Chinesische Blauhelme in Mali: Fehlen da 21 Tonnen Waffen und Munition?

Die Geschichte von Reuters scheint es bislang nicht auf Deutsch zu geben – dabei ist sie schon spannend: Auf dem Weg aus China nach Mali sind bei der Lieferung von Waffen und Munition für chinesische Blauhelme, so haben UN-Experten herausgefunden, so etwa 21 Tonnen verschwunden. Irgendwo auf dem Transportweg über die Elfenbeinküste. Gegen die es ein UN-Waffenembargo gibt. Und das Außenministerium in Peking sagt, da fehle nichts – die 21 Tonnen seien ja Güter des täglichen Bedarfs für seine Soldatinnen und Soldaten in der MINUSMA-Mission gewesen.

Alles sehr verwirrend. Und von Reuters schön hier aufgeschrieben (trotz der langweiligen Überschrift):

UN should halt arms shipments via Ivory Coast after China breach – panel

(Foto: Chinesische Soldatinnen der MINUSMA-Mission in Gao, Januar 2014 – MINUSMA/Marco Dormino)

Wo deutsche Waffentechnologie floriert: China

Chinese Kilo in service

Wer sich für die militärische Aufrüstung Chinas und die sicherheitspolitische Lageentwicklung in Fernost interessiert, hat wahrscheinlich schon längst die Serie Breakout – Inside China’s Military Buildup im Auge, in der sich die Nachrichtenagentur Reuters der Entwicklung der Rüstung im Reich der Mitte widmet. Aber nicht nur für Fernost-Kenner und China-Experten ist die jüngste Folge dieser Serie von Interesse.

Die Überschrift elektrisiert in dem Zusammenhang schon ein wenig: Made in Germany. Eine Kernaussage:

Some of China’s best attack and transport helicopters rely on designs from Eurocopter, a subsidiary of pan-European aerospace and defense giant EADS.
But perhaps the most strategic item obtained by China on its European shopping spree is below the waterline: the German-engineered diesels inside its submarines.

Auch wenn es ein EU-Waffenembargo gegen China gibt: Da scheint was zu gehen, mit Dual-Use-Technologie.

(An der Geschichte war übrigens auch die deutsche Reuters-Kollegin Sabine Siebold beteiligt, von der ich hier schon mehrfach Geschichten verlinkt habe. Leider scheint Reuters Deutschland von dieser Serie keine deutsche Fassung anzubieten?)

(Foto: Chinesisches U-Boot der Kilo-Klasse – Wikimedia Commons unter CC-BY-SA-Lizenz)

Besorgter US-Blick nach China – es geht nicht nur um Hacker

US Navy 060906-N-0879R-007 Sailors aboard the Chinese Navy destroyer Qingdao (DDG 113) stand at attention as visitors board the ship for a tour

Das US-Verteidigungsministerium hat seinen aktuellen Bericht zur Lage und (amerikanischen) Bewertung der Streitkräfte Chinas vorgelegt. Dabei konstatieren die USA vor allem mit Besorgnis die Modernisierung der chinesischen Streitkräfte, und das gilt nicht allein für die vermuteten (oder beobachteten) Cyberwar-Kapazitäten Chinas. Besorgt äußern sich die USA zudem nicht nur wegen der Modernisierung an sich, sondern auch, weil dieser Prozess im Unterschied zu westlichen Demokratien nicht transparent ablaufe.

Aus Zeitgründen muss ich es bei einem Hinweis belassen, den Bericht selbst gibt es hier zum Herunterladen. Die Meldung des Pentagon dazu hier (einschließlich Transkript).

(Foto: Pearl Harbor, Hawaii, Sept. 6, 2006 – Sailors aboard the Chinese Navy destroyer Qingdao (DDG 113) stand at attention as visitors board the ship for a tour. The ship arrived in Pearl Harbor along with the oiler Hongzehu  for a routine port visit – U.S. Navy photo by Chief Mass Communication Specialist David Rush via Wikimedia Commons)

 

Unter dem (Wahrnehmungs)Radar: Indien will Airbus-Tanker


Ein Airbus A330 MRTT bei der Luftbetankung einer F-16 (Foto: EADS via flickr)

Die Diskussion über Rüstungsexporte ist in Deutschland bisweilen schon etwas merkwürdig. Ein möglicher Export von rollenden Chemielaboren auf einem geschützten Transportfahrzeug nach Saudi-Arabien sorgt hier zu Lande für aufgeregte Debatten über die Frage Spürpanzer für die Saudis (obwohl Spür-Dingos mit dem Aufregerbegriff Panzer herzlich wenig zu tun haben und die Dinger für offensive Operationen ebenso wenig taugen wie zur Aufstandsbekämpfung) – Rüstungsdeals von weit reichender strategischer Bedeutung werden dagegen praktisch nicht wahrgenommen.

Zum Beispiel der Wunsch Indiens, vom europäischen (und signifikant deutschen) Luftfahrtkonzern EADS Airbus-Tanker des Typs A330 MRTT (Multi Role Transport Tanker) für seine Luftwaffe zu ordern, wie die Times of India Ende vergangener Woche berichtete:

India has selected the European Airbus-330 MRTT over the Russian Ilyushin-78 mid-air refuelling aircraft in an Rs 8,500-crore contract.
Defence ministry sources on Thursday said the European Aeronautics Defence and Space Company (EADS) “is now being called for the final commercial negotiations” for acquisition of six Airbus-330 MRTT tankers.

Nun sind Tankflugzeuge in der Wahrnehmung vielleicht nicht so kriegerisch wie Kampfpanzer, das ist allerdings ziemliches Kalter-Kriegs-Denken. Fliegende Tankstellen geben der indischen Luftwaffe eine strategische Reichweite, die aus Sicht Neu Delhis insbesondere an einer sich entwickelnden Konfliktgrenze von Bedeutung wird: IAF’s Sukhoi-30MKI fighters, which have a cruising speed range of 3,200-km, for instance, can strike high-value targets deep inside China with in-flight refuelling.

Dazu passt auch der Blick von der anderen Seite:

In recent Chinese CCTV military news report, China has develop a new air combat simulation system for PLA Air Force. It is interesting that TV screen show that the single unit of simulation is marked with Chinese and Indian national flags. This may indicate that Chinese Air Force has eyed Indian air power as its main counterpart.

 

EADS/BAe: China, China, China

Auf die angestrebte Fusion von EADS und British Aerospace (BAe), mit der unter anderem ein neuer Rüstungsgigant entstehen könnte, bin ich bislang hier kaum eingegangen: Im Moment ist das eher eine Geschichte für Analysten und die Wirtschafts-Profis. Ein Punkt ist mir allerdings aufgefallen, und das notiere ich nur mal als Merkposten.

Die Süddeutsche Zeitung erwähnt das heute eher nebenbei, bei der Bewertung der politischen Bedenken:

Man ist sich in Berlin und Paris nicht sicher, ob ein Gemeinschaftsunternehmen aus EADS und BAe auf den großen Rüstungsmärkten USA und China – wie erhofft – besser positioniert wäre.

Prominenter hat die Financial Times Deutschland vergangene Woche diesen Punkt hervorgehoben:

Europas Regierungen haben sich noch nicht entschieden, ob sich EADS mit BAE Systems zu einem Riesen-Luftfahrt- und Rüstungskonzern zusammenschließen soll, da winkt China schon als potenzieller künftiger Großkunde. Der scheidende chinesische Regierungschef Wen Jiabao erneuerte am Donnerstag auf einem EU-China-Gipfel in Brüssel die Forderung, dass Europa das Waffenembargo endlich aufheben soll.

Zur Erinnerung: Das Waffenembargo der EU gegen China war 1989 nach dem Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens verhängt worden. Für eine Aufhebung dieses Embargos hatte sich bereits – erfolglos – 2004 der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder eingesetzt. In Wahrheit geht es Schröder ums Geschäft, urteilte der Spiegel nach Schröders Vorstoß.

Eine Veränderung dieses Embargos kann so eigentlich nur im Lichte der Fusionsentscheidung in den beteiligten EU-Hauptstädten gesehen werden. Interessant wird deshalb jetzt zu beobachten, was mit diesem Embargo passiert – und zeitgleich die politische und wirtschaftliche Entwicklung der geplanten Fusion zu betrachten. Das ist dann nämlich nicht mehr nur ein Thema für Analysten und Wirtschaftsprofis.

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