Tschüss, Kreiswehrersatzamt

Irgendwo in Kalifornien, 2009

Am heutigen 30. November 2012 ist endgültig Schluss für die Kreiswehrersatzämter in Deutschland. Die Wehrpflicht ist ausgesetzt und damit faktisch abgeschafft, und so braucht sie keiner mehr. An ihre Stelle treten, das ist der neue Stil, 16 Karrierecenter, 110 Karriereberatungsbüros und bis zu 200 mobile Büros – in den Worten des Verteidigungsministers: Nachwuchswerber, die mit Auto und Laptop über Land ziehen.

Paar kreative Ideen für die neue Lage kann man sich ja bei den Verbündeten abgucken. Siehe obiges Bild aus einem kalifornischen Kaff.

17 Kommentare zu „Tschüss, Kreiswehrersatzamt“

  • Alexander Baumbach   |   30. November 2012 - 9:12

    Laptop, Auto – da fehlt ja nur noch die große Rumflasche!

  • geheim   |   30. November 2012 - 11:53

    Damals, als die mich per unfreundlichem Schreiben einberufen haben, nur um dann in ihrem dunklen und muffigen Gebäude ihr Scheißprogramm durchzuziehen, hab ich denen den Tod gewünscht. Jetzt ist es endlich soweit, darauf werde ich heute abend ganz, ganz genüßlich ein Bier trinken.

  • Günter von der Bundeswehr   |   30. November 2012 - 12:45

    Cool, hier kann ich ohne zensiert zu werden anderen Menschen den Tod wünschen. Muss sie aber enttäuschen: Ab Montag heißt es dann zwar halt KC, der Muff bleibt aber.

    [Nein, können Sie nicht. Gelbe Karte. Den Ton brauchen wir hier nicht. T.W.]

  • eresbe   |   30. November 2012 - 12:48

    Auf den Tag genau heute vor 40 Jahren wurde mir der Einberufungsbescheid zum 02.01.1973 (HFlgAusbStff.303, Niederstetten) zugestellt. Es war – genau wie heute – ein Freitag!

    Zur Feier des Tages habe ich für heute Abend Klara Korn und Maria Cron zu einem kleinen Umtrunk eingeladen.

    Mein Gott – dass ich das noch erleben darf.

  • iltis   |   30. November 2012 - 13:06

    Na, haben wir’s nich vielleicht ein bißchen kleiner? Probleme hat doch wohl nicht das KWEA gemacht, sondern eher das, was einen nach dem passenden Quartalswechsel ereilte. Man konnte aber durchaus auch Glück haben und eine gute Zeit haben. Ich habe heute noch Kontakte nach 30 Jahren.

  • BausC   |   30. November 2012 - 13:46

    Das Kreiswehrersatzamt zu betreten war schon irgendwie ein komisches Gefühl. Dort habe ich auch den ersten Satz, im Zusammenhang mit der Budeswehr, zu hören bekommen und das ohne guten Morgen:”Nehmse sich mal nen Becher und pissen darein”
    Schon seltsam was man manchmal nicht vergisst. Man vergisst aber auch, dass dort über Jahrzehnte Mitarbeiter gewissenhaft ihren Dienst versehen haben und dafür gesorgt haben, dass die Streitkräfte mit genügend Personal ausgestattet wurden, als das noch erforderlich war. Zudem durften sie sich dann noch die ganze Bandbreite an Beschimpfungen anhören, die der gefrustete, politisch linksorientierte oder einfach Desinteressierte etc. junge Mann loswerden wollte. Ich würde mir wünschen, dass auch diese Mitarbeiter der Bundeswehr mit Respekt behandelt werden, so wie das jeder andere für seinen Beruf auch erwarten darf.

  • huey   |   30. November 2012 - 14:23

    Ich hoffe, die “Karriere-Center-Beratungs-Feldwebel” (Oder sind das in Zukunft nur noch Offiziere? Davon hat die Bundeswehr ja auch zu viele) kennen sich ein wenig besser in der Truppe aus, als die ehem. Wehrdienstberatungsfeldwebel-die Bewerbern für eine Ausbildung als Hubschrauberpilot selbst dann noch das “Blaue vom Himmel” versprochen hatten, als es bei den Heeresfliegern bereits 500 Piloten “zu viel” gab…..

  • MR   |   30. November 2012 - 14:28

    Also ich würde den Auto & Laptop Job auch ohne große Rumflasche sofort machen.
    Wie diese Dienstposten wohl besetzt werden?

  • ChrisB   |   30. November 2012 - 14:28

    Hauptsache man bekommt genug Kohle vom Staat, ihm (bzw. seiner Wehrhaftigkeit) für einen kurzen Moment seines Lebens zu dienen ist da schon für manche zuviel verlangt.
    Sehr arm, Herr geheim…

    Und übrigens ist es immer noch nötig, dass die Streitkräfte genügend mit Personal ausgestattet werden, deswegen bestehen sie, wenn auch in anderer Form und unter anderem Namen ja in gewissen Sinne weiter.

    Bin gespannt ob diese “Umstrukturierung” fruchtet, also ob auch genügend Personal generiert werden kann.

  • iltis   |   30. November 2012 - 14:47

    @ChrisB: Grundsätzlich Zustimmung. 12, 15 oder 18 Monate sind trotzdem keine vernachlässigbare Kleinigkeit. Ich habe nur das eine Leben. Wenn erwartet wird, daß ich diese Zeit drangebe, kann ich im Gegenzug erwarten, daß der Dienst unnötige Härten vermeidet und mir das Gefühl vermittelt wird, daß ich etwas sinnvolles tue. Außerdem ist von der Gesellschaft zu respektieren und zu honorieren, daß da jemand eine Verpflichtung wahrnimmt. Sehr oft bekam der Wehrpflichtige von der Gesellschaft aber vermittelt, daß er entweder:

    1 – ein waffensüchtiger Rambotyp sei
    2 – wohl nur zu feige sei, im Altersheim Hintern abzuwischen
    3 – zu doof, sich sonstwie aus der Verantwortung zu stehlen.

    Wehrgerechtigkeit ist dann das letzte Thema. Entweder alle gehen oder keiner, aber so wie es zum Schluß war, daß schon ein vereiterter Pickel ein Grund für eine Ausmusterung war, konnte es nun auch nicht bleiben.

    Nichtsdestoweniger hat das Ende der Wehrpflicht großen Einfluß auf die durchschnittliche Persönlichkeitsstruktur in der Bw. Ob ihr das bekommt, muß sich erst noch zeigen.

  • Dante   |   30. November 2012 - 15:58

    interessanterweise redet die Bundeswehrwerbung nur von hubschrauberpiloten, jetpiloten und panzerfahrern. wo wollen die so viel technik hernehmen?

  • ChrisB   |   30. November 2012 - 22:48

    @iltis
    ja gut, die Einwände kann ich verstehen. Leider ist es bei vielen Wehrdienstleistenden zu unnötigen Härten gekommen etc. Aber:

    1. Haben sie und all die anderen Grundlagen gelernt um im Notfall ihr Land zu verteidigen
    2. Das Problem liegt wie sie erkannt haben nicht nur alleine bei der BW, sondern viel mehr bei der Gesellschaft, die sie entweder für einen Waffennarr usw. hielt und dabei verkennt, dass wir eine wehrhafte Demokratie sind, und zu dieser wehrhaftigkeit gehörte es nach damaligen Verständnis auch (und meiner Meinung nach, sollte es das immer noch), dass ein Teil der Bevölkerung (auch hier Zustimmung, leider nicht alle) militärische Grundlagen erlangen.
    3. Ich wäre für die Einführung eines allgemeinen Dienstes: ALLE gehen, auch Frauen (denn die wollen ja schließlich gleichberechtigt sein – gleiche Rechte, gleiche Pflichten, dass vergessen die weiblichen Vorkämpfer sehr oft) und zwar entweder zum Militär (denn wer Pazifist ist, hat grundsätzlich ein menschliches Prinzip nicht verstanden und lebt in einer Traumwelt, die sich niemals verwirklichen wird) oder (und das bräuchte unsere Gesellschaft bei all den egozentrierten Individuen wesentlich mehr) sie dienen die gleiche Zeit in sozialen Einrichtungen, Projekten etc.. Dass dabei keine Riesensumme verdient wird, hat mir nicht geschadet (und ich komme aus keinem gutsituierten Haushalt).

    Klingt zwar plakativ, aber ohne Einsatz und ein gefördertes wir-gefühl, wird sich die deutsche Gesellschaft in ein paar Jahren noch kräftig umschauen, das betrifft dann nicht nur mangelnde Bewerberzahlen bei der Bundeswehr.

    @Dante

    ja, ich weiß was sie meinen: da wird einem der geilste Job der Welt geboten, mit viel Technik etc, aber anscheinend lassen sich die jungen Menschen nur so anlocken (was falsch ist, da es schlicht, wie sie erkannt haben nicht der Wahrheit entspricht), aber siehe weiter oben, alle reden vom Anpacken und Veränderungen, aber wenns dann mal losgehen soll und Vorschreiter gebraucht werden, zeigt jeder, wie immer hier, nur auf den anderen…

  • huey   |   01. Dezember 2012 - 12:11

    Geht zwar am Thema vorbei: Aber eine “allgemeine Dienstpflicht” halte ich sowohl für angemessen als auch notwendig….

    12 Monate-entweder in der Sozialpflege, oder bei der Bundeswehr…
    “Taschengeld” sowie freie Heilfürsorge und Bahn/Nahverkehrsausweise inklusive…

    Aber:
    Die 12 Monate müssen sinnvoll genutzt werden….
    Lieber 12 Monate fordernde und sinnvolle Ausbildung, als 2 Monate lang 12 Stunden Ausbildung/Tag, und danach nur noch “abgammeln” und Zeit absitzen..

  • Heiko Kamann   |   01. Dezember 2012 - 12:55

    ChrisB | 30. November 2012 – 22:48
    “(denn die wollen ja schließlich gleichberechtigt sein – gleiche Rechte, gleiche Pflichten, dass vergessen die weiblichen Vorkämpfer sehr oft)”

    Mit verlaub ChrisB, aber sie haben in den letzten 40 Jahren scheinbar so einiges nicht verstanden zum Thema “Gleichberechtigung von Mann und Frau”. Unterhalten Sie sich doch mal mit den Frauen in ihrer Familie; den Frauen in ihrem Umfeld. Wir haben nicht 1912 sondern 2012.

    Ist alles OT und ich bitte um Entschuldigung, aber bei manchen Ansichten kann ich nicht anders …

  • ChrisB   |   01. Dezember 2012 - 23:06

    Wieso? Bei den Israelis gehts doch auch, das nenn ich Wehrgerechtigkeit.

    Außerdem seh ich kein Gegenargument bei ihnen, mit Verlaub. Was soll ich den für Fragen stellen? Klären sie mich auf.

  • zog   |   01. Dezember 2012 - 23:29

    Heiko Kamann | 01. Dezember 2012 – 12:55:

    Gleichberechtigung durch Männerdiskriminierung, wie es grade en vogue ist? Oder wie darf man Ihren nicht sonderlich aussagekräftigen Kommentar verstehen?

  • iltis   |   02. Dezember 2012 - 12:19

    @zog: Kann man mit einem Pendel vergleichen. Bewegung in die eine Richtung gibt es nur mit Gegenbewegung in die andere Richtung. Alles pure Physik.