Kein einziges deutsches U-Boot fährt mehr

Nachdem das deutsche Unterseeboot U35 in der vergangenen Woche nach einer Havarie zur Untersuchung in die Werft musste, hat die Deutsche Marine vorerst kein einziges fahrbereites U-Boot mehr in ihrer Flotte. Vier der sechs Boote liegen derzeit zu Arbeiten in der Werft, die beiden übrigen warten auf einen Werftliegeplatz für die Instandsetzung, sagte ein Sprecher der Marine in Rostock am (heutigen) Donnerstag. Grund sind vor allem fehlende Ersatzteile.

Die Marine bestätigte damit einen Bericht der Kieler Nachrichten (Link aus bekannten Gründen nicht) vom Vortag. Die Marine selbst hatte auf ihrer Webseite* über den Schaden an U35 berichtet:

„U35“ befindet sich bei TyssenKrupp Marine Systems (TKMS) in Kiel zur Untersuchung, nachdem eines der Ruderblätter des X-Ruders bei Manövern im Rahmen der Tiefwassererprobung im Kattegat vor Kristiansand beschädigt wurde.
Das Uboot befand sich bis zum 15. Oktober in Norwegischen Gewässern, um verschiedene Funktionsnachweise durchzuführen. (…)
Die derzeit eingeschränkte Verfügbarkeit von Ubooten ist unter anderem auf die unvollständige Herstellung der Versorgungsreife zurückzuführen. Die Versorgungsreife ist hergestellt, wenn ein für die Nutzungsdauer aller Uboote ausreichender Ersatzteilvorrat vorhanden ist. Auf das Herstellen der Versorgungsreifen musste die Deutsche Marine während der vergangenen 25 Jahre des Abschmelzens mit den einhergehenden Sparzwängen regelmäßig verzichten.

Der Sachstand der Boote laut Marine:

• U31: Noch in der Werft, bis Dezember 2017 Funktionsnachweise geplant
• U32: liegt nicht fahrbereit in Eckernförde und wartet auf die Instandsetzung
• U33: In der Instandsetzung bis Ende Februar 2018
• U 34: liegt in Eckernförde, soll Mitte Januar 2018 in die Werft
• U35: Werftuntersuchung nach Havarie
• U36: Garantiewerftliegezeit bis Mai 2018

Die unvollständige Herstellung der Versorgungsreife beklagen auch andere Teilstreitkräfte für (hoch) technisiertes Gerät. Auf Deutsch: In den vergangenen Jahren wurde aus Kostengründen auf die Bestellung von Ersatzteilen verzichtet, die allerdings selbst dann erst nach Jahren geliefert werden, wenn das Geld (wieder) zur Verfügung gestellt wird.

Immerhin geht die Marine davon aus, dass sich im kommenden Jahr die Situation bessern wird:

Unabhängig davon werden der Deutschen Marine ab Mitte 2018 drei bis vier Uboote zur Verfügung stehen. (…)
Mit den nun eingeleiteten Trendwenden entsteht der notwendige Spielraum bei Rüstungsprojekten auch die Versorgungsreife zu erlangen. Dies wirkt sich für die Ersatzteilsituation für alle Uboote positiv aus. Zudem wird ein Instandsetzungsrahmenvertrag mit der Werft die Planbarkeit von Werftliegezeiten signifikant erhöhen. Diese Maßnahmen werden ab November 2018 aller Voraussicht nach dazu führen, dass vier der sechs Uboote für operative Aufgaben verfügbar sind.

*Da die Bundeswehr-Webseiten in absehbarer Zeit auf eine neue Technik umgestellt werden und dann der Link nicht mehr funktionieren dürfte, hier die Meldung als pdf-Datei: 20171018_Marine_U35_Untersuchung

(Foto: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen besucht am 22. August 2017 zusammen mit ihrer norwegischen Kollegin Ine Marie Eriksen Soreide bei ihrer Sommerreise U35 im Marinestützpunkt Eckernförde – Bundeswehr/Jane Schmidt)

86 Kommentare zu „Kein einziges deutsches U-Boot fährt mehr“

  • Yossarian   |   21. Oktober 2017 - 8:09

    Wie läuft das eigentlich, wenn Israel für die gelieferten U-Boote Ersatzteile braucht? Kriegen die da Lizenzen und erledigen das selbst oder müssen die sich hier in die Lieferkette einreihen und warten am Ende dan genauso lange?
    Wenn Lizenz, vielleicht sollte die Marine dann mal dort anfragen? ;)

  • Memoria   |   21. Oktober 2017 - 8:22

    @Micka:
    „woran fehlt es jetzt eigentlich bei der Ersatzteilbeschaffung, am Geld oder am Know-How?“

    Am echten Willen die Einsatzbereitschaft zu verbessern.
    Diesen gibt es weder in der politischen Leitung noch in der militärischen Führung.

    Und so wird das Thema eben administriert und man erzählt sich jedes Jahr erneut, dass eben Ersatzteile und Fachpersonal fehlen.

  • MikeMolto   |   21. Oktober 2017 - 8:58

    @ Micka | 21. Oktober 2017 – 1:30

    Es fehlt an politischem Willen.

  • NMWC   |   21. Oktober 2017 - 10:09

    @Georg

    Als Verbesserung zu Ihren Ausführungen (wir hatten ein ähnliches Thema vor langer Zeit).

    Es gibt keine TLB Verträge im Marinebereich. Und Instandsetzungsrahmenverträge für die verschiedenen Boots- und Schiffsklassen auch nicht.
    Es wird quasi alles ausgeschrieben.
    Und somit werden bspw auch in einer unter Vertrag genommenen Werftliegezeit sämtliche Befundungen für zunächst verdeckte Themen ausgeschrieben. Was das auf der Zeitachse so bedeutet, können Sie sich als Kenner der luftseitigen Situation bestimmt ausmalen.
    Das war schon mal anders vor vielen Jahren.
    Aber dies nur am Rande.
    Im Moment hat die HVR, bzw Herstellung der Einsatzreife (neuer Name für eigentlich alten Wein, siehe @Klabautermanns Ausführungen) für die neuen Projekte aber ein besonderen Fokus. Nur kostet das Ganze mehr Geld als man in den letzten 10Jahren bereit war dafür auszugeben. Und auch Zeit, wenn ich so an die strategischen Ersatzteile denke. Einige davon baue ich nicht mal eben so und innerhalb eines Monats.
    Aber dies nur am Rande…

  • Georg   |   21. Oktober 2017 - 11:22

    @ Micka

    Es fehlt an Logistikstrukturen, also an Instandsetzungseinrichtungen wie dem Marinearsenal in Kiel, das am 31.12.2015 geschlossen wurde, am erfahrenen Personal und an verläßlichen Aufträgen an die zivile Industrie zur dauerhaften Betreuung der U-Boote, damit die Personal vorhalten und bezahlen kann auch wenn gerade kein U-Boot außerplanmäßig zu instandsetzen ist.

    Mal unter den Kieler Nachrichten googlen zum Thema „Das Marinearsenal Kiel ist Geschichte“. Das geht sogar soweit, das die Bw die Ausbildungswerkstatt, die jährlich 40 Systeminformatiker, Elektroniker und Industriemechaniker ausgebildet hat, trotz heftiger Proteste der regionalen Wirtschaft ebenfalls geschlossen hat.

    Wenn man nicht mehr bereit ist den Nachwuchs auszubilden, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn es keine Fachkräfte für die Bw mehr gibt !

  • Georg   |   21. Oktober 2017 - 11:34

    @ NMWC

    Danke für ihre Ausführungen. Damit habe ich etwas dazu gelernt.

  • Christian Schwanke   |   21. Oktober 2017 - 12:36

    Wofür braucht Deutschland heutzutage eigentlich überhaupt U-Boote?
    Ist ja nicht so, dass wir wie andere Länder dort Atomwaffen unterbringen könnten.

  • Dante   |   21. Oktober 2017 - 12:55

    @Georg
    @rapid prototyping
    Das war im übertragenen Sinne gemeit. das man ne 5 To sichelschraube nicht ohne weiteres ausdrucken kann ist mir bewusst. Der Punkt war ja lediglich wie man Verträge ohne die entsprechende Wartungs und Reperaturverträge unterschreiben kann.

  • Georg   |   21. Oktober 2017 - 13:03

    Aber fragen kann man sich dann schon irgendwie, warum man überhaupt U-Boote braucht, es aber anscheinend nicht notwendig ist, wenn jederzeit mindestens x Schiffe einsatzbereit sind. Kann mir das vielleicht jemand erklären? Wenn man U-Boote überhaupt braucht, braucht man dann nicht auch immer eine gewisse Anzahl an U-Booten, die irgendwie unterwegs sind und quasi immer bereit stehen für mögliche kurzfristige Einsätze und Missionen?

  • Georg   |   21. Oktober 2017 - 14:53

    @ Georg 13:03 Uhr

    Hallo, nachdem der Post nicht von mir stammt, wäre es nett, wenn Sie sich einen etwas geänderten Nickname zulegen würden, damit die Aussagen von den unterschiedlichen Kommentatoren für die Anderen noch unterschieden werden können.

    Danke

    Georg (vermutlich der Ältere, zumindestens in der Historie der Kommentatoren)

  • MarderMüller   |   21. Oktober 2017 - 17:32

    Abgesehen davon, dass der Zustand der Seestreitkräfte für ein Land mit langen Küstenstreifen an Nord- und Ostsee einfach katastrophal ist, hat die Bundesrepublik Deutschland doch bestimmt Verpflichtungen im Nato – Rahmen zu erfüllen.

    Wie wird das gehandhabt? Für einen Überblick wäre ich den Marinekameraden dankbar.

  • Nikom   |   21. Oktober 2017 - 17:53

    Ich hatte ja bereits gestern nach der Rolle von UBooten in der Verteidigungs-/Einsatzplanung gefragt, da ihr völliger Ausfall offensichtlich ohne Konsequenzen ist. Da bisher keiner etwas dazu sagen konnte (wollte?) nehme ich an, dass UBoote verzichtbar sind. Die Sparfüchse bei den Haushältern werden es mit Interesse aufnehmen. Wenn dann bei den nächsten Haushaltsverhandlungen der Vertreter der Marine von der Unverzichtbarkeit der UBoot-Waffe spricht, wird ihm wohl homerisches Gelächter entgegenklingen.

  • Koffer   |   21. Oktober 2017 - 17:54

    @Christian Schwanke | 21. Oktober 2017 – 12:36
    „Wofür braucht Deutschland heutzutage eigentlich überhaupt U-Boote?
    Ist ja nicht so, dass wir wie andere Länder dort Atomwaffen unterbringen könnten.“

    Manchmal ist es zielführend Wikipedia aufzurufen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/U-Boot#Aufgaben_und_Arten_von_U-Booten

    Dort werden Sie erkenne, dass U-Boote durchaus unterschiedliche Aufgaben haben können…

    Und wenn Sie dann auch noch noch die DEU Boot googeln, dann könnten Sie auf folgende Seite gelangen (übrigens auch Wikipedia, kurze Wege und so):
    https://de.wikipedia.org/wiki/U-Boot-Klasse_212_A

  • Georg   |   21. Oktober 2017 - 18:13

    @ Dante

    zu Rapid Prototyping und so

    Okay, der Punkt ist verstanden. Zu den Verträgen hat @NMWC (ein ausgesprochener Kenner der maritimen Beschaffungs- und Logistikmaterie) etwas geschrieben.

    Ich sehe es auch so, wie einige andere Kommentatoren es schon anmerkten. Wenn ich etwas wirklich erreichen will, dann buttere ich Ressourcen in das Gebiet wo ich schnelle Fortschritte haben will. Das Vorhalten von Ressourcen (Personal, Material, Aufbau von ERFAHRUNGSWISSEN) geht aber nicht unter betriebswirtschaftlichen Optimierungsgesichtspunkten sondern nur indem investiert wird für den Eventualfall.

    Wenn man das nicht will, dann ist jede unplanmäßige Instandsetzung für längerer Zeit ein Ausfall, bis zufällig Inst-Kapazitäten freiwerden.

    Die Bw hat in der Abbauphase der letzten 25 Jahre oftmals durch noch vorhandene Resourcen (die sogenannten „eh da Kosten“) kurzfristige Engpässe aus eigener Kraft kompensieren können. Mit der Umsetzung der 2011 Reform ist dies endgültig vorbei und wir sind am unteren Ende der logistischen Leistungsfähigkeit angelangt.

    Die Abhilfe wird sehr viel Geld, Zeit und vor allem ein betriebswirtschaftliches Umdenken erfordern. Streitkräfte sind nunmal kein Profit-Center und die Instandsetzung ist dies erst recht nicht.

    Um mal eine Analogie zu bemühen. Ein Autohaus wird zwar mit der Werkstatt nicht die großen Gewinne einfahren aber ohne Werkstatt wird es nicht mehr lange Autos verkaufen und pleite gehen.

  • IstEgal   |   21. Oktober 2017 - 20:21

    @MarderMüller

    Flapsig gesagt „Keine Arme keine Kekse“

    Man wird wohl von Seiten der höheren Führung (in diese habe ich keinen Einblick) erklären das Deutschland genug leistet….im Moment eine Fregatte bei Sophia eine im Ständigen Verband vor der Türkei, eine K130 bei UNIFIL, ein paar Artillerieziele(Minöre ;-)) in ihrem ständigen Einsatzverband….wenn man alles zusammen nimmt und die Menge an Flaggenstöcken die uns geblieben sind daneben legt dann hat die Marine locker 50% ihrer Einsatzfähigen/Fahrtüchtigen Einheiten auf See und im Einsatz/Einsatzgleich*² , ich behaupte das Heer oder die LW schaffen diese Zahlen nicht und vor allem nicht seit Jahren jährlich. Das ist kein Heeresbashing!

    *² – für die Besatzung eines Schiffes/Bootes ist es im Übrigen egal ob man einen Einsatz fährt oder mehrmonatig irgendeinem Ständigen Einsatzverband angehört, Seefahrt ist immer wie Einsatz, also von der Routine an Bord her gesehen.

  • UJ   |   21. Oktober 2017 - 23:25

    Wäre die Lage nicht so tragisch (und peinlich) müsste man ja fast schon sagen:
    Um wieder voll einsatzbereit zu sein. muss sich die Marine selbst neu ent-Werfen. (pun intended)

    Im Ernst: Allmählich frage ich mich, ob eine derartige Verteidigungspolitik Ausdruck von Fahrlässigkeit ist, oder ob Absicht dahinter steckt. Dass wir Deutschen nicht das militärische Powerhouse Europas sein müssen, finde ich ja auch. Es reicht schon, wenn wir unsre Nachbarn wirtschaftlich dominieren. Eine zu starke Bundeswehr könnte Ängste in Europa wachrufen, die auf den Erfahrungen von vor 80 Jahren beruhen.

    Andererseits: Auch ein Deutschland mit schwacher, bzw. nicht einsatzbereiter Bundeswehr könnte zu Unmut führen, nach dem Motto: „Die Deutschen halten immer die Hand auf, aber niemals den Kopf hin. Selbst wenn sie eines Tages letzteres wollten, sie könnten es nicht.“

  • Ottone   |   22. Oktober 2017 - 0:01

    Boote sind keine Schiffe. Was nicht geht, das geht eben nicht – auch wenn’s peinlich wird. Und manchmal kommt noch Pech hinzu. Absehbar laufen 2 weitere Boote hinzu, wobei eines davon wie bislang U31 als first-of-class und Erprobungsträger betrachtet werden muss. Und ein paar vollzählige Besatzungen würden auch helfen.

  • Klauspeterkaikowsky   |   22. Oktober 2017 - 7:00

    TKMS bis Mitte 20er Jahre durch U-Boot-Bau ausgelastet.
    Schiffbau in Kiel – Grünes Licht für drei weitere U-Boote. Exportvorbehalte im BSR unverändert die Ausräumung der Korruptionsverdachte.
    @Yossarian, die älteren Boote der „Dolphin“-Klasse wurden werftseitig IN ISRAEL upgedated.
    (link bei ….kn-online.de/News/Aktuelle-Wirtschaftsnachrichten/Nachrichten-Wirtschaft/Kieler-Werft-soll-drei-weitere-U-Boote-fuer-Israel-bauen)
    Dabei auch 2 Boote für Deutsche Marine.

  • Koffer   |   22. Oktober 2017 - 10:01

    @UJ | 21. Oktober 2017 – 23:25
    „Eine zu starke Bundeswehr könnte Ängste in Europa wachrufen, die auf den Erfahrungen von vor 80 Jahren beruhen.“

    Für diese in der Politik auch schon von mehreren (DEU!) geäußerte Position gibt es keinen Beleg.

    Dagegen allerdings schon: 3B und Polen z.B. haben sich da klar positioniert!

    Ich glaube ehrlich gesagt nur, dass diese Position dazu da ist, dass eigenen (DEU) Versagen in der Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen zu kaschieren.

    @Ottone | 22. Oktober 2017 – 0:01
    „Und ein paar vollzählige Besatzungen würden auch helfen.“

    Wofür denn, wenn die Boote eh nicht (alle/mehrheitlich) fahren?!

  • DeltaR95   |   22. Oktober 2017 - 12:57

    @ Koffer | 22. Oktober 2017 – 10:01

    „Und ein paar vollzählige Besatzungen würden auch helfen.“

    Wofür denn, wenn die Boote eh nicht (alle/mehrheitlich) fahren?!

    Wozu dann mehr Boote kaufen? Ich gebe ihnen Recht, die Marine hat hier ein gesamtheitliches Problem.

    Egal worauf man die Schuld nun schiebt… ohne die letzte „Havarie“ wäre anscheinend ja auch nur ein Boot einsetzbar (ich sage mal bewusst nicht „einsatzfähig“) gewesen – alleine das ist schon ein Skandal an sich. Mir erschließt sich nicht, was aus der „guten alten BEPN-Zeit mit PI, ZI und DI“ geworden ist… klar, wenn die „Industrie“ alles besser macht und die Instandsetzungszeiten laut Presse gerne mal 100 % überschritten werden, kommt das gesamte System aus dem Tritt… gepaart mit dem Ausschreibungs- und Formalismenwahn kommt das hiesige Ergebnis heraus.

    Wie kann man das beheben? Vermutlich erstmal „ganz oben“ die Einstellungen in den Köpfen mancher „Manager“ (ich sage bewusst nicht Beamte/Generalstabsoffiziere) ändern… die Industrie ist nicht automatisch besser und wenn sie es sein soll, ist sie garantiert teurer, als früher die Eigeninstandsetzung gewesen ist (neben den Betriebskosten muss ja auch noch Gewinn erwirtschaftet werden)… aber solange die Bundeswehr nach Methode „BWL“ geführt wird, ändert sich gar nichts. Denn „Einsatzfähigkeit“ und „Qualität der Instandsetzung“ sind für BWLer nur schwierig in Zahlen zu messen und damit so gut wie nie existent…

  • Koffer   |   22. Oktober 2017 - 13:29

    @DeltaR95 | 22. Oktober 2017 – 12:57
    „Wozu dann mehr Boote kaufen? Ich gebe ihnen Recht, die Marine hat hier ein gesamtheitliches Problem.“

    Da stimme ich Ihnen zu, wobei es m.E.n. nur zu geringen Teilen „Schuld“ der Marine ist, sondern überwiegend durch Leitung und Führung aufgezwungen.

    „gepaart mit dem Ausschreibungs- und Formalismenwahn kommt das hiesige Ergebnis heraus.“

    Ja, in der Tat, hier sehe ich ein wesentliches Problem. Der Ausschreibungswahn, den m.W.n. in EUR nur wir so 120%tig umsetzen bringt uns zum einen nicht immer das Produkt, welches wir benötigen, aber selbst wenn, dann nahezu immer mit gerichtlichen/kammerbedingten Verzögerungen :(

    Und die Entscheidung zivile Standards mehr und mehr auch auf das Großgerät anzuwenden trifft (wenn ich das richtig verstanden habe, die Marinierten mögen mich hier korrigieren, wenn ich mich irre) die Marine sogar noch empfindlicher als das Heer…

    „Denn „Einsatzfähigkeit“ und „Qualität der Instandsetzung“ sind für BWLer nur schwierig in Zahlen zu messen und damit so gut wie nie existent…“

    Qualität der Instandsetzung könnte man vermutlich noch operationalisieren (über die durchschnittliche Dauer bis zur nächsten), aber Einsatzfähigkeit sicherlich nicht, obwohl das ja für Streitkräfte die oberste Kategorie sein sollte…

  • STO   |   22. Oktober 2017 - 14:06

    Moin,
    es gibt einen IRV für U-Boote der Klasse 212, für sog. planm. Vorhaben.
    Es gibt auch den ein oder anderen IRV für diverse in Kiel ansässige Firmen (Werft).
    Gott sei dank, werden wir ja am Norwegendeal partizipieren und zwei weitere U-Boote irgendwann bekommen.

  • Les Grossmann   |   22. Oktober 2017 - 14:36

    @“Christian Schwanke | 21. Oktober 2017 – 12:36
    Wofür braucht Deutschland heutzutage eigentlich überhaupt U-Boote?
    Ist ja nicht so, dass wir wie andere Länder dort Atomwaffen unterbringen könnten.“

    Diese Frage haben Sie sicher nicht so gemeint, UBoote sind viiiel mehr als Schiffeversenker, das tun diese eigentlich kaum noch. (DEU UBoote seit 45 nicht mehr mit Absicht).
    Was können diese Teile, ALLES!, vor allem ohne das es jemand mitbekommt, also m.E. durchaus eine strategische Komponente, umso peinlicher das ganze.
    Atomwaffen unterbringen, warum eigentlich nicht – ja genau, morgen in der BI..

  • Les Grossmann   |   22. Oktober 2017 - 14:42

    @ Ottone | 22. Oktober 2017 – 0:01
    Boote sind keine Schiffe.
    Könnte man per DaB ändern, will man aber nicht, weil Konsequenzen in Disziplinarbefugnis und Gehaltsgefüge, will man aber nicht.
    Wenn ich mir die Millionen per Teil angucke, die bewegt werden, kriegt ja jeder Sparkassendirekor mehr, der allerdings ist systemrelevant und alternativlos.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   22. Oktober 2017 - 16:09

    @Christian Schanke
    Herausragende Merkmale heutiger DEU U-Boote sind die Stealth-Außenhaut sowie die Hybrid-Anlage (Brennstoffzellen-Technologie) einschließlich verbundener Geräuscharmut mit bis zu dreiwöchigen Tauchfahrten.
    Die Boote der Deutschen Marine tragen wesentlich zur strategischen und operativen Aufklärung bei. Sie verfügen dabei aufgrund der technischen Auslegung über sonst nicht vorhandene Möglichkeiten für die Marine und die Auslandsaufklärung der Deutschen Regierung.
    Etwas mehr hier: https://bw2.link/AAGYI

  • 0815   |   22. Oktober 2017 - 16:13

    Sonntag mittag bei Kaffee und Kuchen:
    „Habt ihr gehört, Deutschland hat keine funktionstüchtigen Unterseeboote mehr!“ Bemerkung dazu aus anderem Munde: „Naja, da hätte man besser das Geld für die neue TV-Serie der Bundeswehr lieber in Ersatzteile investiert!“
    Ja! So denkt der Steuerzahler….

  • Georg   |   22. Oktober 2017 - 17:49

    @ STO

    Zitat:
    „Moin,
    es gibt einen IRV für U-Boote der Klasse 212, für sog. planm. Vorhaben.
    Es gibt auch den ein oder anderen IRV für diverse in Kiel ansässige Firmen (Werft).“

    Das hört sich doch gut an, warum hat man den Instandsetzungsrahmenvertrag (IRV) nicht auch für außerplanmäßige Vorhaben, also Bedarfsinstandsetzungen, z.b. nach Havarien erweitert ?
    Es gibt doch vermutlich sowieso nur einen Anbieter für die Instandsetzung, nämlich den Hersteller der Boote, oder ?

    Wenn man einen IRV hat, dann hat man einen festen Stundensatz pro Arbeitsstunde, ein Anrecht eine Leistung in einem bestimmten Zeitrahmen abrufen zu können. Den Arbeitsumfang und damit die Kosten der Reparatur kann man sowieso erst nach dem Befunden des Schadens festlegen, also warum keinen IRV für alle Instandsetzungsleistungen ?

    MkG von Techniker zu Techniker

  • Koffer   |   22. Oktober 2017 - 17:59

    @0815 | 22. Oktober 2017 – 16:13
    „Naja, da hätte man besser das Geld für die neue TV-Serie der Bundeswehr lieber in Ersatzteile investiert!“ Ja! So denkt der Steuerzahler….“

    Hmm, was für eine seltsame Bemerkung. Zum einen kann man mit den knapp über 30 Mio im Werbeetat glaube ich KEINE Rüstungslücke schließen. Vermutlich noch nicht einmal die Ersatzteile für die U-Boote kaufen und zum anderen muss Großgerät ja auch irgendwie bemannt werden.

    Von daher kann es m.E.n. gar nicht entweder oder sein, sondern muss zwingend sowohl als auch heißen!

  • Brogi   |   22. Oktober 2017 - 23:38

    @Georg

    Der IRV (Instandsetzungsrahmenvertrag)für U212a ist noch druckfrisch und wird aktuell noch nicht in einem Instandsetzungsvorhaben angewendet. Dies wird erst bei einem Vorhaben in 2018 erstmalig der Fall sein.

    Inwiefern durch dieses Hilfsmittel die Instandsetzungszeiten tatsächlich in zuverlässige Zeitabläufe gepresst werden können, bleibt abzuwarten.

    Die Gründe für die teils erheblichen Verzögerungen der Instandsetzungen in der jüngsten Vergangenheit sind nicht allein bei der Industrie zu suchen. Vielmehr ist der öffentliche Auftraggeber zu großen Teilen mit Schuld. Dies detailiert auszuführen würde hier den Rahmen sprengen und sollte auch nicht komplett öffentlich diskutiert werden.

    Stichpunktartig kann man aber folgende Faktoren anführen :

    * schlechte Ersatzteilbevorratung der BW ( führt zu Verzögerungen durch sehr lange Lieferzeiten für unplanmäßig notwendig gewordene Ersatzteile)
    * schlechte Unterstützung der Industrie durch die öffentliche Hand bei der Instandsetzung (zu kleine und überlastete zivile Bauleitung;eklatanter Personalmangel bei den Werftgruppen der Marine)
    * oft mangelhafte Vorbereitung der Vorhaben durch die Marine ( Grund: kaum Besatzungen vorhanden für Boote die kurz vor ihrer Werftliegezeit sind…..dieses Personal wird auf den fahrenden Booten eingesetzt….)
    * die Art der Nutzung der Boote zwischen den Liegezeiten ( kaum Zeit und Personal für vorbeugende Materialpflege…ergo höherer Verschleiß und Wartungsstau)
    * und natürlich die schon oft zitierte Versorgungsreife….nach 15 Jahren Nutzung ist es schon abendteuerlich wenn es für viele Anlagen noch immer keine endgültigen Vorschriften mit entsprechenden Ersatzteilkatalogen und den passenden Versorgungsnummern gibt….dies ist mittlerweile in Arbeit, aber auch mit minimalem Personalansatz..

    Aus meiner Sicht lässt sich die derzeitige Situation an einem wesentlichem Punkt festmachen:

    Zu wenig Personal bei der Marine ( in diesem Fall natürlich speziell im Bereich der UBoote) und auch bei den zivilen Dienststellen (MArs, BAAINBw).

  • STO   |   23. Oktober 2017 - 10:22

    Georg | 22. Oktober 2017 – 17:49
    Moin Hr. Georg, nun da haben sie recht, mittels IRV in der Sofortinstandsetzung U212,
    könnten wir schon ein bisschen Zeit einsparen, aber da stehen immer noch die roundabound 30% im Raume, die TKMS als GU für die unzähligen Subunternehmer/ Hersteller nimmt.
    Brogi | 22. Oktober 2017 – 23:38
    Ja alles richtig, wobei das Thema Bauaufsicht ein systematisches ist.
    Aber auch die Industrie will ich nicht davon kommen lassen, gerade diese Firma hat in den letzten Jahren(zehnten) zu Gunsten der Aktionäre, jede Menge hochqualifiziertes Personal gehen gelassengegangen.
    Und auch Mr. Sack ist zu, hat der Marine einen Bärendienst mit der Schließung des MArs Kiel erwiesen, nun da schließen sich die Reihen.

  • Georg   |   23. Oktober 2017 - 10:22

    @ Brogi

    Danke für ihre ausführliche Darstellung der Situation!

    Ich betrachte auch nicht die Industrie als Hauptschuldigen für die Misere, sondern die Reduzierungsmaßnahmen der Bw in den letzten 15 Jahren, wie Sie in ihrem Fazit bereits zusammenfassten.

    Zitat:
    „Zu wenig Personal bei der Marine ( in diesem Fall natürlich speziell im Bereich der UBoote) und auch bei den zivilen Dienststellen (MArs, BAAINBw).“

    Gleichzeitig ist dies aber auch der Beweis für die These, dass die Industrie alleine die Logistik von militärischen Waffensystemen, hier: U-Boote nicht stemmen kann. Also all die Einflüsterer sprich Berater, GEBB usw. der verschiedenen Bundesregierungen seit Minister Scharping 1998 mit ihren „Single Source-Supply“ bei der Industrie sind gescheitert mit ihren Empfehlungen.

    Eine Logistik nur durch die Industrie kann und wird nicht funktionieren !

    Es liegt eben nicht nur an dem mangelnden Geld um Ersatzteile auf Vorrat produzieren zu lassen !

    Es fehlt am Logistik-Personal der Bw und an einem Logistik- Kommando / Amt zur gezielten logistischen Betreuung der Waffensysteme bis hin zur aufgelösten Katalogisierungsabteilung des ehemaligen LogABw, das Versorgungsnummern für Ersatzteile vergeben hat und bebilderte Teilekataloge für die Dokumentation mit erstellt hat.

    Wenn man dies einmal seriös betrachten würde, dann müsste man einen Wiederaufbau der Logistikstrukturen der Bw betreiben, dies würde wirklich viel Geld und Personal kosten. Weit mehr Geld als es erfordert genügend Ersatzteile auf Vorrat produzieren zu lassen und genau dies ist die Schlagzeile, die es nicht in die Meldung der o.a. Marineseite geschafft hat !

  • Volldepp   |   23. Oktober 2017 - 10:59

    „Heimatfront“ ????
    Merken solche Leute noch irgendetwas ?

    Und: Warum eigentlich nur sechs U-Boote ?
    Ist das im Krieg nicht ein bisschen wenig ???

    [Das bezieht sich jetzt worauf? Habe extra mal die Kommentare durchsucht und den Begriff nicht gefunden – was wollen Sie uns damit sagen? T.W.]

  • Elahan   |   23. Oktober 2017 - 11:45

    @Georg

    „Wiederaufbau der Logistikstrukturen der Bw betreiben“

    Ja, alleine um überhaupt Erstbefähigung zu haben und dann Durchhaltefähigkeit aufbauen zu können.
    Doch leider ist die Neuausrichtung noch nicht abgeschlossen und so bauen wir Log-Fähigkeiten noch weiter ab. Schon jetzt fehlt uns einfaches Wartungspersonal in den Einsätzen und wir haben im Prinzip noch garnichts im Einsatz.

    Das ist ein Skandal………..den keiner interessiert.

  • Georg   |   23. Oktober 2017 - 13:53

    @ STO

    Der 30 % Aufschlag den TKMS als Generalunternehmer für die Koordinierung der Subunternehmer bei der Inst von U-Booten nimmt, ist aus meiner Sicht völlig gerechtfertigt. Das macht EADS auch so und selbst der kleinste Bauunternehmer fordert für schlüsselfertiges Bauen einen Aufpreis gegenüber den reinen Kosten für die einzelnen Gewerke für die Koordination der Handwerker.

    Wenn die Bw-Bürokratie meint, hier sparen zu müssen, durch event. Eigenkoordination der Instandsetzungsleistung bei gleichzeitigem Abbau der Logistikstrukturen, dann ist dies einfach nur eine beschränkte behördliche Sichtweise.

    Natürlich hat die Industrie, speziell TKMS jede Menge hochqualifiziertes Personal gehen lassen, denn die haben sich ja „hübsch“ für den Verkauf der Werft gemacht. Wenn gesicherte Aufträge von der BW vorhanden gewesen wären und damit eine Arbeitsplatzgarantie durch Auslastung vorgelegen hätte, dann wäre dies vielleicht anders entschieden worden.

    Und das Personal das gegangen ist, waren sicher meist lebensältere, erfahrene Spezialisten, die über Altersteilzeit und ähnliche Instrumente „ausgephast“ wurden. Dieses Erfahrungswissen ist weg und muss jetzt teuer und mit viel Zeit wieder erworben werden. Dies ist eben der Unterschied in der Firmephilosophie einer Aktiengesellschaft mit 3 monatiger Gewinnerwartung und einem mittelständigen Familienbetrieb !

    Und die Bw hat mit der Schließung des Marinearsenals in Kiel genau das gleiche gemacht !

    @ Elahan

    Das 2 % BIP- Ziel ergibt schon einen Sinn, wenn man die hohlen Strukturen der Bw endlich wieder einsatzfähig machen will…

  • Klauspeterkaikowsky   |   23. Oktober 2017 - 19:18

    U-Bootverkauf an Israel ist durch. 30% der Kosten von Berlin garantiert ~ 550 Mio €.
    Sicherheit Israels ausschlaggebend, ist aus BR zu hören. (ZDF)

  • Elahan   |   23. Oktober 2017 - 20:27

    @Georg

    „Das 2 % BIP- Ziel ergibt schon einen Sinn, wenn man die hohlen Strukturen der Bw endlich wieder einsatzfähig machen will….“

    Nur man will mit diesem mehr an Geld keine hohlen Strukturen einsatzfähig machen, sondern sichern…….wie in einer Insolvenzverschleppung üblich.