Frankreich blockierte deutschen General als neuen Vorsitzenden des EU-Verteidigungsausschusses

Trotz aller Bemühungen um eine Zusammenarbeit in der europäischen Verteidigungspolitik ist die Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich nicht ohne Schwierigkeiten. Anfang November blockierte Frankreich die Wahl des deutschen Generalleutnants Erhard Bühler zum neuen Vorsitzenden des EU-Militärausschusses – indem entgegen vorheriger Absprachen kurzfristig ein französischer General für den Posten nominiert wurde. Ein entsprechender Bericht des Spiegels wurde Augen geradeaus! aus Verteidigungskreisen bestätigt.

Für die Wahl des Nachfolgers des bisherigen Vorsitzenden des EU Military Committee, des Griechen Mikhail Kostarakos, hatte Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker bei seinen Kollegen aus den anderen EU-Staaten für Bühler geworben, der derzeit die Planungsabteilung des Verteidigungsministeriums leitet und damit auch für Projekte der europäischen Zusammenarbeit zuständig ist. Kurzfristig und offensichtlich ohne vorherige Ankündigung nominierte dann Frankreich den derzeitigen Kommandeur des NATO-Kommandos für Transformation in Norfolk, General Denis Mercier.

Bei der Wahl hatte dann allerdings keiner der beiden Kandidaten aus den beiden großen EU-Ländern eine Mehrheit. Nach Informationen von Augen geradeaus! erhielt Bühler war doppelt so viele Stimmen wie Mercier, aber nicht genug, um zum neuen Vorsitzenden gewählt zu werden. Die Generalstabschefs (Chiefs of Defence) der Mitgliedsländer entschieden sich daraufhin für den italienischen General Claudio Graziano.

Unklar bleibt, ob die Nominierung Merciers als gezielte Aktion zu sehen ist oder ob nach dem Rücktritt des franzöischen Generalstabschefs Pierre de Villiers im Juli  und Ernennung eines Nachfolgers zuvor getroffene Absprachen aus internen französischen Gründen nicht eingehalten wurden.

(Danke für den Leserhinweis auf die Spiegel-Meldung)

(Archivbild 2011: Der damalige KFOR-Kommandeur Erhard Bühler (r.) mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle am 11. August an einem der Ende Juli verwüsteten Grenzübergänge zwischen dem Kosovo und Serbien –  Thomas Imo/photothek.de)

40 Kommentare zu „Frankreich blockierte deutschen General als neuen Vorsitzenden des EU-Verteidigungsausschusses“

  • Klauspeterkaikowsky   |   01. Dezember 2017 - 20:45

    Das wird die erste Ausnutzung der Schwäche einer geschäftsführenden Regierung darstellen.
    Das MC: „The EUMC provides the Political and Security Committee (PSC) with advice and recommendations on all military matters within the EU“.
    Da hat gerade Frankreich sicherlich gern jemanden in Stellung, der politisch UND militärisch etwas in der Hinterhand hat.

  • politisch inkorrekt   |   01. Dezember 2017 - 21:03

    Europa sagen und Frankreich meinen.

    Die Franzosen können das einfach besser und werden uns immer über den Tisch ziehen. Und warum? Weil wir es mit uns machen lassen.

    pi

  • Thomas Melber   |   01. Dezember 2017 - 21:18

    @KPK
    Es ist aber ein Italiener geworden, so wie ich das verstehe.

  • T.Wiegold   |   01. Dezember 2017 - 21:21

    In der Tat, steht auch im Text, dass der neue Chairman ein italienischer General ist…

  • Klauspeterkaikowsky   |   01. Dezember 2017 - 21:40

    Hab ich Anderes behauptet? Der DEU Kandidat kam nicht zum Zug, mit FRA „Hilfe“.

  • Germany First   |   01. Dezember 2017 - 21:47

    Deutschland hat in den letzten vier Jahren rapide an Reputation in Bündnissen verloren und das lässt man uns spüren.

    Die Nummer, dass eigentlich Deutschland zustehende Führungspositionen plötzlich an Italiener gehen, ist ja nicht neu. Man erinnere sich nur daran, dass der Posten/Erbhof Befehlshaber Allied Joint Force Command Brunssum nach der Pensionierung von General Domröse auch an die Italiener ging.

    Neu an dieser Nummer ist lediglich, dass das, was seit Jahren in der Nato abgeht, jetzt auch in EU-Sicherheitsstrukturen mit Deutschland gespielt wird. Man nimmt uns nicht mehr für voll und verhindert daher Germany First bei der Postenvergabe. Wir müssen uns wohl oder übel selbst um Reputation und Einfluss in der Welt kümmern, denn wie wir sehen, ziehen die anderen nicht an unserem Strick.

    Deutschland müsste also zuerst mal seinen Laden in Ordnung bringen und ggf. sogar aus dem Stehgreif so begrenzt komplexe Aufgaben wie Logistik übernehmen können, bevor man uns wieder ernst nimmt. Niemand verlangt mehr von Deutschland, komplexe Dinge wie Flugzeuge oder Hubschrauber bauen zu können, selbst die Panzer gibt’s bald aus Frankreich. Aber ein paar Eisenbahnwagen und LKWs wird der deutsche Michel doch wohl auf die Kette kriegen, man kann ja Stuttgart 24 meiden und Luftverkehr muss ja auch nicht über Berlins unfertigen Hauptstadtflughafen gehen.

    Schnitt ///
    Zum Bild: Hat es Bühler wirklich verdient, zusammen mit dem schlechtesten Außenminister aller Zeiten öffentlich kommuniziert zu werden??? Ist doch eigentlich ein guter Mann, also der Bühler. Auch wenn Gabriel sich sichtlich bemüht, an die Minderleistungen von Westerwelle kommt er noch nicht ran.

  • closius   |   01. Dezember 2017 - 21:55

    Der Vorfall bestätigt nur, daß es mit der deutsch-französischen Zusammenarbeit in Sachen Sicherheitspolitik nicht weit her ist. Gerade mehr Europa fordern und gleichzeitig Deutschland bei einem militärischen Posten in den Rücken fallen, spricht nicht für die Glaubwürdigkeit des französischen Präsidenten.

    Schlimm ist, daß der deutschen Regierung der Mut fehlt, ein solches Fehlverhalten von Frankreich öffentlich anzuprangern oder das nächste Mal Revanche zu nehmen, wenn Frankreich einen Posten will.

    Auch ansonsten funktioniert nichts in der militärischen Zusammenarbeit mit Frankreich. Der A 400 M fliegt meistens nichts, das Eurokorps ist ein Stab, der nie zum Einsatz kommt, ‚Tiger und NH 90 fliegen meist auch nicht oder nur in geringen Stückzahlen…und für die Deutsch-Französische Brigade gibt es kein Konzept, was diese soll. Entweder müsste die Brigade gemeinsam im Baltikum eingesetzt werden oder in Afrika. In der Regel geht diese nicht gemeinsam in den Einsatz, Waffen und Ausrüstung sind völlig unterschiedlich, statt vereinheitlicht.

  • Micha   |   01. Dezember 2017 - 22:03

    Wir haben halt kein Interesse daran, konsequente (und hardwaretechnisch unterfütterte) Sicherheitspolitik zu machen.

    Ganz einfach.

  • T.Wiegold   |   01. Dezember 2017 - 22:10

    Ehe das jetzt hier in eine Debatte über das Bild ausartet: Die verfügbaren Fotos von Bühler sind sehr überschaubar.

    Wenn jetzt, wie bisweilen gerne hier, ein Randthema in den Fokus gezogen werden soll, werde ich entsprechend eingreifen. Ganz abgesehen davon, dass dieser Pöbelton hier nicht gerne gesehen ist.

  • Elahan   |   01. Dezember 2017 - 22:36

    @Germany First

    „Deutschland hat in den letzten vier Jahren rapide an Reputation in Bündnissen verloren und das lässt man uns spüren“

    An was machen Sie das fest?
    Meine Wahrnehmung ist da eine andere. Das Ansehen von DEU ist im Ausland viel besser als in DEU selbst.

    Das was wir machen machen wir gut ob es am Ende einen Mehrwert hat ist was anderes, aber das ist ja selbst bei den USA nicht gegeben.

    Viele vergessen, dass auch unsere EU Partner stark abgerüstet haben, gerade FR.
    Aber alle anderen machen alles besser.

    Deutschland muss viel verbessern und neu denken, aber die anderen stehen oft noch unter viel größeren Herausforderungen. Viele hätten gerne unsere Probleme.

  • S.Eb   |   01. Dezember 2017 - 22:55

    Klingt alles sehr schlau daher geredet.
    Es gab auch noch andere Kandidaten die sich nicht durchsetzen konnten. Diese hatten jedoch alle etwas gemeinsam, was Herrn General Bühler fehlt – sie sind CHODs.
    Also vielleicht eher als aussichtslose Kandidatur zu sehen und mit der interessanten Folgefrage – was heißt das nun für Bühler – schließlich scheint er ja für vier ⭐️⭐️⭐️⭐️ In Frage zu kommen.

  • mwk   |   01. Dezember 2017 - 23:05

    Sollte es wider Erwarten eine Anfrage an FRA geben, vermute ich eine diplomatisch Argumentation, die die Verbundenheit unserer Länder in den Vordergrund stellen wird :) Dennoch wird der Trittt gegen das Schienbein dort angekommen sein, wo er treffen sollte. Wie ich zu dem Artikel über Verteidigungsaufgaben kommentiert habe – wenn es um nationale Interessen geht, ist es mit der europäischen „Freundschaft “ ist es nicht weit her. Deutsche Politik hat in den letzten Jahren bewiesen, dass sie ausser einem erpressten Abnicken oder einen selbstständigen Kuschelkurs ggü. jeglicher sicherheitsppolitiischen Herausforderung nichts gebacken bekommt, oder die Problematik sogar noch verschärft. (2015 ff) Nach dem sich DEU sogar die Kernfähigkeit Panzer aus der Hand hat nehmen lassen, ist wohl auch der letzte Respekt verloren gegangen.

  • T.Wiegold   |   01. Dezember 2017 - 23:08

    @S.eb

    Nur zur Erinnerung: Mercier ist auch nicht CHOD. Insofern ist Ihr Einwand zwar richtig, aber an dieser Stelle auch nicht wirklich von Bedeutung.

  • klabautermann   |   02. Dezember 2017 - 2:23

    Tja, wenn Berlin nicht völlig das Gesicht verlieren will, dann wird Bühler wohl der neue GI……..

  • T.Wiegold   |   02. Dezember 2017 - 8:42

    So, nun ist gut. Wer den hier geschilderten Punkt missbrauchen will für die Verbreitung seiner Thesen, Deutschland sei so isoliert wie zuletzt 1912 und selbst die Japaner schauten mit Verachtung auf Deutschland, möge dafür die einschlägigen Internetforen nutzen. Hier findet das nicht statt.

  • Hacketauer   |   02. Dezember 2017 - 8:56

    Der angebliche Erbhof des COM JFCBS ist gemäß PE (quasi NATO STAN) turnusmäßig an ITA gegangen. Das ist nämlich ein sogenannter Rotational Post. Im Zweierrotation zwischen DEU und ITA. Deswegen hat DEU ja auch derzeit den DP als Deputy SACT.

  • Thomas Melber   |   02. Dezember 2017 - 9:40

    @Hacketauer
    Dann stellt sich die Frage: wollte DEU ITA „ausbooten“? Mit FRA Ustg?

  • Elahan   |   02. Dezember 2017 - 10:01

    @mwk

    „Sollte es wider Erwarten eine Anfrage an FRA geben, vermute ich eine diplomatisch Argumentation, die die Verbundenheit unserer Länder in den Vordergrund stellen wird :) “

    Zur Erinnerung FR hat seinen Kandidaten nicht in Position gebracht und EU-Verteidigungsausschuss besteht nicht aus FR und DEU. Demokratie kann so überraschend sein.

    Dennoch wird der Trittt gegen das Schienbein dort angekommen sein, wo er treffen sollte. Wie ich zu dem Artikel über Verteidigungsaufgaben kommentiert habe – wenn es um nationale Interessen geht, ist es mit der europäischen „Freundschaft “ ist es nicht weit her. “

    Was ist daran so schlimm, wenn andere EU-Staaten ihre Personen versuchen in Position zu bringen? Warum wird da gleich die Beziehung von Staaten in Frage gestellt?

    „Deutsche Politik hat in den letzten Jahren bewiesen, dass sie ausser einem erpressten Abnicken oder einen selbstständigen Kuschelkurs ggü. jeglicher sicherheitsppolitiischen Herausforderung nichts gebacken bekommt, oder die Problematik sogar noch verschärft.“

    So ist das wenn man nationale Interessen in einer Demokratie verfolgt. Auch da zur Erinnerung, die Deutschen halten wenig von den scheinbar erfolgreichen Antworten auf die angeblichen SiPo Herausforderungen wie sie unsere geben (im Besonderen die USA).

    DEU ist seit über zwanzig Jahre mili aktiv im Ausland und nicht nur die Deutschen haben sich da in vielen Einsätzen ihre gesteckte Ziele selten erreicht.

    „(2015 ff) Nach dem sich DEU sogar die Kernfähigkeit Panzer aus der Hand hat nehmen lassen, ist wohl auch der letzte Respekt verloren gegangen.“

    Ja und was haben unsere Partner in der EU gemacht? Evtl war es ja auch richtig, die Panzer zu verschrotten. Das Gefechtsfeld der Zukunft wir mit Sicherheit nicht mit den Geräten der Vergangenheit beackert. Zudem sind wir nun Binnenland und nicht mehr Frontstaat. Das unsere Soldaten nun Grundbetrieb im Baltikum leisten ist wohl der Witz der Geschichte aber Panzer in Munster ist halt echt unzweckmäßig.

    In wenigen Jahren werden sich die hoffentlich noch vermehrt stattfindenden Investitionen in die Fliegende Zunft (Heer, Lw, Marine), Flugabwehr auszahlen und dann haben wir mehr als irgend ein anderer Staat in Europa.

    War ihnen klar, dass RUS für uns ein mili Thema in so kurzer Zeit wird? Gibt es nicht immer noch genügend Menschen (auch Fachleute) die behaupten, dass RUS für Europa keine mili Gefahr ist? Evtl sind die USA oder Indien ja in 10 Jahren eine Gefahr für Europa, wer weiß schon wer nach Trump kommt. Ich halte die Reaktion der Bundesregierung für angemessen und selbstverständlich würde auch ich einiges anders machen (natürlich besser)………wie viele Millionen Bürger auch (fast alle wissen es immer besser). So ist Demokratie, am Ende ein Kompromiss oder Konsens und oft auch mit Mehrwert.

  • Hotonnes   |   02. Dezember 2017 - 10:39

    im Gegenteil, die Ankündigung der Kandidatur von General Bühler wurde von Deutschland einen Tag nach der Ankündigung des Generals Mercier durch Frankreich gemacht! In Frankreich wird Deutschland vorgeworfen, alles getan zu haben, um General Mercier zum Scheitern zu bringen …

  • cosmo   |   02. Dezember 2017 - 10:57

    @klabautermann | 02. Dezember 2017 – 2:23

    Hoffen wir mal darauf, dann kommt endlich der richtige Mann an den richtigen Platz!

  • Petra Charlie   |   02. Dezember 2017 - 10:58

    Sprechen unsere Kandidaten verhandlungssicheres Englisch (Schulenglisch reicht nicht). Der Gesundheitscheck ist auch nicht ohne (Gewicht). Seid mal selbstkritisch, Deutschland hatte immer Probleme internationale Posten zu besetzen. Nur die Besten 😁. Dazu gehört Diplomatie und nicht Germany First. Bei Verhandlungen bitte im Conditional sprechen und kein Dinglish. Sorry als Natoexperienced I am Not amused.

  • mwk   |   02. Dezember 2017 - 11:46

    @elahan
    „Was ist daran so schlimm, wenn andere EU-Staaten ihre Personen versuchen in Position zu bringen? Warum wird da gleich die Beziehung von Staaten in Frage gestellt?“
    An sich ist das in Ordnung – doch wenn es vorher anderslautende Absprachen gab und sich dann nicht daran gehalten wird, sehe ich das sehr wohl als einen Ausdruck mangelnden Respekts – zumal ja der Eindruck entstehen könnte, dass nur der deutsche Kandidat verhindert werden sollte.
    Ob wir morgen noch Waffen brauchen, weiß ich nicht.
    Aber was die Panzer angeht, so gelten sie laut unserer Politik zu den deutschen Schlüsseltechnologien – ich möchte keine Parallelen zu der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie sehen, die nach einer ähnlichen Entwicklung mit Frankreich keine eigenständige Rolle mehr spielt.
    Zur SiPol : die Einschätzungen des AA zu den Kämpfen gegen IS erwiesen sich anfangs als grossteilig falsch (Bedarf an Kampfflugzeugen, Ausbildung) Erst spät wurden diese Fehler nicht benannt, aber versucht wieder zu revidieren.
    Weiter wären Ukraine / Minsk oder die Flüchtlingskrise zu nennen.
    Zur Entwicklung in Russland. Ausgehend von den Vorhersagen unseres AA bzgl Ukraine und Syrien gebe ich Ihnen hinsichtlich der politischen Unwissenheit recht. Ich kann und will mir aber nicht vorstellen, dass unsere militärische Planung von den Entwicklungen ebenso überrascht war. Die Vermutung des Nicht-Sehenwollens ist vielleicht nicht allzu weit hergeholt.

  • Pirat77   |   02. Dezember 2017 - 11:49

    @Elahan
    1. Der Unterschied zu Frankreich:
    FRA ist politisch und militärisch – mit seiner derzeitigen Ausrüstung und Ausstattung – in der Lage eine nationale Operation wie SERVAL und derzeit BARKAHNE zu starten und durchzuhalten. Wir nicht. In keiner Art und Weise. Daher rennen wir immer hinterher und verkleckern ein bißchen Restmilitär.
    2. Zukunft
    Blöd ist, wenn man sich auf Waffen der Zukunft konzentriert, aber potentielle Gegner tausendfach den Alten Kram einsatzbereit haben. Unsere „Luftwaffe“ redet seit 15 Jahren von zukünftigen Fähigkeiten.

  • Alarich   |   02. Dezember 2017 - 11:51

    Genau das ist der Punkt

    Frankreich und sein Ego ist der Größte Giftpfeil einer EU Armee

    und es würde so gerichtet das alle Länder Firma NEXTER Waffen heben wird
    weil man das so gebraucht Diviniert das nur so Fima Nexter haben wird

    und Firmen BAE , Rhnm. GDLS werden benachteiligt sein

    Wenn es eine EU Armee geben soll darf Frankreich nicht der Leitfaden werden

    und nicht zu Vergessen was aus dem Leuchtprojekt DF Brig ist

  • sailor1995   |   02. Dezember 2017 - 12:01

    Das Scheitern Bühlers, aber vor allem die Kandidatur Merciers, kann in Brüssel und Berlin eigentlich keine Überraschung sein. Die nationalen Positionen stehen ja vorher fest und es gibt eine Menge Abstimmung zwischen den Partnern. Was ist da wohl schiefgelaufen? Oder wollten wir den Dienstposten gar nicht wirklich haben? Generell scheint das Interesse an relevanten Auslandsdienstposten im BMVg überschaubar.

    Der DEU Einfluss in der NATO ist demzufolge gering, EU wird man sehen. Den Verlust an militärischer Bedeutung, oder besser Einfluss auf Entscheidungen im Rahmen der NATO/EU kann man leicht erkennen an den von DEU besetzten Schlüsseldienstposten. Die Anzahl der Sterne ist dabei wichtig, aber nicht das einzige Kriterium. Der Dienstposten DSACT ist ein Beispiel dafür.

    @Hacketauer
    Formell stimmt was Sie sagen. Aber vielleicht googeln Sie mal NATO HQ Brunssum, dann werden Sie sehen wie viele DEU Kommandeure dort seit 1966 eingesetzt waren. Es gab in der ganzen Zeit nur einen GBR COM/CINC (im Gegenzug zum DEU DSACEUR) und jetzt General Farina.
    Im Rahmen der letzten Reform der NATO-Kommandostruktur haben der DEU und der ITA CHOD wohl einen „Deal“ gemacht. Was für DEU dabei herausgekommen ist kann ich allerdings nicht erkennen. Vielleicht Unterstützung DEU Ambitionen in der EU :)

  • T.Wiegold   |   02. Dezember 2017 - 13:31

    @Hotonnes

    Ein sehr interessanter Hinweis, vielen Dank. Gibt es ggf. öffentliche Quellen, Berichte, Kommentare etc. dazu?

  • Elahan   |   02. Dezember 2017 - 13:43

    @Pirat77

    “ 1. Der Unterschied zu Frankreich:
    FRA ist politisch und militärisch – mit seiner derzeitigen Ausrüstung und Ausstattung – in der Lage eine nationale Operation wie SERVAL und derzeit BARKAHNE zu starten und durchzuhalten.“

    FR ohne Unterstützung auch nicht und was die Durchhaltefähigkeit zum Beginn der Operation betrifft, fragen Sie mal Soldaten welche beteiligt waren.

    Deutschland kann es nicht, weil wir nie dafür ausgerichtet waren, warum auch, wir sind auch nicht für die Polarregion ausgerüstet wie die Norweger.

    „In keiner Art und Weise. Daher rennen wir immer hinterher und verkleckern ein bißchen Restmilitär.“

    Nein, wir unterstützen FR und gerade Niamey ist ein gutes Beispiel.

    Was machen denn die anderen 26 EU Staaten?
    Wo ist FR in AFG? Wie viele Truppen hat FR im Baltikum und im Kosovo?
    Welches Land des Warschauer Paktes (mit mind 17Mio Einwohner) hat FR im Aufbau unterstützt?

    Wir mussten eine ganze Armee übernehmen und haben jetzt den ersten General mit NVA Vergangenheit. Welches Land hat ähnliches geleistet?

  • Elahan   |   02. Dezember 2017 - 14:02

    @Pirat77

    Ich gehe mal nicht davon aus, dass Sie DEU mit RUS vergleichen ;-)
    Welch unserer Gegner hat mit seinem veraltetem Zeug mehr als wir in Europa?
    Sind sie wirklich im Glauben, dass unser potentieller Gegner (wer auch immer) schlagkräftiger ist als Europa? Ich glaube, es ist bekannt, was wir im Ernstfall mobilisieren könnten.

    Wissen Sie was wir im V-Fall einsetzen können?

    Mir macht da eher der Nachschub von Mun sorgen als das vorhandene Gerät.

  • Pirat77   |   02. Dezember 2017 - 14:15

    @Elahan
    „Deutschland kann es nicht, weil wir nie dafür ausgerichtet waren, warum auch, wir sind auch nicht für die Polarregion ausgerüstet wie die Norweger.“
    Mal abgesehen davon, dass die zwei verbliebenen GebJgBtl der GebJgBrig23 durchaus trainiert und bei Bedarf auch für die Polarregion ausgerüstet sind, wundert mich Ihre Aussage dahingehend, dass das LOA für die BW ja über längere Zeit die gleichzeitige Durchführung von 2 großen Operationen „abroad“ war? Oder täusche ich da?

    „Nein, wir unterstützen FR und gerade Niamey ist ein gutes Beispiel.“
    Ich kann Ihnen aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen aus Gao sagen, dass wir Frankreich außer mit dem ein oder anderen C-160 Flug keinen Meter unterstützen. Wie auch? MINUSMA ist ein UN Mandat und BARKAHNE ist national FRA! OHNE die Franzosen in NIAMEY hätten wir NICHT:
    a) Rettungskette für Verwundete nach DEU (Anschluss STRATAIRMEDEVAC, Stationierung TACAIRMEDEVAC)
    b) Drehscheibe für die C-160 „Kleinlogistik“ nach GAO

    Desweiteren nutzen wir fleißig die ROLE 2 der Franzosen in Gao, weil die chinesische im Supercamp nicht unserem Niveau entspricht.

    „Wir mussten eine ganze Armee übernehmen und haben jetzt den ersten General mit NVA Vergangenheit. Welches Land hat ähnliches geleistet?“
    Mag ja sein, aber das bringt uns gerade ziemlich wenig, außer dass solche Aussagen, dazu geeignet sind – und das hat ja seit eben dieser „Übernahme“ Tradition – die unglaubichen strukturellen Probleme und das nicht mehr vorhandene „Combat Mindset“ wegzureden.

  • Pirat77   |   02. Dezember 2017 - 14:17

    … und der Schluss auch noch:
    daher müssen wir uns über einen derartigen Schritt seitens FRA nicht wundern. Was für Generäle kommen wohl aus so einer Truppe?

  • Frank   |   02. Dezember 2017 - 14:47

    Naja FR hat eben klare Einsatzinteressen.
    Deutschland da ein wenig einzubremsen ist da doch verständlich.
    Der Fokus von FR und ITA liegt eindeutig auf Kiesen Prävention in Afrika/Levante

    Also bei mehr oder minder beim klassischen oversea deployment seit 2001.

    Eine stärkere Rolle Deutschland könnte den Fokus der EU Sicherheitspolitik aber auf das Baltikum / Osteuropa verstärken.

    Das scheint für FRA ungünstig zu sein.

  • Elahan   |   02. Dezember 2017 - 14:51

    @Pirat77

    Ja, mit zwei Fugzeugen, sehr viel Personal, Instandsetzung der Runway, 100 Pritschenwagen, 115 Motorräder und 55 Satellitentelefone für Niger uvm.

    Natürlich kann auch der Tornado und noch einiges mehr in der Polarregion eingesetzt werden, doch es ging doch um die Ausrichtung der Streitkräfte und da ist die Region wohl nicht ganz unwichtig.

    Ja, der LoA soll erreicht werden, nach der Neuausrichtung und die ist noch lange nicht durch und parallel laufen Einsätze die nicht unbeträchtlich die Reformen, Neuausrichtung und Ausbildung beeinflussen.

    Als die Neuausrichtung auf den Weg gebracht wurde, war von Einsatz im Baltikum, Mali, Jordanien und Irak noch nicht die Rede.

    Dass der LoA nicht mehr passt, dürfte seit Weißbuch (20016) und Wales bekannt sein und nun warten alle auf die KdBw…….bin mal gespannt.

  • Thomas Melber   |   02. Dezember 2017 - 16:08

    General Mercier war bereits Supreme Allied Commander ACT. Daß er dananch nicht gleich wieder einen anderen hohen NATO Posten bekommen hat erscheint mir nicht ungewöhnlich.

    Schwierig für FRA ist wohl eher seine nationale Folgeverwendung.

  • Thonar   |   02. Dezember 2017 - 18:29

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob hier nicht am Thema vorbei diskutiert wird:
    Natürlich möchte Frankreich nicht, dass deutsche Generäle in Schlüsselpositionen sitzen und versucht Deutschlands Versuch einer EU-Armee von „unten“ Steine in den Weg zu legen.
    Von den 60er Jahren bis 2009 war Frankreich nicht in die militärischen Strukturen der NATO eingebunden. Die französischen Fähigkeiten und Erfahrungen in multinationalen Operationen mit NATO-Partnern sind daher doch eher überschaubar.
    Gleichzeitig hat Deutschland, anders als Frankreich, bereits große Teile der niederländischen Streitkräfte integriert, mit Polen, Rumänien und Tschechien werden bereits weitere Verhandlungen geführt.
    Der Brexit hat jetzt dafür gesorgt, dass Frankreich plötzlich seine Felle wegschwimmen sieht und die klassische, französische Vorstellung einer militärischen Vorreiterrolle in Kontinentaleuropa in Gefahr ist, denn sie kommen schlichtweg zu spät.
    Während die Briten sich gegen eine EU-Armee gestreubt haben und somit den deutschen Bemühungen eine Art „natürlichen Riegel“ vorschieben, ist genau dieser jetzt weggebrochen. Frankreich läuft ernsthaft Gefahr, bei weiteren deutschen Erfolgen der Operation „Ankerarmee“, von Deutschland überrumpelt zu werden.

    Frankreich spielt auf Zeit…

  • Heiko Kamann   |   03. Dezember 2017 - 10:53

    Germany First | 01. Dezember 2017 – 21:47
    Kann es sein, das Sie den 4-Sterner und 2-Sterner bei SHAPE übersehen, oder den 2-Sterner bei JFC NAPLES. Was ist mit dem 4-Sterner bei ACT? Ist das nichts?

  • sailor1995   |   03. Dezember 2017 - 11:20

    @Heiko Kamann

    Wie schon früher in diesem Faden gesagt ist die Anzahl der Sterne relativ. Richtig ist, dass man nur ab der Ebene Zweisterner mit am Tisch sitzt (es gibt nur wenige Einsterner Ausnahmen). Wichtig ist aber vor allem der Einfluss, den der FOGO durch seine Funktion nehmen kann.
    Mit Ausnahme des Viersterners bei SHAPE sind alle genannten wenig relevant. Der Zweisterner bei SHAPE ist ein Einsterner. Rotation J1-J7, derzeit J7.

  • klabautermann   |   04. Dezember 2017 - 12:22

    Na ja, die Frage ist doch, wann diese „Absprachen“ getroffen worden sind. Vielleicht hat ja sowohl Paris als auch Bonn gemeinsam mit Blick auf die in den letzten 2 Monaten gefällten politischen Entscheidungen in Sachen NATO- und EU-Strukturen quasi die Personalnotbremse gezogen, denn sowohl Bühler als auch Mercier haben das notwendige Potenzial für 4-Sterne-Verwendungen, die demnächst u.U.ein wenig wichtiger sind als der Posten des EU-VtgA-Vorsitzenden. Hinzu kommt natürlich diese „Geschäftsführungsphase“ in Berlin infolge der Wahl und der noch immer laufenden Koalitionssondierungen und -sortierungen in Berlin. Wichtig ist, dass – nicht zuletzt durch den SPON-Artikel – der Genera lBühler nun quasi offiziell und öffentlich ein (international angezeigtes) 4-Sterne-Ticket in der Tasche hat……und falls es wieder eine GroKo in Berlin gibt, dann wird dieses Ticket m.A.n. eingelöst werden.

  • Elahan   |   05. Dezember 2017 - 7:53

    …..und dann setzt Gabriel noch Akzente.

    “ Er verweist demnach auf die neuen US-Sanktionen gegen Russland und den Streit über das Atomabkommen mit Iran. „In beiden Fällen kann Deutschland es sich nicht leisten, auf Entscheidungen in Washington zu warten oder bloß darauf zu reagieren.“

    http://m.spiegel.de/politik/deutschland/a-1181736.html

    [Ich hoffe ja, dass AA und/oder Körber-Stiftung die Rede dann auch veröffentlichen; auf der Grundlage von ausgewählten Abschnitten, die gezielt einigen Medien gesteckt wurden, würde ich darauf erst mal nicht einsteigen. Aber ich nehme an, nachher haben wir mehr Klarheit. T.W.]

  • Schlomach   |   05. Dezember 2017 - 12:16

    Bin schon verwundert, dass eine Personalentscheidung in der EU solch eine lebhafte Diskussion hervorruft. Gibt es denn Einigkeit unter den Kommentatoren oder in der Bundesregierung, welche Inhalte General Bühler in einer EU-Verwendung hätte transportieren sollen? Ich freue mich auf Hinweise.

  • Arty1986   |   12. Dezember 2017 - 9:07

    Meine „Erfahrungen“ mit GenLt Buehler sind zwar hoechst minimal, aber eben „positive“ Erinnerungen sind nicht zurueckgeblieben.
    Das mag natuerlich an der Wahrnehmung und „Ebenenungerechtigkeit“ gelegen haben: Was interessiert[s den 2X-Kdr (immerhin „gelernter“ MatErh), WARUM die MatErh-Lage „in der Schlammzone“ trotz „HIL“ so unterirdisch ist. Da kann man ordentlich den S 4 fuer bloed erklaeren, weiter geht’s.
    Dann war da noch ein Vorgang im Bereich „Pers“. Das durch ihn abschliessend gezeichnete Papier war auch nicht eben geeignet, Zustimmung zu erzeugen… Aber auch da war die „Absicht“ halt eine voellig andere…
    Von daher haelt sich mein „Mitleid“ fuer die Person in Grenzen, dass es – vorlaeufig – nicht zum 4-Sterner reicht…
    Die Zusammenhaenge in der strategischen Dimension erlaube ich mir nicht zu bewerten.