Kurzer Fakten-Check: Lufthansa und die Kampfdrohnen


Heron-Aufklärungsdrohne der Bundeswehr im Afghanistan-Einsatz (Foto: Sebastian Wilke/Bundeswehr via flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

So so, die Bundeswehr hat Kampfdrohnen, und die Piloten dafür werden bei der Lufthansa ausgebildet… Da diese etwas merkwürdige Geschichte der Zeitung mit den großen Buchstaben von heute  inzwischen auch die Nachrichtenagenturen erreicht hat, scheint ein kurzer Faktencheck angezeigt. (Ohne einen Link zu der Originalmeldung, aus den bekannten Gründen)

• Nein, die Bundeswehr hat bislang keine Kampfdrohnen. Hätte sie gerne, aber über eine Beschaffung ist noch nicht entschieden. Und die von der Bundeswehr in Afghanistan benutzte Heron (Foto oben) ist eine Aufklärungsdrohne ohne jegliche Bewaffnung und nicht, wie Bild in einer Fotounterschrift schreibt, eine Kampfdrohne.

• Das mit der Ausbildung bei der Lufthansa ist so eine Radio-Eriwan-Geschichte. Ich habe mal Leute gefragt, die sich auskennen:

Drohnen ab einer bestimmten Größe – bei der Bundeswehr konkret: die Heron, nicht aber z.B. die Luna – dürfen nur von ausgebildeten Piloten gesteuert werden (deswegen auch der bevorzugte Begriff Remotely Piloted Aircraft). Diese Piloten haben ihre Flugausbildung bei der Bundeswehr gemacht, auf einem der eingeführten Flugzeugmuster, also zum Beispiel Transall oder einem Kampfjet. Und sitzen jetzt, nach einer Heron-Ausbildung im Herstellerland Israel, am Joystick für die unbemannten Aufklärungsflieger.

Nun muss ein jeder Pilot aber, um seine Lizenz zu erhalten, Flugstunden nachweisen – und zwar in einem echten Flugzeug, nicht an der Fernbedienung einer Drohne. Das könnte die Bundeswehr natürlich mit ihren Flugzeugen machen. Allerdings sind schon für die Piloten, die diese Maschinen im Alltag (und im Einsatz) fliegen, die Flugstunden recht knapp – die kosten ja mehr Geld als ein kleiner Zivilflieger. Der Ausweg: Man mietet sozusagen Flugstunden am Lufthansa-Ausbildungszentrum an, und die Drohnen-Piloten absolvieren ihre Flugstunden in einem Ausbildungsflieger der Kranich-Airline, meist einer Cessna Citation.

(Ganz nebenbei: Wie ich höre, achtet die Bundeswehr peinlich darauf, dass da immer ein Fluglehrer der Lufthansa mit im Cockpit sitzt. Nicht weil die Piloten das nicht alleine könnten – sondern wegen eines rechtlichen Tricks: Die Flugstunden zählen zwar für den so genannten Scheinerhalt, qualifizieren aber die Piloten nicht für eine zivile Lizenz auf diesem Flugzeugmuster. Denn mit einer zivilen Lizenz wäre es doch zu einfach, sehr schnell die Uniform auszuziehen und auf einen besser bezahlten Posten bei einer Fluglinie zu wechseln – so habe ich das jedenfalls verstanden.)

Unterm Strich: Die Lufthansa bildet nicht wirklich Drohnen-Piloten der Bundeswehr aus, und schon gar nicht für Kampfdrohnen. Aber das ist vermutlich zu kompliziert.

21 Kommentare zu „Kurzer Fakten-Check: Lufthansa und die Kampfdrohnen“

  • gontrix   |   10. November 2012 - 14:01

    Die Realität klingt viel zu langweilig für den B..d-Leser. Außerdem kann man sich doch über diese Kampfdrohnen-Story viel besser aufregen. Nieder mit diesem Drecksblatt!

  • Z25   |   10. November 2012 - 14:27

    Also wirklich Herr Wiegold! Sie haben die Intention der Berichterstattung offensichtlich überhaupt nicht verstanden. Fakten, wer will denn so etwas wissen? Die passen womöglich nicht ins BILD…………

  • klabautermann   |   10. November 2012 - 14:38

    Ein Ausbilder der Lufthansa zu BILD: „Wir befürchten, dass die zivile Flotte der Lufthansa zur Zielscheibe von Terroristen werden könnte, wenn wir Militärpersonal trainieren.“ …..

    Hm, wollen da “einige” doch an die zivile Musterlizenz kommen ??? ….honi soi qui mal y pense

  • Marius   |   10. November 2012 - 14:41

    Ich muss jetzt mal ganz blauäugig fragen: Recherchieren die einfach schlecht oder lügen die absichtlich?

  • Phantom-AS   |   10. November 2012 - 14:50

    Danke für die Klärung..genau so wie dargestellt ist die Lage!

    In diesem kurzen Bildartikel ist so ziemlich jeder Satz inhaltlich falsch!!

    By the way: wie gut informiert auch immer dieser “Lufthansasprecher” ist,
    letzlich fliegt die Lufthansa gegen Bezahlung und freiwillig mit den Drohnenpiloten…

  • Sebastian B.   |   10. November 2012 - 14:52

    Sehr aufschlussreich, vielen Dank!

  • Voodoo   |   10. November 2012 - 14:55

    Lufthansa wieder zurück im Geschäft! Hach, wie damals in den Goldenen Zwanzigern…^^

  • T.Wiegold   |   10. November 2012 - 15:03

    Tja, wie ich jetzt sehe, hat sich dpa das von Lufthansa bestätigen lassen… Da kann ich ja nur falsch liegen.

  • JCR   |   10. November 2012 - 15:07

    Das komische an der Blödzeitung ist daß sie einerseits immer so einen auf ultrapatriotisch in der angeblichen Tradition Springers tun andererseits aber keine Gelegenheit auslassen billige Schlagzeilen mit angeblichen Bundeswehrskandälchen zu machen.
    But those (male sexual reproductive organ) enlargements don’t pay for themselves I guess.

  • fred1911   |   10. November 2012 - 18:18

    @TW
    Gut, richtig und schnell recherchiert, das nenne zumindest ich, Qualitätsjournalismus.

  • Statistiker   |   12. November 2012 - 10:20

    Tja, ich habe 1987 bei der BW angefangen als Offizieranwärter. und was war unser nachbarbatallion: Richtig, ein Aufklärungsbatallion mit DROHNEN. Also, lieber Herr Wiegold. Erst nachdenken, dann Lügen posten, um Lügen zu verbreiten. Menschen sind schlauer als Schweine, auch wenn SIE das nicht glauben wollen…..

  • T.Wiegold   |   12. November 2012 - 10:28

    @Statistiker

    Und ich dachte, früher lernten Offiziersanwärter noch die Grundregel Denken-Drücken-Sprechen…

    Was genau wollen Sie mir mit ihren etwas merkwürdigen Worten sagen? Oder geht’s nur ums Trollen?

  • Roman   |   12. November 2012 - 10:50

    Das merkwürdige mit den Trollen ist doch: Sie keifern und liefern selbst nur nonsens. 1987 besaß keines der Aufklärungsbataillone eine Drohne. Da gab es zur Auflärung nur , Radar, Fahrzeuge (Kette/Rad) und den allseits beliebten Fußbus. Andererseits konnte der Radarzug doch so einen tollen Ballon aufsteigen lassen. Soll dass die Drohne gewesen sein?

  • Henner   |   12. November 2012 - 11:04

    @ Roman: Das ist so nicht korrekt. Die BW hatte seit den 70ern die CL 89, den Vorgänger der der 289.

    der Statistiker hat aber merkwürdigerweise, obwohl TW ja gerade auf diesen Punkt eingeht, den Unterschied zwischen Aufklärungs- und Kampfdrohnen immer noch nicht verstanden.

  • Roman   |   12. November 2012 - 11:09

    @ Henner

    Das ist mir bekannt. Die waren aber in den Beobachtungsbataillonen der Artillerie untergebracht und nicht in den Aufklärungsbataillonen der gepanzerten Kampftruppen. Den Unterschied sollte jeder Offizieranwärter von 1987 doch auch wirklich kennen. Zumindest, wenn er so hier im Forum auftritt.

    http://www.panzerbaer.de/helper/bw_drohne_cl89-a.htm

  • Tim W.   |   12. November 2012 - 11:54

    Mein Bruder hat jahrelang beruflich die Flugsimulatoren der Bundeswehr an verschiedenen Standort deutschlandweit gewartet. Als Zivilperson einer externen Firma im Auftrag der Bundeswehr.

    Der Artikel ist zwar ganz gut, aber man sollte nicht vergessen, dass ein Kampfpilot eines Tornados oder Eurofighters nicht sehr lange für die Bundeswehr arbeiten kann. Nach der Pilotenkarriere bei der Bundeswehr zieht es also viele “Ausgediente” in die zivile Luftfahrt.

    Das ist jedoch nicht verwerflich und für beide Seiten eine Win-Win-Situation.

    Über die BLÖD braucht man kein Wort mehr zu verlieren. Dass es dort nicht um ernsthafte Recherchen geht, sondern um Stimmung- und Meinungsmanipulation, weiß jeder, der sich mal kritisch mit dieser Zeitung auseinandergesetzt hat.

  • Knut   |   12. November 2012 - 12:47

    Schade, ich hatte mich schon viel sicherer gefühlt mit dem Wissen dass mein Urlaubsbomber-Pilot beim Landeanflug die falsch geparkte MiG 29 fachgerecht aus dem Weg pustet.
    Dann bleibe ich doch lieber Zuhause und lasse mich von einem Statistiker verteidigen. Da bin ich besser aufgehoben.

  • Statistiker   |   13. November 2012 - 11:19

    Der Artikel differenziert NICHT zwischen verschiedenen Drohnenarten, die mir wohlbekannt sind. Aber klar, da kommt sofort ein ad hominem und man kann sich wieder im absoluten Recht fühlen.

    Danke zu so viel Realismus…..

  • Fred   |   13. November 2012 - 12:38

    Im zum Artikel gehörenden Bild steht als Bildunterschrift ganz klar Kampfdrohne der Bundeswehr. Im Text steht klar Lufthansa bildet Drohnenpiloten aus.

    TW stellt fest, Bw hat keine Kampfdrohnen, ich denke diesem Punkt müssen sie zustimmen. Tw führt weiter aus was die LH unter Ausbildung versteht und was realität ist. Es werden Flugstunden mit Lehrer gemietet und ausgeführt da die Lw diese flugstunden nicht selbst hat und der Lehrer is an Board damit die Flyer keine eigenstaendige berechtigung bekommen weil die Bw unterbinden will das eine zivil taugle qualifikation entsteht.
    Wo Sie in alle dem nun widersprüche oder Lügen sehen die sie zu ihrem 1.Post im Thread veranlasst haben verschließt sich der Mehrheit der Blogleser.

  • Ben   |   13. November 2012 - 12:50

    Die Bild Zeitung setzt eben gerne alle Informationen sehr schnell um. Nachforschen kostet Zeit, die Zeit hat Bild eben nicht. Daher kommen dann Fehlerhaften Artikel zustande.

  • Fred   |   13. November 2012 - 13:09

    Fragt sich nur was schlimmer ist…..
    Ich freue mich jetzt schon auf ihre Paywall.