Ein deutscher Ansatz für “Lessons learned”, in Afghanistan ein Abkommen mit einem Warlord

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Was haben die Bundeswehr und die deutsche Politik aus dem mehr als ein Jahrzehnt dauernden Einsatz in Afghanistan gelernt? Eine wirkliche Bewertung, ein systematisches lessons learned nicht nur im Militär, sondern in der Politik insgesamt fehlt bislang. Einen ersten Versuch, die richtigen Fragen an das deutsche Engagement am Hindukusch zu stellen, haben der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels, der frühere General Klaus Wittmann und der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Oberstleutnant André Wüstner, gestartet.

Ein so großer Einsatz wie ISAF muss künftig wesentlich besser koordiniert und geführt werden, ist eine zwar banal klingende, aber dennoch sehr grundlegende Erkenntnis, die die drei Autoren in ihrem Papier Aus Afghanistan lernen genannt haben. Auftrags- und Zielklarheit seien, so beklagen sie, sowohl bei den militärischen als auch den zivilen Akteuren Mangelware gewesen. weiterlesen

Lesetipp: “Im Zermürbungskrieg gegen die Taliban”

Auch wenn es hier in der Regel keine Links zu deutschen Verlagswebseiten gibt: Die Reportage von Marco Seliger in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus Kundus im Norden Afghanistans muss ich, ausnahmsweise abweichend von dieser Praxis, nicht nur empfehlen, sondern auch verlinken.

Also der Lesetipp: Im Zermürbungskrieg gegen die Taliban

Lesetipp: So sieht’s in Kundus aus

Für diejenigen hier, die sich noch für Afghanistan interessieren… ein Lesetipp: das Afghanistan Analysts Network (AAN) hat einen genaueren Blick auf die Situation in Kundus im Norden Afghanistans geworfen. Und dieser Blick fällt sehr ernüchternd aus:

Far From Back to Normal: The Kunduz crisis lingers on

The Taleban’s recent takeover of both Qala-ye Zal and Dasht-e Archi’s district centres is the latest episode in the long-running battle for possession of Kunduz province. It follows the spectacular takeover of Kunduz’s provincial centre by insurgents in late September 2015, the hard-won recapture by pro-government forces two weeks later and the government’s unsuccessful counter-offensive in the province’s districts.

Lage in Afghanistan: Deutsche in Kundus, ISIS-Anschlag in Kabul – und die Folgen (Nachtrag: UN-Bericht)

Am Wochenende gab es in Afghanistan den folgenschwersten Anschlag seit dem Ende der Taliban-Herrschaft 2001, mit mindestens 80 Toten – aber im Westen und vor allem in Deutschland sind andere Anschläge, wenig erstaunlich, näher liegend und damit mehr im Mittelpunkt des Interesses. Um so wichtiger ist der Blick auf das Land am Hindukusch und die internationalen Truppen dort: oben verlinkt ein Bericht der ARD-Tagesthemen.

Auch für die Bundeswehr wird von Bedeutung sein, über den anhaltenden Kampf gegen Taliban und verwandte Gruppierungen hinaus, was der Anschlag vom Wochenende bedeutet: Denn dafür haben die ISIS-Terrormilizen, der selbst ernannte Islamische Staat, die Verantwortung übernommen. Und das dürfte Folgen für den Einsatz der internationalen Truppen haben, wie USA Today berichtet: weiterlesen

Gipfelbeobachtung: Weiter geht’s in Afghanistan

NATO Secretary General meets with the President and the Chief Executive of Afghanistan - NATO Summit Warsaw

Die Staats- und Regierungschefs der NATO haben sich am (heutigen) Samstag beim Gipfeltreffen in Warschau darauf verständigt, die Mission der Allianz in Afghanistan, Resolute Support, über dieses Jahr hinaus wie bisher fortzusetzen und nicht wie geplant ihr Engagement am Hindukusch zu reduzieren. Die Entscheidung war absehbar, spätestens nachdem US-Präsident Barack Obama in dieser Woche angekündigt hatte, die US-Truppenstärke im Land geringer als zunächst vorgesehen zu reduzieren (Instead of going down to 5,500 troops by the end of this year, the United States will maintain approximately 8,400 troops in Afghanistan into next year).

Der wesentliche Grund dafür liegt natürlich darin, dass die afghanischen Sicherheitskräfte zwar formal die Verantwortung für die Sicherheit des Landes haben – aber nach wie vor nicht in der Lage sind, das ohne äußere Hilfe auch sicherzustellen. Im vergangenen Jahr war das unter anderem mit der vorübergehenden Eroberung der nordafghanischen Provinzhaupstadt Kundus durch die Taliban deutlich geworden.

Deshalb sieht die Gipfel-Erklärung von Warschau nicht nur vor, die ausländischen Truppen länger im Land zu lassen. Zugleich wird auch die Unterstützung für die afghanische Armee und Polizei bis 2020 versprochen: weiterlesen

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