RC N Watch: Mindestens 13 Tote bei Selbstmordanschlag in Baghlan

Und wieder ein Blick auf den – vergleichsweise – ruhigen Norden Afghanistans: Bei einem Selbstmordanschlag in Pul-e- Khumri, der Hauptstadt der Provinz Baghlan, sind am (heutigen) Montag mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen, darunter regional bedeutsame Politiker:

According to Baghlan Governor’s Office, a suicide bomber blew himself up this morning outside Baghlan Provincial Council, leaving 13 people including Head of the Council Rasul Khan Mohsini dead and at least 9 others injured.

heißt es in einer Erklärung des Präsidentenpalastes in Kabul.

Ergänzend von der BBC:

Police officials told the BBC that an attacker wearing military uniform detonated a suicide vest at the gate of the council’s headquarters in Baghlan’s capital Pul-e Khomri.

ISAF-Soldaten waren von dem Anschlag offensichtlich nicht betroffen.

In einer anderen Provinz, in Kundus, wurden am (gestrigen) Sonntagabend ein deutscher Konvoi deutsche Soldaten im Distrikc Char Darrah angegriffen; es gab weder Verwundete noch Sachschaden, wie die Bundeswehr meldet:

Am 19. Mai um 18.49 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (22.19 Uhr afghanischer Ortszeit) wurden deutsche Kräfte 10 Kilometer südwestlich Kundus im Polizeihauptquartier des Distriktes Chahar Darah von Aufständischen mit Handwaffen und Mörsern beschossen. Es gab keine Verwundeten / Gefallenen bei eigenen oder alliierten Kräften beziehungsweise zivile Opfer.

14 Kommentare zu „RC N Watch: Mindestens 13 Tote bei Selbstmordanschlag in Baghlan“

  • Jack Reacher   |   20. Mai 2013 - 11:23

    Also ich lese das die Kräfte im Polizeiquartier beschossen/angegriffen wurden, und sich nicht auf Patrouille befanden.

  • T.Wiegold   |   20. Mai 2013 - 11:40

    Also ich lese, dass sie im Polizeihauptquartier angegriffen wurden; insofern ist das mit dem Konvoi falsch formuliert (ändere ich). Wo haben Sie das mit der Patrouille gelesen?

  • Commander   |   20. Mai 2013 - 11:45

    Rasul Khan Mohseni?

    Na wer das wohl war? Interessantes Thema, ich sage nur post-ISAF Szenario. Jetzt ist der Inhaber einer großen “Logistik” Firma, auf den viele zwischen dem Salang-Tunnel und Pol-e Khomri gehört haben, tot.

    Der Beschuß des PHQ in Chahar Darah zeigt meiner Meinung nach deutlich, das die Insurgenz in Kundus wieder mehr Fuß fasst und mehr Freedom of Movement hat!

  • Memoria   |   20. Mai 2013 - 12:10

    @Commander:
    Sehe ich ebenso, die INS stehen nicht mehr so sehr unter Druck und greifen – wie auch sonstwo – wieder DHQ’s an.

    Aber das sind alles Einzelfälle, der hinterhältigem, terroristische Anschlag in Baghlan zeigt wie verzweifelt der Gegner ist – so werden es BMVg und ISAF wieder deuten.

    Wie lange wollen wir eigentlich noch im DHQ bleiben?
    Die Raumverantwortung haben doch die ANSF?
    Trotzdem rotieren unsere InfZg weiterhin ins DHQ.
    Da könnten wir doch nur noch die IRF im PRT bereithalten

  • lastboyscout   |   20. Mai 2013 - 13:32

    @Commander und Memoria
    Beide sicherlich mit persönlicher Kenntnis des Raumes.
    Frage: welche Armee der Welt könnte in einem Raum so groß wie ein mittleres Bundesland verhindern, dass 5-10 Mann sich bewaffnen und nachts einen CP oder ein DHQ angreifen? Ich behaupte keine. Wer die komplexen Angriffe der Jahre 2009 bis 2011 vor Augen hat, der erkennt, dass diese Hit and Run Attacks in der Tat semiprofessionell vorgetragen sind und keinesfalls mehr den Zustand eines koordinierten Aufstandes oder einer echten Fühjahrsoffensive erreichen.
    Warum fahren die Jungs weiterhin dahin?: Um Fühlung zu halten! Grundregel der Taktik.

  • Memoria   |   20. Mai 2013 - 13:36

    @lastboyscout:
    Es hatte sicherlich nicht die Dimension wie einiges 2009-2011 – jedoch man sich es nun wieder.
    Zum Thema Fühlung halten: Und im Spätsommer sind wir dann komplett weg.
    Ein sinnvoller Zwischenschritt ist auch hier nicht erkennbar.

    Alles wird gut – irgendwie…

  • lastboyscout   |   20. Mai 2013 - 13:57

    @ Memoria
    Die Idee ist: Die ANSF, jetzt wo sie aufgewachsen sind, lösen uns in der Stellung ab.Fühlung halten und anderes findet vorrangig zur FP und genau zur Sicherstellung der richtigerweise angemahnten Zwischenschritte statt. Dass dieses alles so heute möglich ist, haben die Kontingente vor Ort über die letzten Jahre hart erkämpft. Ich sehe das daher positiv.

    Alles wird gut? Ich würde sagen, es besteht die Chance, dass es “Afghan good” wird. Irgendwie..

  • Jack Reacher   |   20. Mai 2013 - 14:20

    @T.W. :

    Ich habe nur gelesen das es sich nicht um einen Konvoi/Patrouille gehandelt hat.
    PS: Gibt es hier eine Beschreibung irgendwo wie man Texte besser lesbar macht? Zitate einfügen, Texte FETT/Kursiv etc. ?

    Die Höhen 431/432 sind doch jetzt von den Afghanen besetzt, oder? Zumindest während die BW da Posten hatte, war das Polizeihauptquartier zumindest etwas besser vor solchen Angriffen geschützt.
    Bin mal “gespannt” wann die ersten Mörsergranaten dann auf das Camp Kunduz niedergehen…

  • Memoria   |   20. Mai 2013 - 14:36

    @lastboyscout:
    “Die Idee ist: Die ANSF, jetzt wo sie aufgewachsen sind, lösen uns in der Stellung ab.Fühlung halten und anderes findet vorrangig zur FP und genau zur Sicherstellung der richtigerweise angemahnten Zwischenschritte statt.”

    Richtig das ist die Idee. Aber auch hier ein Realitätscheck.
    Die InfZg der QRU sind noch im DHQ, während die MAT auf Kandak-Ebene bereits Ende letzten Jahres abgeschafft wurden, weil die ANSF schon so weit vorangekommen sind.
    Konsistent ist das nicht.Sichergestellt wird dadurch auch nichts, sondern nur noch mehr Unklarheit geschaffen.

    Der richtige Zwischenschritt für RiP wäre gewesen:
    Beibehaltung MAT auf Kandak-Ebene, qualitativ hochwertige Besetzung der Stellen im OCC-P, QRU reduziert auf seinen Kernauftrag (siehe Bezeichnung).
    Voraussetzung wäre aber endlich mal Fortschritte bei NG&A auf taktischer Ebene und – wo notwendig – entschlossenes Handeln. Bessere FP wäre damit auch möglich.
    Aber dafür müßte man sich in der Einsatzauswertung und Einsatzführung mal ernsthafte Gedanken machen. Davon sind wir aber immernoch Lichtjahre entfernt.

    Das hat dann auch wenig mit dem berühmten “Afghan good enough”, sondern mit “German not good enough” zu tun.

    Aber wir sehen diese Tage ja wieder, dass sich die Bundeswehrführung allgemein nicht durch Fakten irritieren lässt. Und nein das ist nicht gänzlich auf die Politik abzuschieben.

  • Commander   |   20. Mai 2013 - 14:41

    @lastboyscout:
    mittleres Bundesland ist wohl etwas übertrieben.
    Gehen wir davon aus, dass ein handelsüblicher Mörser wie er in AFG häufig Verwendung findet, etwa eine Reichweite von max. 3000m hat, und das Ziel dazu noch in Sichtweite eines Beobachters sein sollte, dann reden wir hier über einen Radius von höchstens 3km, eher 1500m (Bewuchs in der Gegend) um das PHQ herum.
    Nehmen wir die zahlreichen Checkpoints der ALP im Distrikt Chahar Darah hinzu, zeigt der Vorfall (müsste auch der erste seit Sommer 2010 sein) deutlich, dass die Insurgenz sich mehr traut.
    “Wer die komplexen Angriffe der Jahre 2009 bis 2011 vor Augen hat, der erkennt, dass diese Hit and Run Attacks in der Tat semiprofessionell vorgetragen sind und keinesfalls mehr den Zustand eines koordinierten Aufstandes oder einer echten Fühjahrsoffensive erreichen.”
    1. 2011 gabe es im Raum Kunduz so gut wie keine komplexen Angriffe mehr, der Feind hat vermehrt mit IEDs gekämpft.
    2. Mörserbeschuss ist kein komplexer Angriff, zeugt aber von wiedergewonnenem Freedom of Movement und Action.
    “Warum fahren die Jungs weiterhin dahin?: Um Fühlung zu halten! Grundregel der Taktik.”
    Äh, ja. Fühlung zum Feind hält die Gefechtsaufklärung, die Patrouillen die in Kunduz (noch) rausfahren, führen Gespräche und zeigen Präsenz.
    Im Frühjahr / Sommer 2011 war die Insurgenz in Kunduz dermaßen unter Druck geraten, dass die Führungsriege sich kaum aus Pakistan raus und nach Kunduz traute. ANSF, ALP und ISAF hatten quasi Bewegungsfreiheit im Chahar Darah Distrikt (südliches CDR auf jeden Fall, nördlich ab dem 25.05.11 zwar immer noch, aber deutlich gefährdet), vergleicht man das mit der jetztigen Situation, so muss man sich die Frage stellen, woran das liegt.

  • lastboyscout   |   20. Mai 2013 - 14:59

    @Memoria
    Den Details will ich gar nicht widersprechen. SFA und und vor allem, wie man damit auf einen taktisch- operativen Exit zuarbeitet, sind für die Bw Neuland und konzeptionell nicht abschließend durchdacht. Daher LL: und die daraus entsprechend abgeleiteten Vorschriften sind absolut zwingend.

    @ Commander: Das Bundesland bezog sich natürlich auf die gesamte Provinz und die darin stationierten Kräfte sowie die damit verbundene grundsätzliche Möglichkeit einen solchen Raum zu kontrollieren, wenn man INS hat, die in der Bevölkerung aufgehen können. Und ich bleibe dabei, obwohl die TB wissen, dass 2013 ihre entscheidende Figthing season ist, denn jetzt kämpfen sie gegen die ANSF – und wenn sie gegen diese nicht erfolgreich sind, dann sind sie gescheitert – fahren sie nur weitgehend unprofessionelle Einzelaktionen. Das ist ein Produkt der jahrelangen Abnutzung, des unverändert hohen Drucks durch Spezialkräfte und ein Erfolg all der Kräfte, die über die Jahre im Raum waren. Wer aber wirklich geglaubt hat, dass die INS in den Hotspots besiegt werden kann, der sollte sich nochmal in die COIN Literatur versenken oder das FM23/4 lesen.

  • J.R.   |   20. Mai 2013 - 15:10

    Eine grobe Karte der Entfernungen hat es hier. Zwar nicht so schön wie die in “4 Tage im November”, aber man erkennt glaub, dass die Entfernungen nichtmal einem deutschen Landkreis entsprechen. Eher 1-2 Gemeinden.

    Persönlich hab ich ja den Eindruck, dass die Bundeswehr seit Jahren kein Angstgegner, sondern ein Prestige-Gegner ist. Die Bundeswehr wird nicht so sehr bekämpft weil sie eine Gefahr darstellen würde (nicht zuletzt, weil es sehr einfach ist ihr auszuweichen), sondern weil man die Message “Niemand ist vor uns sicher” an die Bevölkerung und die ANSF schicken will.

  • J.R.   |   20. Mai 2013 - 15:11

    Und nochmal der Karten-Link

  • Memoria   |   20. Mai 2013 - 15:52

    @lastboyscout
    Das sind eben nicht nur Details, sondern die Realitäten auf takt./op. Ebene.
    Bei SFA hatte man nun auch 7 Jahre Zeit (erstes OMLT) sich Gedanken zu machen. In der neuen Struktur gibt es ja dann die OMLT-Abteilungen, es gibt auch nen Leitfaden.
    Aber weiter keine konzeptionellen Vorstellungen zu Personalauswahl und Ausbildung.
    Darauf kommt es bei SFA jedoch an!

    Egal ob Konzeption, Rüstung oder Einsatz die Probleme sind sehr häufig Haus gemacht – von Uniformträgern.

    Denn die wissen nicht was sie tun.