Gastbeitrag: Saving Private Schmitz

In der aktuellen Debatte über die Bundeswehr, was sie prägt, ihr Traditionsverständnis und natürlich auch die Fälle und Vorwürfe rechtsextremistischer Umtriebe freue ich mich über diesen Gastbeitrag: Gregor Weber ist Autor und bekannt als Schauspieler. Unter anderem spielte er zehn Jahre lang Kommissar Stefan Deininger im saarländischen Tatort. Die Bundeswehr ist seit vielen Jahren ein wichtiges Thema seiner Bücher und seines Lebens. Nach dem Wehrdienst als Funker bei der Marine wechselte er in der Reserve zum Heer und leistet dort seit gut zehn Jahren regelmäßig Dienst als Pressefeldwebel in der Gebirgs- und Fallschirmjägertruppe. In dieser Funktion war er 2013 auch im ISAF-Einsatz in Kunduz. Derzeit ist er bei der Division Schnelle Kräfte beordert. Sein aktueller Dienstgrad ist Hauptfeldwebel d.R.

Saving Private Schmitz – wie wir die Bundeswehr umarmen sollten

Ein Soldatenfriedhof am Strand der Normandie. Sonnenschein, viele Besucher. Stars and Stripes wehen majestätisch im Wind, daneben die Flagge Frankreichs. Ein alter Mann geht unsicher über das Gras, durch endlose Reihen weißer Steinkreuze und Davidssterne, in einigen Metern Abstand offenbar seine Familie. Vor einem Kreuz bleibt er stehen, muss, von überwältigender Regung erschüttert, in die Knie, hält sich am Kreuz fest. Er weint.

So beginnt und endet der Film „Saving Private Ryan“. Dazwischen entfaltet sich die Geschichte der Rettung dieses Mannes als junger Fallschirmjäger bei der Befreiung Frankreichs. Ein Trupp Ranger hat alles riskiert und das meiste verloren, um ihn zu finden. Der Führer des Trupps, Captain Miller, sagt am Ende sterbend zu dem jungen Ryan: „Earn this. Earn it!“, verdien dir diese Rettung. Und Ryan, jetzt ein alter Mann, fragt, fast bittend wie ein Kind, seine Frau, ob er ein gutes Leben geführt hat. „Tell me, I am a good man“, sag mir, dass ich ein guter Mensch bin.

In diesen wenigen Ausschnitten liegt – hochemotional aufbereitet – das Bestmögliche, was Soldat sein bedeuten und das Äußerste, was es fordern kann. Die Verpflichtung, dem Ruf der eigenen Nation in der Not zu folgen. Der Wille, einer anderen Nation im Kampf um die Freiheit beizustehen. Die Bereitschaft, für einen unbekannten Kameraden das Leben zu wagen. Kämpfen und dabei anständig bleiben. Den Tod anderer nicht achselzuckend hinzunehmen, sondern daraus ein Ethos fürs eigene Weiterleben abzuleiten. Die Gefallenen nicht vergessen. Dankbar sein für das eigene Leben und die eigene Freiheit. Die Anerkennung dessen, was der Soldat im Krieg erduldet und geleistet hat durch Familie und Gesellschaft.

Als Deutscher sieht man diesen und zahllose andere Filme mit gemischten Gefühlen. Denn es sind selbstverständlich und wahrheitsgemäß nie deutsche Soldaten, die auf der Leinwand Unfassbares erleben, um am Ende, seien sie auch noch so beschädigt und erschüttert, als Helden da zu stehen, weil alles, was sie erlitten und taten, zu einem höheren Zweck geschah. Dass viele Soldaten der Wehrmacht ihren eigenen Kriegsdienst wohl nicht anders in der Rückschau beurteilten als alliierte Kämpfer, ändert auch nichts daran, dass der Zweck, zu dem sie auf die Schlachtfelder geschickt wurden, durch und durch böse und menschenverachtend war. Da ist ein Riss. Eine Schlucht. Ein Trauma.

Das Selbstbild gebot dem Einzelnen, sich trotz der verbrecherischen Motive des Nazi-Staates letztlich als treuen Verteidiger des eigenen Landes zu sehen, der unter der Androhung, selbst an die Wand gestellt zu werden, zum notgedrungenen Werkzeug des Terrors geworden war. Der sogenannte Befehlsnotstand musste als Rechtfertigung herhalten und infizierte jeden Versuch der ehrlichen Aufarbeitung.
Gegen diese Infektion wurde die Bundeswehr von Geburt an geimpft. Das Mittel heißt „Innere Führung“ und besteht aus mehreren Ingredienzen. Der Integration in Staat und Gesellschaft, dem Leitbild des Staatsbürgers in Uniform, der Legitimation des Auftrags, den Grenzen von Befehl und Gehorsam und dem Prinzip des Führens mit Auftrag kommt von diesen Zutaten für die Beurteilung der derzeitigen Lage der Bundeswehr wohl die größte Bedeutung zu.

Kurz gefasst bedeuten sie, dass jeder Soldat der Bundeswehr immer auch voll berechtigter Bürger bleibt (mit minimalen Einschränkungen in der Dienstzeit) und so Teil der Gesellschaft, und dass er auf seiner Ebene Entscheidungen immer selbst verantwortet. Ob Gefreiter oder General, ein Soldat der Bundeswehr muss Befehle und Aufträge auf ihre Rechtmäßigkeit überprüfen und unrechtmäßige Befehle verweigern. Sonst wird er ebenso haftbar für Folgen gemacht, wie der Vorgesetzte, der den Befehl erteilt hat.
Jeder Soldat dieser neuen Armee sollte die Demokratie und ihre Werte als untrennbaren Teil seiner Nation begreifen, als das, wofür er im Ernstfall kämpft. Um das lebendig zu halten, darf man ihm auch in Uniform niemals den vollen Schutz dieser Freiheiten und die Rechte des Bürgers einer Demokratie nehmen. Freier unter Freien, eingebunden in eine Hierarchie zwar und in ein System, das nur durch Befehl und Gehorsam funktionieren kann, ihm aber – durch das Prinzip „Führen mit Auftrag“ – die volle Verantwortung für erhaltene Aufträge überträgt und ihm zutraut, stets die Absicht seiner Führung zu begreifen und seine Auftragserfüllung in deren Sinne selbständig zu planen und anzugehen. Das würde er endlich sein. Der deutsche Captain Miller, der deutsche Private Ryan.

Als ich mich 1987 entgegen der vorherrschenden Haltung in meinem gesamten Freundeskreis entschloss, zur Bundeswehr zu gehen, hatte das sehr viel mit diesen Prinzipien zu tun, ohne dass ich diese damals wirklich gekannt hätte. Ein Lehrer für Religion, Geschichte und Politik, der mich im Gymnasium sehr geprägt hat, hatte mir – obwohl selbst Pazifist – in einem Gespräch geraten, diesen Schritt zu gehen, weil wir diese Armee doch nicht nur den Konservativen überlassen könnten. Das sei zum ersten Mal in der deutschen Geschichte eine Armee, die aus den richtigen Gründen existiere und die uns alle repräsentiere. Deswegen sei es wichtig, dass auch junge Männer mit meinen politischen Einstellungen in ihr dienen würden, sonst würde es irgendwann vielleicht kippen.

Ich hatte keine Angst vor dem Wehrdienst. Ich war gespannt. Die Grundausbildung war kein Spaziergang, aber auch weit entfernt von irgendeiner Hölle. Ich fühlte mich nie bedroht oder machtlos. Wenn mir etwas gegen den Strich ging, las ich, was dazu im Soldatengesetz stand und vertrat dann meinen Standpunkt. Mein Gruppenführer war nicht die hellste Kerze auf der Torte und im einzigen Suff, den er sich je mit uns erlaubte, sonderte er rassistische Sprüche ab, woraufhin ihm Eiseskälte seiner Untergebenen entgegenschlug und er recht flott das Mannschaftsheim verließ. Vielleicht hatte ich Glück. Es gab und gibt immer auch Schleifereien bei der Bundeswehr. Es gab und gibt Verletzte und Tote. Gebrochene Menschen. Es gab und gibt Rechtsextremisten.

Es ist eine Binse, dass Dienst in der Bundeswehr Menschen mit rechtsextremen Einstellungen anzieht. Es ist aber auch eine Tatsache, dass in aller Regel nichts so zuverlässig zu disziplinaren Maßnahmen bis hin zur Entlassung führt, wie das Auffälligwerden solcher Einstellungen. Die Innere Führung, die fortwährende Sensibilisierung in der Vorgesetztenausbildung, die drastischen Veränderungen in der Bundeswehr von den Auslandseinsätzen über die Öffnung aller Laufbahnen auch für Frauen bis hin zur Aussetzung der Wehrpflicht, die von der Bundeswehr immer wieder Aufmerksamkeit nach innen, Wandel, Anpassung an neue Gegebenheiten fordern – das alles steigert die Wachsamkeit, kostet aber auch Kraft.

Und die Soldaten dieser Bundeswehr mussten sich seit 1991 in atemberaubendem Tempo in ihrer militärischen Verfasstheit mehrfach um die eigene Achse drehen. Von der Massenarmee des Kalten Krieges in eine kleinere professionelle Einsatztruppe. Und damit vom theoretischen Krieg hin zum tatsächlichen. Neben dem Erlernen und Trainieren militärischen Handwerks geriet durch die sich intensivierende Bedrohungslage in Afghanistan eine andere, komplexere Anforderung in den Fokus: Die Definierung und Heranbildung eines Ethos des Kämpfers, aber aus dem Prinzip der Inneren Führung heraus und zu den Prinzipien einer freiheitlichen Demokratie passend.

Damit tut sich die Bundeswehr enorm schwer, unter anderem, weil sie fürchtet, dieses Ethos in unserer Friedensgesellschaft am Ende dem Bürger nicht vermitteln zu können, weil dieser entweder davon peinlich berührt ist oder sich sogar erschrickt. Dass dann an vielen Stellen ein fehlendes Leitbild mit plumpem Machismo ersetzt wurde, hatte fatale Folgen für das innere Gefüge. Exzesse in der Ausbildung, sinnlose Härte, die nichts mit notwendiger Herausbildung von Durchhalte- und Leidensfähigkeit zu tun hat, alltägliches Mobbing und immer wieder auftretender Sexismus haben sowohl mit einem fehlgeleiteten Männer- und Kämpferbild zu tun, als auch mit nicht ausreichender Führung und Leitung.

Natürlich wurde bei der Bundeswehr immer auch zum Kämpfen ausgebildet, aber es ist etwas anderes, wenn nach der Ausbildung dann tatsächlich Gefechte und Anschläge kommen. Wenn geschossen wird, getötet und gestorben. Wenn Soldaten verwundet an Körper oder Seele zurückkehren. Wenn die Gründe, weswegen Soldaten in Einsätze geschickt werden, sich fundamental von den gewohnten Erklärungsmustern für die Existenz der Bundeswehr unterscheiden. Wenn klar wird, dass sich viele Bürger nicht mehr selbstverständlich mit diesen neuen Erklärungen identifizieren können und ihre allgemeine Ablehnung weltweiter militärischer Engagements als Ablehnung ihrer selbst bei den Soldaten ankommt. Als dann auch noch die Wehrpflichtigen aus den Kasernen verschwanden, geriet der Austausch zwischen Armee und Bevölkerung ernstlich ins Stocken.

Richtig schwierig wurde es aber mit dem Selbstverständnis deutscher Soldaten, als sich vor allem anhand des Afghanistaneinsatzes zeigte, dass verantwortliche Politiker der kritischen Bevölkerung eine Sicht der Lage und der nötigen Schritte vermittelten, die viele Soldaten nicht in Einklang mit ihrer persönlichen Erfahrung im Einsatz brachten, von der sie aber das Gefühl hatten, sie passe Politik und Gesellschaft so gut in den Kram, dass die Sicht der Soldaten keine Rolle im öffentlichen Diskurs mehr spielen dürfe.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt – so habe ich das jedenfalls wahrgenommen – lavierten sich manche Soldaten innerlich in eine Haltung, die der der Generation Wehrmacht ähnelte. Wenn Ihr nur noch Eure Interpretation gelten lasst, dann ziehe ich mich eben auf die Erhaltung meines Selbstbilds zurück. Dass eine solche Haltung eher kindischen Trotz ausdrückt als einen förderlichen Austausch anzustoßen, kam und kommt diesen Soldaten eher nicht in den Sinn. Und ich fürchte, der eine oder andere unter ihnen hampelt aus genau diesem Trotz gerne mit Wehrmachtshelmen und Schmeißer-MPs herum. Weil er sich gedisst fühlt wie Opa und den unwiderstehlichen Drang verspürt, mit dem Feuer zu spielen.

Wenn sich dieser Trotz über Jahre und Karrieren durch die Führungsebenen zu ziehen beginnt, kann er zur ernsthaften Gefahr werden. Ich glaube keinesfalls, dass die Bundeswehr ein Rechtsextremismusproblem hat, das wesentlich über dem der Gesamtgesellschaft liegt. Auch ein Franco A. samt möglichen Mitverschwörern, so unerträglich und vollständig inakzeptabel die vermutlichen Tatbestände für die Bundeswehr auch sind, ändert nicht die Statistik.

Aber die Bundeswehr hat meiner Ansicht nach ein Problem mit Trotz, Rückzug aus dem gesellschaftlichen Diskurs und mit fehlender durchgreifender Führung auf vielen Ebenen. Letzteres hängt auch mit der Konstruktion der Karrieren von Berufsoffizieren zusammen. Wer Führungskräfte alle zwei, drei Jahre quer durch die Republik versetzt und ehrgeizigem Personal früh klar macht, dass schon die geringsten Fehler zu massiven Karriereknicks führen können, der darf sich nicht wundern, wenn Probleme hier und da nicht gelöst, sondern für Nachfolger liegen gelassen werden oder ein Klima entsteht, in dem Soldaten zum Schönreden neigen und vorauseilend nach oben melden, es sei schon alles in Ordnung. Was dann wiederum dazu führt, dass von oben, wo eigentlich klar ist, dass nicht immer alles so in Ordnung ist, wie man sich das herbeibefiehlt, dann große Überraschung demonstriert werden muss, wenn ein Sumpf sich zeigt.

Dass in einer Organisation mit gut 170.000 Mitgliedern, die der Sicherheit eines Landes dient und deren Angehörige für die Interessen dieses Landes mit der Waffe in der Hand und der eigenen Gesundheit auf dem Spiel einstehen müssen, nicht immer und zu jeder Zeit alles gut sein kann, wird jeder vernünftiger Mensch einsehen. Und an dem, was in den letzten Wochen und Monaten an die Oberfläche kam, gibt es nichts zu beschönigen, sondern nur Ermittlungsergebnisse und Urteile abzuwarten, sowie klare Konsequenzen durch die Bundeswehr zu zeigen. Rechtsextremismus, Mobbing, Sexismus und unnötige Härte haben in der Bundeswehr nichts zu suchen. Das weiß die Bundeswehr selbst sehr gut, denn die allermeisten Soldaten dieser Armee wollen nur eines: Die Soldaten dieses Landes, seiner Institutionen und seiner Bevölkerung zu sein, weil jeder Soldat dieser Armee Teil davon ist.

Und wir alle können der Bundeswehr dabei helfen. Indem wir ihr zeigen, dass wir sie in unserer Mitte brauchen und wünschen. Ich darf hier noch mal an meinen Gymnasiallehrer erinnern. Die Bundeswehr ist mit all ihren Fehlern die beste und sauberste Armee, die Deutschland je hatte. Sie ist unser aller Armee. Wir können sie formen. Wenn wir Bürger finden, es gibt in ihr zu viele Soldaten von der falschen Sorte, dann ist es an uns, dafür zu sorgen, dass mehr von der richtigen Sorte in ihr dienen. Retten wir Private Schmitz.

(Text ©Gregor Weber; Foto: privat)

116 Kommentare zu „Gastbeitrag: Saving Private Schmitz“

  • klabautermann   |   21. Mai 2017 - 11:11

    @T.W.

    Wenn man den Primat der Politik über die Streitkräfte aushöhlen will, dann muß man natürlich die Hierarchie der sicherheits-/verteidigungspolitischen Regierungsdokumente aushöhlen und dann „nutzt“ man eben jeden Faden hier im Blog, um solche Sätze unterzubringen: „Hinsichtlich VPR –> ich denke sie wird auslaufen. Mit einem aktuellen Weißbuch gibt es keine Notwendigkeit mehr für eine VPR, wenn die KdB im strategischen Teil etwas umfangreicher wird…“ Das ist der Versuch eine politische Strategie durch eine Militärstratgie getarnt als Streitkräftekonzeption zu ersetzen. Das ist genau das, was ich als political highjacking bezeichnet habe.
    „Politischer Wandel und Subversionstrategie“ ist afaik der Titel einer recht radikalen „wissenschaftlichen“ Arbeit über Veränderungsstragegien, man kann’s ja auch moderater und subtiler versuchen ;-)
    Eigentlich ist dieser Ansatz das genaue Gegenteil von der „Message“, die Gregor Weber in seinem Text hier veröffentlicht hat.

  • Koffer   |   21. Mai 2017 - 12:14

    @klabautermann | 21. Mai 2017 – 11:11
    „Wenn man den Primat der Politik über die Streitkräfte aushöhlen will,“

    Warum so unsachlich?

    Wie Sie zu diesem Vorwurf kommen ist mir allerdings schleierhaft :(

    (Da Sie sich unmittelbar auf meinen Beitrag beziehen, gehe ich davon aus, dass Sie (auch) mich mit diesem Vorwurf meinen.)

    Kurz, knapp und sachlich (eine emotionale Antwort lag mir schon auf der Zunge, aber mit Rücksicht auf den Hausherren, spare ich mir die jetzt ;) ): Nichts liegt mir fernen, als das Primat der Politik über die Streitkräfte aushölen zu wollen.

    „dann muß man natürlich die Hierarchie der sicherheits-/verteidigungspolitischen Regierungsdokumente aushöhlen und dann „nutzt“ man eben jeden Faden hier im Blog, um solche Sätze unterzubringen“

    Entschuldigung, aber auch das ist eine unsachliche und unzutreffende Unterstellung.

    Die VPR sind kein notwendiges, sicherheitspolitisches Dokument. Das erkennen Sie u.a. auch daran, dass nicht jede Bundesregierung sich dieses Mittels bediente und das die VPR (wenn es sie denn gab) manchmal durch das BMVg in zeitlichem Zusammenhang, häufig aber auch VOR einem neuen Weißbuch veröffentlicht wurde. Teilweise war sie auch ein „Zwischen-“ oder „Brückendokument“ zwischen zwei Weißbüchern, wenn die Abstimmung innerhalb der verschiedenen Ministerien länger dauerte, man aber bereits etwas veröffentlichen wollte (musste).

    „Das ist der Versuch eine politische Strategie durch eine Militärstratgie getarnt als Streitkräftekonzeption zu ersetzen.“

    Zunächst einemmal wäre das ansich kein Verstoß gegen das Primat der Politik. Die Frage ist ja nicht ob es eine „Militärstrategie“ gibt, sondern wer für sie verantwortlich zeichnet…

    Aber in diesem Fall geht es um etwas ganz anderes.

    Das aktuelle Weißbuch unterscheidet sich in seiner Konzeption deutlich von früheren. Es umfasst manche Aspekte, die über alte hinausgehen und in andere Politikfelder hineinreichen, es ist aber auch teilweise „übergriffig“ in Bereiche die früher durch VPR abgedeckt wurden.

    Zudem habe ich gehört/gelesen, dass die neue KdB aus einem öffentlichen und einen nicht-öffentlichen Teil (VS-NfD) bestehen soll.

    Es steht also zu vermuten, dass auch die neue KdB eine (teilweise) andere Konzeption haben wird, als die vorherige.

    Wenn jetzt ein Teil der alten VPR durch das Weißbuch abgedeckt wird, ist es m.E.n. nicht abwegig, dass das BMVg auch den noch verbliebenen Teil einer VPR sozusagen in den öffentlichen Teil der KdB integriert.

    Also nix mit Verschwörung und so. Sondern lediglich neue Struktur der Konzepte…

    Darüber hinaus habe ich ja auch keinen Einfluss auf die IBuK und den GI wie die beiden die Grundsatzdokumente gliedern wollen, von daher bin ich ja auch nur „deskriptiv“ tätig und nicht gestaltend…

    „„Politischer Wandel und Subversionstrategie“ ist afaik der Titel einer recht radikalen „wissenschaftlichen“ Arbeit über Veränderungsstragegien, man kann’s ja auch moderater und subtiler versuchen ;-)“

    Meine Beteiligung an dieser Diskussion jetzt mit den pseudo-wissenschaftlichen Ergüssen eines (vermuteten) Rechtsextremisten, Terroristen und Hochverräters in einem Satz zu nennen, ist jetzt doch schon ein starkes Stück :(

    Mehr Sachlichkeit lieber @klabautermann, mehr Sachlichkeit!

  • Pete   |   21. Mai 2017 - 13:17

    @T.Wiegold

    Sehr geehrter Herr Wiegold, ich empfehle jedem an diesem Thema interessierten Leser die folgenden zwei Stellungnahmen zu den aktuelle Vorfällen in der Bundeswehr:

    1. Im Cicero der Artikel von Rudolf Adam (ehemaliger Vizepräsident des BND und ehemaliger Präsident die Bundesakademie für Sicherheitspolitik).

    Titel: „Von der Leyen und die Geister der Vergangenheit“

    [Link gelöscht]

    2. Offener Brief des ehemaligen Staatssekretärs im BMVg unter Helmut Kohl, Willy Wimmer, an Ministerin von der Leyen:

    [Link gelöscht]

    Hier melden sich zwei absolute sachkundige Kenner der Bundeswehr/Sicherheitspolitik zu Wort. Je ein Kommentar zu Rudolf Adam und zu Willy Wimmer:

    Zu Adam: Endlich hat es jemand geschafft das hier debattierte Thema in den notwendigen geschichtlichen und sicherheitspolitischen Gesamtzusammenhang zu bringen. Ein Mann der nicht nur „Meinungen“ vorträgt, sondern glasklar und sachkundig argumentiert. Es wäre der Bundeswehr zu wünschen, dass solche sachkundigen „Kaliber“ als Staatsekretär im BMVg in der Verantwortung wären. Dann würde für die Bundeswehr „alles gut“ werden.

    Zu Wimmer: Der Mann kennt aus eigener Erfahrung als CDU- Staatssekretär im BMVg die Bundeswehr. Mit dieser Sachkenntnis legt er den Finger in die Wunde bezüglich des derzeitigen Handelns der Ministerin welches eben meines Erachtens nicht von überlegtem Handeln geprägt ist, sondern vom kurzfristigen Effekt..

    [Sie haben sich neulich aufgeregt, als ich Ihr Verhalten als böswillig bezeichnet habe. Und jetzt verlinken Sie bewusst deutsche Verlagswebseiten? Inhaltlich werde ich darauf auch gar nicht erst eingehen. So werden Sie mich nicht mehr vorführen. T.W.]

  • Koffer   |   21. Mai 2017 - 13:18

    @klabautermann | 21. Mai 2017 – 11:11
    NACHTRAG

    Das mit den VPR ist natürlich nur eine Spekulation. Allerdings habe ich aus dem BMVg auch bisher nichts davon gehört, dass derzeit an VPR gearbeitet würde. Im Gegensatz zur neuen KdB, die noch im Sommer rauskommen soll.

    Ich kann mich natürlich auch täuschen… allerdings habe ich auch ganz praktisch Zweifel daran, dass noch vor der BT-Wahl im Herbst genügend Zeit für KdB und VPR besteht.

    Es gäbe natürlich noch ein drittes Szenario…

    Man könnte die VPR sozusagen bewußt aufsparen um einer neuen BReg/IBuK nach der BT-Wahl die Möglichkeit zu eigenen Akzenten zu geben ohne gleich ein neues Weißbuch herausgeben zu müssen…

  • Sönke Marahrens   |   21. Mai 2017 - 13:40

    @Pete

    Das was Adam für die Bundeswehr fordert, hat er als Präsident für die BAKS…dem strategischen Think Tank für Deutschland selbst nicht geschafft… es waere sein Job gewesen.

    Und Herr Wimmer hätte zu seiner Zeit als StS alle Möglichkeiten gehabt, die Erlasse nach seinem Gusto zu verändern. Er hätte es nur angehen müssen….

    Klingt alles wie General Kujat, der auch immer vergisst, dass die Bw wegen ihm nicht die Weizsäcker Reform durchgeführt hat…

  • Pete   |   21. Mai 2017 - 13:58

    @Sönke Mararaens

    1. „…Das was Adam für die Bundeswehr fordert, hat er als Präsident für die BAKS…dem strategischen Think Tank für Deutschland selbst nicht geschafft… es waere sein Job gewesen…“

    Das ist schlicht falsch. Es nicht „der Job“ des BAKS Chefs die Bundeswehr auf eine saubere Grundlage zu stellen. Das ist die Aufgabe des Parlaments (Parlamentsarmee) und der Regierung.
    Herr Adam hat nach meiner Erinnering ausgezeichnete Beiträge in seiner Zeit als Präsident der BAKS geleistet.
    Warum sofort den Mann diskreditieren und nicht auf seine Argumente im Artikel eingehen?

    2. „…Und Herr Wimmer hätte zu seiner Zeit als StS alle Möglichkeiten gehabt, die Erlasse nach seinem Gusto zu verändern. Er hätte es nur angehen müssen….“

    Herr Wimmer hat zu seiner Zeit die Erlasse so geändert wie er es für richtig hielt. Untätigkeit jkann mam ihm in der großen Zeit der Wiedervereiniguung nicht vorwerfen. In seine Zeit als Staatsekretär wurden die großen Aufgaben der Integration der ehemaligen NVA und des Abzugs der sowjetischen Streitkräfte aus Ostdeutschland gemeistert. Dass war ein dickes Brett, das da gebort werden mußte. Un dass er ein gewissenstreuer Abgeordneter war ist auch aus seinem Handeln im Kosovokrieg und im Irakkrieg zu entnehmen. Der Mann hat als Staatsekretär im BMVg nun wirklich Größeres bewirkt als Bilder zu entferenen.
    Anbei Link:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Willy_Wimmer#Politisches_Wirken_und_Positionen

    Nochmals: Nicht immer nur die Menschen angreifen, bitte auf die Argumente eingehen!

  • Pete   |   21. Mai 2017 - 14:05

    @Sönke Marahrens
    „…Klingt alles wie General Kujat, der auch immer vergisst, dass die Bw wegen ihm nicht die Weizsäcker Reform durchgeführt hat…“

    Auch General Kujat war ein ausgezeichneter Generalinspekteur und ein guter Chairman des MC bei der NATO. Er hat übrigens schon als GI immer wieder richtungsweisende und nachdenkliche Artikel in der „Welt am Sonntag“ und der FAZ geschrieben. Wie viele solche Artikel haben Sie von der gegenwärtigen Leitungsebene des BMVg (außer der Ministerin) gelesen?

    Ihr geschilderter Eindruck, dass die damaligen Verantwortlichen in ihrer aktiven Zeit passiv waren ist schlicht nicht richtig.

  • klabautermann   |   21. Mai 2017 - 14:30

    @Sönke Marahrens

    Don’t feed the Trolls ;-)

  • Hans Schommer   |   21. Mai 2017 - 14:42

    Pete | 21. Mai 2017 – 14:05
    “ … Auch General Kujat war ein ausgezeichneter Generalinspekteur und ein guter Chairman des MC bei der NATO. …“
    Na, mit der Meinung stehen Sie aber ziemlich alleine da.
    Kujat war Wieker in blau: Ein willfähriger und (trotz blau) farbloser Karrierist. Der stand gerade richtig in seinem Startloch, um dem GI von Kirchbach in den Rücken zu fallen. Mit einem Strukturansatz, der von Anfang an „Scheiße“ war (ich schreibs hier mal aus – dann brauch ich das für eine Bewertung des Kujat als GI und Chairman nicht mehr zu machen).
    Hans Schommer

  • T.Wiegold   |   21. Mai 2017 - 14:52

    Nach etwas mehr als 100 Kommentaren scheint auch hier das Interesse am zu Grunde liegenden Thema erschöpft; da muss dann über Kujat als GI und ähnliches geschrieben werden… Das wird dem Text nicht gerecht, das wird dem Thema nicht gerecht. Also scheint mir die ursprüngliche eingestellte Moderierung aller Kommentare wieder sinnvoll.

  • Singulativ   |   21. Mai 2017 - 16:19

    Ich finde den Text sehr gut und interessant geschrieben.

    Ich persönlich habe höchsten Respekt vor unseren Soldaten die Deutschland verteidigen.
    Die Auslandseinsätze stehen mMn jedoch in Widerspruch zu deren Aufgaben und Werten und sind auch innerhalb der Bundeswehr nicht zu rechtfertigen.
    Die Bundeswehr wird als rein politisches Instrument der Regierung benutzt um den Bündnispflichten nachzukommen, unabhngig ob die Einsätze rechtlich oder moralisch zu rechtfertigen sind. Vor der eigenen Bevölkerung besteht also gar nicht die Möglichkeit deren Sinn darzustellen.

    @Weißbuch/VPR/KdB
    Alle drei Dokumente basieren aufeinander: Weißbuch -> VPR -> KdB
    Da sich im Weißbuch eigentlich nichts gravierend geändert hat besteht vermutlich auch kein Bedarf die VPR anzupassen.

  • Memoria   |   22. Mai 2017 - 20:54

    @T.W.:
    Die Junge Freiheit zitiert aus dem Sachstandsbericht („Alles muss raus“, online verfügbar).

    Es wurden auch K98 entfernt, sowie Urkunden vom Rommelpreis.

    Die Ministerin bezeichnete dies ja noch als Handlungsunsicherheit. Die K98 sollen vielleicht wieder aufgehangen werden.

  • Airborne   |   22. Mai 2017 - 21:42

    Danke für den sehr guten Gastbeitrag und danke für die vielen guten und konstruktiven Kommentare – das Ganze zu lesen macht mir Mut!

    Ich verstehe, dass ebenso wie Manager quasi ihre Mitarbeiter – ja ganze Firmen – in eine Art Geiselhaft als Grundlage für den eigenen Erfolg nehmen die heutigen Politiker den Souverän im Demokratischen System – das Volk quasi nach jeder Wahl und bis zur nächsten – in eine Art Geiselhaft nehmen. Darauf kann ich mich einstellen – das geht irgendwie! Was ich nicht verstehe und was mich total hilflos macht ist, dass die Judikative – als eine der 3 Gewalten – auf der höchsten Ebene des Verfassungsgerichtes – Urteile fällt, die später die Grundlage für m.E. absolut undemokratische Entscheidungen bieten. Ich werde nie verstehen und ich habe keine Idee wie ich mich – außer durch Auswanderung aus dem Geltungsbereich unseres Grundgesetzes – dieser machtvollen Beeinflussung entziehen kann. In meinem Falle geht es um die grundsätzliche Voraussetzung für den Einsatz der Bundeswehr. Für mich war es als Berufssoldat des Kalten Krieges und als auf eigenen Antrag hin umgewandelter Zeitsoldat der Nachkriegsära des Kalten Krieges immer absolut wesentlich, dass ich nur dann in kriegerische Handlungen würde geraten können, wenn der Spannungs- und/oder Verteidigungsfall entsprechend unserer Verfassung und durch die dazu befugten Organe festgestellt ist (mit der Möglichkeit, dass diese Status aus besonderen Gründen erst nachträglich würden festgestellt werden können, konnte ich leben). Dabei war es für mich sehr, sehr wichtig, dass mit dieser Feststellung die Befehls und Kommandogewalt über die Bundeswehr vom V-Minister auf den Kanzler(in) übergeht und damit die damit verbundene Verantwortung. Ich war deshalb zutiefst davon überzeugt, dass kein Kanzler(in) mich leichtfertig in pseudomilitärische Abenteuer würde schicken wollen und können! Dabei geht es mir gar nicht darum, dass ich im Kriegseinsatz für unsere Freiheitlich Demokratische Grundordnung mein Leben oder wesentliche Teile meiner Gesundheit hätte verlieren können – nein, im Gegenteil, mir ging es darum, dass ich im Kriegseinsatz andere Menschen hätte töten müssen und wollen – getreu der zwingenden Notwendigkeit: Der Feind oder auch feindlich eingestellte Gegner ist aufzuklären und mit allen verfügbaren Mitteln zu vernichten oder zur Aufgabe zu zwingen! Ich wollte diesbezüglich maximal mögliche Handlungssicherheit in Bezug auf die mir hoheitlich erteilte „License to kill! Ich war zuerst erstaunt und dann fassungslos als ich gelernt habe, dass man mit dem Parlamentsentscheid zum Einsatz von Deutschen Soldaten – auch „Out of Area“ einen Weg gefunden hatte den Kanzler(in) diesbezüglich zu entlasten und vor z.B. im Zuge der Kunduz-Lage dann wohl erforderlichen Rücktritten zu schützen! Das ist mein Problem und damit komme ich nicht zurecht! Wer hat eine Idee, was man dagegen tun kann – welche weltliche Instanz kann diesbezüglich angerufen werden?

  • TomCat   |   23. Mai 2017 - 8:10

    „Es wurden auch K98 entfernt, sowie Urkunden vom Rommelpreis.“

    Armes Wachbataillon, müssen die jetzt das unhandliche G36 nehmen?

  • Sommerbiwak   |   23. Mai 2017 - 20:46

    @TomCat | 23. Mai 2017 – 8:10
    „„Es wurden auch K98 entfernt, sowie Urkunden vom Rommelpreis.“
    Armes Wachbataillon, müssen die jetzt das unhandliche G36 nehmen?“

    Nein. Die 98er des Wachbataillons wurden schon 1995 entnazifiziert. Weil Beschußstempel und Abnahmestempel mit Reichsadler und Hakenkreuz die Soldaten verführen könnten oder so. Damals ausgestellte Führerscheine sind immer noch gültig. Oder Geburtsurkunden oder… Es entbehrt auch nicht einer gewissen Ironie, daß ein bei der Bundeswehr eingeführtes Gewehr entfernt wird aus Kasernen. Naja, das G36 wurde ja auch per unnötiger Notschlachtung entfernt.

    Unvernünftige Hexenjagd. Aber immer noch billiger, einfacher und schneller gemacht als echte Probleme anzugehen wie zum Beispiel die von der Inhaberin der Befehls und Kommandogewalt zurecht bekrittelte Führungsschwäche oder neue Hubschrauber die tatsächlich ausgeliefert werden und wirklich fliegen um mal einen augengeradeaus Dauerbrenner zu erwähnen. Hauptsache man kann sich sonnen in tollen Schlagzeilen und auf den Kanzlerstuhl auf der Regierungsbank schielen.

  • csThor   |   25. Mai 2017 - 20:35

    Auch wenns schon ein paar Tage alt ist, aber Martin van Crefeld hat einen, wie ich finde, sehr interessanten Kommentar zum Thema Bundeswehr, Traditionen und „Militärkultur“ geschrieben.

    http://www.martin-van-creveld.com/nailed-to-the-swastika/