Deutsche LUNA-Drohne: Erstflug im MINUSMA-Einsatz in Mali

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Fürs Archiv: Die taktischen Aufklärungsdrohnen vom Typ LUNA (Luftgestützte Unbemannte Nahaufklärungsausstattung) dürfen nun auch im UN-Einsatz in Mali starten. Am vergangenen  Mittwoch absolvierten sie ihren Erstflug bei Gao im Norden des westafrikanischen Landes, teilten die Bundeswehr und die Herstellerfirma EMT mit. Das unbemannte Luftfahrzeug mit der Seriennummer 255, dem Bundeswehr-Kennzeichen 90+98 und der UN-Kennung UNO-114P war dabei mehrere Stunden in der Luft.

Ein interessantes Detail am Rande: Nach Angaben der Bundeswehr brauchte die Drohne vor dem ersten Flug neben der üblichen deutschen Zulassung auch eine Zertifizierung der Vereinten Nationen, denen die Blauhelmmission MINUSMA in Mali untersteht. Die hätten die Genehmigung am 24. Juni  nach einem umfangreichen Zertifizierungsverfahren erteilt.

Das wird dann auch Bedeutung für den Plan haben, die weitaus größeren und weiter fliegenden Heron-Drohnen im Bundeswehreinsatz in Mali zu nutzen: Auch die brauchen dann, wenn auf deutscher Seite Leasingvertrag und Zulassung geklärt sind, eine UN-Zertifizierung.

(Foto: LUNA nach dem Erstflug bei der Landung – Bundeswehr)

DroneWatch: Luna am Boden

MARIENBERG/SACHSEN 10MAR2015 - Medientag beim Deutschen Gefechtsverband fŸr die NATO Response Force (NRF) und Interim Very High Readiness Response Force (VJTF) beim Panzergrenadierbataillon 371 in Marienberg/Sachsen Im Bild: Drohne LUNA (Foto Thomas Wiegold)

Ein Merkposten, damit es über das lange Wochenende nicht untergeht: Die Bundeswehr hat alle ihre Drohnen vom Typ Luna (Foto oben) vorerst gegroundet. In den vergangenen Tagen hatten die unbemannten Systeme bei Übungsflügen über Deutschland das Navigationssignal vom Satelliten verloren. Passiert ist nichts, die Drohnen gingen wie programmiert auf Truppenübungsplätzen nieder, wie das Heer mitteilte:

Einschränkung des Flugbetriebs der Nahaufklärungs-Ausstattung „LUNA“ weiterlesen

Unklare Meldungslage: US-Drohne über der Krim abgefangen? (Update)

Es ist ein weiteres Mosaiksteinchen in diesem Informationskrieg um die Ukraine und die Krim: Seit einigen Stunden gibt es Meldungen, über der Krim sei eine US-Aufklärungsdrohne vom Typ Hunter MQ-5B abgefangen worden (im Foto oben diese Drohne bei einem Trainingsflug in Bayern). Das Fluggerät soll bereits am (gestrigen) Donnerstag abgeschossen mit elektronischen Mitteln abgefangen worden sein und der 66th Intelligence Brigade gehören, die in Deutschland stationiert ist, meldet unter anderem eine russischsprachige Webseite (Gugel-Übersetzung hier). Quelle dafür ist offensichtlich ein Unternehmen, der russische Staatskonzern Rostec (auf dessen Website ich die Meldung allerdings nicht finden kann).

Es soll bereits das zweite Unmanned Aerial Vehicle der USA sein, das über der Krim verloren geht. Bei dem Hunter handelt es sich um eine unbewaffnete Aufklärungsdrohne.

Eine Bestätigung dafür gibt es bislang nicht; das Pentagon hat die Meldung laut US-Sender ABC dementiert. Auch gibt es bisher keine Fotos von einer abgeschossenen Drohne. Und ohne Beleg ist es vorerst wirklich nur Informationskrieg.

Update: Rostec weist inzwischen zurück, dass das Unternehmen gemeldet habe, mit ihrem System sei eine US-Drohne abgefangen worden, und weist die Verantwortung für die Meldung der (oben genannten) russischen Webseite zu.

(Foto: A U.S. Army Hunter MQ-5B Unmanned Aerial System (UAS) takes off for a training flight at the Hohenfels Training Area, Hohenfels, Germany, July 22, 2013 – U.S. Army photo by Staff Sgt. Caleb Barrieau, 7th Army Joint Multinational Training Command)

EuroHawk: Koalition sieht keine Holschuld des Ministers

EURO HAWK®

(Northrop Grumman Pressefoto)

Ob meine Berichterstattung von den Zeugenanhörungen des EuroHawk-Untersuchungsausschusses der Koalition nicht gefallen hat oder ob es schlichte Desorganisation in der Pressestelle ist: Zur heutigen Presse-Vorstellung des Bewertungsergebnisses, das CDU und FDP als Schluss aus der Ausschussarbeit ziehen, war ich nicht eingeladen. Aber es gibt ja auch in diesen Fraktionen Profis, deshalb hab‘ ich den Bewertungsteil auch so bekommen…

Zentrale Aussage der Koalition ist natürlich, dass dem heutigen Verteidigungsminister Thomas de Maizière nichts anzulasten ist:

Fest steht, dass auch in der Rückschau keine vorauseilende Holschuld des Ministers gegenüber den Fachabteilungen im Haus bestand. Politische Führung muss sich zum einen auf fachliche Expertise verlassen, zumal bei komplizierten Themen wie Zulassungsfragen komplexer Entwicklungsvorhaben. Zum anderen wurde mehrfach von Seiten der Fachabteilung darauf aufmerksam gemacht, dass Problemstellungen einer ordentlichen Lösung zugeführt werden. Dies änderte sich erst mit der Entscheidungsvorlage vom 13. Mai 2013. Erst hier wurde klar, dass aufgrund der validierten Schätzung der Mehrkosten für die Musterzulassung der Serie und nach Ausschluss alternativer Zulassungswege die Probleme mit Blick auf den gegebenen Kostenrahmen nicht mehr lösbar sind.

(Zum Lesen: EuroHawk_Bewertung_Koalition)

Nachtrag: Das ist ja eine sehr hübsche Meldung von heute (danke für den Leserhinweis!)

A Northrop Grumman Corp spokesman said that his company was making “a lot of progress” in talks with the German government about the country’s stalled purchase of four Euro Hawk UAS, and what is needed to certify their airworthiness.
“We’re continuing to try to work with the Germans to find a solution,” Tom Vice, President of Northrop’s Aerospace Systems Division, told reporters. “We’re continuing to have discussions. We’re making a lot of progress.”

Und noch ein Hinweis: Zusammen mit Kollegen von ZEIT Online habe ich mich durch die Dokumente gewühlt: Ein Traum von einer Drohne

 

EuroHawk: Hat die NSA geschlampt?

EuroHawk-Tasse

Es sind zwei der politischen Top-Themen dieses Sommers: Die Spähaffäre um den US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) und die gescheiterte Riesendrohne EuroHawk. Da wäre man als Journalist doch glücklich, könnte man beide Themen zusammen in einer Story unterbringen…

Genau das schien am (gestrigen) Mittwoch nach einer Zeugenanhörung im EuroHawk-Untersuchungsausschuss des Bundestages möglich. Hatte doch Detlef Selhausen, Leiter der Abteilung Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung (AIN) bei seiner Anhörung nicht beantworten können (oder wollen), warum Verzögerungen von Lieferungen der NSA für den EuroHawk zu Verzögerungen beim Gesamtprojekt geführt hatten.

Also NSA-Technik für die deutsche Riesendrohne? Hat die Bundeswehr die Abhörleitung für die amerikanischen Freunde gleich mitbestellt? US-Geheimdienst an Drohnenprojekt offenbar beteiligt, schrieb der Pressedienst des Bundestages; und die Reuters-Meldung NSA war auch an Euro-Hawk-Projekt beteiligt machte das Ganze so richtig publik.

Bei einer passenden Tasse Kaffee und einer Zigarette (Foto oben) habe ich mal drüber nachgedacht, warum mir dieser journalistische Kracher durchgegangen ist. weiterlesen

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