Jordanische Basis Al-Azraq: Fünffach überlastet – USA planen Ausbau

Während der Bundestag eine Verlängerung der Beteiligung der deutschen Luftwaffe an der internationalen Anti-ISIS-Koalition auf den Weg bringt, kommen aus den USA alarmierende Meldungen über den Zustand der jordanischen Airbase, auf der auch die deutschen Flugzeuge stationiert sind: Die Überfüllung der Muwaffaq Salti Air Base, in Deutschland meist als Al-Azraq bezeichnet, sei inzwischen eine Gefahr für Leben und Gesundheit, berichtet die US-Soldatenzeitung Stars&Stripes. Die USA wollten deshalb 143 Millionen US-Dollar in den Aufbau dieser Einrichtung investieren.

Aus dem Bericht:

The Pentagon wants to pump $143 million into upgrades at a strategic air base in Jordan, more than any other overseas Air Force operational site, as the military moves to expand drone and fighter flights in the region. (…)
Muwaffaq Salti Air Base, positioned near Jordan’s border with Syria and Iraq, has played a key role for the U.S. in its battle against the Islamic State group. But the base, according to the Air Force, has been overwhelmed by the pace of operations.  (…)

Air Force budget documents say the facility has limited ramp space to launch combat sorties, has “zero dedicated space to support cargo and personnel recovery operations” and is operating at “four to five times what the space was originally intended to support.” Troops operating at the Azraq base now face “extreme life, health, and safety risk” because living areas are within range of explosives from operational areas.

Vier- bis fünffache Überlastung klingt nicht so gut, living areas are within range of explosives from operational areas auch nicht. In den öffentlichen Berichten der Luftwaffe ist allerdings von solchen Problemen beim Einsatz in Jordanien nicht die Rede…

Die Bundeswehr fliegt von Al-Azraq aus mit vier Tornado-Kampfjets Aufklärung für die Anti-ISIS-Koalition, außerdem startet von dort ein Tankflugzeug zur Luftbetankung. Das Bundeswehrkontingent war in diesem Jahr von der türkischen Basis Incirlik nach Jordanien umgezogen, nachdem die Türkei deutschen Abgeordneten den Besuch bei deutschen Soldaten verweigerte.

Nachtrag: Habe beim  Einsatzführungskommando nachgefragt: Aus Sicht der Bundeswehr gibt es auf der Basis keine entsprechenden Probleme.

(Archivbild: Royal Jordanian Air Force maintainers participate in the scramble competition in support of the Falcon Air Meet 2011 on October 19, 2011 – U.S. Air Force Photo by Senior Airman Asha Kin)

17 Kommentare zu „Jordanische Basis Al-Azraq: Fünffach überlastet – USA planen Ausbau“

  • closius   |   21. November 2017 - 15:12

    @T.Wiegold:143 $ wäre aber sehr billig für den Ausbau eines Luftwaffenstütztpunkt;). Da sind in Ihrem deutschen Text die Millionen verloren gegangen.

    [Ups. Danke, ist korrigiert. T.W.]

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   21. November 2017 - 15:41

    Wenn die USA ihren Soldaten im Einsatz durchaus einiges mehr zumuten als in Bw üblicherweise akzeptiert wird, ist an dem Lamento wegen der Zustände auf der https://en.wikipedia.org/wiki/Muwaffaq_Salti_Air_Base sicherlich einiges dran.

    Aus „Stars&Stripes“
    „However, Congress’s inclusion of the Jordan project in the $700 billion National Defense Authorization Act highlights the Pentagon’s long-term needs in the region. The $700 billion defense act is expected to be signed into law by President Donald Trump.
    Nun ist diese Summe keinesfalls zur Investition in JOR ausschließlich vorgesehen. Erstaunlich daher, eine Forderung an Mitnutzer anderer Nationen im „Counter Daesh-Einsatz“ zeichnet sich nicht ab?
    Mitnutzer sind je im Wechsel die NLD und BEL sowie Bahrain und eben die Deutsche Luftwaffe. Dass, daher seitens des DoD keine Erwartungen an die Partner herangetragen werden, steht kaum zu erwarten.
    Für DEU böte sich damit Gelegenheit eine NOTWENDIGE Hilfe für die air force im Sinne 2%-Ziel einzubringen.
    Sollte das im möglicherweise anstehenden drei-Monatszeitraum des Hauptausschusses (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/000/1900085.pdf , siehe Nachbarfaden) des BT zur Sprache kommen, ist DEU dann aber entscheidungsunfähig?

  • Küstengang01   |   21. November 2017 - 16:24

    Tja, vielleich kommt ja noch ne Rechnung der USAF im Bendlerblock an.

  • P.K.   |   21. November 2017 - 17:47

    Das mit der Überlastung kann ich so nicht bestätigen. Durch die zwei Start-/ Landebahnen (soweit möglich wird eine für Jet und Drohne, die andere für Transportflugzeuge genutzt) wäre die mögliche Anzahl an Flugbewegungen sogar noch deutlich höher. Shelter bzw. beschattete Abstellflächen für Lfz wurden innerhalb weniger Tage/ Wochen errichtet; alleine eine Cargoramp ist derzeit nicht vorhanden. Hierfür laufen jedoch bereits Gespräche, ob eine multinational genutzte oder zwei eigenständige (US+DEU) gebaut werden. Die Unterbringung von Soldaten im Risikobereich ist nur temporär, da die US-Streitkräfte bereits vor Monaten angefangen haben, an einem anderen Ort in der Airbase ein Camp zu errichten. Andere Nationen haben von Anfang an andere Räume/ Flächen zur Verfügung gestellt bekommen, so dass diese ausserhalb des gefährdeten Bereichs liegen.

    Für mich deutlich interessanter ist die Frage, wie die Airbase weitergenutzt werden soll, nachdem der Kampf gegen den IS beendet ist. Derzeit befindet man sich meines Wissens nach fast neun Monate vor dem angedachten Operationsplan.
    Soll dort ggf ein neues Holloman entstehen?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   21. November 2017 - 18:27

    @P.K.
    De facto kann der eigentliche Kampf gegen Daesh, also joint&combined ausgeführte Ops, als weitgehend gelaufen bewertet werden.
    Solange http://www.inherentresolve.mil/ (CJTF OIR) aufgestellt am 17.10.2014, noch nicht aufgelöst worden ist, wird sich absehbar wenig ändern, möglicherweise das nur das OTEMPO.
    (The Impact of Operation Tempo [OPTEMPO] is a critical task that is vital to understanding the impact of the pace of operations on soldiers and material, U.S. Army Medical Research & Material Command ).
    Ein reduziertes OPTEMPO käme nicht zuletzt dem DEU Ktgt zugute.

    Nicht zu vergessen, erst heute Nachmittag hat der neue BT „Counter Daesh“ zunächst um drei Monate verlängert. Diese kurze, neue Zeitspanne aber nur, weil die Regierungsbildung seit Sonntag in die Probleme manövriert wurde.
    Sofern Sie Debatte gesehen haben sollten fiel sicherlich auf, nicht nur einmal tauchte die Frage von Rednern auf, was denn DEU Jets dort eigentlich noch machten.

    Andererseits ergibt sich zwischen ihrer positiven Darstellung und den Ausführungen bei „Stars&Stripes“ deutliche Unterschiede.

    [Ehe sich das falsch festsetzt: Nein, der Bundestag hat heute nicht Counter Daesh verlängert. Es war die erste Lesung des neuen Mandats, noch keine abschließende Abstimmung. T.W.]

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   21. November 2017 - 18:45

    @T.W.
    Pardon, stimmt. Überwiesen an den Hauptausschuss,oder?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   21. November 2017 - 19:19

    Das neue Operationsziel von Air Force und Marine Corps hat sich offenbar auch längst verschoben, gegen al-Shabaab und al-Kaida jenseits des Bab al-Mandab in Somalia nämlich.
    http://www.africom.mil/media-room/pressrelease/30111/u-s-conducts-airstrike-in-support-of-the-federal-government-of-somalia

  • Eric Hagen   |   21. November 2017 - 20:14

    Der US-Bericht ist doch hinreichend klar:
    Der Stuetzpunkt wird fuer zukuenftige Operationen ausgebaut, die mit OIR nur noch mittelbar zu tun haben werden.
    In der Region brodelt es betraechtlich und wenn der Proxy-Krieg in SYR demnaechst ebenfalls austrocknet, erleben wir entweder einen Waffengang HZB – ISR oder eine direkte Auseinandersetzung IRN -KSA. Oder Beides gleichzeitig. Ein worst case scenario.

    Ein Ausbau hilft JOR, indem die USA im Land gehalten werden.
    Auch darf die russ. Praesenz in SYR nicht ausser Acht gelassen werden, die sich dort auf Jahre signifikant etabliert haben.

  • P.K.   |   21. November 2017 - 21:55

    Eine Verlängerung des ursprügluchen Mandats ist aus meiner Sicht durchaus zweckmäßig. Vor allem der in der Öffentlichkeit oftmals weniger präsente Anteil der Luftbetankung wird permanent unterschätzt. Zudem beträgt der Anteil der Aufklärungsergebnisse derzeit etwa 25% (an Operation Enherent Resolve: OER), von der (deutlich besseren) Qualität, ggü.Drohnen gar nicht gesprochen. Da (mittlerweile) nicht mehr von Massenzielen ausgegangen wird, ist die Auflösung ein entscheidendes Merkmal, welches derzeit v.a. die Recce-Pods abdecken können.

  • Alex   |   21. November 2017 - 23:43

    Die Befürchtungen richten sich aber nicht gegen ISIS, oder?
    Es wird keine Stadt in Ost-Syrien oder dem Irak mehr von denen kontrolliert. Damit ist es nur eine Frage der Zeit, bis die syr. Armee und die Amis/SDF aufeinander treffen.
    Die Kriegsrhetorik der Saudis ggü. Iran und dem Libanon und die Tatsache, dass der damalige Deal mit den Chemiewaffen nur zustande gekommen ist, weil Iran gedroht hatte, dass auf eine Rakete auf Damaskus eine auf Telaviv folgt, sind vermutlich eher die Gründe für die Sorgen.

  • Klauspeterkaikowsky   |   22. November 2017 - 0:12

    Bernhard Lichte bei Phoenix aus Moskau: RUS verlässt SYR bis Jahresende, Erdogan hat sich mit Verbleib Assads im Amt abgefunden.
    Dass Putin allerdings auch seine Hafenrechte und den Luftstützpunkt aufgeben wird, eher unwahrscheinlich.
    Bei Verbleib der USA, z.B. auch in al-Salti, wird RUS Lw anwesend bleiben müssen. Die Lage im Libanon, mit quasi Hezbolla-Regierung und der Bedrohung Israels macht die Air Base vorzüglich geeignet.

  • 2ct.   |   22. November 2017 - 8:36

    Für weitere Details siehe auch den vorläufigen Haushaltsplan „Bauwesen“ 2018 der U.S. Air Force unter „Muwaffag Salti Air Base“ Seite 221ff.

    http://www.saffm.hq.af.mil/Portals/84/documents/Air%20Force%20MILCON%20FY18.pdf?ver=2017-05-23-153715-980

    [„Military Construction Program – Fiscal Year (FY) 2018“; Mai 2017]

  • klabautermann   |   22. November 2017 - 11:16

    Da die USA ja offensichtlich nicht gewillt sind, nach dem Endsieg“ über den IS sich aus Syrien militärisch zurück zu ziehen, brauchern sie definitiv eine operativ-logistische Basis zur weiteren Unterstützung ihrer Lilly Pads in Syrien und der davon logistisch abhängigen „Verbündeten“. Türkei und Syrien – mit Blick auf die Kurdenfrage – sind da sehr hartleibig.
    Im Süden Syriens haben die USA den Shia-Belt nicht vollständig verhindern können, es geht nun darum die vollsrändige Kontrolle über Südsyrien durch Assad/Iran/HZB zu verhindern. Deswegen müssen die USA nun asap ihre Kapazitäten in Jordanien ausbauen.
    Anbei ein recht interessanter Artikel über die Lage in syrisch-jordanisch-irakischen Grenzgebiet:
    https://warontherocks.com/2017/11/16162/

  • Klauspeterkaikowsky   |   22. November 2017 - 11:27

    https://mobile.twitter.com/tagesschau/status/933277504579751936
    Der Ausbau von al-Salti vorbereitend auf clashes Hezbolla+Peschmerga vs KSA.
    Israel wird auch nicht böse sein, ob Existenz U.S. Fighter airbase in Nähe zum Golan.
    Sofern U.S. Sorties diesbezüglich fliegen, verhält DEU Lw wie?

  • Alex   |   24. November 2017 - 0:51

    Es wird den Russen/Syrern/Irakern/Iranern/Afghanen überlassen, den Sieg über den IS zu verkünden. Angriffe auf Al Kaida gab es praktisch keine?! Was kommt als nächstes?

  • Klauspeterkaikowsky   |   29. November 2017 - 21:39

    Jordanien hat von NLRAF 15 F-16 gekauft. Erste Marche wurde am 25.10 übergeführt, zweite von sechs Lfz heute von VOLKEL aus, Piloten aus Jordanien.
    https://twitter.com/RonaldO_4444/status/935946866134540294?s=17

  • Klauspeterkaikowsky   |   30. November 2017 - 9:19

    Die NLD F-16 in Jordanien werden ab kommenden Jahr sukzessive durch F-35 ersetzt werden.
    NLD hatte 37 Lfz bestellt. Aufgrund des derzeitigen $_Kurses können mit dem eingestellten Budget die letzten drei Maschinen aber nicht mehr bezahlt werden. (NRC.nl)
    An einer Lösung wird im neuen Kabinett gearbeitet.