Mitgliedsland Türkei bei einer möglichen Auseinandersetzung mit Syrien ist derzeit wieder in den Hintergrund getreten. Allerdings hatte das Bündnis der der Türkei Unterstützung zugesagt, wenn nötig. Deshalb, als Merkposten, eine mögliche Anfrage, über die die türkische Zeitung Hürriyet berichtet:

Ankara plans to request NATO deploy a Patriot missile defense system in its territories in case of escalation of the scale of attacks against Turkey by the al-Assad regime. A senior Turkish diplomat says Turkey and NATO have been working on contingency plans.

Nun muss das noch nichts bedeuten; mehrere Diskussionen im NATO-Rat auf türkischen Wunsch haben bislang zwar zu Solidaritätsbekundungen, nicht aber zu Aktivitäten geführt. Dennoch mal kurz schauen: So viele NATO-Länder besitzen nicht die Flugabwehrbatterien vom Typ Patriot. Zu denen, die welche besitzen, gehören die Deutschen. (Bei früheren Gelegenheiten hatten laut Hürriyet die Niederlande die Patriot gestellt.)

Unklare Gerüchtelage: Deutsche Patriot-Systeme für Jordanien?

Die Meldungen sind hinreichend vage, aber damit es nicht untergeht, notiere ich das mal hier als Merkposten: Angeblich beabsichtigt Jordanien, Deutschland nach der Lieferung von – gebrauchten – Flugabwehrsystemen des Typs Patriot zu fragen.

Die Meldung beruht auf einem Bericht der französischen Zeitung Le Figaro in der vergangenen Woche (online ist nur der Anreißer frei verfügbar online hier), der von israelischen Webseiten aufgegriffen wurde.

Von jordanischer Seite gab es ein halbgares Dementi, dass den Namen nicht verdient – offiziell widerspricht das Königreich nur der Aussage, es sei geplant, diese Raketen an der Grenze zu Syrien zu installieren. Ob es tatsächlich eine solche Anfrage an Deutschland gibt, wird in der Stellungnahme sorgsam ausgespart.

Das gilt übrigens auch für die deutsche Seite – ich habe heute versucht, in der Bundespressekonferenz sowohl Regierungssprecher Steffen Seibert als auch die möglicherweise beteiligten Ministerien (Verteidigung und Wirtschaft) danach zu fragen. Tenor der Antworten: Wir wissen nichts, und wenn wir was wüssten, würden wir es nicht sagen.

Nun hat die Bundeswehr ja ein paar Patriot-Systeme über – nach der von Verteidigungsminister Thomas de Maizière gebilligten Großgeräte-Liste soll die Zahl dieser Waffensysteme von derzeit 29 auf 14 reduziert werden (die dann, vermutlich auf dem neuesten technischen Stand, als deutscher Beitrag zur NATO-Raketenabwehr angeboten werden sollen).

Die Lieferung gebrauchter Patriot an verbündete oder auch nur befreundete Staaten ist nichts Neues: Israel hat seit gut einem Jahrzehnt ein paar Systeme, und durch seemännische und/oder bürokratische Ungeschicklichkeit wurde kürzlich die Lieferung von Patriot-Raketen aus Bundeswehrbeständen samt Abschussgerät an Südkorea bekannt.

Und ein Nachtrag dazu: Werde (leider erst viel später) darauf aufmerksam gemacht, dass die Luftwaffe unter der leicht irreführenden Überschrift PATRIOT allwetterfähig – praktischer Beweis in Oberbayern bereits am 24. Februar über die Besichtigung der Patriot durch eine hochrangige jordanische Delegation berichtet hat. Dabei war auch Brigadier General Mohammad Alharafsheh, Director Air Defence Royal Jordan Air Force:

Im Rahmen des Besuches einer Deutsch-Jordanischen Expertengruppe stellten die Soldatinnen und Soldaten der Flugabwehrraketengruppe 23 das Waffensystem PATRIOT vor. Trotz klirrender Kälte präsentierten Sie, am 8. Februar den Besuchern während eines „Dynamic Display“ (Bewegliche Vorführung) das „In Stellung gehen“ einer Flugabwehrraketenstaffel und stellten sich in der anschließenden Ausstellung (Static Display) den interessierten Fragen der Gäste.

(…)

Die dynamische Waffenschau fand auf dem Lastenabwurfplatz des nahe liegenden Flugplatzes Manching statt. Nach kurzer Fahrt traf die Delegation im winterlich verschneiten Übungsraum ein. Trotz klirrender Kälte und eisigem Windes beobachteten die Gäste das Erkunden und das Beziehen einer Stellung und das Herstellen der Einsatzbereitschaft einer Flugabwehrraketenstaffel PATRIOT mit großem Interesse.

Nachdem sich die Delegation um den Kommandeur der 1. Luftwaffendivision, Generalmajor Robert Löwenstein, und Generalmajor a. D. Atef Tell, Berater seiner königlichen Hoheit Prinz Faisal Bin Al Hussein von Jordanien, beim gemeinsamen Mittagessen gestärkt und vor allem wieder aufgewärmt hatte, folgte Teil Zwei der Vorführung. In der vorbereiteten Ausstellung standen die Großkomponenten des Waffensystems PATRIOT zur Besichtigung bereit. Die zahlreichen Fragen der Gäste beantworteten die Soldaten der Flugabwehrraketengruppe 23 bereitwillig und professionell. Auf großes Interesse bei den Besuchern traf dabei das „Reload“, die praktische Vorführung des Beladens bzw. Nachladens eines PATRIOT-Startgerätes.