Taliban-Angriff auf afghanische Armee bei Masar-i-Scharif – Deutsche vermutlich nicht betroffen (Update)

Das Hauptquartier des 209. Korps der afghanischen Nationalarmee (ANA) bei Masar-i-Scharif in Nordafghanistan ist am (heutigen) Freitag vermutlich von Taliban angegriffen worden. Nach den bisherigen Berichten gab es Explosionen und ein Feuergefecht; die Details sind noch unklar. Die Bundeswehr ist im Rahmen der Resolute Support Mission bei diesem ANA-Korps mit Beratern vertreten. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos sind aber von dem Angriff auf das Camp Shaheen nach derzeitigem Stand und vorläufigen Erkenntnissen keine deutschen Soldaten betroffen.

Update: Nach Angaben der US-Streitkräfte in Afghanistan wurden mindestens 50 Afghanen getötet:

Taliban fighters have probably killed and wounded more than 50 Afghans in an ongoing attack on a mosque and dining facility inside an Afghan military base, a U.S. military spokesman said, describing it as a „significant“ strike.
„We’re talking probably more than 50 casualties,“ said Colonel John Thomas, a spokesman for the U.S. military’s Central Command, adding he was unaware of any U.S.-led coalition forces who were directly impacted by the attack.

„There is a mosque and a dining facility on the base that seemed to, at this point from our reports, be the subject of significant attack from enemy forces.“

Der Angriff offensichtlich mehrerer Täter auf die Militärbasis hatte sich über Stunden hinzugezogen. Aus der Meldung der afghanischen Nachrichtenagentur Khaama Press:

Heavy gun battle followed by an explosion is underway in the vicinity of 209th Shaheen Corps of the Afghan National Army (ANA) forces in northern Balkh province.
According to reports, the incident took place in Mazar-e-Sharif city, the provincial capital of northern Balkh province at around 1:30 pm local time. (…)
Preliminary reports indicate at least one person has been killed and around 30 others have been wounded in the attack.

Eine Luftaufnahme vom Camp Shaheen:

Informationen verschiedener afghanischen Kollegen:

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(Foto oben:: Blick ins Camp Shaheen im April 2016 beim Besuch von US-Generalmajor Gordon B. „Skip“ Davis, Jr., Komanndeur des Combined Security Transition Command-Afghanistan and Deputy Chief of Staff for Security Assistance – Resolute Support Media; Foto unten: Luftaufnahme vom Camp Shaheen im Februar 2015 – Bundeswehr/Jana Neumann)

11 Kommentare zu „Taliban-Angriff auf afghanische Armee bei Masar-i-Scharif – Deutsche vermutlich nicht betroffen (Update)“

  • closius   |   21. April 2017 - 13:56

    Es spricht für die stärke der Taliban, und für die schwäche der Nationalarmee, daß die Taliban sich getraut so ein offensichtlich großes Militärlager anzugreifen.

    Die Beendigung von ISAF und damit der westlichen Offensive war eben ein schwerer Fehler.

  • Memoria   |   21. April 2017 - 15:17

    Sofern sich die Twitter-Medlungen bestätigen ein durchaus komplexer Angriff. Interessant wird hier wie „resolut“ die Unterstützung seitens TAAC-N.

  • Fux   |   21. April 2017 - 19:00

    8 Taliban Angreifer an einem Freitag (Wochenende!!!) direkt zur Prayer Time.. was soll da viel an Gegenwehr von afghanischer Seite zu erwarten sein? Selbst wenn die Sicherheitsvorkehrungen in einem Camp der afghanischen Armee etwas höher sind als bei einer deutschen Bundeswehrkaserne, sieht es innen am Wochenende nicht viel anders aus. Großteils leer. Camp Shaheen ist nicht vergleichbar mit einer „24/7-Festung“ wie die ISAF / RSM Camps.

    Taktisch also den richtigen Moment gewählt.

    Ist man erst einmal drin, kann man sich auf dem riesigen Gelände mit unzähligen Gebäuden und breiten Straßen recht frei und mit Fahrzeugen (got into compound via another military car – vermutlich einer der unzähligen Pick-up) auch schnell bewegen. Da ist der Angreifer dann auch von den geringen Wachmannschaften nicht so schnell wieder aufzuspüren bzw. unschädlich zu machen.

    Aus solchen Vorfällen MUSS die AFG Armee eben lernen und für die Absicherung ihrer Anlagen die entsprechenden Schlüsse ziehen. Auch das gehört zur Übernahme der eigenständigen Sicherheitsverantwortung. Wenn man es nach 15 Jahren „Security Assistance“ und „Train, Advise and Assist“ noch immer nicht gelernt hat – dazu unwillig oder unfähig war -, tut es halt auch mal weh.

    Und da bin ich völlig anderer Meinung als @Closius. Es kann nicht Aufgabe anderer Nationen sein, auf immer und ewig mit Zeit, horrenden Summen und Blutzoll den Job der originär Verantwortlicher in einem fremden Land zu übernehmen.

    Frei nach dem bekannten Motto „Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Allah – Inshallah“

  • closius   |   21. April 2017 - 20:25

    @Fux: Wir haben diesen Krieg angefangen gegen die Taliban, damit haben wir bzw. die USA die Pflicht, diesen Krieg auch zu gewinnen!

    Wenn die Taliban/Al Kaida diesen Krieg gewinnen. werden einen hohen Blutzoll an Zivilisten bezahlen müssen, weit mehr, als es uns Soldaten kosten würde, diesen Krieg zu gewinnen und es wäre nur eine Frage der Zeit, bis wir wieder einmarschieren müssten, nur mit ein paar Paris oder Berlin-Anschlägen mehr!

    Und vor allem, wenn wir uns zurück ziehen, dann werden sich 100.000 von Afghanen auf dem Weg nach Deutschland machen und irgendwann ankommen. Egal wer einen Krieg anfängt, im Zweifel wollen die Flüchtlinge vor allem nach Deutschland oder Schweden!

    Da die Taliban eine Moschee in der Kaserne angegriffen haben, zeigt daß die Taliban es mit dem Islam nicht ernst meint und sich von ISIS kaum unterscheidet.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   21. April 2017 - 21:06

    Die NLD IBuK Jeanine Hennis-Plasschaert hat zum vermutlich letzten Mal in ihrer gegenwärtigen Funktion (in künftiger Regierung wird sie nicht mehr vertreten sein) gemeinsam mit dem NLD GI, General Tom Middendorp, NLD Truppen in Masar-i-Sharif besucht. Sie sieht sich unter U.S.-Druck, die Größenordnung der Truppen zu erhöhen.
    Kdr RSM, General John Nicholson, erwartet offenbar Beiträge zum rascheren Aufbau der AFG SOF sowie der Lw.
    Hennis legte Wert auf die Feststellung, Vorgehen im Norden gemeinsam mit DEU und erwartet allerdings auf der NATO Tagung im Mai, bei Anwesenheit von Trump, Beschlüsse zu etwaigen Verstärkungen und der künftigen Stoßrichtung.

    https://www.defensie.nl/organisatie/landmacht/nieuws/2017/04/21/minister-en-cds-bezoeken-nederlandse-militairen-in-onrustig-afghanistan-2

  • Fritz   |   21. April 2017 - 21:38

    @closius
    Wir können diesen Krieg nicht gewinnen, es ist bedauerlich wofür all diese guten Männer und Frauen sämtlicher CF ihr Leben gelassen haben….
    Es ist Jahr ein Jahr aus das gleiche, Afghanistan ist in den Ballungsräumen halbwegs unter Kontrolle der ANSF , auf dem Land herrscht die Insurgents/OK

    Alleine im Jahr 2016 nahezu 6000 Tote auf Seiten der AFG Sicherheitskräfte, und auch dieses Jahr werden die Zahlen nicht anders ausfallen….
    Dieses Spielchen in Absurdistan ist dermaßen verzwickt das wir als Deutsche zusehen sollten da ASAP rauszukommen.
    Eine Regierung voll mit Verbrechern und Korruption egal wo man hinschaut….
    Ein Miliarden Grab….Deutschland legt auch hier mal wieder nur drauf und das in jeglicher Hinsicht!!!!

    Die Afghanen kommen ohne uns zurecht , sind sie auch vorher….
    Um diesen Krieg zu gewinnen müsste man ihn mit voller Härte ohne Rücksicht auf Verluste führen!!
    Die hieraus entstehenden Folgen wird keine Regierung verantworten wollen, und die Anzahl an Flüchtlingen aus Afghanistan würde steigen.

    Das Trauerspiel TAAC-N hat hoffentlich bald ein Ende, ist nur noch peinlich ….

  • politisch inkorrekt   |   22. April 2017 - 3:45

    Heißt das, wir haben gerade einem wesentlichen personellen Anteil an Stabspersonal des 209. ANA Korps verloren? Wenn ja wäre das ein erheblicher Rückschlag in jahrelangem Aufbau und Trainings eben dieses Truppenteils. Das hätte Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft der ANA in ganz Norsafghanistan.

    pi

  • Fux   |   22. April 2017 - 6:12

    @PI

    Nein heißt es nicht. Sie können davon ausgehen, dass an einem Freitag (Wochenende) kaum höheres Stabs- und Führungspersonal in der Kaserne weilt sondern eher nur einfache Soldaten mit ihren unteren Führungsebenen. In Camp Shaheen hockt nicht nur der Korps-Stab, wie man das aus hiesigen Breiten kennt. Schauen Sie sich das Luftbild oben an, dann können Sie sich ausmalen, dass sich selbst bei minimaler „UvD/GvD/Wache“-Wochenendbesatzung der einzelnen vor Ort stationierten Verbände 150+ Leutchen zusammenkommen. Aber die müsste jemand erstmal zusammenbringen, koordiniert taktisch gegen die Eindringlinge führen und einsetzen. Die Einsatzbereitschaft der AFG Sicherheitskräfte leider eher unter Korruption, Vetternwirtschaft, Mißmanagement, Selbstbereicherung des Führungspersonals, querschnittlicher Bildung / Ausbildung der einfachen Soldaten, ortsüblicher Mentalität im Führungsstil auf allen Ebenen usw.

    @Fritz

    Ganz dickes +1

  • klabautermann   |   22. April 2017 - 9:27

    „Bei dem jüngsten Angriff der Taliban auf eine Militärbasis in der afghanischen Nordprovinz Balch sind mindestens 140 Soldaten getötet und mehr als 160 verwundet worden. Das sagte der Vorsitzende des Provinzrates, Mohammed Ibrahim Chair Andesch, der dpa“
    Quelle: N-TV („Taliban töten 140 afghanische Soldaten“)
    Ziemliches Desaster…..

  • Mitleser   |   22. April 2017 - 9:54

    Enemy has a vote.

  • T.Wiegold   |   22. April 2017 - 9:57

    Neuer Eintrag als Zusammenfassung in der Mache.