Patriot für die Türkei: Alles im geordneten Verfahren

Patriot-PAC-3-Launcher der Bundeswehr (Foto: Bundeswehr/Schwer via flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

Die Bitte der Türkei an die NATO, Flugabwehrsysteme vom Typ Patriot an der türkisch-syrischen Grenze zu stationieren, geht jetzt ihren geordneten Gang. Seit dem (gestrigen) Montag sind Fachleute aus der NATO und den infrage kommenden Ländern mit solchen Raketensystemen, also auch aus Deutschland, in der Türkei unterwegs und prüfen mögliche Standorte für die Aufstellung der Patriot. Und voraussichtlich am (morgigen) Mittwoch wird der NATO-Oberbefehlshaber, der US-Admiral James Stavridis, die Verbündeten über seine Planung informieren.

In Deutschland wird – abgesehen von der politischen Debatte – in dieser Woche noch nicht viel weiter passieren. Einen Kabinettsbeschluss über ein Mandat für diesen Einsatz wird es wohl erst in der kommenden Woche geben, nachdem am 4. und 5. Dezember die NATO-Außenminister in Brüssel getagt haben.

Derweil sind übrigens, berichten die Lübecker Nachrichten (Link aus bekannten Gründen nicht), 260 Fahrzeuge und 80 Container mit Patriot-Systemen im Hafen von Travemünde entladen worden: Die Flugabwehrwaffen waren bereits per Schiff auf dem Rückweg von der Übung Kreta 2012 auf der Mittelmeerinsel. Das Schiff mit seiner Ladung einfach umzudrehen und einen türkischen Hafen anlaufen zu lassen, ging nicht – denn formal gibt es bislang keine deutsche Entscheidung über den Patriot-Einsatz in der Türkei.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat unterdessen in einem Interview mit dem türkischen Fernsehsender NTV klar gemacht, dass im Falle eines Einsatzes die Raketen unter NATO-Kontrolle stünden – auch wenn in dieser Befehlskette natürlich, wie generell in NATO-Kommandobehörden üblich, Offiziere des Mitgliedslandes Türkei vertreten sind. Rasmussen reagierte damit auf (politische) Aussagen in Ankara, die Türken seien bei den Patriot-Systemen am Drücker. Genauso wenig übrigens, wie die Deutschen bei einem Luftangriff auf deutsches Territorium die Luftverteidigung befehligen würden – das wäre auf jeden Fall ein NATO-General (der dann aber auch ein Deutscher sein kann).

24 Kommentare zu „Patriot für die Türkei: Alles im geordneten Verfahren“

  • Offizier mit Hartz4   |   28. November 2012 - 3:08

    X47-B ist jetzt auf der USS Truman, toll das Deutschland keine Drohnen besitzt /s

  • Elahan   |   28. November 2012 - 8:31

    Wie viele Lenkflugkörper PAC 3 hat denn die BRD gekauft?

  • T.Wiegold   |   28. November 2012 - 8:43

    @Elahan

    Das ist doch geheim ;-)

    Zahl schreibe ich in den nächsten Eintrag zu dem Thema rein. Aber bis dahin lasse ich die Leser mal raten…

  • Elahan   |   28. November 2012 - 8:54

    @T.W.

    Gute Idee, aber wieso geheim? Da sie ja nur symbolischen Wert haben und Breite vor Tiefe angesagt ist, reichen doch 2 oder 3 (siehe Mantis) :-))

  • RauscheBART   |   28. November 2012 - 12:48

    Tippe auf maximal 80 Stück als BW Bestand.

  • Elahan   |   28. November 2012 - 13:03

    Kampfwertanpassung PATRIOT zur Herstellung der Verschussfähigkeit von PAC-3 Flugkörpern unverzüglich wieder aufgenommen und 72 PAC-3-Flugkörper beschafft werden. Rechnerisch geht das Ministerium derzeit von Stückkosten von 2,1 Mio. € aus. Ande- re Quellen nennen einen Stückpreis von 3,5 Mio. und inzwischen 4,5 Mio. US-$.

    Das Verteidigungsministerium hat als „Erstbedarf“ 3 Kräftemodule für die Eingreifkräfte und 1 „differenziert“ ausgestattetes Verstärkungs- und Ergänzungsmodul der Stabilisierungskräf- te, insgesamt 12 Einsatzstaffeln/Feuereinheiten MEADS vorgesehen. Als wesentliche Bau- steine vorgesehen sind:
    • 3 Gruppengefechtsstände mit jeweils 2 taktischen Führungszentralen
    • 42 Startgeräte PAC-3 (davon 36 für Eingreifkräfte)
    • 216 Lenkflugkörper PAC-3 (davon 180 für Eingreifkräfte; 72 sollen aus PATRIOT- Bestand zulaufen)
    • 42 Startgeräte IRIS-T SL (davon 36 für Eingreifkräfte)

    Stand 2005 W. Nachtwei

    Was wurde da wohl wirklich beschafft?

  • Tom   |   28. November 2012 - 13:18

    Der Blätterwald meldet, dass es wohl zwei deutsche und ein niederländisches Element werden, die Amerikaner sich jedoch nicht beteiligen (müssen).

  • T.Wiegold   |   28. November 2012 - 13:19

    @Tom

    Hm, ja, das waren auch bislang schon die Erwartungen – obwohl jetzt die Frage sein wird, wie hart eine Nicht-Beteiligung der USA formuliert wird…

  • MFG   |   28. November 2012 - 18:29

    64?

  • Josef   |   28. November 2012 - 20:20

    ist die Frage wieviel PAC 3 LFK´s wir haben oder wieviel LFK´s die BRD im Bestand haben , die primär für die Bekämpfung von TBM´s gekauft wurden bzw. im nationalen Bestand sind???
    WIeviel LFK´s PAC 3 wurden beschafft, wieviel wurden bereits verschossen….. zahlen sind nachlesbar….

  • MFG   |   29. November 2012 - 23:24

    Wenn ich richtig “gegooglet” habe, ist meine Schätzung acht zu niedrig und RauscheBARTs acht zu hoch :-)

  • GNY4742   |   30. November 2012 - 8:13

    Ist die Antwort auf die Frage aller Fragen nicht … 42? ;-)

  • iltis   |   30. November 2012 - 9:39

    42 ist die Frage, nicht die Antwort :-)

  • Elahan   |   30. November 2012 - 17:00

    Rainer Arnold SPD: Zustimmung zu Patriot-Raketen in der Türkei möglich.
    http://www.youtube.com/watch?v=9zTQ3JDtvAo&feature=youtube_gdata_player

    Wie viele Soldaten werden betroffen sein?
    Operation am offenen Herz (Reform) und jetzt noch ins Trainingslager (Türkei), da freut sich die Familie!

  • T.Wiegold   |   30. November 2012 - 18:41

    @Elahan

    Na, nach dem Video ist das größte Problem, dass die Journalisten vor den Abgeordneten informiert wurden. Dann ist der Rest ja nicht so schwierig.

  • Elahan   |   30. November 2012 - 20:29

    @T.W.

    So ist es leider! Wer macht eigentlich im Parlament die Oppositionsarbeit :-)

    Nouripour: Wenn die Risiken einer Rutschbahn hinein in den Bürgerkrieg im Mandatstext praktisch ausgeschlossen werden, kann ich mir vorstellen, meiner Fraktion eine Zustimmung zu empfehlen.

    Die Reform resultiert aus den Sparforderungen des Parlamentes und die Abgeortneten kümmert es wenig, dass gerade die Soldaten welche von Versetzung und Wohnortwechsel besonders betroffen sind, nun in einen Einsatz für unbestimmte Zeit gehen müssen! Bin gespannt wer da beim Ansatz Breite vor Tiefe das Personal durchhaltefähig stellt! Gerade die Flugabwehr ist von den Reformen sehr be-/ getroffen!

  • Elahan   |   30. November 2012 - 20:48

    “The Netherlands has announced plans to upgrade four air-defence frigates with missile defence radar. France plans to develop an early-warning capability and long-range radar. Germany and The Netherlands have offered Patriot missile batteries, and Germany is hosting the NATO command-and-control system at Ramstein. Turkey, Romania, Poland and Spain have all agreed to host US assets, and we expect other Allies will announce additional contributions…… …..First, how do we strengthen the case for missile defence? At a time when defence budgets are under pressure, how can we convince those who control the defence purse strings, that investment in missile defence is necessary?

    http://www.nato.int/cps/en/natolive/opinions_90261.htm

    Kann es sein, dass es da einen Plan gibt und das Verlegen der Systeme mit der Anforderung durch die Türkei nur ein Vorwand ist? Kann es sein, dass diese Systeme für einen Abzug aus der Türkei gar nicht mehr vorgesehen sind? Werden die Systeme evtl langfristig von anderen Nationen bedient?

  • Elahan   |   30. November 2012 - 21:03

    “An early warning radar station that is part of NATO’s controversial missile defense system in Europe is now operational in Turkey, a foreign ministry spokesman said Monday.The station is located in the city of Malatya, about 400 miles southeast of the capital Ankara, and is manned by both Turkish and U.S. personnel, the spokesman ……”The fact that they are willing to accept a defense radar system, I think it’s important for us to work closely with Turkey at this critical time because they can be an important ally and an important influence on the direction in the Middle East,” U.S. Defense Secretary Leon Panetta said last month during a visit to the Middle East.”

    http://edition.cnn.com/2012/01/16/world/europe/turkey-radar-station/index.html

    A NATO missile defense radar deployed in Turkey has been put into operation, CNN quoted a Turkish foreign ministry spokesman as saying.

    http://en.rian.ru/military_news/20120117/170796159.html

    Was nutzt ein Anti Missile Radar ohne Missile?

  • Elahan   |   30. November 2012 - 21:15

    “Wenn deutsche “Patriot”-Raketen im türkischen Grenzgebiet zu Syrien zum Einsatz kommen, werden sie von Deutschland aus geleitet. Die Einsatzführung läge bei Nato-Offizieren im zuständigen Kommando in Ramstein, stellte die Allianz klar. Die Systeme unterstünden nicht türkischem Befehl.”

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nato-patriot-einsatz-in-der-tuerkei-wuerde-in-ramstein-geleitet-a-870343.html

    Ach nee :-)

    ….Militärs sprachen von einem Zeitraum von etwa vier Wochen, der mindestens nötig sei. Die Raketensysteme seien dann so mit der Kommandozentrale in Ramstein vernetzt, dass diese rund um die Uhr die Waffen kontrollieren könne.
    Eine Staffel von “Patriot”-Abfangraketen besteht aus acht Spezialfahrzeugen. Auf jedem dieser Fahrzeuge werden acht Raketen zum Abschuss bereitgehalten. Für den Betrieb einer “Patriot”-Batterie werden etwa 85 Soldaten benötigt.”

    Dann ist ja die ganze PAC-3 Mun in der Türkei :-)

  • iltis   |   01. Dezember 2012 - 0:11

    Naja, mit ein bißchen Glück werden sie hier schon nicht so bald brauchen oder?

  • T.Wiegold   |   01. Dezember 2012 - 1:56

    Jetzt wird aber einiges durcheinander geworfen…

    Die deutschen Patriot-Staffeln, das hatte de Maizière schon im Februar angeboten und angekündigt, sollen als deutscher Beitrag zur NATO Missile Defense bereitstehen. Hat mit dem aktuellen Einsatz recht wenig zu tun.

    Die Niederländer rüsten ihre Fregatten entsprechend auf; die – weitgehend baugleichen – deutschen F124-Fregatten könnten natürlich auch aufgerüstet werden… aber darüber ist noch nicht entschieden.

    Und was die Von Umstrukturierung betroffenen Soldaten angeht, die in den Einsatz müssen: die betroffenen Staffeln stehen ohnehin in diesem Jahr in Bereitschaft für die NATO Response Force (auch wenn sie jetzt nicht als NRF eingesetzt werden). Insofern dürfte ein Einsatz nicht völlig überraschend kommen bzw. nicht zur laufenden Umstrukturierung hinzukommen.

  • Elahan   |   01. Dezember 2012 - 10:48

    @T.W.

    Natürlich hat sie TdM angeboten, aber es wurde nie über eine Verlegung gesprochen!
    Was nützt ein Missilefrühwarnsystem, wenn keine Missile vor Ort ist?

    Was die NRF Staffeln betrifft, könnten sie falsch liegen, denn bis jetzt wurde noch nicht entschieden wer denn tatsächlich geht und das Problem der Reform in der Luftwaffe ist ja gerade, dass auch Personal aus bestehenden Standorten versetzt wird. Keiner ist bis zur Einnahme der neuen Struktur auf seinem Dienstposten sicher, unabhängig von der Standortentscheidung.

    Fregatten schließen Landsysteme nicht aus, sondern ergänzen dies, vorallem wenn es um Syrien und den Iran geht :-)

  • T.Wiegold   |   01. Dezember 2012 - 11:01

    @Elahan

    Was die NRF Staffeln betrifft, könnten sie falsch liegen, denn bis jetzt wurde noch nicht entschieden wer denn tatsächlich geht

    Das ist richtig. Allerdings gibt es gewisse Hinweise, dass die für die NRF im Standby befindlichen Einheiten eingesetzt werden.

  • Elahan   |   01. Dezember 2012 - 12:12

    T.W.
    …..und es gibt gewisse Hinweise, dass die für die NRF im Standby befindlichen Einheiten gerade nicht eingesetzt werden :-)

    Wir werden sehen..

    Doch bleibt die Frage wie soll der Raketenschild entlang der östlichen NATO Grenze mit Lenkflugkörper bestückt werden? Einzig die US Navy stellt im Rahmen des European Phased Adaptive Approach ein Schiff im Mittelmeer mit einer begrenzten Anzahl von SM- 3-Abfangflugkörpern. Der geschützte Bereich ist je nach Schiffsposition auf Griechenland, Italien oder Teile Spaniens beschränkt, ein Schutz der Bevölkerungszentren Mitteleuropas nur mit Marineeinheiten, ist mit den vorhandenen Mitteln derzeit nicht möglich. Nur eigene bodengebundene Abwehrfähigkeiten NATO-Europas könnten einen solchen Schutz im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung sicherstellen. Es wird wohl einen definierte Mix aus bodengebundenen Abfangsystemen sowie seegestützten Abfang- Systemen geben und über den Bodengebundenen hat man noch nicht öffentlich gesprochen (meine Wahrnehmung). Eine Alternative, auch unter Einbeziehung Russlands, ist ohne bodengebundene Fähigkeiten derzeit im Osten, Südosten nicht absehbar. Eine Reaktionszeit von mehreren Wochen, zur Verlegung von Starteinheiten macht ein Frühwarnsystem wohl eher überflüssig.