Abbrecherquote bei den Kurzdienern steigt auf über 30 Prozent

Verteidigungsminister Thomas de Maizière begrüßt am 4.Juli 2011 in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin die ersten freiwillig Wehrdienstleistenden nach Aussetzen der Wehrpflicht (Foto: Sebastian Wilke/Bundeswehr via flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

Zum Jahresbeginn haben 1.422 Männer und Frauen ihren Dienst als Freiwillig Wehrdienstleistende (FWDL) bei der Bundeswehr angetreten, knapp 3.500 neue Zeitsoldatinnen und -soldaten begannen ihren Dienst bei den Streitkräften. Mit der Gesamtzahl von knapp 5.000 neuen Uniformträgern werde der Bedarf des Jahres bereits zu einem Viertel gedeckt, teilte das Verteidigungsministerium am (heutigen) Mittwoch mit.

So weit die Gesamtzahl – interessant finde ich aber die Aussage zu den FWDLern: Die Abbrecherquote in den ersten sechs Monaten der Dienstzeit, die als beiderseitige Kündigungsmöglichkeit festgesetzt wurde, beträgt im Durchschnitt 30,4 Prozent.

Ende vergangenen Jahres, also im ersten Halbjahr nach Aussetzen der Wehrpflicht, war das noch ein bisschen besser gewesen: 27,7 Prozent der FWDL waren damals ausgeschieden, der überwiegende Teil auf eigenen Wunsch: 23,3 Prozent der Rekruten warfen in den ersten sechs Monaten hin, 4,4 Prozent gingen auf Wunsch der Bundeswehr.

2012 haben sich beide Werte erhöht. Im Jahresdurchschnitt gingen 25 Prozent auf eigenen Wunsch, etwa fünf Prozent wurden von der Truppe nach Hause geschickt. Allerdings, so heißt es aus dem Verteidigungsministerium, seien die Zahlen je nach Quartal sehr unterschiedlich – bei den Kurzdienern, die im Sommer ihren Dienst begannen, gebe es eine deutlich geringere Abbrecherquote.

Eine Detailauswertung dieses Trends steht offensichtlich noch aus, bereits im Herbst vergangenen Jahres war die Entwicklung allerdings absehbar, und es wurden auch die ersten Maßnahmen dagegen gestartet – unter anderem Lehrgänge für Vorgesetzte am Zentrum für Innere Führung in Koblenz. Weil die neue Klientel, die eben nicht mehr per Gesetz auf den Kasernenhof gezwungen wird, vielleicht doch etwas anders angesprochen werden will…

 

 

59 Kommentare zu „Abbrecherquote bei den Kurzdienern steigt auf über 30 Prozent“

  • p. eter   |   02. Januar 2013 - 17:18

    Wennn ich mich an meine AGA mit Biwak im Januar in der Eifel erinnere, wundert mich die geringere Abbrecherquote der Sommerbeginner nicht..

  • Jugendoffizier   |   02. Januar 2013 - 17:36

    Die Meldung schreit ja gerade danach, Vermutungen über die Beweggründe der Abbgänger anzustellen. :-)
    Dem Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr könnte hier durchaus ein interessantes Aufgabenfeld erwachsen.

  • Sozialwissenschaftler   |   02. Januar 2013 - 18:17

    Jugendoffizier | 02. Januar 2013 – 17:36
    Dem Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr könnte hier durchaus ein interessantes Aufgabenfeld erwachsen.

    ————–

    Ich fürchte nicht. Das SOWI gibt’s nämlich seit gestern nicht mehr. ;-)

  • St.Michael   |   02. Januar 2013 - 18:27

    Diese Diskussion schon wieder. Erinnert mich etwas an das Buch “If You`re Riding a Horse and It Dies, Get Off”…

    Meine 2 Cent zu Diskussion:

    1.) Die Quote bezieht sich auf die Freiwillig Wehrdienstleistenden. Diese leisten auf Grund ihrer kurzen Stehzeit kaum einen ernsthaften Beitrag zur Einsatzbereitschaft. Wichtiger ist die Abbrecherquote bei den SaZ Mannschaften – und diese ist weiterhin sehr niedrig.

    2.) Da den jungen Männer und Frauen eine tagesaktuelle Kündigungsmöglichkeit angeboten wird, nutzen diese sie auch. Viele bewerben sich parallel auf mehrere Stellen bzw. auf einen Studienplatz und sind als FWDL in der Lage sofort eine andere, attraktivere Stelle anzunehmen. FWDL dient also nicht so sehr als “Schnupperkurs” in den Streitkräften, sondern als Überbrückungsmöglichkeit.

    3.) Wollen wir diese Damen und Herren wirklich in den Streitkräften haben? “Weil die neue Klientel, die eben nicht mehr per Gesetz auf den Kasernenhof gezwungen wird, vielleicht doch etwas anders angesprochen werden will…” – Ja, dass stimmt sicherlich. Und die Zeiten in den Grundausbildungskompanien haben sich bereits geändert. Aber an den grundsätzlichen Herausforderungen des Soldatenberufs ändert das nichts. Früher oder später müssen die FWDL’er an Anstrengungen herangeführt werden. Und wer dann feststellt, dass dies nicht seinem Lebensentwurf entspricht, der kann dann doch auch besser etwas anderen mit seinem Leben anstellen.

    Fazit: Der aktuelle Mangel an Mannschaftssoldaten in vielen Einheiten und Verbänden bleibt weiterhin der Finanzlage geschuldet. Mannschaftssoldaten SaZ (und auf die kommt es an!), die sich weiter verpflichten wollen, sind reichlich vorhanden. Allein es fehlen die Haushaltsstellen.

  • Orontes   |   02. Januar 2013 - 18:31

    Die offizielle Schlußfolgerung daraus wird vermutlich lauten, daß der Dienst nicht “attraktiv” genug sei, und die Standards werden in Folge dessen noch tiefer fallen.

  • der_mike   |   02. Januar 2013 - 18:34

    “3.) Wollen wir diese Damen und Herren wirklich in den Streitkräften haben? “Weil die neue Klientel, die eben nicht mehr per Gesetz auf den Kasernenhof gezwungen wird, vielleicht doch etwas anders angesprochen werden will…”

    Genau das habe ich auch gedacht – warum denen einen Dienst vorgaukeln, der nicht besonders produktiv ist, Ferner muss man eigentlich Wehrpflichtige sanfter ansprechen, als Leute, die sich als – Betonung – Soldat verpflichten. Ich mag nicht verstehen, warum der Ton sich ändern muss, wenn die Rahmenlage eher nach mehr als nach weniger – Betonung – Soldat verlangt.

  • chickenhawk   |   02. Januar 2013 - 18:50

    Es erscheint naheliegend (und diese Feststellung dürfte für Streitkräfte rund um die Welt und in allen Zeitaltern gelten), dass sich neue Rekruten in den ersten Tagen, Wochen und Monaten ihrer Dienstzeit oft die Frage stellen, worauf sie sich eigentlich eingelassen haben und ob die Entscheidung für den Soldatenberuf die richtige war.

    Wenn ich mich an meine eigene Wehrdienstzeit zurück erinnere, so hätte ich zweifellos auch zu denen gehört, die sich spätestens nach einer Woche wieder ins Zivilleben verabschiedet hätte. Das ging aber nicht (und freiwillig war ich sowieso nicht da). So gesehen haben es die Kurzdiener heutzutage ganz gut.

  • chickenhawk   |   02. Januar 2013 - 19:17

    Zum Vergleich ein Artikel im Daily Telegraph (Großbritannien) aus dem Jahr 2008: Record numbers of Army recruits drop out

    A third of Army recruits are dropping out of basic infantry training, new Government figures show.
    More than one in three soldiers who sign up to serve in the infantry are quitting before the end of the tough 24-week training course or else fail to meet the minimum standard required by the Army.
    The figures, which show the number of recruits who drop out rising sharply over the past four years, have emerged only days after a Ministry of Defence report revealed that the Armed Forces are now more than 5,000 men and women under strength.

    […]

  • PersGLw   |   02. Januar 2013 - 19:34

    Interessant wird es, wenn man sich die Zahlen im Vergleich über die milOrgBereiche anschaut. So stellt man fest, dass die Lw im Schnitt nur die Hälfte an Widerruflern hat, was wiederum aber auch zeigt, dass andere erheblich mehr als 30% haben müssen.
    Es müssen nicht zwangsläufig neue Konzepte erfunden werden, um die Zahlen zu reduzieren, man kann auch gut erst einmal auf Bewährtes zurückgreifen.

  • O. Punkt   |   02. Januar 2013 - 19:52

    @Orontes:
    Bzgl. des Absinkens der Anforderungen hätte ich auch schon ein paar Vorschläge:

    * Grundsätzlich Gleitarbeitszeit für alle FWDL.
    * Es wird erst ab dem 3. Tag der Erkrankung ein ärztliches Attest verlangt.
    * Der 6km-“Leistungsmarsch” wird abgeschafft. Anstelle dessen muss der Rekrut einmal in der Woche sein Auto am Kasernentor stehen lassen und zum Kompaniegebäude laufen (größere Liegenschaften [Delmenhorst, Hammelburg, Stetten akM, JLK in Berlin, sind per Ausnahme davon befreit])
    * Der BFT wird erneut reformiert. Jeder darf sich aussuchen ob er den “Frauen-Geschlechter-Bonus” in Anspruch nimmt. Wer darauf verzichtet, darf alternativ eine Übung durch Zuschauen bei einem Kameraden als absolviert vermerken.
    * Das SBG wird reformiert. Es wird eine Vertrauensperson der Woche gewählt. Die VPdW hat unmittelbares Vorspracherecht beim zuständigen Befehlshaber / kommandierenden General. Sollte in Beteiligungsfragen keine Einigung erzielt werden, entscheidet eine Jury bestehend aus je einem Vertreter vom DBwV, dem GVPA und der Gleichstellungsbeauftragten.

    Um das OT etwas einzugrenzen, spare ich mir mal meine weiteren Vorschläge ;-)

  • DP   |   02. Januar 2013 - 19:52

    Mich würde interessieren wie die Abbrecherquote sich nach den Abschlüssen der FWDLern (Haupt-, Realschulabschluss und (Fach-)Abitur aufgliedert – gibt es dazu Zahlen?

  • der_mike   |   02. Januar 2013 - 20:01

    ” Gleitarbeitszeit”
    Ich kenne einen besonders soldatenfreundlichen BtlKdr, der das in Einsatzkompanien für die beste Idee seit geschnitten Brot gehalten hat. Leute, die damit arbeiten sollten, waren eher weniger angetan….
    “(größere Liegenschaften [Delmenhorst, Hammelburg, Stetten akM, JLK in Berlin,”
    Die JLK ist nicht so groß, wenn das KpGeb direkt neben dem Eingang liegt. Ferner müsste es lauten “Liegenschaften mit mehr als 25 FWDLern” – höhere Dienstgrade laufen ja ohnehin recht gern.

  • J.R.   |   02. Januar 2013 - 20:04

    Wozu soll der freiwillge Wehrdienst eigentlich gut sein?

  • Elahan   |   02. Januar 2013 - 20:13

    @O. Punkt

    Würde der Dienstherr auf die Interessenvertreter des DBwV, des GVPA und der Gleichstellungsbeauftragten hören, hätte er evtl weniger Probleme. Was die Ablösequote betrifft, jedoch eher nicht, denn die genannten Vertreter sind für die Bw-Angehörige da, die die Bw nicht verlassen :-).

    Evtl muss man im BMVg überlegen in welchen Bereichen man überhaupt Soldaten benötigt! Dort wo man diese dann benötigt, muss man sie angemessen alimentieren und auch ihnen und ihren Familie eine attraktive Fürsoge zukommen lassen! Im Moment ersetz man Zivilpersonal durch Soldaten, wundert sich, dass das Personal nicht reicht und macht Familienleben kaum möglich/attraktiv (Pendler/Scheidungsquote)!

    Man mag Menschen beschimpfen/beleidigen, wenn sie nicht zu einem bestimmten Arbeitgeber gehen, aber dadurch wird nicht einer mehr eingestellt!

  • T.Wiegold   |   02. Januar 2013 - 20:37

    @PersGLw

    Diese Zahlen hätte ich gerne… Wo gibt’s da Detaillierteres?

  • tez   |   02. Januar 2013 - 20:39

    Könnte es zum Teil auch an den Arbeitslosenzahlen liegen? Der Arbeitsmarkt gibt ja derzeit deutlich mehr Stellen her als noch vor einigen Jahren, kann gut sein dass da Leute abspringen weil sie woanders was gefunden haben wo man sich die Klamotten selbst aussuchen kann usw.

    Generell müsste man an das Problem denke ich über mehrere Achsen ran – mehr Gehalt ja, aber auch familienfreundlicher, mehr Sachen wie Weiterbildungen oder die amerikanische GI Bill – ein VeteranenBAFöG – und eben auch eine andere Wertschätzung. Es muss ja nicht ganz so weit gehen wie bei den Amerikanern mit dem Militarismus, aber etwas mehr Anerkennung für die Leistungen der Truppe in der Gesellschaft müsste es denke ich schon sein. Über den Afghanistaneinsatz könnte sich da schon was bewegen, ich habe schon eine Menge sehr positive Reportagen in den großen Zeitungen gelesen, dazu die diversen Bücher, die da schon rausgekommen sind.

  • Memoria   |   02. Januar 2013 - 21:13

    Am Ende dann noch mehr Kuschelkurs?
    Eben das kann auch sehr unattraktiv sein.
    Dann bleiben auch die Falschen.

    Team Luftwaffe für alle!?!

  • Bang50   |   02. Januar 2013 - 21:52

    Vielleicht liegt ein Teil der Abbrecherquote auch darin begründet, dass die BW nicht unbedingt als professionelle moderne Armee und Arbeitgeber empfunden wird?

  • St.Michael   |   02. Januar 2013 - 22:06

    @DP

    Mir wäre nicht bewusst, dass diese Daten erhoben werden.

    Erhoben werden nur absolute Zahlen und die Gründe, die die Soldaten angeben, wenn sie abbrechen. Allerdings sind das sehr grobe Kategorien. Mehr als 60% haben 2012 in einem (Heeres-)Verband “Private Gründe” angegeben. Da kann man sehr viel hinein interpretieren.

  • Orontes   |   02. Januar 2013 - 23:06

    @Bang50
    Streitkräfte, die als professionell und fordernd wahrgenommen werden, haben in der Regel auch zu den Spitzenzeiten der Einsatzbelastung keine Probleme, Freiwillige zu finden. Ein Beispiel von vielen:
    http://www.nytimes.com/2009/09/18/us/18marines.html

  • Someone   |   02. Januar 2013 - 23:22

    Unsere Fallis haben das Problem auch nicht.

    Bei den OA-Bewerbungen zur Einstellung Juli 2012 weiß ich auch, dass die Fallschirmjägertruppe und die Feldjägertruppe bei den Heeresuniformträgern deutlich mehr Erstwunschbewerbungen als freie Stellen hatten. Die ABC-Abwehrtruppe hingegen mehr Stellen als Erstwunschbewerbungen.

    Truppengattungen mit gutem (elitärem/harten/was-auch-immer) Ruf haben es nun einmal einfacher. Außerdem waren die beiden in so vielen Reportagen und Dokumentationen vertreten, dass den Bewerbern hier eher bewusst ist, auf was sie sich einlassen.
    Bei der Instandsetzung denkt sicherlich keiner an die Recovery Task Force, die in Afghanistan beschädigte Fahrzeuge auch vom Gefechtsfeld holt.

    Meine Gedanken zu den FWDL:
    Wer zur Bundeswehr geht, Drill und Morgensport erwartet, wie es der große Bruder mal erzählte, und dann Kuschelkurs bekommt, fühlt sich sicherlich leicht verarscht und verlässt den Kindergarten dann.

  • J.R.   |   02. Januar 2013 - 23:47

    @ Orontes

    Wie man’s nimmt: Während der anziehenden Wirtschaft und dem Irak-Krieg war selbst beim US Marine Corps jeder 20. Neuzugang ohne Schulabschluss. Und das, obwohl der Pool an Rekruten bei einem Staat mit 300 Mio. Einwohnern etwas größer sein dürfte.

    Auch stellt sich die Frage, was das mit dem freiwilligen Wehrdienst zu tun hat. Dessen Notwendigkeit/Nutzen/Anforderungen sind ja ziemlich offen – nur mit echter Gewalt wird man sicherlich nicht konfrontiert werden.

    Entsprechend schwammig ist auch, wen man überhaupt ansprechen will. Derzeit scheint das Angebot halt vor allem für ehemalige Schüler von Interesse, die noch keine Berufsplanung haben oder keinen Ausbildungsplatz finden konnten, und für die die 1000 Euro im Monat viel Geld sind.

    Nur was das mit “Soldat” zu tun hat ist mir nicht ganz klar.
    (Aber das war es auch schon nicht, als es noch die Wehrpflicht gab… ;) )

  • Elahan   |   02. Januar 2013 - 23:58

    Die Bw benötigt eben nicht nur Soldaten, auch beim Heer nicht! Wenn man dann aber Soldat werden möchte und am Ende nur Jobs macht, die nichts mit dem Soldatenberuf gemein haben aber dafür keine Überstunden bezahlt bekommt ist der Frust vorprogrammiert! Einfach mal die Abbrecher fragen! Da gibt es viele Gründe aber oft nicht, dass man hart ran muss!

  • Memoria   |   03. Januar 2013 - 0:05

    @Elahan:
    “Die Bw benötigt eben nicht nur Soldaten, auch beim Heer nicht!”

    Aber in erster Linie braucht die Bundeswehr – nicht nur das Heer – Soldaten und keine Verteidigungsbeamten. Daher sollte man sich – in der Bundeswehrführung – sehr gut überlegen was ein Soldat können muss (vom Einsatz her denken) und entsprechend Personalauswahl und Ausbildung betreiben.
    Findet in der Form aus meiner Sicht leider nicht statt (siehe Fühererausbildung im Heer).
    Daneben ist dann weiterhin noch Platz für Fachdiener etc.
    Aber das obige Beispiel mit der Recovery Task Force zeigt doch, dass die Grenze viel oft zu eng gezogen wird.

    Ergo: every Marine – a rifleman!

  • Mk   |   03. Januar 2013 - 0:15

    @Someone

    “Truppengattungen mit gutem (elitärem/harten/was-auch-immer) Ruf haben es nun einmal einfacher.”

    Muss auch nicht immer sein. Habe von einem Fallschirmjäger gehört, dass da sich viele verdrückt hätten. Diejenigen wollten halt Fallschirmjäger werden und die restlichen 9 Monate ihrer Dienstzeit weder als Tankstellenaufsicht noch GeZi-Kämpfer verbringen.

  • Elahan   |   03. Januar 2013 - 0:19

    @Memoria

    Gemessen an der Tätigkeit und an der Gesamtzahl der Bundeswehranfehörigen liegen sie evtl nicht ganz richtig! Kommt natürlich darauf an, wie man Soldat vom Verteidigungsbeamten abgrenzt!

    Unser Problem ist doch, dass wir jenen die Soldat werden wollen nicht die entsprechenden Dienstjahre zugestehen und denen (und ihren Familien) welche Einsatzsoldaten sind keine Perspektive nach der Zeit als SaZ 15+ ermöglichen! Es werden zuviele SaZ zu früh entlassen und es werden zuviele BS, die nie wirklich Soldat waren! Natürlich benötigen wir auch den Verteidigungsbeamten, aber eben ältere und erfahrene!

  • Elahan   |   03. Januar 2013 - 0:23

    Wenn man genügend Geld und Bewerber hat, kann man alle zu harten Kämpfern ausbilden!……….wenn man genügend hat!

  • markus, d.Ä.   |   03. Januar 2013 - 10:37

    arrrr! und oppa ist noch auf filzstiefeln nach russland, ja so war das damals …
    .
    könnte es nicht vlt auch am persönlichen erfahren der real existierenden bleiernen Bürokratie liegen ? der gähnenden langeweile des täglichen betriebs? der schrebergartenmentalität in diversen einheiten? wer will schon als sachwalter der ZDV enden wenn draußen das leben blüht*.

    das bischen sport von dem hier einige träumen ists mit sicherheit nicht. wenn man nicht gerade einen männerbünde und waffefetisch pflegt ist der laden einfach ein unglaublich unattraktiver arbeitgeber.

    *kann hier nur für damals junge menschen mit ambitionen auf Fw oder höher sprechen. Soweit man das beurteilen konnte bestand die Pommesfraktion ohnehin nur aus denen, die zivil keine chance hatten.

  • Elahan   |   03. Januar 2013 - 11:20

    Warum sollte jemand, der was leisten will und motiviert ist, außer um Zeit zu überbrücken, als Mannschaftssoldat zum Bund? Wenn jemand begeistert ist und die Bw attraktiv findet, dann melden diese sich als Uffz oder Offz!

  • Soldier   |   03. Januar 2013 - 12:19

    Die Bw ist zu einem ganz normalen Arbeitgeber geworden, Vergleichbar mit einem Konzern wie Siemens oder Volkswagen. Die Mitarbeiterführung orientiert sich auch an diesen Unternehmen, ohne Rücksicht auf die Eigenheiten dieser speziellen Firma zu nehmen. FwD’ler werden nach der Grundausbildung als Hilfsarbeiter eingesetzt, ohne echten militärischen Auftrag. So etwas ist nur als Überbrückung einer Arbeitslosigkeit attraktiv.

  • Luftwebel   |   03. Januar 2013 - 13:08

    Leider schauts doch heute so aus: Ein junger Mann mit abgschlossener Berufsausbildung geht freiwillig zur Bw, und macht mit dem Dienstgrad StUffz die AGA, zusammen mit regulären Mschft. Nach der AGA kommt er in die Truppe und bekommt sofort eine U.oP. Stelle. Richtig als TrpFhr einsetzen kann man ihn nicht, weil er nix kann. Zu dem Mschft gehört er nicht und zu den altgedienten Stuffzen gehört er auch nicht. Er wird von der Besoldung her aber mit denen gleichgestzt. Ein solcher SU kann ja die erste Zeit zumindest nicht mal als WaHa eingesetzt werden, weil ihm von der Ausbildung zuviel fehlt. Der Unmut ist ja da schon vorprogrammiert.
    Bis einschließlich StUffz ist man heutzutage ein besserer HG
    Bis einschließlich OFw ist man dann etwa SU
    Ab Hfw wird man dann ein wenig ernst genommen.
    Und die altgedienten SF und OSF versuchen nach dem Reformbegleitgesetz rauszukommen, weil nix mehr so funktioniert, wie es soll.
    Der Wasserkopf an Offizieren wird immer weiter aufgeblasen, jedoch hat offensichtlich noch keiner so richtig erkannt, dass man die gesteckten Ziele nicht nur mit Häuptlingen erreichen kann. Man braucht halt auch Indiander. Und zwar viele.
    Die gewinnt man aber nicht durch verschenkte “Neckermannschulterklappen”. Entsprechend gute Entlohnung muss sein. Ja, unbedingt. Aber nicht um den Preis die Dienstgradgruppen auszuhöhlen oder gar wertlos zu machen.
    Früher brauchte man um den in einem Btl seltenen Dienstgrad HFw zu erreichen, viele Jahre (Diensterfahrung) Heute reichen grad mal 8 Jahre, während HFw älterer Baujahre z.T. 20 Jahre brauchten um den begehrten Dienstgrad zu erreichen.
    Diese Dienstgrad-Inflation hat auch sehr viel dazu beigetragen dass wir da stehen, wo wir heute sind. Allein das Aufstecken von Schulterklappen macht eine Diensterfahrung von vielen Jahren nicht Wett.

  • markus, d.Ä.   |   03. Januar 2013 - 13:25

    @ luftfeld … und wo erklärt das den hohen (?) dropout der freiwilligen? liest sich eher wie der frust der alten …

    @ soldier… wann haben diese veränderungen denn eingesetzt? vor nichtmal 10 jahren hätte der unterschied zwischen drinnen und draußen, zwischen bundeswehr und wirtschaft nicht krasser sein können.

  • Ted   |   03. Januar 2013 - 13:37

    Unser BM zieht es wie gewohnt ins Lächerliche, indem er sagt das die Abbrecher sich wohl wunderten das man nur in den Raucherpausen rauchen dürfe und man morgens mit geputzten Stiefeln antreten müsse. Er unterstellt eine gehörige Portion Naivität.

    Die Abbrecherquote bei Sozialeinrichtungen liegt gleichzeitig unter 15%. Bedeutet das im Umkehrschluss das die Bufdis weniger naiv sind, als die jungen Soldaten? Immerhin dürften sie auch nicht die rosigsten Bedingungen antreffen.

    Und wenn dem so ist, welche Lehren zieht man daraus?

    Ich könnte die Antwort vorweg nehmen!

  • Luftwebel   |   03. Januar 2013 - 13:47

    @ Markus,d.Ä.

    Der hohe drop aus erklär sich m.E. damit, dass viel FWDL von solchen Sachen vorher schon gehört haben (Familien-/Bekanntekreis,..) und das dann relativ schnell selbst erleben.
    Wenn ein junger Mann den Dienstfrust seines StUffz in oder nach der AGA selbst sieht und den Frust des (stv.) ZgFhr ahnt, ist ein weiterer Baustein für einen schnellen Rückzug aus der Bw schnell gegeben. Die Perspektiven, die der junge FWDL erkennt, liegen doch auf der Hand. “…Wenn ich mal TrpFhr werden soll, stehe ich vor dem selben Problem. Ich soll mit (oder besser ohne) Männer Aufträge erfüllen, die ich wahrscheinlich so gar nicht erfüllen kann. Ergo werd ich schlecht beurteilt und komme nicht weiter.
    Fazit, da geh ich lieber in die Wirtschaft, denn dort funktioniert das Prinzp noch. Dort bekomme ich was ich zur Auftragserfüllung brauche: Kräfte,Raum,Mittel und Zeit. Und Informationen.

  • Zivlist   |   03. Januar 2013 - 13:55

    Ich kann da @markus, d.Ä. nur zustimmen. Ich bin 2008 mit Abitur für neun Monate zum Bund, eigentlich mit der Idee Offizier zu werden. Ich danke aber noch heute einigen Ehemaligen, mich damals davon abgebracht zu haben mich sofort als SaZ zu verpflichten. Wer im Zivilleben gute Aussichten hat und nicht aus wirtschaftlichen Gründen zum Bund will, der wird in den ersten Monaten gründlich abgeschreckt. Nicht wegen etwas Sport oder Biwak, sondern aufgrund der Bürokratie und der (damit verbundenen) Arbeitsmoral der Kameraden. So wie beim Bund gearbeitet wird (das trifft nicht auf alle, aber auf viele SaZ/BS zu), hätte man in der Wirtschaft keinerlei Chancen. Da wird mehr Kaffeepause gemacht als produktiv zu sein, für jeden Dreck wird ein Formular in dreifacher Ausfertigung benötigt und als ambitionierter junger Mensch darf man sich höchstens mit der Kaffeemaschine beschäftigen. Hinzu kommt, dass die Ansprache eine völlig falsche ist. Wenn sich Vorgesetzte so verhalten, als sei man ein kleines unselbstständiges Kind, wenn in der AGA vorgesetzte Mannschafter den Macker raushängen lassen bei einem Intellekt, der gerade so reicht, um die Schuhe zuzubinden, dann braucht sich die Bundeswehr nicht wundern, wenn sie Probleme mit der Nachwuchsgewinnung hat. Und genau um die Nachwuchsgewinnung geht es bei den neuen FWDL doch (und natürlich um den Staatsbürger in Uniform), genauso wie es auch bei den GWDL war.
    Versteht mich nicht falsch, ich habe durchaus respekt für die Arbeit von Soldaten, insbesondere im Ausland, aber der Alltag in deutschen Kasernen dient kaum der Werbung für die Bundeswehr oder die Arbeit deutscher Soldaten. Somit bleibt dann die Zeit als WDL nichts weiter als Übruckung bis zum Semesterstart oder Beginn der Berufsausbildung.

  • markus, d.Ä.   |   03. Januar 2013 - 14:07

    “Dort bekomme ich was ich zur Auftragserfüllung brauche: Kräfte,Raum,Mittel und Zeit. Und Informationen.”

    vor nem jahrzehnt gab es diese Schwemme (wieviel sinds denn wirklich???) von neigeschmeckten noch nicht (man hörte sowas vlt mal von der inst). die von Ihnen skizzierten Probleme bestanden aber schon. ähnliches hörte ich auch von leuten die nochmal 5 oder 10 Jahre vor mir durch die Ankleidung mussten …
    darum verwundert mich ja auch die einschätzung von soldier, das drinne und draußen jetzt quasi gleich wäre.
    von den 10 Leuten meiner Aga, die damals offen mit der Idee spielten länger zu machen ist KEINER geblieben. der Bewusstseinswandel setzte besonders nach Versetzung zu verschiedenen Stammeinheiten ein. allgemeiner Tenor: in DER gurkentruppe wolle niemand versauern.

  • Bang50   |   03. Januar 2013 - 14:39

    Kann man aus den Wortmeldungen nun folgendes Fazit entnehmen?

    “Ein Teil der FWDL`er bricht deshalb ab, da die BW als Arbeitgeber ein zu schlechtes Bild macht.”

    Wenn man diesen Umstand nun als Ursache indentifizieren könnte, wäre man damit auf dem Weg der Besserung – vorrausgesetzt es besteht der Wille diesen Zustand zu ändern.

    Meine persönliche Meinung:
    Ich frage mich ob das Laufbahnrecht überhaupt noch die richtige Antwort im 21Jh. ist. Würde die BW ihre Soldaten in ein Angestelltenverhältnis übernehmen, wäre eine wesentlich größere Flexibilität für beide Seiten gegeben. Ältere Soldaten könnten leichter Ausscheiden wenn sie aus der BW raus wollen. Junge Soldaten können gemäß ihrer Verwendung bezahlt werden. Die BW könnte in Mangelbereichen Anreize über eine bessere Entlohung schaffen etc..

    Quasi ein ERA Modell bei dem die Ränge von der Bezahlung entkoppelt sind und die Soldaten nach ihrer Tätigkeit bezahlt werden.

    Problem: Dafür braucht man ein modernes Personalmanagment und die entsprechende EDV.

  • TomTom   |   03. Januar 2013 - 14:52

    Wenn der Minister möchte, dass die Freiwilligen
    wissen, dass sie morgens(!) rasiert und mit geputzten
    Stiefeln zum Dienst erscheinen müssen,
    soll er entsprechend realistische Werbung schalten lassen und nicht
    den Mist, der momentan läuft.

  • Ben   |   03. Januar 2013 - 15:46

    “Würde die BW ihre Soldaten in ein Angestelltenverhältnis übernehmen, wäre eine wesentlich größere Flexibilität für beide Seiten gegeben.”

    Die Pensionen sind höher als die zu erwartenen Renten. Da wird es eine starke Lobby in der BW geben, die so etwas verhindern wird. Auch wenn es evtl. Sinn machen würde.

    In Mangelbereiche kann die BW auf Zivilisten oder Fremdfirmen setzen. Auch wenn das wieder mit Einschränkungen verbunden ist.

  • Zivi a.D.   |   03. Januar 2013 - 16:19

    Statt der Abrecher sollte man sich vieleicht zunächst die zwei Drittel der Fälle anschauen, bei denen die Sache funktioniert. Was funktioniert da, was bei den Abbrechern daneben geht?
    Dagegen nützt das Gejammer über die verweichlichte Jugend herzlich wenig. Soweit es aus der Flecktarn-Frktion selbst kommt, ist es sogar als Teil des Problems zu sehen. Denn die Härten lassen sich nicht vermeiden sondern gehören zum Job dazu. Das Gejammer ist die schlechteste aller Möglichkeiten, die Notwendigkeiten zu vermitteln.
    Der Blick über den Tellerrand dürfte ebenfalls konstruktiv sein: Schließlich gibt es genügend andere Bereiche, die vor ähnlichen Problemen stehen, weil sie junge Leute motivieren sollen/wollen.
    Der erste Vergleich kann zu den zivilen Diensten gezogen werden: Dort ist die Abbrecherquote halb so hoch, obwohl weniger Geld gezahlt wird. Zudem gilt hier das gleiche Strukturproblem wie bei der Truppe: Die Meldung zum freiwilligen Dienst dient häufig zur Absicherung, wenn die Bewerbungen um Ausbildungs- oder Studienplätze laufen und noch nicht beschieden sind. Und auch wenn es ein paar Flecktarn-Träger schmerzen mag, sollte man sich ehrlicherweise eingestehen, dass die physischen und psychischen Belastungen im Pflegebereich durchaus mit dem Dienst bei der BW konkurrieren können. Was also läuft da anders? Vielleicht kann man hier was lernen in Sachen „Motivation“?
    Gleiches gilt für Sport&Musisches, wo Trainer und Lehrer ebenfalls regelmäßig junge Leute zu Höchstleistungen motivieren – ohne das Geld zu verdienen ist. Von denen könnte man wohl ebenfalls was lernen für die Aufgaben „geeignete Kandidaten identifizieren – effektiv ansprechen – zum Bleiben motivieren“.

  • Orontes   |   03. Januar 2013 - 18:36

    @Zivi a.D.
    Als einen Schritt hin zu mehr sprachlichem Anstand gegenüber Diskussionsteilnehmern empfehle ich Ihnen, deren begründete Kritik nicht als “Gejammer” zu bezeichnen. Zurückgehende körperliche Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit unter jungen Männern ist vielfach dokumentiert und für eine Armee, in der es vor allem auch darauf ankommt, ein ernstes Problem.

  • J.R.   |   03. Januar 2013 - 19:15

    @ Orontes
    Vielleicht sollten Sie Zivi a.D. Post einfach nochmal lesen. Die Bundeswehr, gerade die freiwillige Wehrpflicht, ist eben sicherlich nicht der anstrengendste oder belastendste Arbeitszweig, auch wenn hier in den Kommentaren gerne so getan wird. (Und viele Langzeitbelastungen wie Standortwechsel oder Auslandseinsätze betreffen die freiwillig Wehrdienstleistenden ja eh nicht.)

    Davon ab sollte man die Abbrecherrate auch mal im Vergleich mit anderen Berufen sehen:
    “In Baden-Württemberg wurden im Jahr 2011 über 17.000 Ausbildungsverträge
    vorzeitig aufgelöst, das entspricht einer Lösungsquote von knapp 22 %.
    Überdurchschnittlich sind die Vertragslösungen insbesondere im Bereich Hotel und
    Gastronomie (43 %), im Handwerk (29%) und bei den Freien Berufen (25 %).” (esf-bw.de)

  • Chuck   |   03. Januar 2013 - 19:18

    Vielleicht mal dran gedacht das nicht immer nur die Faktoren “Im Dienst” zählen?

    Bei der dichte an Kasernen die wir hier haben, ist die nahe gelegenste vielleicht doch mal 100km weit weg, zu weit das sich das tägliche pendeln nach Hause nicht lohnt, und man in der Kaserne verbleibt. Am Anfang vielleicht mal nix schlechtes, endlich mal raus aus dem Haus der Eltern, ein bisschen Unabhängig sein, doch nach ein paar Wochen stellt man fest das die Vereinstätigkeit leidet, die eigenen Freunde werden einem Fremd, man bekommt nix mehr mit. Nun noch Kommunikation über das Internet, an Standorten die so mieß mit Internet ausgebaut sind, das man bei EDGE Freudentränen bekommt, weil es so schnell geht. Mal eben in der Woche mit den Freunden was machen…
    Und genau diese Wertschätzung wird einem nach spätestens 6 Monaten bewusst.
    Ich möchte es den Leuten nicht verübeln das sie abhauen bevor sie Sozial ausgegrenzt werden, und keinen Fuss nach ihrer Bundeswehrzeit mehr fassen können.

    Die Bundeswehr als Arbeitsgeber ist imho nur was für welche die glück haben beim Standort das er wirklich Heimatnah ist, für welche die kein Problem haben für den Dienstherr umzuziehen. Oder halt für die Leute deren Bildungsstand nicht der beste ist.

    Man kann soviel in Sachen Attraktivität tun. Kostet nur ein Schweinegeld.

  • califax   |   03. Januar 2013 - 19:38

    Fitnessprobleme lassen sich in der AGA beheben: Diät und Dauerlauf. Laufen, Laufen, Laufen, erst langsam und später schneller und immer schön die Ausrüstung dabei schleppen. Hat natürlich alles seine Grenzen, aber für irgendwas müssen die Ärzte bei der Tauglichkeitsuntersuchung doch auch gut sein, oder?

    Ein großer Unterschied zwischen Zivildienst und Militärdienst liegt sicherlich in der Erwartungshaltung. Da meldet sich eine ganz andere Interessengruppe zum Dienst. Die Heuchelei von der gewaltfreien und unmilitaristischen Armee mag ja irgendwelchen verkopften Politikern und Sozialwissenschaftlern gefallen, aber bei den halbstarken Rekruten hört man bei solchen Utopien doch noch nicht einmal mehr richtig hin.

    Möglicherweise erscheint da so manchem Überbrücker und Reinschnupperer ja die BW wirklich nicht militärisch und professionell genug?
    Eventuell (reine Spekulation) ist in den Köpfen mancher Ausbilder mittlerweile ein bißchen zu viel Deeskalationstraining und Friedenssicherung und etwas zu wenig Vorbereitung auf Gewalt und Kampf drin.
    Ich erinnere mich da noch an lustige Ministerstatements vor ein paar Jahren, bei denen das Messerkampftraining! wegen seines deeskalierenden und Streit entschärfenden Wesens gerühmt wurde. So ganz ohne Ironie.
    Falls das symptomatisch für das allgemeine Training sein sollte, könnte bei vielen Bewerbern der Eindruck entstehen, sie wüßten schon aus ihrer Jugend mehr über Gewalt und Kampf als der Ausbilder in Uniform.
    Das wäre dann schon ziemlich abschreckend für die Zielgruppe.

    Was die Leute betrifft, die mit falschen Erwartungen bezüglich Disziplin oder Kleiderordnung ankommen – Warum sollte man die halten wollen? Wenn man Leuten anbietet, einfach mal so reinzuschnuppern, dann kommen eben auch viele Leute, die einfach mal so reinschnuppern wollen. :)

  • Hans Tonnekäse   |   03. Januar 2013 - 19:44

    @ orontes: Ja körperliche und geistige Belastbarkeit ist eine Herausforderung und vor allem für viele SAZ/BS ein ernstes Problem. UND auch in den Einsätzen sehe ich viele, die lieber zur Küche fahren würden als zu laufen !
    Die “mär” vom Unfitten, dummen FWDL sollte doch mehr als ausgedient haben.

    Welcher BS/SAZ steht den heute noch mit Herz und Seele hinter seinem Tun?
    Vom Minister an macht sich doch die Masse der BW was vor und lebt in seiner eigenen Welt.
    Die inflation bei den Dienstgraden, wo nach 8 Jahren ein HptFw produziert wird, der dann nochmal 10 Jahre auf die nächste Beförderung warten darf, hat seinen Preis.
    Die wenigsten stehen hinter dem Beruf “Soldat” ! Wenn ich mich zur Zeit umhöre, dann ist das gejammer so laut wie selten, die wenigsten sehen allerdings die chancen und gehen sie an. Die Struktur ist -ob richtig oder nicht- beschlossen, der Rückfluss an Material aus dem ISAF Einsatz bietet für Ausbildungen in Deutschland mehr und mehr Möglichkeiten. Man muss sie nur ergreifen und sich mal an das besinnen, was einem heutigen BS bzw. SAZ bewogen hat Soldat zu werden.
    Leider haben die meisten jungen Soldaten nicht mehr gelernt an ihre Grenzen geführt zu werden, sich Anerkennung zu erarbeiten. Das ist sicherlich auch eine Frage der Erziehung im Elternhaus. Rechte, die kennen mittlerweile alle, wenn Pflichten gefordert sind, hilft der Arzt zu oft mit “KzH” und die Chefs haben keine Möglichkeit das zu verhindern.
    Dabei könnte alles so einfach sein !
    Die FWDL Frage und Diskussion ist so über wie irgendetwas. Einfach abschaffen und gut !
    Ich kann auf mein Telefon selber auspassen, meinen Müll selber rausbringen, meinen Kaffee so kochen wie ich ihn mag, und meine Tasse dann auch richtig abwaschen, bzw. in den Spüler räumen. Ach so- mein Chef könnte sein Auto auch selber fahren!

  • califax   |   03. Januar 2013 - 19:59

    Der FWD ist ein Kompromiß, um die Abschaffung der Wehrpflicht durchzukriegen.
    Das ist das Trostpflaster für alle, die von Zwangsrekruten abhängig waren, und bleibt deshalb noch eine ganze Weile erhalten. Die BW wird lernen müssen, sinnvoll damit umzugehen.

  • Huemmi   |   03. Januar 2013 - 21:10

    @ Hans Tonnekäse:

    Sie sprechen mir aus der Seele. Gemaule bringt uns nicht vorwärts. Jeder Aktive kann in seinem Aufgabenbereich, und das gilt gerade für Vorgesetzte, seinen Teil dazu beitragen, dass der Dienst attraktiver wird und man zufriedenes und motiviertes Personal hat. Und wer hier im Forum die Bürokratie anprangert: Ja, die ist schon grauselig, aber auch hier hat jeder Einzelne die Möglichkeit, diese im “Sinne des Auftrages” zu vereinfachen. Das ist gar nicht so schwer, man muss es nur machen!!

  • St.Michael   |   03. Januar 2013 - 21:30

    Man erkennt an dieser Diskussion nach mE , dass Karl Marx zumindest in einem Punkt Recht hatte: „Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein“.

    Wie man die FWDL Abbrecherquote und AGA bewertet hängt IMHO stark davon ab, ob man
    – ehemalig Wehrdienst- oder Zivildienstleistender war,
    – aktive Soldat ist, der innerlich schon gekündigt hat oder noch motiviert ist,
    – bereits mental zu der Generation gehört, für die früher alles besser (härter, etc.) war,
    – …

    Die Grundausbildung haben sicherlich viele Leser dieses Blogs direkt oder indirekt erfahren. Damit steht sie in einer Reihe mit Schule und Fußball. (Fast) Jeder ist Experte und hat genau die guten Vorschläge, die wir genau jetzt brauchen.

    Vielleicht ist ein Grund für die Abbrecherquote auch, dass viele junge Menschen ebenso vielfältige Vorstellungen vom Dienst als FWDL bzw. der AGA haben. Allen kann und muss man es nicht recht machen.

    @Elahan:
    “Warum sollte jemand, der was leisten will und motiviert ist, außer um Zeit zu überbrücken, als Mannschaftssoldat zum Bund?”
    Hundeführer? Scharfschütze? EGB-Soldat?

    Ich bleibe meinem Fazit: So lange wir auf jede Haushaltsstelle SaZ Mannschaften ein Vielfaches von Bewerbern haben, ist das finis Germaniae noch nicht erreicht. Nicht umsonst haben wir jetzt die ersten Mannschaftssoldaten SaZ 20+.

  • Peter Frade   |   03. Januar 2013 - 21:43

    Beim allseits beliebten Bundeswehr-Bashing wird eines (bewusst) außer acht gelassen:

    Fast 30% der Studenten an deutschen Hochschulen brechen ab (deutlich mehr bei den Naturwissenschaften) und 25% bei den den Ausbildungsberufen (Maximum bei der Gastronomie mit über 32%) => Detailwerte siehe Bildungsbericht 2012

    Demzufolge möchte ich behaupten, dass die Abbrecherquote bei der Bw nichts abnormales ist sondern ein Spiegelbild der deutschen Gesellschaft in diesem Altersband zeigt…

    Sicherlich ist die Quote etwas höher als bei den normalen Berufen aufgrund körperlicher Belastung, Umgangston etc….aber in den zahlreichen Berichten wird gerade so getan als würden andere Jobs/Studiengänge nicht hingeworfen bzw. die Abbrecherquote dort läge nahe null und nur bei der Bundeswehr ließe es sich absolut nicht leben..

  • califax   |   03. Januar 2013 - 23:42

    “[Grundausbildung und Fußball] (Fast) Jeder ist Experte und hat genau die guten Vorschläge, die wir genau jetzt brauchen.”

    Schön aufgespießt. Hab leider heute kein Bier im Haus, ich bitte deshalb das fehlende Niveau zu entschuldigen. :D

    “Vielleicht ist ein Grund für die Abbrecherquote auch, dass viele junge Menschen ebenso vielfältige Vorstellungen vom Dienst als FWDL bzw. der AGA haben. Allen kann und muss man es nicht recht machen.”

    “Fast 30% der Studenten an deutschen Hochschulen brechen ab (deutlich mehr bei den Naturwissenschaften) und 25% bei den den Ausbildungsberufen (Maximum bei der Gastronomie mit über 32%) => Detailwerte siehe Bildungsbericht 2012″

    In einigen Hochschulstudiengängen liegt die Abbrecherquote während des Grundstudiums sogar weit über der Hälfte. Da haben meistens die Erwartungen nicht gepasst.
    Wäre alles nicht weiter wichtig, wenn es nicht bei militärischen Strukturen so verdammt viel Geld kosten würde, das man vielleicht effizienter einsetzen möchte.
    Da muß man sich halt die Erwartungshaltung der Zielgruppe und deren Erfahrungen dann in der Kaserne anschauen. Vielleicht reicht es ja schon, die Werbung zu ändern, um bessere Zahlen zu kriegen. Aber “früher war alles besser” und “die Jugend von heute taugt nix” ist vielleicht ein bißchen simpel. :)