Nebeneffekt der Zypern-Krise: Eine russische Marinebasis?

UNIFIL 20110703 Limassol

Die kleine Mittelmeerinsel Zypern ist derzeit ein Top-Thema – wegen der Euro- und Bankenkrise und der Frage, ob neben russischen Unternehmen und Steuerflüchtlingen auch Kleinsparer ihren finanziellen Beitrag leisten müssen. Im Schatten dieser für die Europäische Union und den Euro wichtigen Fragen geht die sicherheitspolitische Bedeutung des Eilands ziemlich unter.

Dabei wäre Zypern auch ohne jegliche Finanzkrise ein schwieriger Ort: Der türkisch kontrollierte Nordteil hat zur Folge, dass das NATO-Mitglied Türkei Gespräche über militärische/sicherheitspolitische Kooperation mit der EU wegen des EU-Mitglieds Zypern blockiert. Seit fast fünf Jahrzehnten gibt es eine UN-Friedenstruppe auf der Insel, kommandiert von einem chinesischen General. Ebenfalls seit Jahrzehnten unterhalten die Briten an dieser strategisch wichtigen Stelle im östlichen Mittelmeer autonome Basen für die British Forces Cyprus. Die Insel ist ein praktischer Horchposten für elektronische Aufklärung. Der Hafen von Limassol ist Standort für – auch deutsche – Einheiten der UNIFIL (Foto oben), die die Seegrenze vor dem Libanon überwachen. Und ich bin noch nicht mal sicher, dass ich jetzt alles aufgezählt habe.

So ein bedeutsamer Ort stößt natürlich auch bei den Russen auf Interesse. Deshalb sind die Nachrichten, die am Rande der Gespräche über eine Lösung der Finanzkrise für Zypern aufkommen, schon bedeutsam. Denn die zyprische Regierung redet in diesen Tagen viel mit den Russen – für Moskau, das regierungsamtliche wie das wirtschaftliche, geht es um Milliardensummen auf der Insel. Und Zypern wiederum ist an – weiteren – russischen Krediten interessiert, um aus seiner Klemme herauszukommen:

It is likely the Russians will ask for some form of compensation for such an investment. A naval port in Cyprus for the Russian fleet and access to the country’s natural gas reserves are among the rewards Moscow might seek.

berichtet die griechische Zeitung Ekathimerini.

Schon ein – leichterer? – Zugang russischer Unternehmen zu Erdgasvorkommen rund um Zypern (die wiederum auch umstritten sind, wenn meine Erinnerung nicht trügt) verschiebt die Balance. Eine Marinebasis für die russische Flotte im Mittelmeer noch ein wenig mehr. Das ganze Thema ist noch im Fluss, aber vielleicht gibt es die nächsten Tage mehr dazu.

(Foto: Tender Mosel und Schnellboot Zobel der Deutschen Marine im UNIFIL-Einsatz im Hafen von Limassol, Juli 2011 – Wikimedia-User HG32 via Wikimedia Commons unter CC-BY-SA-Lizenz)

 

15 Kommentare zu „Nebeneffekt der Zypern-Krise: Eine russische Marinebasis?“

  • Sandro Juergensen   |   20. März 2013 - 13:45

    Ich habe bisher nicht kommentiert, aber ich denke etwas wichtiges ist hier unter gegangen. Russland lässt seine Marinebasis im syrischen Tarrus, ruhen, siehe: http://de.ria.ru/security_and_military/20120824/264255389.html , Zypern würde sich durchaus als relativ krisenfreier Standort anbieten. Die Geopolitische Lage nach Ende des kalten Krieges wird immer verworrenerer. Gab es vorher zwei große Machtblöcke, so sind es heute viele kleine einzelne Staaten.

    [Danke für den Hinweis. Der Link zur Person sieht mir aber sehr nach Werbung aus, den habe ich mal rausgenommen. T.W.]

  • Tom   |   20. März 2013 - 13:58

    Der unterstellte russische Wunsch nach einer Marinebasis ist ja auch nicht leicht von der Hand zu weisen:
    – Tartus (Syrien) ist aktuell wohl nicht in Nutzung.
    – Und ob nach einem Ende des Bürgerkrieges die obsiegende Partei gerade russische Truppen im Land haben will, darf bei der derzeitigen russischen Positionierung als „unsicher“ gelten.

  • AusDieMaus   |   20. März 2013 - 14:42

    Sowas liest man gerne. Ich halte Russland für eine wichtige Ausgleichsmacht, insbesondere im Mittelmeerraum.

    Insofern, go Russia, go!

  • DS   |   20. März 2013 - 16:11

    Hmm, die Russen und ihre Marinebasen… Ich bin auf dem Gebiet jetzt kein Experte, aber die Bedeutung von Tartus scheint mir häufig etwas übertrieben zu werden. Wenn ich richtig informiert wurde, können dort nur Schiffe ankern, die 100m oder kürzer sind – was alles von der Fregatte aufwärts ausschließen würde.

    Weiß jemand gesichert, ob das korrekt ist und ob die Russen den syrischen Hafen vor dem Bürgerkrieg regelmäßig genutzt haben? Das könnte ja schon mal Hinweise darauf geben, welche Priorität eine solche Marinebasis auf Zypern haben könnte.

  • Soft Power ade: Geopolitische Folgen der Zypern-Rettung | Offiziere.ch   |   20. März 2013 - 16:17

    […] bin noch nicht mal sicher, dass ich jetzt alles aufgezählt habe. — Thomas Wiegold, “Nebeneffekt der Zypern-Krise: Eine russische Marinebasis?“, Augen geradeaus!, […]

  • Wacaffe   |   20. März 2013 - 17:34

    Tja sollte es tatsächlich zu einer Beteiligung Russlands an der Refinanzierung Zyperns kommen heißt es natürlich Quid pro quo . Block 12 Gasfeld, Marinebasis o.Ä.

    Eigentlich auch selbstverständlich es sei denn man kann jegliche Opposition zu bedenkenlosem Vermögenstransfer als Euroskepsis vulgo kryptonazismusdiffamieren.

  • T.Wiegold   |   20. März 2013 - 17:46

    Zum Thema Eckernförde habe ich einen neuen Thread aufgemacht und verschiebe die entsprechenden Kommentare dorthin.

  • Stefan   |   22. März 2013 - 1:20

    Wer etwas leistet der soll auch etwas bekommen. Ich sehe darin kein Problem. Wenn die armen Russen, die uns ja angeblich nicht das Wasser reichen können, eine Leistung erbringen die wir nicht leisten können, dann müssen sie auch eine Gegenleistung erhalten. So funktioniert die Welt. Man hat Zypern angeblich auch angeboten Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion zu werden. Russische Spitzenpolitiker schlugen auch vor, Zypern solle der Russischen Föderation beitreten und den Rubel einführen.

  • Elahan   |   22. März 2013 - 22:18

    @Paveway

    Das waren bestimmt Assads Truppen! Ich hoffen, dass nun nicht der Bündnisfall ausgerufen wird!

  • Paveway   |   22. März 2013 - 22:48

    @Elahan:

    Wie kommen Sie darauf, dass in den Bezug zum Syrienkonflikt zu setzen?
    War doch klar mit Zypern betitelt.

  • Elahan   |   22. März 2013 - 23:21

    @Paveway

    Das stimmt, aber irgend einen casus belli braucht man doch, nach dem die vielen bis jetzt nicht geklappt hatten, die türkische Phantom war ja auch nicht in Syrien!

    Sorry, hatte im letzten Kommentar das Ironiezeichen vergessen ;-)……….. :-)

  • Vtg-Amtmann   |   22. März 2013 - 23:28

    @Elahan: Finde Ihre ironische Argumentation spitze, speziell bei den indifferenten bzw. diffusen Ziprioten.

  • Elahan   |   22. März 2013 - 23:45

    @Vtg-Amtmann

    :-) ……..und wenn die erst russische Marinebasis werden ;-)

  • Vtg-Amtmann   |   22. März 2013 - 23:49

    @Elahan: … dann hat man die Wespe im Nest! Womit man ohne Ironie bei Syrien wäre.