Morgen im Kabinett: Deutsche Marine soll Vernichtung syrischer Chemiewaffen sichern

Die bereits vor Wochen angekündigte Absicht der Bundesregierung, die Vernichtung syrischer Chemiewaffen auch militärisch abzusichern, soll am (morgigen) Mittwoch im Bundeskabinett auf den Weg gebracht werden. Die Ministerrunde will den Vorschlag für ein Mandat beschließen, über das dann der Bundestag entscheiden soll. Zum Begleitschutz der Vernichtung chemischer Kampfstoffe auf dem US-Spezialschiff Cape Ray soll die Fregatte Augsburg (Foto oben) eingesetzt werden, die dafür aus dem Einsatz- und Ausbildungsverband der Deutschen Marine herausgelöst wurde.

In einem Brief an die Bundestagsfraktionen hatten Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am (gestrigen) Montag die Absicht der Regierung erläutert:

Im Rahmen der gemeinsamen VN-/OVCW-Missionen zur Vernichtung der syrischen Chemiewaffen beabsichtigen die USA, die gefährlichsten chemischen Kampfstoffe aus syrischen Beständen auf hoher See durch Hydrolyse zu neutralisieren und so für die endgültige Entsorgung vorzubereiten. Die notwendige Absicherung des speziell umgerüsteten US-Schiffes Cape Ray soll während der Hydrolyse und auf ihren Transitfahrten im Mittelmeer und bei Bedarf im Nordatlantik mit angrenzenden Seegebieten in internationalen Gewässern durch multinationale Seestreitkräfte sichergestellt werden. weiterlesen

Die Kaperung der ‘Taipan’ 2010: Jesters Video

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Fast genau vier Jahre ist es her, dass somalische Piraten das deutsche Containerschiff Taipan angriffen und in ihre Gewalt brachten. Nur für ein paar Stunden an jenem Ostermontag, 5. April 2010 – dann stürmten Soldaten der niederländischen Fregatte Tromp das Schiff und nahmen zehn Piraten fest. Sie wurden im Oktober 2012 nach einem langwierigen Prozess vom Landgericht Hamburg zu Haftstrafen verurteilt.

Die Rolle der Niederländer bei der Befreiung der Taipan wurde immer wieder geschildert – vielleicht auch deshalb, weil die niederländische Marine sehr bald nach diesem Einsatz ein Video der Aktion veröffentlichte (siehe unten). Die Rolle der Deutschen Marine blieb dagegen in der öffentlichen Wahrnehmung immer im Hintergrund, obwohl ein Seefernaufklärer vom Typ Orion P-3C aus Nordholz, Funkrufname Jester, bei der Aktion eine entscheidende Rolle spielte: Die Besatzung des Flugzeugs beobachtete (und meldete) nicht nur den Piratenangriff in Echtzeit, sondern blieb bis zur Befreiungsaktion on station und lieferte so dem niederländischen Boardingteam wertvolle Informationen.

Das Videomaterial dieses Angriffs hat die Deutsche Marine nun, vier Jahre später, in einer nicht eingestuften Fassung veröffentlicht: weiterlesen

Merkposten: ‘Alster’ auf dem Weg ins Mittelmeer

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Bislang ist es nur Routine: Das Flottendienstboot Alster der Deutschen Marine ist derzeit auf dem Weg ins Mittelmeer (auf der Karte oben die Position am Sonntagvormittag vor der portugiesischen Küste). Nichts Ungewöhnliches, in der jüngeren Vergangenheit waren immer wieder diese Schiffe, die vor allem der elektronischen Aufklärung dienen, im östlichen Mittelmeer unterwegs – kurz nach dem Auslaufen von Zypern verschwand dann jeweils ihr AIS-Signal, was auf einen Einsatz vor der syrischen Küste hindeutete.

Auf die aktuelle Transitfahrt der Alster bin ich durch eine Nachricht des Kollegen Frank Behling von den Kieler Nachrichten gestoßen, der den Einsatz vorsichtig in einen Zusammenhang mit der Lage in der Ukraine stellt. Das ist noch ein bisschen früh – interessant wird die Frage, ob die Alster im Mittelmeer bleibt oder den Bosphorus Richtung Schwarzes Meer passiert. Und das wird sicherlich nicht unbeobachtet geschehen.

(Karte: OpenStreetMap - das AIS-Signal der Alster lässt sich auf marinetraffic.com verfolgen; die dort zu Grunde liegende Google-Karte schafft bei Verwendung hier allerdings rechtliche Probleme.)

‘Niedersachsen’ stoppt Piraten vor der Küste (Update mit Bundeswehr-Infos)

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(Entschuldigung für die leicht irreführende Überschrift…)

Vom Anti-Piraterieeinsatz der Deutschen Marine vor der Küste Somalias ist in jüngster Zeit recht wenig zu hören, deshalb ist diese Geschichte um so interessanter: Die deutsche Fregatte Niedersachsen hat am vergangenen Dienstag Piraten daran gehindert, von Somalia aus in See zu stechen. Bei Annäherung der Fregatte habe die Besatzung zweier kleiner Boote, eines so genannten Whalers und eines Skiffs, typische Piraten-Ausrüstung wie Leitern über Bord geworfen (Foto oben; Bilder in besser Qualität sind versprochen), berichtet die EU-Antipirateriemission Atalanta. Nach Angaben der Bundeswehr gaben die mutmaßlichen Seeräuber auf, als ein Speedboat mit dem Boarding-Team der Fregatte eines der Boote näher inspizieren wollte:

Die Fregatte „Niedersachsen“ befand sich auf Patrouillenfahrt vor der somalischen Küste in der Nähe eines vermuteten Piratencamps. Parallel dazu war bereits der bordeigene Hubschrauber zur Aufklärung in der Luft und entdeckte ein verdächtiges Boot.
Es handelte sich um einen sogenannten „Whaler“ (Kleinboot), das ein Skiff hinter sich herzog. Es war ersichtlich, dass sich keine Fischereiausrüstung an Bord befand, sondern Leitern und mehrere Fässer mitgeführt wurden.
Da sich die Hinweise auf Piraterie erhärteten, fuhr die Fregatte bis auf eine nautische Meile an die Küste heran und bereitete ein Boarding vor. weiterlesen

Waffen am Sonntag: Atombomben, U-Boote, Fregatten

US Navy 040621-N-5539C-001 Chilean Submarine CS Simpson (SS-21) prepares to render honors to the USS Arizona Memorial as the submarine pulls into port in Pearl Harbor, Hawaii

An diesem Sonntag gibt’s gleich drei Meldungen zu Waffensystemen, die Bedeutung für die deutsche Politik haben: Die Modernisierung von US-Atomwaffen – auch in Deutschland; ein möglicher Export von U-Booten nach Saudi-Arabien und (weiterer) Detail-Ärger mit der Fregatte 125.

• Atomwaffen: Durch einen Spiegel-Bericht kommt nun auch hier zu Lande in die Diskussion, was in den USA schon seit einiger Zeit debattiert wurde und zuletzt in der vergangenen Woche in einem Unterausschuss des US-Kongresses zur Sprache kam: Die geplante Modernisierung amerikanischer Atombomben kann offensichtlich dazu führen, dass damit neue Fähigkeitsprofile geschaffen werden – auch für die in Deutschland stationierten Waffen, für die im Rahmen der so genannten nuklearen Teilhabe der Transport mit Tornado-Kampfbombern der Bundeswehr vorgesehen ist.

Etwas genauer erklärt hat das der US-Wissenschaftlerverband Federation of American Scientists hier – unter anderem mit der Schlussfolgerung: weiterlesen

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