Nachwuchswerbung? Oder Militarisierung der Schulen?

Es ist eine seit Jahren geübte Praxis der Linkspartei: Deren innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, die Abgeordnete Ulla Jelpke, fragt in regelmäßigen Abständen nach den Werbe-Aufwendungen und -Aktivitäten der Bundeswehr. Auch für das vergangene Jahr, für das aus offensichtlichen Gründen die Aufwendungen stiegen – weil ja nach dem faktischen Ende der Wehrpflicht die Werbung um den Nachwuchs eine ganz andere Bedeutung bekam.

Das kann man wie Jelpke mit den Worten Die Bundeswehr wirbt immer aggressiver um Kanonenfutter unter Jugendlichen bewerten und die Öffentlichkeits- und Informationsarbeit der Streitkräfte als Militärpropaganda einordnen. Oder als selbstverständliches Recht einer schon im Grundgesetz genannten Institution ansehen.

Leider haben bislang weder Bundestag noch Verteidigungsministerium die Antwort  auf Jelpkes Kleine Anfrage (Bundestagsdrucksache 17/9211) veröffentlicht; dann mache ich das mal (nachdem mir die Fraktion der Linkspartei dankenswerterweise die Antwort zur Verfügung gestellt hat), um an der Stelle eine eigene Meinungsbildung zu ermöglichen. Inzwischen ist die Antwort als Drucksache 17/9501 beim Bundestag abrufbar (war ich halt voreilig mit meiner Veröffentlichung).

Interessant ist in dem Zusammenhang übrigens auch die Antwort auf eine Frage, die schon im vergangenen Jahr aufkam: Wie viel Geld bekam eigentlich die Bild-Zeitung, in der schwerpunktmäßig Anzeigen für die Nachwuchswerbung geschaltet wurden? Auch darauf gibt es jetzt eine Antwort: An Bild zahlte das Ministerium 310.857,06 Euro, an die Bild am Sonntag 250.079,50 Euro.

Die Antwort des Verteidigungsministeriums zum Download Kl.Anfrage BMVg_Drs. 17_9211

Und die Anlage mit den Anzeigenkosten in Printmedien Anlage 3_Drs 17_9211

104 Kommentare zu „Nachwuchswerbung? Oder Militarisierung der Schulen?“

  • Orontes   |   16. Mai 2012 - 19:04

    @KeLaBe, Georg
    Ich behaupte, dass die Differenzierung zwischen „militärischen Mitteln“ und „zivilen Mitteln“ nicht angemessen ist. Es gibt eigentlich nur „politische Mittel“ kinetischer und nichtkinetischer Art, und das ist keinesfalls eine neue Entwicklung. Schon antike Autoren beschreiben Konflikte in diesen Dimensionen.

  • KeLaBe   |   16. Mai 2012 - 19:08

    @ Georg

    Okay, dieses Unwohlsein kann ich durchaus nachvollziehen.

    (Bitte aber beachten: Das Militär ist nicht das „letzte“ Mittel, sondern eher das „äußerste“ oder „schärfste“. Ich weiß, das ist Ihnen klar. Aber die Formulierung „letztes“ Mittel führt oft zu Irrtümern im Sinne eines starren Eskalationsprozesses.)

  • KeLaBe   |   16. Mai 2012 - 19:19

    @ Orontes

    Im Grunde und abstrakt betrachtet stimme ich Ihnen zu. Natürlich ist alles letztlich „politisch“, was aber zugleich eine Binsenweisheit bedeutet. Die scharfe Trennung militärisch und zivil macht in vernetzten Konzepten keinen wirklichen Sinn, ist aber aus pragmatischen Gründen (allein um die Ressortverantwortlichkeiten zu unterstreichen) wohl zweckmäßig. Allerdings ist mir die Kategorie „zivil“ in diesem Sinne auch viel zu grob.

    Warum Sie uns dauernd die Begriffe kinetisch und nicht-kinetisch aufdrängen wollen, verstehe ich nicht. Das sind in der heutigen Sicherheitspolitik keine tragenden Säulen. Zumindest nicht in den Kreisen, in denen ich verkehre.

  • Sachlicher   |   18. Mai 2012 - 11:48

    klabautermann | 16. Mai 2012 – 18:47

    @sachlicher

    Wir.sind.Pabst.

    Wir.dienen.Deutschland

    ;-)…

    …ja eben: Wir.sind.verantwortlich ;-).