Mali: Schüsse im Panzer, zwei Verletzte Deutsche

Fürs Archiv: Beim Bundeswehrkontingent in der UN-Blauhelmtruppe MINUSMA in Gao im Norden Malis  ist es am (heutigen) Dienstag zu einer so genannten unbeabsichtigten Schussabgabe gekommen – in einem Fuchs-Transportpanzer. Zwei deutsche Soldaten wurden verletzt, wie es von der Bundeswehr heißt „nicht bedrohlich“.

Die Bundeswehr-Mitteilung im Wortlaut:

Am 14. November wurde gegen 5 Uhr mitteleuropäischer Zeit am Zaun des Camp Castor in Gao eine Person gemeldet, die versuchte in das Camp einzudringen. Die Person reagierte nicht auf Warnrufe durch die Wachposten. Erst nach Abgabe eines Warnschusses mit der Signalpistole konnte die Person am weiteren Vordringen gehindert werden.
Die Alarmeinheit QRF (Quick Reaction Force) des deutschen Einsatzkontingentes MINUSMA wurde aktiviert und konnte die Person festsetzen. Während der Vorbereitung zum Einsatz der QRF kam es zu einer ungewollten Schussabgabe innerhalb eines Transportpanzers Fuchs. Dabei wurden zwei deutsche Soldaten nicht bedrohlich verletzt und vor Ort medizinisch versorgt.

Da die Bundeswehr-Webseiten absehbar umgestellt werden und dann der Link nicht mehr funktioniert, hier die heutige Webseite als Datei: 20171114_Mali_Schussabgabe

 

 

Afrika,Einsatz in aller Welt · 18:09h ·  

23 Kommentare zu „Mali: Schüsse im Panzer, zwei Verletzte Deutsche“

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   14. November 2017 - 18:35

    „Während der Vorbereitung zum Einsatz der QRF kam es zu einer ungewollten Schussabgabe …“
    Kurz BdL
    „Operative“ Hektik, Nicht-Beherrschung der Waffe, unvorbereitet auf kritische Lagen.
    Entschluss:
    1. Drill. 2. Drill. 3. Drill. Was nicht geübt ist, wird nicht gekonnt!

  • Alpha November   |   14. November 2017 - 18:57

    Gute Besserung den ‚Getroffenen‘. Ansonsten bin ich gerade ein wenig fassungslos…

  • 0815   |   14. November 2017 - 20:30

    @Alpha November | 14. November 2017 – 18:57
    Fassungslos?
    Warum?

  • Ottone   |   14. November 2017 - 21:55

    Klingt nach Knalltrauma.

  • Lt d.r.   |   15. November 2017 - 0:35

    @Klaus-Peter Kaikowsky
    Auch Drillausbildung verhindert Fehler nicht zu 100%. Welches Verletzungsbild vorliegt, wissen wir aktuell nicht. Das einzige was wir aktuell wissen ist, daß es zu einer ungewollten Schußabgabe im inneren eines TPz Fuchs kam. Mehr nicht…

  • Anubiswaechter   |   15. November 2017 - 1:35

    Eine BdL vom heimischen Schreibtisch aus basierend auf einer Pressemitteilung ist wirklich sehr fundiert, vor allem so ganz ohne Lageerkenntnisse.

  • JoPe   |   15. November 2017 - 6:24

    „Operative Hektik“ bei Kommentaren zeugen auch von einer gewissen „Nicht-Beherrschung“

  • Alpha November   |   15. November 2017 - 11:31

    @ 0815 | 14. November 2017 – 20:30

    Weil es mit ein Rätsel ist wie es in einem TPZ zu einer Schussabgabe kommen kann. Dazu muss man ja mal mindestens entsichert haben.

    Fehler sind menschlich und passieren. Schon klar. Aber wenn man ein mal in Monaten zum Alarm-Start muss und als Ergebnis da selbst beigebrachte Verluste raus kommen, dann kriegt man halt ein ’schlechtes Gefühl‘.

    Wer weiss, vielleicht kommen da ja noch Details. Kann ja auch Munition überhitzt gewesen sein…

  • L95   |   15. November 2017 - 12:29

    @anubiswaechter
    + 1

  • Pery   |   15. November 2017 - 13:52

    @Alpha November

    Entsicherte Waffe ist beim neuen Schießausbildungskonzept nun einmal vorgesehen im Holster.

  • Ulli D.   |   15. November 2017 - 14:37

    Als Generation P1 und G3 sind mir die heutigen Waffentypen im Handling eher ungeläufig, ich weiss jedoch von der legendären Parabellum 08, dass sie das Manko hatte, durch die Hahnlosigkeit und eim geschlossenen Systen nicht erkennen lies, ob sie geladen oder entsichert war.
    Wenn die heutigen Generationen an Handfeuerwaffen ein ähnliches Problem haben, sollte Dies angesprochen und untersucht werden.
    Eindeutige Zustandserkennung ist gerade bei Militärwaffen ein hochwichtiges Thema, welches durch die Hightec-Faszination an sekundärer Stelle geraten könnte.

  • closius   |   15. November 2017 - 14:41

    Die BW meldet, daß das Mantis System auf dem Weg nach Mail ist, aber ohne Geschütze!

    Ohne Geschütze halte ich dies für unkonsequent. Vor allem da der Einsatz mit der großen Gefahr begründet wird. Es fehlt jede Erklärung, warum trotzdem auf die Geschütze verzichtet wird.

  • Wa-Ge   |   15. November 2017 - 16:09

    @ Ulli D.

    Dem Soldaten werden Sicherheitsbestimmungen im Umgang mit Handwaffen beigebracht.

    Darunter (nSAK) sind solche wie: ist der Ladezustand unbekannt ist die Waffe als geladen zu betrachten oder ziele nur auf das was du auch treffen willst. Und krümme nur ab wenn du dir deines Zieles gewiss bist.

    Wenn man diese Regeln befolgt kann es nicht zu einer ungewollten Schussabgabe kommen wenn es nicht zu einem Selbstzünder in der Waffe kommt.

    Aber wie heißt es so schön offene Menschen tuen offene Dinge. Und wenn man den Soldaten keine Zeit gibt, dass sie den Ausbildungsstand beherrschen erreichen, dann sind diese in Stresssituationen sehr schnell „geöffnet“.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   15. November 2017 - 17:19

    BMVg, schüchtern wie eh bei Informationen zu Ausrüstungsverbesserungen (Kampfkraftverstärkungen), nicht nur für MINUSMA in Mali. Erste Meldung im Netz bereits vor zwei Monaten: https://www.strategypage.com/htmw/htada/articles/20170907.aspx seitens Bw sogar schon im März, siehe unteren Link.

    Das „ohne Bewaffnung im Einsatz“ mag daran liegen, dass die entsprechende Bedrohung als vernachlässigbar eingeschätzt und eine Selbstbeschränkung auf die Aufklärungskomponente als hinreichend betrachtet wird.
    Mantis, als Schutzsystem im „Nah- und Nächstbereich um ein Feldlager“ wird mit der „Sensoreinheit, sowie Bedien- und Feuerleitzentrale (BFZ)“, damit ohne die Geschütztürme in GAO/Camp Castor eingesetzt sein und kann den Feldlagerschutz mit Vorwarnzeiten von bis zu 30 sek garantieren. Bietet die Sensoreinheit weitere Vorteile, die über Schutz gegen Steilfeuer und/oder LFK-Beschuss hinausgehen?
    Hier bei AG auch schon im August klar gestellt. http://augengeradeaus.net/2017/08/dokumentation-bundeswehr-interview-mit-merkel/#comment-276842
    Welche Maßnahmen bei Eintritt einer „Luftalarms“ im Feldlager zu ergreifen sind, erscheint mit dennoch rätselhaft. Die betroffene Truppe wird’s wissen.
    PS: Zu hoffen ist, dass der „Todendorfer Vorfall“ unter dessen staatsanwaltlicher Auswertung heute ein OFw der Flugabwehrraketengruppe 61 verhaftet wurde (N-TV), den Einsatz und die Tr nicht berührt.

    [Den Todendorfer Vorfall habe ich bislang bewusst nicht thematisiert, weil ich das alles für vergleichsweise dünn und nicht wirklich hier relevant halte. Das kann sich noch ändern, aber ich wäre dankbar, wenn der OT hier nicht durch die Hintertür eingeführt würde. T.W.]

  • Fritz   |   16. November 2017 - 1:00

    In 9 Einsätzen hab ich nicht einen erlebt in dem es NICHT zu einer ungewollten Schussabgabe kam.

    Jeder Fall ist individuell zu betrachten , dennoch liegt der Fehler meist nicht am System / der Waffe sondern meist am Bediener.
    Meiner Erfahrung nach ist es meist ein Ausbildungsmangel oder aber Routine die sich einschleicht und Ladetätigkeiten ohne die Notwendige Ernsthaftigkeit durchgeführt werden.
    Stress kann mit Sicherheit ein Punkt sein wenn es im Rahmen einer QRF Alarmierung zum Hersteller der Gefechtsbereitschaft kommt.

    Am Ende ist das wichtigste das keiner enrnsthaft zu Schaden gekommen ist.

  • ADLAS-Doe   |   16. November 2017 - 8:41

    Die MANTIS-Kanonen bleiben möglicherweise ja deswegen zu Hause, weil das Camp nur ein paar hundert Meter neben einer Stadt mit knapp 90.000 Menchen liegt. Gemäß „What goes up, must come down“ gehen da bei einer einzigen Salve von MANTIS in einem ungünstigen Fall hunderte oder gar tausende Wolframprojektile über der Stadt nieder.

    Nicht so schön.

    Die verbesserte Vorwarnzeit nimmt man vermutlich hingegegen gern, da in der Bw-Serie über Mali gezeigt wurde, dass Teile der dort stationierten Soldaten bei Kontingentwechsel in Zelten – also ohne ballistischen Schutz – untergebracht sind/waren.

    Macht doch Sinn.

  • SvenS   |   16. November 2017 - 9:41

    Ich hatte in meiner aktiven Zeit mit dem G36 häufiger das Problem, dass sich die Sicherung bei geschulterter Waffe im zusammenspiel mit Schutzwesten gerne mal gelöst hat. Meistens passierte es wenn die Waffe auf dem Rücken getragen wurde, es gab an der Bristol ein paar Schnallen/Laschen an denen der Sicherungshebel auch mal hängen bleiben kann.

  • Alpha November   |   16. November 2017 - 13:13

    @ Fritz | 16. November 2017 – 1:00
    Sehen Sie sich mal die verschiedenen Folgen der Mali-Serie auf YT an. Dort kann man erkennen, dass die Gefechtsbereitschaft VOR dem Einsteigen an einem Sandblock mit Röhren hergestellt wird und nach dem Einsatz dort auch die Sicherheit wieder hergestellt wird. So lange es also zwischendurch keine Ladetätigkeiten gibt oder es zum Einsatz der Waffe kommt, ist da keine Schussabgabe denkbar. Hält man sich bei einem Alarmfall denn nicht an diese Abfolge?

    Und das, wie oben geschrieben, die Handwaffen heutzutage fertig geladen in Fahrzeugen getragen werden ist da mit Sicherheit Teil so eines Problems. Fertig laden im Zuge des Absitzen oder in Stellung gehen scheint mir zeitlich noch völlig hinreichend. Wenn ich mit Handwaffe aus dem Fahrzeug wirken kann und will, dann reicht es zu laden, wenn die Waffe über Luke gekommen ist. Da oben eine Pistole gemeint war (G36 ist ja nicht im Holster), muss man ja annehmen, dass jemand seine Pistole NICHT im Holster hätte, da der Abzug ja sonst mit geschützt gewesen wäre. – Natürlich ist derzeit unbekannt welche Waffe überhaupt geschossen wurde. Kann ja auch sein, dass jemand beim Fertig laden draußen in das Fahrzeug geschossen hat.

    Wenn einem GeZi-Soldat in der Etappe beim nächtlichen Überfall des eigenen Verfügungsraums so etwas passiert, dann ist das schlimm genug, aber fällt wohl unter Kriegsrisiko. Bei Soldaten im Einsatz (mit der ganzen Vorausbildung usw) und speziell noch mal bei den QRF (die ja gerade für den Waffeneinsatz da sind) bin ich nicht bereit Stress als Ursache für Fehler im Alarmfall gelten zu lassen. Auch kann ich dort nicht damit leben, das solche Sachen passieren. Aber: Ich bin ja nicht der Maßstab.

    @ SvenS | 16. November 2017 – 9:41
    Das ist natürlich ungünstig, aber allein ja nicht ausreichend. In der Folge müsste ja auch noch der Abzug betätigt werden.

  • JD Müller   |   16. November 2017 - 21:15

    Wenn man sich darauf verlassen könnte, das man vom BMVg zeitnahe und vollständige Informationen erhielte, bräuchte es diese Diskussionen nicht – reine brotlose Philosophie.

  • GLADIUS   |   17. November 2017 - 11:20

    Hmmm…

    @K-P K: Die Statistik und meine Erfahrung lassen ebenfalls vermuten, dass das fehlende Beherrschen der eigenen Handwaffe hier eine zentrale Rolle spielt. Denke aber, wir sollten nicht reflexartig „Drill, Drill, Drill“ rufen, denn es gibt Situationen, die sich erst entwickeln und vorher so nicht gedrillt werden können. Eine flexible Auffassungsgabe bei wechselnden Lagen kann man üben, aber der X-Faktor bleibt vorhanden.

    Beispiel: Ein Soldat wird am G36 gedrillt, am G28 eingewiesen und übt das Zusammenwirken in der Besatzung auf dem Dingo 2 seines Trupps mit G36 bis zur Ausbildungshöhe beherrschen.
    Nun fällt der DMR-Schütze im TPz des Nachbartrupps krankheitsbedingt aus, der GrpFhr braucht aber die Fähigkeit in seinem Waffenmix. Der eingewiesene Soldat übernimmt, wird nach Alarmierung auf den TPz geschickt, tut dort Dinge aus Sachen mit Gründen, doch es löst sich ein Schuss…
    Ja, er wäre besser gedrillt worden und nicht nur eingewiesen, aber nein, nicht jeder Soldat kann an jeder Waffe des Zuges gedrillt werden… ich denke also, bis näheres bekannt wird, sollten die Rufe nach mehr Drill genauso zurückgehalten werden, wie die Suche nach Fehlern an der Waffe… Erst beobachten, dann erkennen und abschließend identifizieren.

    @Alpha November: Keine Ahnung, wie oft Sie im aufgesessenen Feuerkampf standen, gezwungen waren mehrere Waffen im Wechsel einzusetzen und dabei auch noch die Kampfweise zu wechseln, um abgesessen anzugreifen?

    Aus meiner Erfahrung ist in einer solchen Situation weder Zeit zum Fertigladen der diversen „Wummen“ noch ist es problematisch, eine Waffe im Zustand Klar zum Gefecht im Fahrzeug zu haben, es sei denn GraPi bzw. PzFst und Co. Der Adrenalinausstoß und die Todesgefahr im Feuerkampf lassen die Hände des Waffenbedieners in der Regel zu klodeckelartigen Gebilden anschwellen, oft zwar nur für wenige Sekunden, aber Fertigladen oder Akkuwechsel am Funkgerät machen nach einem RPG-Einschlag nicht so viel Spaß… Ist schon zweckmäßig, die Handwaffen klar zum Gefecht zu haben, bevor es losgeht…

    Und zum Thema Stress als Fehlerursache: Wenn Sie einen QRF-Zug über 30 Stunden operieren lassen und dann, nach einer zweistündigen Unterbrechung, nochmal für 10 Stunden, tja, dann lässt auch mal jemand einen „kommen“ oder wirft sich beim Schließen der Dingo-Tür selbige auf die eigene linke Hand im Türrahmen… Alles nicht so einfach, wenn gewisse Grenzen erst überschritten sind…

    Ave!

  • Matthias Hake   |   18. November 2017 - 12:38

    Ave Gladius Maximus – so ist es, so war es schon vor hunderten von Jahren und so wird es auch immer bleiben – die Beförderung zum Centurio sollte winken. Es sei den es kommen die Borgs

  • MvonB   |   20. November 2017 - 9:41

    Guten Morgen,
    aus meiner Erfahrung heraus würde ich schätzen dass sich ein Schuss aus der MP 7 gelöst hat. (Hoffe ich habe die Waffe nicht überlesen)

    Ich weiß dass es 2012 keine Waffenhalterungen für die MP 7 im BAT Fuchs gab, somit war die Waffe in einem Sitz eingeklemmt. Wir hatten damals befohlen dass die MP 7 dementsprechend nur teilgeladen verstaut werden durfte, da sich häufiger die Sicherung durch die Bewegungen bei der Fahrt gelöst hat.
    Die Sinnhaftigkeit eine Waffe dabei zuhaben ohne das eine Waffenhalterung im Fahrzeug verbaut ist stelle ich jetzt mal nicht in Frage, damals hatte der Doc sie.

  • Alpha November   |   20. November 2017 - 15:24

    @ MvonB | 20. November 2017 – 9:41

    Ja, das Konzept mit den Halterungen ist so eine Sache bei der Bundeswehr. Mitunter ist es nicht zu Ende gedacht, mitunter einfach nur Langsamkeit (es wird eine neue Waffe eingeführt, aber Nachrüstungen halten nicht Schritt).

    Aber in diesem Fall (eine QRF rückt alarmmäßig aus) wird ja wohl eher keiner seine Handwaffe irgendwo weg schnallen wollen. Immerhin hat @GLADIUS | 17. November 2017 – 11:20 gerade erst dargelegt, dass nicht mal für Ladetätigkeiten Zeit sei.

    Das Thema mit den Halterungen kann natürlich dennoch hier zutreffen – wäre auch noch nicht einmal was Neues, denn auch sowas hatten wir 1996 schon… z.B. 3 Stück MP bei nur zwei Halterungen im Leopard – auf der Schule der Klassiker…

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