Russland vernichtet seine letzten Chemiewaffen

Russland hat seine letzten Chemiewaffen zerstört und damit seine Verpflichtung aus der Konvention zur Ächtung chemischer Waffen erfüllt. Die Vernichtung des Arsenals aus Sowjetzeiten sei ein Beitrag zur Balance und Sicherheit in der Welt, sagte der russische Präsident Wladimir Putin nach Angaben des Kremls bei einer Videokonferenz mit den Offiziellen, die den Vollzug meldeten.

Es scheint eine gewisse Skepsis gegenüber den russischen Meldungen zu geben, so überschreibt Spiegel Online seine Meldung dazu: Russland zerstört angeblich letzte Chemiewaffen. 

Da ist dann die Frage, wie die entsprechende Aussage von Ahmed Üzümcü,  Generaldirektor der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), verstanden wird:

„The completion of the verified destruction of Russia’s chemical weapons programme is a major milestone in the achievement of the goals of the Chemical Weapons Convention.
I congratulate Russia and I commend all of their experts who were involved for their professionalism and dedication.
I also express my appreciation to the States Parties that assisted the Russian Federation with its destruction program and thank the OPCW staff who verified the destruction.“

Da ist ziemlich eindeutig davon die Rede, dass die Organisation die Vernichtung verifiziert hat – wer daran Zweifel anmeldet, sollte deshalb Belege vorlegen.

Das Statement von Putin (in der vom Kreml veröffentlichten englischen Fassung) hier; darin auch eine Passage, die auf die USA abzielt:

We expect that Russia’s efforts to eliminate chemical weapons will serve as an example to other countries as well. As is known, the largest chemical weapons arsenals belonged to Russia and still belongs to the United States that, regrettably, does not abide by its commitments on deadlines for chemical arms destruction. The deadlines for their elimination have been postponed three times, including supposedly due to a shortage of necessary budget funds, which sounds strange, to be honest, but let it be. We expect the United States and other countries to fulfil their commitments under international agreements.

(Foto: Putin bei der Videokonferenz – kremlin.ru)

7 Kommentare zu „Russland vernichtet seine letzten Chemiewaffen“

  • Kaschube   |   27. September 2017 - 22:35

    Hier muß natürlich auch noch angemerkt werden, dass die Vernichtung der russischen/sowjetischen Chemiewaffen ohne Finanzhilfe von westlicher Seite heute noch nicht abgeschlossen wäre.

  • Harald Haraldsen   |   27. September 2017 - 22:54

    Ich finde an der Spiegel-Online Überschrift kann man mal wieder sehr viel über Spiegel-Online lernen.

    Danke an Augengeradeaus und T. Wiegold für die Klarstellung.

    Wie schaut es eigentlich mit den Spenden, nach dem längeren (wohlverdienten) Urlaub, aus. Ein Aufruf könnte mal wieder Wunder bewirken.

  • Gepard65   |   28. September 2017 - 8:54

    Da hat er Recht, der Putin — mein Gott, was habe ich die Bedrohung durch die C-Waffen gehasst! Wie ging der Spruch, Tabun, Sarin, VX sind für deine Lungen nix (oder so ähnlich). Und gegenüber dem Zeugs im 1.WK reinste Monsterwaffen… Es ist ein wichtiger Beitrag, auch wenn es den vielen kalten Kriegern hier nicht in den Kram und Weltbild passt!
    Danke, VG, NG.

  • Klauspeterkaikowsky   |   28. September 2017 - 9:51

    DEU hat lt SPON 367 Mio € beigetragen durch Bau/Unterhalt VernichtungsInfra.
    RUS muss aber weiterhin Forschung betreiben, Kompetenzerhalt z.B.Syrien.

  • uli   |   28. September 2017 - 12:54

    Ich könnte mir vorstellen daß die russischen C-Waffen, wegen Überlagerung, ohnehin nicht mehr Einsatzfähig waren. Sollte man, wider erwarten, trotzdem mal die Fähigkeit zum „Buntschießen“ brauchen, lassen sie sich, im Gegensatz zu A- und B-Waffen, relativ leicht produzieren. Und mit der Aufforderung ,an die USA, gleichzuziehen, ist auch noch ein propagandistischer Mehrwert gegeben.

  • Eike Henning   |   28. September 2017 - 19:38

    Der Spiegel Artikel gibt auch noch eine kleine Info warum die USA noch nicht so weit sind

    Er forderte die USA auf, ihre letzten Chemiewaffen wie vereinbart ebenfalls abzurüsten. Drei Mal sei die Zerstörung von C-Waffen mit der Begründung finanzieller Schwierigkeiten ausgesetzt worden.

    [Das ist keine Info des Spiegels, sondern steht in dem verlinkten Putin-Text. T.W.]

  • Alex   |   28. September 2017 - 20:48

    Es waren „nur“ 40.000 Tonnen. Im Vergleich zur jährlichen Biowaffen-Produktionskapazität der 18 geheimen Biopräparat-Fabriken von je 10.000 Tonnen ist das ein Witz, obwohl Chemiewaffen im Vergleich zu den Biowaffen legal waren. Über die „Novichok“-Waffen (Größenordnung tödlicher als VX) ist nur wenig bekannt, alles unter dem Deckmantel der Pestizidherstellung.