Angriff mit größter konventioneller US-Bombe in Afghanistan: Das Video

Auf vielen Nachrichten-Webseiten ist das Video des US-Militärs vom Angriff mit der GBU-43, der größten nicht-atomaren Bombe der USA, am Donnerstag in Afghanistan zu finden. Allerdings meist mit vorgeschalteter Werbung; deshalb hier das Original des US-Militärs ohne Zusätze:

… und trotz Feiertags-low ops noch ein paar zusätzliche Infos:

Laut afghanischem Verteidigungsministerium wurden bei dem Bombenangriff 36 ISIS-Kämpfer getötet, aber keine Zivilisten. Von Seiten des US-Militärs gab es dazu keine Angaben:

The Afghan Defense Ministry said three dozen fighters were killed in the attack, which used one of the largest non-nuclear bombs in the U.S. arsenal, the GBU-43, against a network of tunnels and bunkers in the east.
A Pentagon spokesman said U.S. forces would not release an official statement on potential damage or casualties caused by the strike, which was carried out in the Achin district of Nangahar province Thursday night.
It was unclear why the Afghan government released casualty figures but U.S. forces did not.

• Die Entscheidung über den ersten scharfen Einsatz dieser Waffe traf nicht US-Präsident Donald Trump, sondern das US-Militär:

The recommendation to drop the largest non-nuclear bomb ever deployed in combat on a militant stronghold in eastern Afghanistan came from decision makers on the ground, not Washington, the top U.S. military commander in the country said Friday.
Gen. John Nicholson said the strike in which a 21,600-pound GBU-43B, or Massive Ordnance Air Blast bomb, was dropped on caves and tunnels used by the militants was part of a larger initiative to clear Afghanistan of the Islamic State fighters this year.

Nachtrag 15. April: Die Zahl der getöteten Kämpfer wird inzwischen höher angegeben:

>At least 94 Islamic State fighters were killed when the US military dropped America’s most powerful non-nuclear bomb on ISIS targets in Afghanistan, an Afghan official said Saturday.
„The number of Daesh fighters killed in the US bomb in Achin district jumped to 94, including four commanders,“ Nangarhar provincial spokesman Attaullah Khogiani told CNN, using an alternative name for ISIS.
The initial toll given by Afghan officials for Thursday’s strike was 36. A statement released Friday through ISIS‘ media wing, Amaq News Agency, said none of the terror group’s fighters were killed or injured.

…und eine lesenswerte Analyse vom Afghanistan Analysts Network:

‘Mother of All Bombs’ Dropped on ISKP: Assessing the aftermath

20 Kommentare zu „Angriff mit größter konventioneller US-Bombe in Afghanistan: Das Video“

  • Thomas Melber   |   14. April 2017 - 22:56

    Ein BDA (Battle Dammage Assessment) wird nicht viel bringen, die Tunnel sind zerstört, wieviele Gegner es tatsächlich getroffen hat wird man nicht feststellen können.

  • UmPp   |   14. April 2017 - 23:12

    Interessant wie unsere Presse (vom Tenor her) das Ereignis hochlobt. Würden die Russen so etwas machen, gebe es gleich einen riesen Aufschrei und die Dönerböde in London (Beobachtungsstelle für M…..) würde gleich aufschreien;)
    Wer hier denkt, dass nur der „Gegner“ InfoOps macht, dem ist echt nicht mehr zu helfen.

  • klabautermann   |   15. April 2017 - 9:13

    Die US Forces und bestimmt auch ihre afghanischen Partner haben natürlich gar keine Lust sich vom IS in den Tunnelkampf ziehen zu lassen. Das war schon eine Taktik der Vietkong – hat viel Blut gekostet, sich darauf einzulassen.Andererseits will man diese Tunnelsysteme auch nicht permanent als Bedrohung im Rücken haben. Und wenn dann so ein Tunnelsystem eben nicht in einem urbanen Umfeld liegt, dann nimmt man eben den ganz großen Bagger zum „clearing“.
    Economy-of-war., denn eine MOAB aus einem „Transportflieger“ hat hier den Effekt von wie vielen Bomben/Raketen, die von sau-teuren Bombern und Jagdbombern abgeworfen werden ? Hat auch den Vorteil, dass hinterher niemand feststellen kann, was sich in dem Bunkersystem tatsächlich befunden hat. Tabula rasa sozusagen.
    Auch hier gibt Trump operative und taktische Entscheidungskompetenzen, die Obama teiweise an sich gezogen hatte, „an die Linie“ zurück und sendet innenpolitisch mal wieder ein Signal an die Obama-Fraktion.

  • Klaus   |   15. April 2017 - 12:42

    Im Gegensatz zu Herrn Bartels, der im Zusammenhang mit dem Einsatz der MOAB nach einer ganzheitlichen Strategie im Afghanistan sucht, geht es den USA wohl kaum um Taliban. Dafür gibt es genügend andere Mittel.
    Dieser Einsatz hatte wohl weniger einen kinetischen Effekt in Afghanistan zum Ziel, als dem bekloppten Diktator in Nordkorea eine Nachricht zukommen zu lassen.

  • Memoria   |   15. April 2017 - 12:53

    @klabautermann:
    „Auch hier gibt Trump operative und taktische Entscheidungskompetenzen, die Obama teiweise an sich gezogen hatte, „an die Linie“ zurück“.

    Das ist auch aus meiner Sicht das Wesentliche.

    Das Mikromanagement des NSC wurde offenbar durch McMaster auch in der Praxis beendet. Das sehe ich zumindest mal positiv, da die Entscheidungen wieder dort getroffen werden wo es sein soll: auf der untersten möglichen Ebene.

    COMUSFOR-A hat unverändert die Absicht ISIS-K gemeinsam mit ANDSF bis Ende 2017 zu schlagen. Sehr anspruchsvolles Ziel.

    Nach Berichten von USFOR-A werden auch in den Norden zusätzliche Kräfte verlegt.

    Der mediale Hype um MOAB wiederum ist aus InfoOps-Perspektive interessant.

  • Memoria   |   15. April 2017 - 13:04

    Hier noch der Tweet von USFOR-A:
    https://mobile.twitter.com/USFOR_A/status/852034615170576384

    Aus meiner Sicht interessanter Umgang mit OPSEC in einem offiziellen Social Media-Kanal des DoD.

    Offenbar soll auch im Norden wieder ein aktivierter Weg eingeschlagen werden.

    Mal sehen in welchem Umfang DEU hier unterstützen soll, kann und will.

  • klabautermann   |   15. April 2017 - 13:07

    @Memoria

    Zustimmung – McMaster hat damit hoffentlich auch den CIA-Black- und Covert-Ops-War unter die DoD/CoC-Kontrolle gebracht. Also keine „Alleingänge“ mehr mit Billigung des White House oder StateDep. Bengasi läßt grüßen. Falls das so ist, dann erleben wir zZt wirklich einen Paradigmenwechsel in Washington.

  • Memoria   |   15. April 2017 - 13:21

    @klabautermann:
    Wenn das jemand schafft dann McMaster.
    Er kombiniert wie selten Intellekt, Fleiß und Charakter.
    Nach Hammerstein-Equord gäbe es so jemand wohl gar nicht.
    Ich bin davon überzeugt, dass es bei ihm eines nicht gibt: „Dereliction of Duty“.

    Sie kennen den Aufsatz ja schon, aber furchtbar so manch anderen als Lektüre zu Ostern:
    https://mobile.nytimes.com/2013/07/21/opinion/sunday/the-pipe-dream-of-easy-war.html

    Passt zum Hype um MOAB.
    Auch die „Super-Bombe“ wird den Krieg nicht entscheiden.
    Der nationale Sicherheitsberater kennt eben die Möglichkeiten und Grenzen des „American way of war“.

  • JPeelen   |   16. April 2017 - 1:21

    Vielen Dank für den Hinweis auf den Aufsatz. Ganz ungewohnt, dass Probleme beim Namen genannt werden. In Deutschland zur Zeit undenkbar.

  • Hans Dampf   |   18. April 2017 - 10:15

    @ Thomas Melber

    In Bezug auf BDA I, also der Beurteilung des physischen Schadens, mögen Sie recht haben, auch wenn dem Luftbildauswerter zumindest eine grobe Schätzung möglich sein sollte. BDA II, also die Beurteilung des funktionalen Schadens, lässt sich jedoch mit IMINT allein nicht bewerkstelligen, hier sind SIGINT und HUMINT mindestens ebenso hilfreich.

  • Abakus   |   18. April 2017 - 10:43

    Kurze Frage: Die 20 Stück der in 2003 gebauten GBU-43 sollen angeblich (!) eine vom Hersteller verbürgte Haltbarkeit von 15 Jahren haben? Weiß da vielleicht jemand mehr dazu?

    Das wäre dann auch eine Methode der Entsorgung.

    Der JTAG vor Ort dürfte jedenfalls seinen Spaß gehabt haben.

  • Hans Dampf   |   18. April 2017 - 10:56

    Ist der „JTAG“ der „JTAC“ aus Franken ;-)? Kleines Späßken…

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   18. April 2017 - 11:34

    Zum Einsatz einer MOAB bedarf es keines JTAC, das läuft nämlich einem Planschießen vergleichbar ab, ist also kein CAS, dass FAC/JTAC-bestimmt durchzuführen ist..
    JTAC sind beauftragt in „close combat“-Lagen (Verzahnung / danger close) Piloten Anweisungen so zu erteilen, dass Feindkräfte zerschlagen werden, ohne Gefährdung eigener Truppe. Sie leiten also Piloten von Kampfflugzeugen an, die in close air support und anderen (offensiven) Luftangriffsoperationen in vorgeschobenen Stellungen einbezogen sind.
    Inhalte des Kampfgesprächs mit dem Piloten sind: Wo ist das Ziel exakt, welche Anflugrichtung, wie viele Ziele und vor allem welche mit deren Zielausdehnung, welche Waffen und Munition sind erforderlich.
    Bei Verwendung der MOAB handelte es sich weder um eine CAS-Lage, oder wurde eigene eigene Truppe in vorgeschobener Stellung unterstützt, noch kam ein fighter jet zum Einsatz.

  • closius   |   18. April 2017 - 12:17

    Nachdem der Bombenabwurf möglicherweise mehr für Nordkorea als Warnung gedacht war, so behaupten russische Medien, daß die USA nicht nur einen Flugzeugträger(Carl Vinson) sondern drei Flugzeugträger angeblich vor Nordkorea schicken wollen. Die russischen Medien berufen sich dabei auf südkoreanische Medien, wonach auch die Flugzeugträger Nimitz und Ronald Reagan nach Nordkorea geschickt werden sollen.

    Gibt es dazu Bestätigungen in seriösen Medien?

    Denn immer wenn die USA mehrere Flugzeugträger zusammengezogen haben seit 1990(Golfkrieg II & III), hat es auch Krieg gegeben und falls diese Meldung keine Fake Meldung ist, dann wäre eine Kriegsentscheidung in den USA bereits gefallen!

    Merkwürdig an der Meldung ist, daß es noch nicht lange her ist, wo behauptet wurde, daß kein einziger der 11 US-(Angriffs-)Flugzeugträger einsatzbereit sei und jetzt sollen es bereits drei sein?

  • klabautermann   |   18. April 2017 - 13:10

    @closius

    Es gibt auch Gerüchte in Südkorea, dass in Washington zZt bilaterale Geheimgespräche laufen. Tenor: die USA garantieren die Unversehrtheit des Kim-Clans in Nordkorea (sozusagen innere Emigration und in bilateralen Regierungsverhandlungen gibt Nord-Korea sein Atomprogramm auf und „öffnet“ sich „dem Westen“ via USA und nicht via China oder per Wiedervereinigung mit Südkorea – denn wir wollen doch nicht, dass südkoreanisches Know-How sich mit nordkoreanischen Bodenschätzen verbindet und sich das vereinte Korea dann in der SCO mit den BRICs „verbündet“. Man sollte wissen, dass Nordkorea auf einem Seltene Erden Schatz von 6 Billionen Dollar sitzt. Man sollte auch wissen, dass die USA nur 11% der weltweiten SE-Vorkommen kontrollieren, aber den höchsten Verbrauch/Bedarf haben (IT-Indusrie, Unterhaltungsindustrie und Militärtechnik). Die „restlichen 89% werden durch die BRICS kontrolliert.
    Wer Ähnlichkeiten mit der deutschen Wiedervereinigung und der darauf folgenden geoökonomischen Annäherung zwischen Europa und Rußland entdeckt und die Reaktion der USA auf diese Annäherung, der liegt imo nicht ganz falsch.
    Afghanistan hat nur 1 Billion an seltenen Erden, aber die kann man nicht per Pipeline aus dem Land schaffen, da braucht man sichere Landverbindungen zu den pakistanischen Häfen. Auch hier sind die „deals“ mit den Taliban wohl „am Laufen“, da möchte man aber die Russen auch nicht so gerne allein am Tisch sitzen haben, und der IS wird jetzt einfach beiseite geräumt.
    In Syrien will die US ja auch wieder „ins Geschaft“ kommen, also wird man sich wohl darauf einigen, dass im Austausch für bestimmte Garantien für den Assad-Clan und das Wegräumen des IS, die USA in Syrien auch wieder „ins Geschäft“ kommen.
    Kanonenbootpolitik in gewisser Weise ;-)

  • klabautermann   |   18. April 2017 - 13:42

    Kleine historische Arabeske:
    Die „Größte nichtnukleare Sprengung der Geschichte“ fand heute vor 70 Jahren auf Helgoland statt. Britscher Humor zur Feier von Führer’s Geburtstag:“…… und eine durchaus angemessene Art, Hitlers Geburtstag zu feiern.“ (britischer O-Ton)
    http://www.spiegel.de/fotostrecke/big-bang-auf-helgoland-sprengung-am-18-april-1947-fotostrecke-146575.html

  • klabautermann   |   18. April 2017 - 16:17
  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   18. April 2017 - 17:08

    Die Navy installiert – neu – eine West Coast – carrier group rund um die NIMITZ.
    Einiges an Info, einschließlich der „carrier fighter wings“ bei https://www.navytimes.com/articles/carrier-nimitz-to-deploy-this-summer-ike-keeps-its-skills-sharp
    „… Navy is preparing to deploy a West Coast carrier group in the coming months …“ und „… The West Coast’s carrier Nimitz is wrapping up its final preparations for a summer deployment …“
    Nach Verlegung Richtung koreanische Halbinsel sieht das alles zwar nicht aus, andererseits, da „fake“ derzeit ja in aller Munde ist, selbst eine groß angelegte „deception operation“ kann nicht ausgeschlossen werden. Insbesondere nicht im Hinblick auf begrenzte nord-koreanische Intelligence-capacities.

  • SvD   |   18. April 2017 - 19:52

    Nur kurz am Rande, die GBU-43 MOAB ist nicht die schwerste konventionelle Bombe im US Arsenal, wenn man nach dem reinen Gewicht geht.

    Dieser Titel gebührt der bunkerbrechenden GBU-57 MOP – Massive Ordnance Penetrator, wobei die mit 6 Tonnen weniger Sprengstoff auskommen muss.
    Nichts desto trotz wiegt sie fast 50% mehr als die GBU-43 und bringt es auf 14 Tonnen Gesamtgewicht, passt dafür aber in eine B-52 oder B-2.

  • Memoria   |   20. April 2017 - 7:51

    Die USA verstärken die Präsenz auch in Helmand:
    https://www.marinecorpstimes.com/articles/marines-headed-to-southern-afghanistan

    Im Artikel ebenfalls interessant die Einschätzung der Gesamtlage.