Deutsches NATO-Flaggschiff der Ägäis-Mission auf Grund gelaufen

Das Flaggschiff der NATO-Aktivität in der Ägäis, die deutsche Fregatte Brandenburg, ist am Ostermontag beim Auslaufen aus dem griechischen Hafen Piräus auf Grund gelaufen und vorerst nur beschränkt einsatzfähig. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr bestätigte am (heutigen) Dienstag einen entsprechenden Bericht der Kieler Nachrichten (Link aus bekannten Gründen nicht).

Nach Angaben der Bundeswehr wurde das Schiff nach der Grundberührung von Tauchern untersucht, die Schäden am Ruder und einer Schiffsschraube feststellten. Die Brandenburg wurde daraufhin in die Marinewerft Salamis bei Piräus geschleppt. Ob und wie lange die Fregatte nicht seetüchtig ist, blieb zunächst unklar.

Die Brandenburg ist derzeit das Führungsschiff der so genannten NATO-Aktivität, bei der Schiffe der NATO-Einsatzgruppe Standing NATO Maritime Force 2 (SNMG2) die Seegrenze zwischen der Türkei und den griechischen Ägais-Inseln überwachen, um das Übersetzen von Migranten und Flüchtlingen zu verhindern. Der Verband wird von Bord der deutschen Fregatte von Flottillenadmiral Axel Deertz geleitet – da die Führung unabhängig vom Standort des Schiffes ist, ist Deertz‘ Kommando nach Angaben des Einsatzführungskommandos auch von dem Schaden nicht betroffen.

(Archivbild:  Die Brandenburg als Flaggschiff des Einsatz- und Ausbildungsverbandes der Marine im April 2010 – Ricarda Schönbrodt/Bundeswehr)

 

28 Kommentare zu „Deutsches NATO-Flaggschiff der Ägäis-Mission auf Grund gelaufen“

  • klabautermann   |   18. April 2017 - 13:53

    Kommt auf die Schäden am Ruder und der Schiffsschraube an. Normaler Weise bedeutet eine solche Grundberührung: ab ins Dock zur Befundung und Inst……..und dann stell ich mir die Führungsfähigkeit von Flottillenadmiral Axel Deertz bestimmt nicht als „unbeeinträchtigt“ vor ;-)

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   18. April 2017 - 13:57

    … und wie kann dergleichen in quasi NATO-Heimatgewässern passieren, menschlich, technisch etwas schief gelaufen?

  • Guildenstern not Rosencrantz   |   18. April 2017 - 14:01

    Sowas passiert heutzutage noch? Ich habe keine Ahnung von Seefahrt, aber vermessen die nicht live den Meeresgrund?

  • Edgar Lefgrün   |   18. April 2017 - 14:06

    Ich denke mal, falls der Admiral und der Stab weiter el.Strom und FmVerbindungen zu den anderen Schiffen des verbandes hat, kann er auch führen. Ob das nicht auch aus einer „Sporthalle“ heraus möglich sein sollte?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   18. April 2017 - 14:13

    @Edgar Lefgrün
    Sporthalle, pardon???
    Gilt dann auch für eFP, MALI und den Rest???
    „Führer vor Ort“!

  • Edgar Lefgrün   |   18. April 2017 - 14:17

    @Guildenstern not Rosencrantz | 18. April 2017 – 14:01

    Die Umstände, das Warum scheint noch nicht bekannt. Vorstellbar ist etwas wie Maschinenausfall, Ruderausfall, schon ist ein Schiff manöverierunfähig. Auch unvorhergesehener Wind kann sowas bewirken. In Mehamn wurde vor einigen Jahren ein Schiff der Hurtigruten vom plötzlichen starken Wind gegen das Pier gedrückt, Pier weitgehend zerstört.

  • MikeMolto   |   18. April 2017 - 14:24

    Die Props sind eine sehr sensible Sache bei den Fregatten, das kann eine Werft ohne Zulieferung neuer Fluegel bzw sogar neuer Nabe nichts leisten. Evtl wird sogar die Welle verzogen sein.
    Das Ruder kann wahrscheinlich vor Ort repariert werden.
    Hilft dem griechischen Budget Defizit…
    So lange Strom und Masse vorhanden sind funktionieren auch die Fm-Verbindungen.

    @Guildenstern not Rosencrantz | 18. April 2017 – 14:01
    Griechenland gehoert noch zu den exotischen Laendern,‘ es weiss doch jeder, dass da ein Stein liegt’…. aber auch eine falsch genommene Fahrwassertonne hat schon manchem Kdt den Tag versaut…

  • Bürger   |   18. April 2017 - 14:32

    @ Guildenstern not Rosencrantz | 18. April 2017 – 14:01:

    Öfter als man denkt. Suchen Sie beispielsweise mal nach „HMS Nottingham Grounding“, „USS Port Royal Grounding“ und „USS Guardian Grounding“.

    Anders als bei den anglophonen Seestreitkräften muss ein deutscher Kommandant aber nicht sofort um seinen Job fürchten, wenn er sein Schiff auf Sand gesetzt hat. Zumindest ist das meine – nicht persönliche – Erfahrung. ;)

  • klabautermann   |   18. April 2017 - 15:01

    Die F-123 haben eine Welle mit Verstellpropeller (vermutlich mit mechanisch-hydraulischer Blattsteigungregelung). Wenn es da beim „Rücksetzen“ mit kleiner Fahrt ein „Steigungsversager“ auftritt, dann knallts eben in „close nautical quarters“.- da kann auch ein Lotse nix mehr machen. Aber selbst wenn kein Steigungsversager vorliegt, so sind diese Verstellpropeller relativ träge und gerade bei kleiner Fahrt ist die Ruderwirkung bei „Zurück“ nicht gerade „prall“. Eine Windboe im falschen Moment aus der falschen Richtung (z.Bsp. ablandig, die dann wg. der großen Aufbauten-Segelfläche vor dem Schiffsdrehpunkt das Heck der Fregatte Richtung Land drückt) und ………..kann natürlich auch sein, dass der Fahr-Wo noch nicht so mit der „Trägheit“ der Antriebsanlage vertraut war. Da hilft dann auch kein Schlepper in StdBy mehr.
    Wie auch immer – es hat geknallt und „nu ab ine Waaft“.
    Die Marine sollte dem Deertz die Peinlichkeit ersparen aus dem Dock führen zu müssen. „Oh, U are that famous German Dock-Admiral, who commanded that NATO-Taskgroup to defend Europe against illigal refugees from Turkey ?“

  • Uwe   |   18. April 2017 - 15:08

    „Du schreibst Kommentare zu schnell. Bitte etwas langsamer!“ sagt der Server und mein Kommentar ist spurlos geschluckt. Dabei war’s mein erster Kommentar in diesem Thread und es hat wegen Unterbrechungen eher ziemlich lange gedauert.
    Das vermiest einem die Kommentierungsfreude.

    Die Ägäis-Aktivität ist vorrangig politisch motiviert, und zwar ungeachtet des formalen NATO-Rahmens seitens deutscher Regierung. „Seht her, was wir tun, um den Migrantenstrom zu beherrschen!“ Dabei bestimmen allein Türken und Griechen, was dort an Migranten zurückgehalten/zurückgeschickt oder im Gegenteil zum Übersetzen motiviert wird.
    Arme Marine, wenn sich die „Brandenburg“ nicht bald wieder in Fahrt bringen lässt und die Politik ein Ersatzschiff für die Lücke fordert!

  • Lothar Schroebler   |   18. April 2017 - 15:35

    Ruderausfall, falsch verstandenes Ruderkommando, Navigationsfehler? Auch unsere technisch auf dem neusten Stand befindlichen Schiffe haben immer noch die Faktoren Elektronik und Mensch als Unfallgründe einzukalkulieren. Verantwortlich ist und bleibt der Kommandant (soweit ihm pers. Versagen nachweisbar ist). Der Führer des Kommandos, somit der dt. Admiral, kann m.E. nicht verantwortlich gemacht werden und wird damit auch keinen Karriereknick erleiden. Auch der Wind kann ein Grund beim Abkommen vom richtig gewählten Kurs sein. Schiffe, die toplastig sind ,wie die Zerstörer der ehemaligen Hamburg-Klasse, waren da sehr anfällig und bedurften der Schlepperhilfe und die Kommandanten waren gut beraten, sich auch in vermeintlich bekannten Hafengewässern der Lotsenhilfe zu bedienen. Wollen wir hoffen, daß die Schäden sich in Grenzen halten und die „Brandenburg“ bald wieder ihrem Auftrag nachkommen kann. Die gute Nachricht innerhalb der schlechten ist, daß kein Besatzungsmitglied zu Schaden kam!

  • Koffer   |   18. April 2017 - 15:39

    @Uwe | 18. April 2017 – 15:08
    „Die Ägäis-Aktivität ist vorrangig politisch motiviert“

    Hmmm, wissen wir nicht spätestens seit Clausewitz, dass grundsätzlich jegliches militärisches Handeln politisch motiviert ist?!

    „Arme Marine, wenn sich die „Brandenburg“ nicht bald wieder in Fahrt bringen lässt und die Politik ein Ersatzschiff für die Lücke fordert!“

    Ich bin mir nicht sicher was an der Marine „arm“ ist und was ich darunter verstehen soll, wenn Sie schreiben, dass „die Politik ein Ersatzschiff fordert“…

  • closius   |   18. April 2017 - 15:52

    @Uwe: Kleiner Tipp, wenn der Hinweis kommt, daß man zu schnell Kommentare schreiben würde, dann ist der (scheinbar) abgeschickte Kommentar noch gar nicht weggegangen! Sie müssen dann auf zurück klicken im Browser und den Kommentar noch mal abschicken!

    Der Kommentar kommt statt des Absendens! Im schlimmsten Fall kommt der Kommentar sogar zweimal hintereinander, statt wegzuschicken, aber spätestens beim dritten Absenden geht der Kommentar tatsächlich raus und kommt nicht mehr der blöde Hinweis!

    Wenn Sie also nach dem Hinweis, daß sie zu schnell schreiben, den Kommentar nicht noch mal extra abgeschickt haben, ist ihr Kommentar nie an AG rausgegangen.

  • Uwe   |   18. April 2017 - 15:55

    @Closius: Danke!

  • T.Wiegold   |   18. April 2017 - 16:25

    @Uwe

    Ich hoffe sehr, dass jegliche militärische Aktivität in/aus diesem Lande politisch motiviert ist. Die Alternative wäre was?

  • Mms   |   18. April 2017 - 16:32

    Was für einen Tiefgang hat eigentlich eine f123?
    Aufgrund der mehr als 30kn Höchstfahrt dürfte der maximale Tiefgang ja nicht allzu groß sein. Wenn man dann noch bedenkt, daß selbst kleinere Containerfeeder oder MPP’s (unter 500 TEU bzw. 10000t dwat ) schon einen max-draft von 7-9m haben, kann ich mir nicht vorstellen, daß die Untiefe nicht richtig markiert war.

  • beobachter   |   18. April 2017 - 16:37

    good news ,,, ich goenne den griechen einen kleinen zuverdienst :)
    semper fortis

  • Thomas Melber   |   18. April 2017 - 17:06

    Tiefgang max. 630 cm lt. Wiki.

  • klabautermann   |   18. April 2017 - 17:10

    Die Brandenburg liegt nach AIS in der Salamis Naval Base. Nun ist die Frage ob die Hellenic Navy ein Trockendock hat, das die Brandenburg aufnehmen kann – die Meko der Griechen haben 3,500 Tonnen Verdrängung, die Brandenburg hat gut 5.000 mittlerweile. Wenn die Brandenburg in ein ziviles Trockendock muß, dann wirds aber sehr kompliziert mit der „Führungsfähigkeit“ und nicht nur damit.

  • Mms   |   18. April 2017 - 19:18

    @ Thomas Melber
    Also ist es so wie ich es mir gedacht habe. 6,30m Tiefgang sind schon richtig „shallow draft“ wie man in der Schifffahrt sagt.

  • Uwe   |   18. April 2017 - 22:28

    @Koffer und TW: Asche über mein Haupt, da habe ich oben plump falsch formuliert! Politische Motive für militärische Aktivitäten gibt es hoffentlich und sind nicht schon als solche zu kritisieren.
    Was ich meinte: Die Motive der deutschen Regierung scheinen mir nicht ganz redlich. Hier werden Bundeswehr und NATO dafür strapaziert, die weniger (als vmtl. die AG-Leserschaft) politisch interessierte Mehrheit der deutschen Öffentlichkeit dahingehend zu chloroformieren, dass die BReg im internationalen Rahmen der NATO wirksam und durchhaltefähig gegen (illegale) Migration über die Ägäis vorgeht. „Die BReg hat alles im Griff!“
    Verschleiert wird m.E., dass
    – die Wirksamkeit praktisch nur von türkischem (und griechischem) Willen abhängt,
    – die Durchhaltefähigkeit mindestens sehr schmerzhaft für die Marine und ihr Personal ist und
    – die NATO meines Wissens alles andere als glücklich mit der unbefristeten Zweckentfremdung der Standing Naval Maritime Group 2 (SNMG 2) ist (wenngleich sie sich dazu erstmal von Dtl. hat überrumpeln lassen).
    Ok, meine Sicht, könnte man entgegnen. Wir werden es erleben, behaupte ich. Z.B., wenn die deutsche Marine demnächst der einzige Nichtanrainer wäre, der noch in der Ägäis patroulliert. Mit oder ohne nominellem NATO-Hut, während die SNMG 2 woanders unterwegs ist.

    @Koffer wg. „arme Marine“: Auch hier bitte ich um Entschuldigung für schlechte Formulierung: Ich meinte, dass es für die Marine und unbekannte Schlüssel-Besatzungsangehörige recht unangenehm werden dürfte, wenn z.B. die Ministerin Ersatz für eine evtl. nicht schnell instandsetzbare „Brandenburg“ anordnet, ohne anderwärts Entlastung zu gewähren.

  • Koffer   |   18. April 2017 - 23:00

    @Uwe | 18. April 2017 – 22:28
    Auch wenn ich überwiegend ihrer Bewertung nicht zustimme (temporäre humanitären Rettung in Verbindung mit der Sicherung der europäischen Außengrenzen in der aktuellen Situation) halte ich durchaus für einen sicherheitspolitischen akzeptablen (temporären) Kurs der BReg.

    Aber hiermit könnten Sie Recht haben:
    „die NATO meines Wissens alles andere als glücklich mit der unbefristeten Zweckentfremdung der Standing Naval Maritime Group 2 (SNMG 2) ist“

    Die SNMG haben ja grundsätzlich andere Aufgaben als für einen längeren Zeitraum humanitäre Daueraufgaben und faktische Grenzsicherung zu übernehmen.

    Die Frage ist für mich aber eher: Wie soll es mittelfristig weiter gehen…

  • Deepred   |   19. April 2017 - 16:45

    Nach Zeitungsberichten aus Griechenland, während der Ausfahrt vom Hafen von Piräus gab es Fehler in der Kommunikation mit den Schleppern, das Schleppseil verfing sich sich am Ruder der germanischen Fregatte. Letzte Woche gab es wohl die gleiche Panne mit einer Fregatte aus Marokko…

    @ klabautermann
    Die Hellenische Marine hat ein Trockendock mit weit über 5000 Tonnen Verdängung.

    @ T.Wiegold
    Natürlich gibt es Alternativen.

  • T.Wiegold   |   19. April 2017 - 16:55

    @Deepred

    Klar gibt es Alternativen dazu, dass militärische Aktionen politisch motiviert (= bestimmt) sind. Es gibt ja auch, wenn man so will ‚Alternativen‘ zu Demokratie, Menschenrechten, Rechtsstaat usw. – aber nichts, was anzustreben wäre.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   19. April 2017 - 21:09

    Dafür ist die Karel Doorman seit heute wieder im Einsatz, vorläufig nur zur Erprobung des neuen Antriebs.
    @GeneraalVerkerk
    ZrMs Karel Doorman is vandaag naar zee vertrokken om na een langdurige reparatie de voortstuwing te testen.
    pic.twitter.com/JmnYgruQw5

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   23. April 2017 - 12:37

    Russland hat – vergleichsweise – durchaus größere Sorgen.
    Hans de Vreij‏ – @hdevreij
    Moscow can no longer afford a blue water navy, Defense minister Shoigu suggests https://windowoneurasia2.blogspot.de/2017/04/moscow-can-no-longer-afford-blue-water.html
    Zum Nachsehen: https://en.wikipedia.org/wiki/Blue-water_navy
    Wesentlich m.E.:
    A blue-water navy is a maritime force capable of operating globally; essentially across the deep waters of open oceans. A term more often used to describe such a force is a navy possessing maritime expeditionary capabilities.
    Hat dies „… expeditionary capabilities“ auf die „nach-Sowjet-Marine“ überhaupt jemals zugetroffen, mit nur einem Träger, nicht nuklear getrieben und mit veralteten SSBN und SLBM/SLCM?

  • pst   |   27. April 2017 - 15:57

    … mal eine Frage in die Runde : was hört man denn von der Fregatte Brandenburg? Wie schwer ist die Beschädigung ? Kann sie den Auftrag weiter ausführen? Von der Marine ist diesbezüglich nichts zu hören – eigentlich schade.

  • klabautermann   |   27. April 2017 - 16:06

    @pst

    Im AIS ist die Brandneburg seit 9 Tagen nicht mehr aktualisiert worden. Nimmt man die Funkstille der Marine hinzu, dann ist der Schaden wohl noch „in Bearbeitung“.- was immer das heißt.