Mali: Tiger im Sandsturm

Dieses Bild gehört eigentlich zur Debatte über das neue französische Weißbuch und den ungebrochen weltweiten Anspruch der Streitkräfte: Ein französischer Tiger-Kampfhubschrauber zusammen mit Spezialkräften im Norden Malis – eingesetzt, wie die Franzosen angeben, Terroristengruppen aufzuspüren und zu zerschlagen:

28 avril 2013, 18h39, Tessalit, au Nord du Mali, un hélicoptère d’attaque Tigre des forces spéciales décolle pour appuyer la progression d’unités déployées au sol. Dans le nord du pays, les opérations des forces spéciales se poursuivent avec pour objectif de rechercher et de détruire les groupes terroristes qui s’y trouveraient encore.

(Foto: Französische Streitkräfte/EMA/ECPAD)

Entführte Dänen vom Waffen-Frachter in Somalia freigelassen

Eine der mysteriösesten Angriffe somalischer Piraten vor der Ostküste Afrikas scheint nach mehr als zwei Jahren ein glückliches Ende gefunden zu haben. Zwei dänische Seeleute, die im Januar 2011 nach Kaperung des dänischen Frachters Leopard als Geiseln genommen wurden, sind im April wieder auf freien Fuß gekommen, wie das dänische Außenministerium nach einem Bericht der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau* heute mitteilte. Bei der Kaperung gerieten auch vier Seeleute von den Philippinen in Piratenhand – die Meldung ist in dem Punkt nicht ganz eindeutig, legt aber nahe, dass auch sie freigelassen wurden. Nicht bestätigt wurden Angaben, dass für die Freilassung 30 bis 40 Millionen dänische Kronen (vier bis 5,4 Millionen Euro) gezahlt wurden.

Die Kaperung der Leopard war deswegen so mysteriös, weil die Piraten zwar die Mannschaft verschleppten, aber den Frachter mit seiner Ladung steuerlos zurückließen – und das, obwohl das Schiff Waffen und Munition geladen hatte. Auch der Ablauf des Piratenangriffes blieb unklar und ein bisschen bizarr: Angeblich hatten sich die Seeleute in den Schutzraum zurückgezogen und bereits Kontakt mit Seestreitkräften in der Region aufgenommen.

Vielleicht klärt sich das Drama um die Leopard, wenn die Dänen in der Heimat von der längsten Geiselhaft westlicher Seeleute in der Hand somalischer Piraten berichten.

(* Die verlinkte Quelle, Der Nordschleswiger, ist zwar eine deutschsprachige Zeitung, erscheint aber als Zeitung der deutschen Minderheit in Dänemark und damit nicht in einem deutschen Verlag.)

Nachtrag: Zwei interessante Hintergrundstücke dazu:

Somali Piracy during the Leopard case

Post MV LEOPARD: Financial Aspects of Somali Piracy Explained

(Foto: Das Heck der Leopard bei Auffinden durch NATO-Kriegschiffe – Foto: NATO)

Frankreichs Streitkräfte: Weniger Geld, nicht weniger Anspruch

Französisch müsste man können. Ich gestehe offen, dass meine Kenntnisse dieser Sprache nicht ausreichen, das am (gestrigen) Montag veröffentliche neue französische Weißbuch (Livre blanc) wirklich würdigen zu können. Der Berichterstattung entnehme ich allerdings, dass die Streitkräfte des Nachbarlandes trotz allen Spardrucks ihren weltweiten Anspruch keineswegs aufzugeben gedenken:

Die französischen Streitkräfte müssen den Gürtel enger schnallen, doch die Luft geht ihnen in den kommenden Jahren nicht aus, und ihre Bewegungsfreiheit soll schon gar nicht eingeschränkt werden, im Gegenteil. weiterlesen

DroneWatch: USA zur Lieferung von “Reaper”-Drohnen an Deutschland bereit

Auch wenn die deutsche Entscheidung über die Anschaffung bewaffneter Drohnen für die Bundeswehr noch nicht gefallen ist – die Optionen zumindest scheinen Verteidigungsminister Thomas de Maizière und die Luftwaffe zu haben: Mittlerweile habe der US-Kongress, berichtet Spiegel Online, einem Verkauf des unbemannten Systems Reaper an Deutschland zugestimmt. Die Entscheidung über diesen Foreign Military Sale sei bereits am 10. April gefallen, Berlin aber bislang nur inoffiziell mitgeteilt worden.

Damit gibt es die Auswahlmöglichkeit zwischen der Reaper und dem israelischen Modell Heron TP. Luftwaffeninspekteur Kar Müllner befürwortet den Kauf des US-Systems, weil es bereits seit Jahren eingeführt und combat proven ist. Allerdings sagt die amerikanische Zustimmung zum Verkauf noch nichts darüber aus, wie die grundsätzliche Diskussion in Deutschland und die Entscheidungsfindung laufen – abstimmen über den Kauf eines solchen Systems wird ohnehin erst der neue Bundestag nach der Wahl im September.

Nachtrag: Laut SpOn bestätigte Verteidigungsminister Thomas de Maizière inzwischen eine entsprechende Anfrage an die USA – wohlgemerkt die Anfrage, nicht die Antwort. Nun ja, die Anfrage selbst war schon seit Monaten bekannt; ebenso die Tatsache, dass Deutschland seit Monaten auf eine Antwort wartet. Mir ist deshalb nicht ganz klar, warum Teile der Opposition so tun, als sei das eine neue Qualität.

(Archivbild: Eine bewaffnete Drohne der U.S. Air Force vom Typ MQ-9 Reaper – U.S. Air Force photo/Staff Sgt. Brian Ferguson via flickr unter CC BY-NC Lizenz)

Piraten vor Westafrika: Die Entführungsindustrie läuft

Während am Horn von Afrika, also auf der Ostseite des Kontinents, die Erfolge der Piraten aus Somalia immer weiter zurückgehen, scheinen die Seeräuber im Golf von Guinea auf der Westseite auf dem Vormarsch. Mit einem wesentlichen Unterschied in der Vorgehensweise: Sie kidnappen nicht wie die Somalis ganze Schiffe, sondern wichtige Personen der Mannschaft. Das ist auch logisch, denn anders als ihre Kollegen verfügen die Piraten vor Westafrika nicht über ein Land ohne funktionierende staatliche Strukturen als Zufluchtsort.

Die beiden aktuellen Fälle nach der Übersicht des Piracy Reporting Centre in Kuala Lumpur: weiterlesen

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