Patt in Afghanistan – und ein neues verstörendes Video

Alle (militärischen) Anstrengungen in Afghanistan, so die jüngste Einschätzung der US-Geheimdienste, haben offensichtlich wenig genützt: Von einem Patt, so berichtet die Los Angeles Times heute, sei in der jüngsten, geheimen Einschätzung der Dienste (National Intelligence Estimate) die Rede.

The U.S. intelligence community says in a secret new assessment that the war in Afghanistan is mired in stalemate, and warns that security gains from an increase in American troops have been undercut by pervasive corruption, incompetent governance and Taliban fighters operating from neighboring Pakistan, according to U.S. officials.

Die Nachrichtendienste widersprechen damit mehr oder weniger deutlich den Einschätzungen der Militärs, die eine positive Entwicklung sehen. Entscheidend scheint bei der Einschätzung aber neben der rein militärischen Seite vor allem die anhaltende Korruption und die schlechte Regierungsführung in Kabul zu sein.

Und als wäre das alles noch nicht verstörend genug, taucht heute ein Video auf, das die Position der US-Truppen (und, in der afghanischen Wahrnehmung mitgehangen, mitgefangen) aller internationalen Truppen nicht fördert: Bilder von US-Marines, die anscheinend auf die Leichen getöteter Aufständischer urinieren. Die Verurteilung des Videos ist, erwartungsgemäß, einhellig – welche Auswirkungen es im Propagandakrieg haben wird, lässt sich nur ahnen.

Das Video ist hier bei LiveLeaks eingestellt; ISAF hat das als entehrend auch für die eigenen Truppen verurteilt. Auch US-Verteidigungsminister Leon Panetta hat scharfe Worte gefunden und eine Bestrafung der Verantwortlichen zugesagt.

Nachtrag: Zur Einschätzung der Situation in Afghanistan ein must read: Anthony Cordesmann für das Center for Strategic & International Studies, The Afghan War at the End of 2011: a Status Report

51 Kommentare zu „Patt in Afghanistan – und ein neues verstörendes Video“

  • Blutze   |   12. Januar 2012 - 12:58

    Für Bw-Angehörige aufgrund des McAfee-Filters hier besser sichtbar: http://www.youtube.com/watch?v=cxeSMDVdH_Q

  • Rote Litze   |   12. Januar 2012 - 13:56

    Wie können Soldaten…

    …erstens so tief sinken, sich zu solchen unwürdigen Taten hinreissen zu lassen

    …zweitens so dumm sein, zu glauben, dass so ein Video nicht unkontrolliert veröffentlicht wird

    …drittens so fahrlässig sein, das Ziel des Einsatzes schwer zu belasten und viele Kameraden dadurch massiv zu gefährden

    Ich bin sprachlos! Und ich hoffe, die US-Streikräfte klären das auf und lassen die Öffentlichkeit auch wissen, wie diese Taten gewürdigt werden.

  • homo homini lepus   |   12. Januar 2012 - 14:20

    @Rote Litze

    Die Antwort gibt Hobbes: Der Mensch ist des Menschen Wolf und Hase

    Und Kriege werden im Regelfall nicht vom Herrn Spielberg inszeniert… Da gibt es noch den menschlichen Faktor, der nicht so edel ist, wie er oftmals seitens der amerikanischen Filmindustrie dargestellt wird.

  • jetflyer   |   12. Januar 2012 - 14:42

    @ Rote Litze

    Grundsaetzlich stimme ich Ihnen zu, dass darf nicht ohne Reaktion bleiben.

    Nun kommt das beruehmte “aber”!!
    Wer kann sagen, was diesen Handlungen voraus gegangen ist? Gab es schwere Gefechte und sind Kameraden gefallen bzw schwer verwundet worden. Da gibts noch viele Fragen, die man sich stellen muss bevor man zu einem Urteil kommen kann.

  • Voodoo   |   12. Januar 2012 - 14:47

    Unter 20, überschaubare Bildung, gerade im Gefecht gestanden und vollgepumpt mit Adrenalin – womöglich mit eigenen Verlusten, vorher evtl. noch eine aufpeitschende Rede bzw. Ansprache, wie bei Marines eigentlich üblich… Und wer soll das Video kontrollieren, wenn es nichts Öffentliches / Dienstliches ist, sondern wieder ein “Handyfilmchen”?

    Wenn ich zum White Trash gehöre, sehe ich womöglich noch nicht einmal das moralisch Verfängliche, was ich mit dieser Aktion begehe. Immer leicht, so mit dem Finger zu zeigen – schon vergessen, das bei uns “die Jugend” nach einschlägigen Filmen das Kino auseinandernimmt und gegen die Leinwand uriniert?

    Ich behaupte sogar, so etwas kann in jeder Armee zu jeder Zeit stattfinden, wenn diese sich in entsprechenden Gewaltszenarios bewegt.

  • Mustermann   |   12. Januar 2012 - 15:29

    Das Video und die Einschätzung der “Dienste” zeigen einmal mehr, wie unfähig die dort operierenden Truppen der ISAF sowie die unterstützte Regierung Karsai ist, die Lage dort wenigstens zu stabilisieren.
    Ja, jeder erfahrene Vorgesetzte weiß, dass es immer und überall zu “Exzessen” kommen kann, in jeder Armee. Aber es ist eine Frage der Kontrolle & des Ausmasses sowie der Reaktion darauf, ob sich der bereits jetzt verheerende Eindruck von den ISAF-Truppen in der afghanischen Bevölkerung nicht noch weiter verschlechtert. Eine Truppe, die in weiten Teilen entweder Angsterfüllt in ihren Compounds bleibt (“Warum auch nicht?”)oder bei Einsätzen über reagiert und abseits der afghanischen Realität, weil schlecht & inkompetent geführt. Es ist höchste Zeit, heim zu gehen. So wird alles nur noch schlimmer als es ist. Vietnam & Irak sollten doch Mahnmal genug sein….
    Meine Erfahrungen mit den Afghanen sagen mir, dass man jetzt erst recht ISAF mit Ungläubigen & ungebildeten Unholden gleichsetzen wird. Da hilft dann auch kein Innere Führungsseminar mehr….
    PS. Früher hätte man die Männer möglicherweise öffentlich ausgepeitscht oder einem Begräbniskommando zugeteilt, heute wird man sie öffentlichkeitsscheu heim rotieren und ohne Aufmerksamkeit entlassen…So setzt man Zeichen, die sich bei Soldaten einprägen…
    @voodoo: Übrigens, derartigen “White trash” habe ich zu Genüge in den Kantinen auf dem Balkan zur Kenntnis nehmen müssen. Daran scheint sich auch für die BW nichts Wesentliches geändert zu haben. Es wird leider nicht besser werden…auch mit der kleineren Armee nicht!

  • BausC   |   12. Januar 2012 - 15:30

    Hatte mich sehr zurückhalten müssen um nicht folgendes zu schreiben:
    Immerhin haben die Marines auf ihre Feinde uriniert NACHDEM sie sie erschossen haben.
    Die Taliban hätten darauf nicht so viel Rücksicht genommen.
    Um jetzt nicht vollends zu entgleiten, schließe ich mich Jetflyer und Voodoo an.

  • b   |   12. Januar 2012 - 15:44

    BausC Immerhin haben die Marines auf ihre Feinde uriniert NACHDEM sie sie erschossen haben.

    Sie wissen das in Guantanamo und Bagram U.S. Truppen auf Gefangen und auch auf den Koran gepisst haben? Die Afghanen wissen das.

  • BausC   |   12. Januar 2012 - 15:52

    @b, ich weiß das. Das machen Menschen und das unabhängig davon was oder an wen sie glauben. Wir werden immer die ganze Bandbreite an Perversitäten und Entgleisungen geboten bekommen. Den Kopf darüber zu schütteln und zu glauben soetwas einem könnte einem selbst nicht passieren, verleugnet das eigene menschsein.
    Insofern greift, in diesem Fall, die Militärjustiz der Amerikaner und die werden das einer Lösung zuführen. Das die Taliban, das ganz sicher zum Anlass nehmen um ihre eigene Propaganda zu schüren dürfte ja wohl klar sein.

  • Heiko Kamann   |   12. Januar 2012 - 15:57

    @BausC
    Wer weiss denn ob es überhaupt Taliban waren? Vielleicht waren es nur afghanische Bauern am falschen Ort, zur falschen Zeit. Solche Entgleisungen dürfen “Marines” nicht passieren … denen ist der Begriff “Ehre” doch so viel wert …

  • BausC   |   12. Januar 2012 - 16:06

    @Heiko, es spielt überhaupt keine Rolle. Einen Truppenausweis werden sie wohl nicht dabei haben. Ich heisse das auch gar nicht gut. Wir können die Wenn und Aber’s jetzt rauf und runter deklinieren, Fakt bleibt Menschen machen sowas und ich möchte mich nicht davon freisprechen, weil ich nicht weiß wie es ist wenn man, wie die Amerikaner, gerne 1,5 Jahre im Krieg verbringt. Was macht es aus mir wenn ich jeden Tag mit meinem Tod rechnen muss? Jeden Tag im Gefecht bin. Kameraden sterben sehe oder auch nur verkrüppelt. In einem Land meinen Dienst versehe wo es durchaus alltäglich sein kann, dass der ungezogenen Ehefrau die Nase und Ohren abgeschnitten werden, auf der anderen Seite pädophile Warlords Knaben für sich tanzen lassen. Will damit nur sagen, darüber den Kopf zu schütteln ist mir zu einfach.

  • jetflyer   |   12. Januar 2012 - 16:13

    Mal ganz grundsätzlich, es gibt ‘ne Menge Dinge die “nicht passieren dürfen”. Eines davon wäre idealerweise, dass es keine Gewalt mehr geben dürfte. Schöne Vorstellung, aber mehr auch nicht.

    Bevor “wir” uns anmassen ein Urteil zu sprechen, sollten wir entweder in einer vergleichbaren Situation gewesen sein oder sich mit dem Thema vernünftig beschäftigt haben.
    Zuhause auf dem Sofa sind das natürlich unglaubliche Bilder, aber vor Ort und unter diesen Umständen kann ich es sehr gut nachvollziehen wenn die Kameraden “Stress abbauen/raus lassen”
    @ Kamann: Wie definieren Sie denn Ehre? Wie muss man denn ehrenvoll töten und wie kann man auf dem Schlachtfeld ehrenhaft Stress abbauen??

    Vorgesetzte müssen einen Überblick bewahren und massvoll eingreifen, aber sie können nicht überall dabei sein und für alles Vorsorge treffen.

    Krieg ist kein Sportfest!

    PS: Und wenn jemand auf mich schiesst ist es mir egal ob es Taliban sind oder nicht. Wir kämpfen ja nicht (nur) gegen die Talibs, oder?!

  • Sachlicher   |   12. Januar 2012 - 16:58

    Mit Verlaub @ Heiko Kamann | 12. Januar 2012 – 15:57:

    [...]Wer weiss denn ob es überhaupt Taliban waren? Vielleicht waren es nur afghanische Bauern am falschen Ort, zur falschen Zeit.[...]
    Wer weiß denn schon, ob das Marines waren und nicht verkleidete ISAF-Gegner, die hier eine Situation spielten?
    Sie halten das für eine abwegige Frage? Nun wissen Sie, was man bei Ihren Mutmaßungen empfinden kann.

    [...] Solche Entgleisungen dürfen “Marines” nicht passieren … denen ist der Begriff “Ehre” doch so viel wert …[...]
    1. Ich meine: Natürlich darf das nicht passieren. Wenngleich wir in der warmen Stube uns wenig anmaßen sollten, so darf und sollte man dieses Verhalten der U.S.-Marines nicht gut finden. Erklärbarkeit hin oder her.

    2. Sie benutzen den Begriff “Ehre”. Bitte verbrennen Sie sich nicht die Finger an Ihrer Tastatur.

    3. Nein, es passt nicht zum “Esprit de Marine Corps” und auch nicht zum Ehrbegriff dieser Soldaten/-innen, weshalb dieses Verhalten ja auch sanktioniert wird: gesellschaftlich durch Mißbilligung und rechtlich durch Einleitung eines Verfahrens. Dies zeigt sich in den Statements und Handlungen seitens des U.S. Marine Corps gegenüber einigen ihrer Mitglieder deutlich auf.

    Etwas, was bei denen, die man gemeinhin unter Taliban subsumiert, offensichtlich nicht der Fall ist. Diesbezügliche Beispiele gibt es genug.

    4. Ich möchte nicht relativieren und auch nicht abwägen, wer denn nun warum schlimmer ist. Allein es bleibt der Fakt, dass Menschen mitunter Dinge tun, die man zugleich erklären zu versuchen -und das durchaus erfolgreich- aber eben auch gleichzeitig in der Grundsätzlichkeit mißbilligen kann.

    5. Sie suggerieren, es gäbe DEN Marine. Ich möchte Sie ermuntern, dies nicht zu tun. Es gibt ihn nicht: DEN Marine.

    Es gibt DAS U.S.-Marine Corps und DAS Corps hat sich eindeutig mißbilligend positioniert. Und es gibt viele Angehörige dieses Corps, die dieser Mißbilligung durch korrekte Dienstauffassung und -ausübung Schärfe verleihen.

    Und es gab einige, die diese Mißbilligung notwendig machten.

    Das gleiche ließe sich auch auf afghanischer Seite betrachten bzw. von dieser berichten.

  • chickenhawk   |   12. Januar 2012 - 17:20

    Bei der französischen Fremdenlegion gibt es einen Ehrenkodex, den jeder Rekrut auswendig lernen muss und der beim Gelöbnis gesprochen wird:

    http://www.legion-etrangere.com/modules/info_seul.php?id=92

    Im letzten von sieben Abschnitten heißt es:

    Au combat tu agis sans passion et sans haine, tu respectes les ennemis vaincus, tu n’abandonnes jamais ni tes morts, ni tes blessés, ni tes armes.

    Auf Deutsch:

    Im Gefecht handelst du ohne Leidenschaft und ohne Hass, du respektierst deine besiegten Feinde, du lässt weder Tote, noch Verletzte, noch Waffen zurück.

    Das wäre auch ein wünschenswerter Vorsatz für die amerikanischen Marineinfanteristen. Bei einem Feind wie den Taliban, der elementarste Gebote der Menschlichkeit, geschweige denn des Völkerrechts, missachtet, ist das aber nicht immer so einfach.

  • jetflyer   |   12. Januar 2012 - 17:32

    @ chickenhawk

    “wünschenswerter Vorsatz” Ist das nicht ein wenig zu kurz gegriffen??

    Haben wir denn nicht alle wünschenswerte Vorsätze?? Respektieren wir nicht alle unsere Feinde??

    Richtlinien und Vorsätze sind sehr wichtig, keine Frage. Aber es gibt keine Garantien, dass wir (alle) diese auch immer einhalten können.

  • b   |   12. Januar 2012 - 17:50

    Zum NIE, Cordesman kommt in seiner Jahresanalyse für 2011 zu dem gleichen Schluss:

    The Afghan War At the End of 2011: A Status Report

    Es sind einige interessante Statistiken in dem Bericht.

  • Heiko Kamann   |   12. Januar 2012 - 18:04

    @jetflyer
    Warum fragen Sie in diesem Zusammenhang wie ich Ehre definiere?
    “PS: Und wenn jemand auf mich schiesst ist es mir egal ob es Taliban sind oder nicht. Wir kämpfen ja nicht (nur) gegen die Talibs, oder?!” Gegen wen kämpfen Sie denn noch alles …? Und warum?

    @Sachlicher
    Halte Ihre Frage nicht für abwägig … so ist das halt immer im Umkehrschluss

    “2. Sie benutzen den Begriff “Ehre”. Bitte verbrennen Sie sich nicht die Finger an Ihrer Tastatur.” Diese Aussage sollten Sie erläutern … sonst könnte Sie schnell als persönliche Beleidigung aufgefasst werden. Das kann es aber sicherlich nicht sein, da wir uns vermutlich persönlich gar nicht kennen.

  • Sachlicher   |   12. Januar 2012 - 18:47

    @ Heiko Kamann | 12. Januar 2012 – 18:04- – -[...]Diese Aussage sollten Sie erläutern … [...]
    Ehre ist ein Begriff, der in unterschiedlichen Kulturkreisen und unterschiedlichen “Epochen” mit unterschiedlichen Handlungsmaximen besetzt wurde und wird.

    Ihn undefiniert zu verwenden in einer solchen Diskussion kann schnell zur Ergebnislosigkeit, somit zur Nullaussage, bestenfalls zum Nachfragen, führen. Aber durchaus auch Anlass zur Kritik geben, wenn seine Verwendung eine Gruppe von Personen (hier: U.S.-Marine Corps) in ihrer Gesamtheit unreflektiert de­s­a­vou­ie­ren soll.

    Dass Sie den Ehrbegriff der U.S.-Marines eher despektierlich verwendeten, um Ihrer nachvollziehbaren Entrüstung rhetorische Dynamik zu verleihen, ist mE eine zulässige Interpretation, wenngleich damit, wie ausgeführt, Punkt 2 nicht gemeint war.

    [...]sonst könnte Sie schnell als persönliche Beleidigung aufgefasst werden.[...]
    Ich neige nicht zu Emotionen, was aber Grundvoraussetzung für den, von Ihnen in den Raum gestellten bzw. hier geposteten, Vorgang wäre.

    [...]Das kann es aber sicherlich nicht sein, da wir uns vermutlich persönlich gar nicht kennen.[...]
    Sie sehen, das war es nicht. Richtig: ich kenne Sie nicht, was auch irrelevant wäre, ich beziehe mich lediglich auf das geschriebene Wort. Dieses, meine, Echo zu ertragen, dürften Sie fähig sein.

  • Invisible   |   12. Januar 2012 - 18:51

    Nein, ISAF kämpft nicht nur gegen Taliban.
    Das ist bloß die größte feindliche Gruppierung.
    Daneben sind noch etliche warlords, verschiedene religiös verankerte und verfeindete Gruppen, arme Menschen, die ihr Leben gegen Geld für ihre Verwandten eintauschen usw.

    Aus diesem Grund wird ja auch befürchtet, dass es wieder Bürgerkrieg in Afghanistan geben wird, sobald die ISAF raus ist. Wärens nur die Taliban, gäbe es doch kein Bürgerkrieg…
    Jetzt hofft man ja, dass die Taliban einen solchen Bürgerkrieg verhindern können, sobald die ISAF raus ist. Darum gehts den Amerikanern bei den Verhandlungen. Und vielleicht 1, 2 Stützpunkte, die sie behalten wollen.

    -Invisible

  • b   |   12. Januar 2012 - 19:01

    Nochmal zu den Marines.

    Dieses und andere Disziplinarprobleme entstehen nicht im Vakuum. Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken.

    Im Krieg in Afghanistan und Irak wurden von höchsten U.S. Stellen Folter und Misshandlungen nicht nur geduldet sondern gefordert. Dies hat sich dann recht schnell durch die Truppe gefiltert und zu diversen Exzessen geführt. Dazu kommt nach ein latenter Rassissmus der auch in der Politik in den USA gerne angefeuert wird und dann vor kurzem im Selbstmord eines asienstämmigen U.S. Soldaten geändet hat der von seinen Kameraden misshandelt worden war.

    Wenn die Politik und die oberen Führungsebenen Folter befehlen und Rassismus predigen muss man sich nicht wundern wenn sich das durch die Befehlskette nach unten fortpflanzt.

    Natürlich ist das Verhalten der Marines zu verurteilen aber man sollte auch deren Vorgesetzte, bis in die höchsten Ebenen, dafür in die Verantwortung nehmen.

  • T.Wiegold   |   12. Januar 2012 - 19:49

    @b

    Den Cordesmann hatte ich oben doch schon verlinkt?

  • Niklas   |   12. Januar 2012 - 19:50

    Ach ja. Schon wieder ein “unglaublich verstörendes” Video von “ungeheuren” Taten.
    Weder über den Kontext, über den Bildungsstand (na ob der eine Rolle spielt…) oder die Handlungsmesslatte (was ist denn so normal, wenn man gerade ein zünftiges Gefecht geführt hat) kann man vernünftig urteilen.

    Ich will natürlich nichts verharmlosen. Auf Leichen pinkeln gehört nicht zu den feinen Dingen. Aber. Selbst wenn man sich strickte Prinzipien auferlegt, kann auch eine solche Grundlage partikulär unfruchtbar bleiben.

    Wir sollten uns dabei davor hüten Handlungen aus einem grausamen Kontext zu entnehmen und im heimischen Sessel (ohne Erfahrung) einzeln zu werten. Immerhin können wir froh sein, dass es eine verhältnismäßig milde Geste der Demütigung ist und zumindest hier niemand Schädel ausgekocht oder Flares in Körpern gezündet hat, oder was die Geschichte des Menschen im Kriege sonst noch so hergibt.

    Ergo halte ich es für angemessen einen Medienaufschrei zu unterlassen und den Vorgesetzten eine angemessene Sanktionierung zu überlassen. Wenigstens wurden offenbar keine Zivilisten geschädigt, was schlimmer wäre.

  • Berufssoldat   |   12. Januar 2012 - 20:01

    Warum chauffiert man sich über das Pissen auf den getöteten Menschen. Chauffiert Euch lieber über das Töten dieser Menschen!

  • Heiko Kamann   |   12. Januar 2012 - 20:02

    @ Sachlicher
    Tja, leider.
    Sie beleidigen und merken es (scheinbar?) nicht einmal; dass ist nun keine Grundlage für eine weitere Einlassung meinerseits.

  • b   |   12. Januar 2012 - 20:32

    @T.Wiegold – Cordesman link, sorry nicht gesehen.

    @Berufssoldat – Warum chauffiert man sich über das Pissen auf den getöteten Menschen. Chauffiert Euch lieber über das Töten dieser Menschen!

    Danke für den Einwurf. Sie haben da recht.

    @Niklas Wenigstens wurden offenbar keine Zivilisten geschädigt, was schlimmer wäre.

    Hmm – woher wissen sie was das frü Menschen sind die da angepisst wurden? Haben sie da so eine Glaskugel auf dem Schreibtisch die ihnen das verrät?

  • jetflyer   |   12. Januar 2012 - 20:51

    @ Heiko Kamann

    “Warum fragen Sie in diesem Zusammenhang wie ich Ehre definiere?”

    Frage mit Gegenfrage beantworten ist kein guter Stil.

    “Gegen wen kämpfen Sie denn noch alles …? Und warum?”

    Wir kämpfen gegen alle, die sich gegen die Regierung und deren Organisationen in AFG stellen und unterstützen damit die AFG Regierung. Daher kommt der Name Int. Security Assistance Forces (ISAF). Dazu gehören die Taliban sowie kriminell und anders motivierte Organisationen aller Arten.
    Und wir schiessen zurück wenn wir beschossen werden.
    Warum? Weil das der politische Auftrag der ISAF Truppen ist.

    In der Sache richtig oder falsch entscheiden nicht die Soldaten (inkl. militärische Führer vor Ort), sondern die politische Führung.

  • Heiko Kamann   |   12. Januar 2012 - 21:08

    @ jetflyer
    Warum? Weil ich keinen angepisst habe. “Honor” ist aber zentrales befinden eines US Marine; ergo ist in dem Zusammenhang nicht mein Ehrbegriff wichtig, sondern der, des US Marine Corps.

    “Wir kämpfen gegen alle, die sich gegen die Regierung und deren Organisationen in AFG stellen und unterstützen damit die AFG Regierung. Daher kommt der Name Int. Security Assistance Forces (ISAF). Dazu gehören die Taliban sowie kriminell und anders motivierte Organisationen aller Arten.”
    Na, wenn Sie das ernst meinen, sehen Sie zu, das Sie auf der richtigen Seite stehen … wie definieren und erkennen Sie denn “anders motivierte Organisationen aller Arten”? Meinen Sie damit alle NGO’s?

    “In der Sache richtig oder falsch entscheiden nicht die Soldaten (inkl. militärische Führer vor Ort), sondern die politische Führung.”
    Wenn Soldaten auf Leichen pissen, gilt diese Regel wohl nicht …!

  • T.Wiegold   |   12. Januar 2012 - 21:24

    Die Herren. Alle. Darf ich zur Mäßigung aufrufen?

  • Rado   |   12. Januar 2012 - 21:26

    Da werden die Verhandlungspartner der Friedensverhandlungen doch eiskalt angpinkelt.
    Es gibt keine Liebe mehr unter den Menschen.

    @T. Wiegold
    Sorry das musste einfach sein.

  • Heiko Kamann   |   12. Januar 2012 - 21:33

    @Rado
    @ Thomas

    “Sorry das musste einfach sein.”
    Da frage ich mich, wie tief können Menschen denn noch sinken? Das ist einfach widerlich.

  • Rote Litze   |   12. Januar 2012 - 21:34

    Das US-Militär hat offenbar zwei der vier Soldaten identifiziert, die auf einem im Internet aufgetauchten Video auf Leichen urinieren.

    Mehr dazu hier:
    http://www.welt.de/politik/ausland/article13812586/Auf-Leichen-urinierende-US-Soldaten-identifiziert.html

    Damit ist zumindest aus der Welt, dass es sich bei dem Video um eine Fälschung handelt.

  • chickenhawk   |   12. Januar 2012 - 21:54

    Die Marine Corps Times schreibt, dass es sich bei den Soldaten um Scharfschützen (Marine scout snipers) handelt, welche dem 3rd Battalion, 2nd Marines zugewiesen waren.

    Einer der Marines hält ein M40 Scharfschützengewehr in der Hand.

    Das macht die Sache, die ohnehin schon unappetitlich genug ist, noch einen Zacken schlimmer: Das sind Leute, die innerhalb der Marines eine besondere Elite darstellen (sollten).

  • Rado   |   12. Januar 2012 - 22:14

    @Heiko Kamann
    In punkto tief sinken und widerlich ist das gar nichts, pipifax sozusagen. Glauben Sie es mir.

  • T.Wiegold   |   12. Januar 2012 - 22:26

    Danke. Können die Herren jetzt ihre persönliche Auseinandersetzung anderswo ausleben?

  • Orontes   |   13. Januar 2012 - 9:15

    Solche (und wesentlich üblere) Vorfälle sind in Kriegen leider normal, was nicht bedeutet, dass sie akzeptabel sind. Der Unterschied zur Vergangenheit ist, dass es heute Kameras in Mobiltelefonen und Youtube gibt.
    Meines Erachtens unterstreicht der Vorfall, wie gefährlich und unzeitgemäß die Vorstellung ist, dass der Dienst als Soldat ein “Job wie jeder andere” und der Soldat letztlich als “Staatsbürger in Uniform” nur ein verkleideter Zivilist sei. Wie die Realität zeigt, ist der Soldat im Kampfeinsatz größeren Belastungen ausgesetzt als 99% der Bevölkerung es in ihren Berufen sind, und Fehler selbst von Einzelpersonen können strategische Konsequenzen haben. Das Handeln muss sich daher an besonderen Maßstäben, u.a. einem absolut gültigen Ehrenkodex, orientieren, und vom Soldat muss wesentlich höhere Belastbarkeit und Disziplin erwartet werden können als vom Durchschnittszivilisten.

  • Steiner   |   13. Januar 2012 - 9:24

    Wer sich mit der Historie der US-Streitkräfte und den Kriegen Amerikas beschäftigt, ist über ein derartiges Video weder verstört, noch empört, höchstens verwundert…über die Aufgeregtheit an dieser Stelle…

    Da sich die Vereinigten Staaten seit ihrer Gründung als “land of the free and home of the brave” feiern, ist es nur folgerichtig, daß Amerikas Gegner stets Tyrannenknechte (und feige) sein müssen. Daher kämpf(t)en GI’s niemals gegen Wesen, denen ein gleichberechtigter Anspruch auf Menschenrechte zugestanden werden kann (jedenfalls nicht ohne unconditional surrender und [re]education).

    Ob “Prairie nigger” (hierzulande als “Indianer” ein
    Begriff), “Tortillas”, “Krauts”, “Japs”, “Gooks” oder jetzt eben “Hajis”, zu gleichwertigen Wesen werden sie alle erst durch Amerikas Sieg. Diese Muster finden sich bezeichnenderweise auch im -nach amerikanischen Verständnis- fürchterlichstem Krieg, dem US-Bürgerkrieg.

    Natürlich stimmt das alles so nicht. Niemand weiß besser als die Amerikaner, daß seit dem War of Independence kein Krieg mehr durch moralische Überlegenheit gewonnen wurde. Stets war es die erdrückende technische Überlegenheit der US Army, die den Ausschlag gab. Aber die ersten europäischen Migranten waren religiöse Fundamentalisten. Ohne Gott und Moral ging und geht bei denen gar nix.
    Wie es in Wahrheit um die amerikanische Seele bestimmt ist, zeigen Filme wie “Independence Day” (ein in diesem Zusammenhang einfach genialer Titel).
    Die tiefsitzende Angst, eines Tages einer Invasion fremder Wesen zum Opfer zu fallen, welche ihrerseits im Besitz totaler technischer Überlegenheit sind, ist ein Dauer(kassen)knüller für Hollywood.
    Die beruhigende Botschaft, daß “Amerika” am Ende siegen wird, weil es sich moralisch überlegen zeigt, kann den Cheyenne oder Lakota nicht einmal ein bitteres Lächeln entlocken.

    Aber geht es an dieser Stelle überhaupt darum?!

    Mir stellt sich die Frage “Was hättest Du getan?”-

    Als erstes hätte ich mit meiner Kompanie das nächstgelegene Dorf umstelt und Männer, Frauen und Kinder aus den Häusern holen lassen. Nächster Schritt: die Männer werden vor den Augen ihrer Familien auf dem Dorfplatz erschossen. Anschließend werden die Frauen und Kinder in die Moschee gesperrt und diese -wie auch alle anderen Häuser- bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Einziger Überlebender: der Dorfälteste. Schließlich muß ja einer weitererzählen, was passiert, wenn man sich mit den Deutschen anlegt.

    Die Kompanieangehörigen, die beim Urinieren erwischt wurden, werden ermittelt und erzieherisch gemaßregelt (Abfassen einer schriftlichen Ausarbeitung zum Thema “Selbstdiziplin im Kampf” sowie umfassende Belehrung über Befehl und Gehorsam) und nötigenfalls (Gruppenführer) disziplinarisch gewürdigt.

    Diese Vorgehensweise entspräche herkömmlichen europäischen Traditionen!

    Ende und Zynismus aus.

    Die Frage, wie tief ein Mensch oder ein Volk sinken kann ist übrigens bereits beantwortet.

    Und zwar auf Deutsch!

    Mir wäre wesentlich wohler in meiner Haut, wenn deutschen Soldaten nicht mehr vorgeworfen werden könnte, als ein paar Spritzer Urin an der (sicherlich!!) falschen Stelle.

    Ich werde mich jedweden Kommentars zum Verhalten von Angehörigen des U.S.M.C., welches seit zehn Jahren im Auftrag demokratisch gewählter Regierungen einen Krieg am scharfen Ende der Klinge (!!!) führen muß, enthalten

    Sicher, man könnte diesen Krieg schmutzig nennen. Aber das wäre irreführend. Krieg ist immer schmutzig. Krieg ist stets ein Verbrechen, deshalb gebiert er Unrecht und neue Verbrechen. Das wissen wir als Deutsche doch alle.
    Was ich hingegen definitiv nicht weiß, ist, was der Krieg aus mir machen würde, wenn ich immer wieder turnusmäßig für gefühlte tausend Jahre in seine Krallen geriete.

    Deshalb schweige ich. An dieser Stelle.

    In diesem blog. Ab heute.

  • Bendler-Blog » Blog Archive » Eine Ausnahme? - Der Krieg ist die Ausnahme!   |   13. Januar 2012 - 11:37

    [...] Inspiriert unter anderem von diesem Artikel von Robert Fisk im Independent: “This is not about ‘bad apples’. This is the horror of war.” sowie der Diskussion bei Thomas Wiegold. [...]

  • Voodoo   |   13. Januar 2012 - 11:42

    Wer sich mal mit Krieg und dessen neuerer Definition beschäftigen möchte, dem empfehle ich “Jeder Krieg ist anders. Jeder Krieg ist gleich.” von Lütsch. Das ist zwar “nur” die Veröffentlichung einer Magisterarbeit, aber die wurde von jemandem verfasst, der nicht im jahrzehntealtem Filz der festgefahrenen Denkanstöße hängt. Nebenbei hebt er dabei Clausewitz in die Neuzeit und das, wie ich finde, sehr plausibel.

    Ich stelle fest, das wir in diesem Blog mal wieder fix beim “Fingerzeigen” und “entrüsten” sind, aber nie richtig zum Kern vorstoßen, weil Privatfehden ins Thema Einzug halten.

  • Orontes   |   13. Januar 2012 - 12:05

    @Sascha Stoltenow
    Zitat Fisk: “Nothing wrong in killing amid the “core values” of the Marine Corps…”

    Ich behaupte: Ein Tötungsverbot bzgl. militärischer Ziele kann niemals Teil einer funktionierenden militärischen Ethik sein. Die Forderung von Fisk halte ich für absurd. Er hätte analog auch ein Festnahmeverbot als Grundlage einer Polizeiethik fordern können. Wer eine solche Ethik für Soldaten formuliert, macht damit das ganze von ihm vorgetragene Ethiksystem unglaubwürdig und müsste mit massenhaften Verstößen bei allen (auch sinnvolleren) Aspekten rechnen, falls jemals versucht würde, es zu verordnen.

    Und um bei Fisks “Bad Apples”-Rhetorik zu bleiben: Er vergleicht in seinem inkohärenten Text Äpfel und Birnen, wenn er z.B. von ihm gefühlsmäßig abgelehnte (aber taktisch möglicherweise sinnvolle) Verhörmethoden oder Vorgehensweisen der Franzosen in Algerien mit dem in keiner Weise sinnvollen Verhalten der im Video gezeigten Soldaten ethisch gleichsetzt. Ernsthafte Auseinandersetzung mit Ethik ist mehr als nur das Äußern moralischer Gefühle.

  • Sachlicher   |   13. Januar 2012 - 12:05

    @ Heiko Kamann | 12. Januar 2012 – 20:02 – - –
    [...]Sie beleidigen und merken es (scheinbar?) nicht einmal; [...]
    Es war und ist nicht meine Absicht Sie zu beleidigen. Es war Absicht Ihr geschriebenes Wort zu reflektieren.

    Ansonten befleißige ich mich diesen Hinweis ernst zu nehmen:
    Voodoo | 13. Januar 2012 – 11:42: [...]aber nie richtig zum Kern vorstoßen, weil Privatfehden ins Thema Einzug halten.[...]

  • Voodoo   |   13. Januar 2012 - 12:07

    Und wie weit man mit sowas kommt, davon kann z.B. Ex-Minister Jung und sein “Brunnenbau-und-Schulen-Mantra” etwas erzählen.

  • Berufssoldat   |   13. Januar 2012 - 13:12

    Hier noch mal ein link der Ergebnisse des Stanford-Prison-Experiments zum Nachdenken.
    http://www.prisonexp.org/deutsch/

  • b   |   14. Januar 2012 - 3:49

    Sebastian Junger (Dokumentarfilmer und Autor “Restepo”, “War”) kommentiert:

    There is a final context for this act in which we are all responsible, all guilty. A 19-year-old Marine has a very hard time reconciling the fact that it’s okay to waterboard a live Taliban fighter but not okay to urinate on a dead one.

    When the war on terror started, the Marines in that video were probably 9 or 10 years old. As children they heard adults — and political leaders — talk about our enemies in the most inhuman terms. The Internet and the news media are filled with self-important men and women referring to our enemies as animals that deserve little legal or moral consideration. We have sent enemy fighters to countries like Syria and Libya to be tortured by the very regimes that we have recently condemned for engaging in war crimes and torture. They have been tortured into confessing their crimes and then locked up indefinitely without trial because their confessions — achieved through torture — will not stand up in court.

    For the past 10 years, American children have absorbed these moral contradictions, and now they are fighting our wars. The video doesn’t surprise me, but it makes me incredibly sad — not just for them, but also for us. We may prosecute these men for desecrating the dead while maintaining that it is okay to torture the living.

    I hope someone else knows how to explain that to our soldiers, because I don’t have the faintest idea.

    Der Fisch stinkt …

  • Eine Ausnahme? - Der Krieg ist die Ausnahme! - GLOBAL OBSERVER - GLOBAL OBSERVER   |   14. Januar 2012 - 9:11

    [...] Fisk im Independent: “This is not about ‘bad apples’. This is the horror of war.” sowie der Diskussion bei Thomas Wiegold. Der Autor arbeitet als Kommunikationsberater und verließ im Jahr 2001 nach 12 Jahren Dienstzeit [...]

  • Memoria   |   14. Januar 2012 - 10:20

    @Vodoo:
    Danke für den Lesehinweis. Ebenfalls zu empfehlen:
    “Clausewitz im Zeitalter der neuen Kriege: Der Krieg in Ruanda (1990-1994) im Spiegel der “wunderlichen Dreifaltigkeit” von Eva Strickmann.

    @all:
    Hier eine aktuelle Reportage über die Lage in Kunar – wobei n.m.E. etwas übertrieben wird (Die Behauptung die Taliban beherrschen die GESAMTE Provinz Kunar wird nicht belegt):
    http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2012/01/11/International/Ein-westlicher-Journalist-in-einer-Taliban-Hochburg

  • Voodoo   |   14. Januar 2012 - 11:29

    Junger hat das Dilemma passend umschrieben, zumal er wohl einen besseren Einblick in die Gemütslage des “einfachen GI” hat, als wir alle zusammen.

  • Rado   |   16. Januar 2012 - 13:25

    Um noch einen Beitrag in die Gemütswelt in der Professionellen Kritiker der Amerikaner seit Vietnam und der Nato-Nachrüstung zu geben.
    Ein Artikel über die Seebestattung von Osama bin Laden aus der Sicht des Spiegel.
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,760151,00.html

  • chickenhawk   |   16. Januar 2012 - 13:51

    Die Video-Affäre mit den urinierenden Marines hat jetzt auch schon die Präsidentschafts-Vorwahlen der Republikaner erreicht.

    Der mittlerweile recht aussichtslose Bewerber Rick Perry nahm die beschuldigten Marines in Schutz: Es handele sich zwar grundsätzlich um eine abzulehnende Handlung, die eine Strafe erfordere, “kriminell” sei es aber nicht. Perry warf der Obama-Administration vor, überzureagieren.

    Er verwies im übrigen auf ein berühmtes Bild aus dem Jahr 1945, als der amerikanische General George S. Patton in den Rhein urinierte.

    http://www.msnbc.msn.com/id/43358912#.TxQbAV6HN9g

  • Orontes   |   16. Januar 2012 - 14:10

    @b
    Danke für den sehr interessanten Text von Junger. Es war in weiten Teilen der realistischste Kommentar, den ich bislang zu dem Thema gelesen habe, mit Ausnahme des Schlusses:

    “We may prosecute these men for desecrating the dead while maintaining that it is okay to torture the living. I hope someone else knows how to explain that to our soldiers, because I don’t have the faintest idea.”

    Der ethische Unterschied begründet sich m.E. durch den Zweck. Das Urinieren auf die Leichen erfüllte offenbar nur den egoistischen Zweck individueller Bewältigung und erfolgte zum Schaden des Auftrags und auf Kosten eigener Kameraden. Die dem gegenübergestellte Folter hingegen kann jedoch einen strategischen Zweck erfüllen und erfolgte ja nicht aus einer unkontrollierten Laune heraus.

    Es bleibt in Deutschland zwar weitestgehend unausgesprochen, aber der Entscheidung für den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan liegen wesentlich extremere ethische Entscheidungen zugrunde als die von Junger angeführte. Wer als Abgeordneter dem Einsatz zustimmt, entscheidet sich dadurch z.B. defacto für die ethische Position, dass der militärische Zweck es rechtfertigen kann, dass deutsche Soldaten Entscheidungen treffen, in deren Folge auch minderjährige Nichtkombattanten in größerer Zahl bei lebendigem Leib verbrennen. Das ist m.E. nicht weniger extrem als die Bejahung der Folter von Terroristen, wird aber offenbar in Kauf genommen. Wie extrem wären die (möglicherweise aufgezwungenen) ethischen Entscheidungen wohl erst, wenn es um Landesverteidigung ginge? Durch scheinheiliges Verschweigen dessen, was auch in scheinbar “guten” Kriege getan werden muss, trägt man m.E. indirekt zu Situationen bei, in denen Soldaten überfordert sind und überreagieren oder zusammenbrechen.