Geschichten aus Afghanistan

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Die Zahl deutscher Journalistinnen und Journalisten, die ständig in Afghanistan leben und von dort berichten, ist, nun, extrem überschaubar (insbesondere verglichen mit der Zahl der Reporter aus den USA und Großbritannien). Deshalb ist es um so bedauerlicher, dass Ronja von Wurmb-Seibel, eine frühere Zeit-Redakteurin, in diesem Blatt zwar bis vor kurzem schrieb – aber: Meine Kolumne aus Kabul erschien sechs Monate lang wöchentlich in der ZEIT. Nach dem Tod von drei Journalisten in Afghanistan wurde sie eingestellt, teilt die Autorin lapidar auf ihrer Webseite mit.

Das hindert Wurmb-Seibel aber nicht daran, ihre Geschichten mit dem scharfen Blick auf den afghanischen Alltag weiter zu erzählen. Auf eigene Rechnung, auf ihrer eigenen Plattform. Und mit dem Wunsch, dass den Lesern diese Geschichten auch etwas Wert sind – denn einen zahlenden Kunden für ihre regelmäßige Kolumne hat sie nicht mehr:

Ich lebe in Kabul und möchte die Geschichten weiterhin schreiben. Ab jetzt finden Sie hier jede Woche, freitags, eine neue Ausgabe meiner Kolumne – für je einen Euro. weiterlesen

Von Besuchten und Intervenierten: Die Afghanistan-Debatte in Deutschland

Bevor wir alle (hoffentlich) in ein low ops Wochenende gehen, möchte ich den Lesern hier noch ein Buch fürs trübe Wochenendwetter vorschlagen: Es heißt ganz schlicht Deutschland in Afghanistan und ist eine vom Soziologen Michael Daxner herausgegebene Textsammlung, in der es vor allem um die deutsche Sicht auf und deutsche Debatte über den Afghanistan-Einsatz geht.

Manches ist einfach nur nett zu lesen, wie die Schilderung des Grünen-Bundestagsabgeordneten Tom Koenigs (Foto oben), der als Leiter der UN-Mission in Afghanistan zu den Besuchten am Hindukusch gehörte, als MdB aber auch die andere Seite kennt:

Feld- und Truppenbesuche deutscher Politiker sind zu einem wichtigen Bestandteil politischer Arbeit geworden. Früher waren es nur die ganz Harten. Seit deutsche Soldaten im Balkan, am Hindukusch, in Afrika kämpfen, gehören sie zum guten Ton. Dauert der Einsatz lange genug, kommt auch der letzte Hinterbänkler. (…) weiterlesen

RC N Watch: ISAF-Stützpunkt in Nordafghanistan angegriffen (Neufassung)

Khilagay_DBwV_2010

Der Combat Outpost Khilagay in der nordafghanischen Provinz Baghlan, der letzte Stationierungsort deutscher Soldaten in Afghanistan außerhalb der Basis Masar-i-Scharif, ist am Samstag erneut von Aufständischen angegriffen worden. Deutsche Soldaten wurden nicht verwundet, als Aufständische zwei Mörsergranaten auf den Stützpunkt (oben ein Archivbild von 2010) abfeuerten, wie die Bundeswehr mitteilte:

Am 05.April gegen 13.55 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit (17.25 Uhr afghanischer Ortszeit), kam es zu einem Beschuss des ISAF-Stützpunktes Khilagay, circa 10 Kilometer südostwärts von Pol-i Khomri.
Es wurden zwei Mörsergranaten auf den Stützpunkt abgefeuert, wovon eine circa 100 Meter ostwärts des Lagers und eine Granate im deutschen Teil der Liegenschaft einschlug.
Es wurde kein deutscher Soldat verletzt. weiterlesen

(Bislang) ein Zeichen der Hoffnung: Wahlen in Afghanistan

In Afghanistan haben am (heutigen) Samstagmorgen die Präsidentschaftswahlen begonnen, bei denen ein Nachfolger für Hamid Karzai (Video unten, bei der Stimmabgabe) gefunden werden soll. Und trotz der Gewalt, die den Wahlkampf zuvor begleitet hat, und einzelnen Auseinandersetzungen in den Provinzen scheint sich eines abzuzeichnen: Die Afghanen wollen einen demokratischen Übergang zu einem neuen Staatschef, das erste Mal, und sie lassen sich auch von Gewaltdrohungen Aufständischer nicht davon abhalten.

Die Ereignisse im Land lassen sich sehr schön im Liveticker der Kollegen vom Wall Street Journal verfolgen, oder beim afghanischen Sender TOLONews.

Nachtrag: Am Nachmittag gab es immer mehr Meldungen, dass in vielen Wahllokalen keine Stimmzettel mehr vorhanden seien – ob das auf eine unerwartet hohe Wahlbeteiligung oder aber auf Versuche der Wahlfälschung zurückzuführen ist, blieb vorerst unklar. Dieses (technische) Problem scheint die Legitimität der Wahlen mehr zu bedrohen als vereinzelte Gewaltakte gegen Wahllokale und Wähler.

(Foto oben: In einem Wahllokal in Kabul – Fardin Waezi/UNAMA)

Aus dem endlosen Twitter-Bilderstrom vom Hindukusch, in dem immer wieder Wählerinnen (!) und Wähler ihren zum Beweis der Stimmabgabe mit Tinte markierten Finger vorzeigen, blende ich hier unten einige Beispiele ein. weiterlesen

Die NATO stoppt Zusammenarbeit mit Russland? Nicht überall…

Trotz des Beschlusses der NATO-Außenminister, jegliche praktische zivile und militärische Zusammenarbeit mit Russland auszusetzen, wird die Brücke der Freundschaft (Foto oben) noch weiter gebraucht: Der Abtransport von Material der NATO-Truppen in Afghanistan durch Russland wird ungeachtet aller markigen Worte weiterlaufen, wie die US-Soldatenzeitung Stars&Stripes berichtet:

NATO will continue to cooperate with Russia on projects related to Afghanistan, despite the alliance’s vow to suspend most ties with Moscow because of its annexation of Crimea, diplomats said Wednesday. weiterlesen

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