Jetzt Einsatz von Scud-Raketen in Syrien?

Eine Scud-Rakete auf dem Trägerfahrzeug, aufgenommen im bulgarischen Militärmuseum in Sofia (Foto: Flickr-User David Holt unter CC-BY-SA-Lizenz)

Überprüfen lassen sich diese Meldungen bislang nicht, deshalb mit aller Vorsicht: Aus mehreren Quellen heißt es, dass das syrische Regime in den vergangenen Tagen Scud-Raketen auf Ziele im eigenen Land abgefeuert haben soll.

Laut NATO wurden Kurzstreckenraketen abgeschossen, meldet Reuters.

Aus der New York Times:

Syrian forces loyal to President Bashar al-Assad have fired Scud missiles at rebel fighters in recent days, Obama administration officials said on Wednesday.
(…)
One American official, who asked not to be identified because he was discussing classified information, said that missiles had been fired from the Damascus area at targets in northern Syria.
“The total is number is probably north of six now,” said another American official, adding that the targets were in areas controlled by the Free Syrian Army, the main armed insurgent group.

Der britische Telegraph ergänzt das um Informationen aus Großbritannien:

US officials said the regime had used the weapons to target “rebels hiding in playgrounds”.
British officals said intelligence reports indicated that the regime first fired a Scud missile on Monday and the firing has continued.
“The trajectory and distance travelled suggest these were Scud-type missiles,” a spokesman said.

Von Seiten der syrischen Opposition gibt es dafür bislang keine Bestätigung, um so schwerer ist einzuschätzen, was an diesen Aussagen dran ist.

Interessant wäre das ja gerade für die Bundeswehr, die sich auf einen Einsatz zur Stationierung von Abfangraketen in der Türkei vorbereitet  – die unter anderem gegen Scud-Raketen wirken sollen. Vielleicht ist ja noch ein Flottendienstboot der Deutschen Marine irgendwo vor der syrischen Küste unterwegs und hat paar eigene Erkenntniss zu trajectory and distance travelled von möglicherweise abgefeuerten Raketen?

Nachtrag: Ich liste jetzt hier mal weitere Berichte dazu auf – Als Quellen werden allerdings weiter U.S. officials genannt:

Syrian Scud missile “escalation” perplexes U.S., stuns White House /Hm, in der Geschichte heißt es fälschlich, die Patriot in der Türkei seien bereits stationiert…)

Barbara Starr/CNN: US satellites picked up IR signature of short range SCUD firings from Damascus to rebel areas: US official

Reuters: Syria’s Assad reported to use Scud missiles against rebels:

“Allied intelligence, surveillance and reconnaissance assets have detected the launch of a number of unguided, short-range ballistic missiles inside Syria this week,” said a NATO official in Brussels. “Trajectory and distance travelled indicate they were Scud-type missiles.”

Ein Update von der New York Times: Syria Uses Scud Missiles in New Effort to Push Back Rebels

Viel los beim Heer und den Hubschraubern

Tiger-Kampfhubschrauber der Bundeswehr beim Training mit der U.S. Army in Grafenwöhr (U.S. Army Photo by Sgt. Rick Frost)

Der Slogan ist etwas älter und wird bisweilen nur mit gewisser Bitterkeit ausgesprochen: Ein Teil vom Himmel gehört dem Heer. Am (morgigen) Mittwoch ist bei den Hubschraubern des Heeres eine Menge los:

• Vom Flughafen Leipzig aus werden die ersten zwei Tiger-Kampfhubschrauber nach Afghanistan geflogen – deutlich später als die Truppe das gerne gehabt hätte (da fällt die Verzögerung um einen Tag gegenüber dem ursprünglich geplanten Flugtermin schon gar nicht mehr ins Gewicht). Ab Anfang 2013 soll der Unterstützungshubschrauber diese eigene Fähigkeit der Bundeswehr im ISAF-Regionalkommando Nord bereitstellen.

• Langfristig noch etwas mehr Bedeutung haben dürfte der Kommandowechsel, pardon, Fähigkeitstransfer, der ebenfalls am 13. Dezember stattfindet, und zwar in Laupheim:

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Bruno Kasdorf, und der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner, vollziehen am 13. Dezember 2012 in Laupheim den „Fähigkeitstransfer Hubschrauber“. Die Abordnungen der im Heer und in der Luftwaffe unmittelbar betroffenen Truppenteile und Dienststellen werden an dem Appell teilnehmen.
Das Heer wird dabei mit Wirkung zum 1. Januar 2013 die Verantwortung für das Luftfahrzeugmuster UH-1D (leichter Transporthubschrauber) einschließlich SAR (Search and Rescue) und den bisher in der Luftwaffe vorhandenen Anteil des leichten Transporthubschraubers NH 90 übernehmen. Die Luftwaffe übernimmt im Gegenzug die Verantwortung für den mittleren Transporthubschrauber CH-53.
Durch den Fähigkeitstransfer wird der leichte taktische Lufttransport im Heer und der operativ/taktische Lufttransport in der Luftwaffe in jeweils einer Teilstreitkraft konzentriert.

(Zum Hintergrund und auch den Problemen des Fähigkeitstransfers empfehle ich das CH-53-Blog.)

Ich kann aus Termingründen an keiner der beiden Veranstaltungen teilnehmen – wer dabei gewesen sein wird und was erzählen kann oder sogar Fotos hat: Immer gerne in den Kommentaren oder per E-Mail.

Deutsche Patriot in die Türkei: Weit weg von der syrischen Grenze

Die türkische Stadt Kahramanmaraş (Karte: OpenStreetMap)

Den Namen der türkischen Großstadt Kahramanmaraş – immerhin mit mehr als 400.000 Einwohnern – dürften die meisten Deutschen bislang nicht gehört haben. Das könnte sich ändern: Kahramanmaraş ist die erste Option für die Stationierung von Patriot-Luftabwehrsystemen der Bundeswehr, die den NATO-Partner Türkei vor möglichen Raketenangriffen aus dem Bürgerkriegsland Syrien schützen sollen.

Die Stadt hat ein für die politische Diskussion in Deutschland wichtiges Merkmal: Sie liegt rund 100 Kilometer nördlich der türkisch-syrischen Grenze. Damit nimmt das Verteidigungsministerium ein wenig den Druck raus – der Vorwurf, die NATO bereite mit der Stationierung der Patriot-Systeme ein wie auch immer geartetes Eingreifen in den Konflikt in Syrien vor, verliert mit zunehmender Entfernung von der Grenze an Durchschlagskraft. Mit der Stationierung unmittelbar an einem bevölkerungsreichen Ballungsraum lässt sich auch besser argumentieren, dass die Abwehrraketen den Schutz der türkischen Bevölkerung sicherstellen sollen.

Ebenso wie für Kahramanmaraş gilt das auch für die zwei weiteren in Betracht gezogenen Stationierungsorte: Die NATO-Luftwaffenbasis Inçirlik nahe der Millionenstadt Adana und die Region um Malatya, wo ebenfalls zwei türkische Luftwaffenbasen liegen.

Über den Einsatz der deutschen Patriot-Systeme wird der Bundestag am (heutigen) Mittwoch in erster Sitzung beraten. Bereits am kommenden Freitag (14. Dezember) soll die abschließende Abstimmung im Parlament stattfinden – bevor der Einsatz formal am 15. Dezember beginnt.

Nachtrag: Jetzt gibt’s dafür auch eine zitierbare Bestätigung aus einer offenen Quelle. Der CSU-Abgeordnete Thomas Silberhorn schreibt in einer Presseerklärung:

Eine konkrete Gefahr, dass die Bundeswehr durch die Patriot-Stationierung in den Syrien-Konflikt verwickelt werden könnte, ist derzeit nicht ersichtlich. Dazu trägt auch die vorgesehene Stationierung der Luftabwehrraketensysteme circa 100 Kilometer von der türkisch-syrischen Grenze entfernt bei.

 

Die Rüstungsbranche rechnet neu

Frank Haun, Vizepräsident des BDSV und Geschäftsführer von Krauss-Maffei Wegmann (Foto Thomas Köhler/photothek.net)

Die alten Zahlen über die Größe seiner Branche mag Frank Haun, Geschäftsführer des Panzerbauers Krauss-Maffei Wegman und Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV), nicht mehr hören. Es schmerzt schon zu hören, wie seien so etwas wie die Atmungsreserve der Bauindustrie, klagte Haun am (heutigen) Mittwoch in Berlin über die seit Jahren kursierende Zahl von 80.000 Mitarbeitern in der Rüstungsbranche.

Die Industrie ging deshalb heute auch mit neuen Zahlen und vor allem mit einem neuen Selbstbewusstsein an die Öffentlichkeit. In der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie waren im vergangenen Jahr rund 98.000 Mitarbeiter direkt beschäftigt, bei Zulieferern seien darüber hinaus weitere rund 220.000 Menschen beschäftigt, rechnete BDSV-Hauptgeschäftsführer Georg Wilhelm Adamowitsch vor. Zudem sei die Branche wegen des überdurchschnittlich hohen Anteils innovativer Produkte am Umsatz und dem fünftgrößten Impuls für Forschung und Entwicklung ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil der deutschen Volkswirtschaft.

Die Zahlen hatte sich der BDSV in einer Studie vom Darmstädter Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR errechnen lassen, und die Präsentation markierte ein neues Auftreten der Sicherheitsindustrie. Hatten Vertreter der Branche in den vergangenen Jahren immer wieder den Schrumpfungsprozess der deutschen Rüstungsindustrie von einst rund 400.000 auf 80.000 Mitarbeiter beklagt, konstatierte Adamowitsch nun, mit diesen Zahlen werde nicht mehr gearbeitet. Ohnehin wisse keiner so recht, auf welcher Grundlage die eigentlich ermittelt worden seien.

Der BDSV-Geschäftsführer wartete dann lieber mit weiteren positiven Zahlen aus der Studie auf: Danach betrug in den vergangenen sechs Jahren das jährliche Beschäftigungswachstum in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie 4,1 Prozent – gegenüber 0,9 Prozent in der gesamten deutschen Wirtschaft. Die durchschnittliche Arbeitsproduktivität, also die Bruttowertschöpfung pro Arbeitnehmer, liege mit rund 82.000 Euro fast drei Mal so hoch wie der Durchschnitt von um 28.500 Euro über dem Durchschnitt.

Diese Zahlen hängen allerdings auch damit zusammen, dass inzwischen der Begriff der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie deutlich weiter gefasst wird als früher: weiterlesen

Der Weihnachtsmann im Visier…

An F-15E Strike Eagle rushes to assist Santa Claus, and serve as his wingman as he delivers presents around the world.  (U.S. Air Force photo illustration/Master Sgt. Kevin Wallace – Original Aurora Borealis photo by Senior Airman Joshua Strang)

Die, nun, kulturellen Unterschiede im Umgang mit Weihnachten zwischen Deutschen und Amerikanern sind hier schon zur Sprache gekommen. Die Geschichte, die die US-Streitkräfte zum Einsatz von Kampfjets für Santa Claus veröffentlicht haben, machen diese Differenzen noch ein bisschen deutlicher… Ein Auszug:

MOUNTAIN HOME AIR FORCE BASE, Idaho – What would the world be like if Santa was shot down by an RPG?
It’s not unimaginable that an insurgent could pick off the jolly old man using a rocket-propelled grenade. After all, Rudolph’s nose is anything but tactical.
But, why would anyone want to kill such a jolly chap – an old fella’ who only wants to bring smiles to children’s faces? weiterlesen