Die Franzosen wollen schneller raus – mit der ganzen NATO

Nach dem tödlichen Zwischenfall, bei dem ein afghanischer Soldat – zumindest jemand in afghanischer Uniform – vier französische Soldaten erschoss, wollen die Franzosen schneller raus aus Afghanistan. Das ist die eine (nachvollziehbare) Seite. Doch es scheint weit darüber hinaus zu gehen: Frankreich (unter Zustimmung des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, so die aktuellen Berichte, will den Zeitplan der NATO insgesamt beschleunigen – und die Operationen von ISAF an die afghanischen Sicherheitskräfte nicht erst 2014, sondern bereits ein Jahr früher übergeben.

Wenn sich das so bestätigt, geht es nicht nur um die Entscheidung eines einzelnen (wenn auch wichtigen) NATO-Mitglieds. Sondern um eine Beschleunigung, die praktisch eine Änderung der bisherigen Strategie bedeutet – und angesichts des unpopulären Krieges am Hindukusch auch in anderen Ländern der Allianz Interesse finden könnte.

(Wie bereits erwähnt, bin ich derzeit durch die Vorbereitung eines privaten Umzugs etwas eingeschränkt handlungsfähig; stelle deshalb dieses und ggf. andere Dinge nur verkürzt hier ein, aber es sollte zumindest die Diskussion möglich sein…)

13 Kommentare zu „Die Franzosen wollen schneller raus – mit der ganzen NATO“

  • Memoria   |   27. Januar 2012 - 21:46
  • b   |   28. Januar 2012 - 10:59

    Was sagen die Kenner denn zum kompletten Rückzug der Franzosen bis Ende 2013???

    Bin kein Kenner aber Sarkozy ist im Wahlkampf und liegt in den Umfragen erheblich zurück. Die Unterstützung für den Afghanistaneinsatz ist in der französischen Bevölkerung ungefähr so niedrig wie bei uns.

    Die ganze Angelegenheit bestätigt das Konzept vom “strategischen Gefreiten” (strategic corporal).

    - U.S. Soldaten filmen sich dabei wie sie tote Afghanen anpissen.
    - Ein afghanischer Soldat hört davon und bringt aus Rache seinen französichen Kollegen um.
    - Die Franzosen ziehen sich frühzeitig aus dem U.S. Einsatz zurück.

    Das Verhalten einzelner auf unterer Ebene hat also durchaus strategische Konsequenzen. Diese können positiv sein aber sind bei undiszipliniertem Verhalten eben auch schnell sehr negativ. Entsprechend muss im Einsatz auf Disziplin geachtet werden.

  • Berufssoldat   |   28. Januar 2012 - 11:33

    Entsprechend muss im Einsatz auf Disziplin geachtet werden.

    Und deshalb Diszipliniert man deutsche Soldaten im Einsatz die den Müll nicht trennen bzw. im Camp mit 5km/h zu schnell unterwegs ist!!

    Außerdem wurde nach Kenner gefragt und nicht nach Ihnen!!

  • T.Wiegold   |   28. Januar 2012 - 11:41

    Übrigens, sagte ich schon: Don’t feed the troll?

  • JCR   |   28. Januar 2012 - 12:11

    Ich denke dahinter stehen innenpolitische Motive Sarkozys.
    Libyen ist zu lange her, in der Eurokrise macht er keine gute Figur, aber als derjenige, der im Alleingang den Afghanistankrieg beendet könnte er punkten.

  • KeLaBe   |   28. Januar 2012 - 12:46

    @ berufssoldat

    Ihr Kommentar ist ja so was von daneben! Sind Sie wirklich Berufssoldat, oder ist das nur eine Tarnung?

  • T.Wiegold   |   28. Januar 2012 - 12:55

    Don’t. feed. the. troll.

  • KeLaBe   |   28. Januar 2012 - 13:04

    @ T.Wiegold

    Tut mir leid, aber diese Bemerkung konnte ich mir vor dem Hintergrund der ernsten Lage in AFG einfach nicht verkneifen. Halte mich ab sofort zurück.

  • b   |   28. Januar 2012 - 14:42

    AP: Eine Abgeordnete aus Kapisa ist nicht glücklich mit dem Beschluss

    Afghans blast French plan to withdraw troops early

    KABUL, Afghanistan (AP) — France’s plans to withdraw its combat troops from Afghanistan a year early drew harsh words Saturday in the Afghan capital, with critics accusing French President Nicolas Sarkozy of putting domestic politics ahead of Afghans’ safety.
    (…)
    Afghan lawmaker Tahira Mujadedi said Afghan security forces will not be ready in time for any early NATO withdrawal, saying the current timetable already is rushing the training of national forces.

  • Memoria   |   28. Januar 2012 - 14:58

    Kapisa soll schon Ende März 2013 an die ANSF übergeben werden (bisher war dort eine Übergabe dieses Jahr nicht vorgesehen).
    Auch nach 2013 sollen franz. “Ausbilder” in AFG bleiben:

    http://www.abc.net.au/news/2012-01-28/france-plans-early-afghanistan-withdrawal/3798378

    Interessant wäre, ob die Ausbilder nach kanadischem Vorbild nur noch innerhalb von Liegenschaften eingesetzt werden dürfen.

    Der Bedarf an “combat advisors” steigt jedoch mit dem Abzug. Es bleibt spannend welches Land dieses Personal stellen will, wenn man davor der Öffentlichkeit erklärt, dass alle Kampftruppen 2013 oder 2014 abgezogen sind. Selbstgemachter PR-Super-GAU in der ganzen NATO.

  • T.Wiegold   |   28. Januar 2012 - 20:18

    @b

    Danke für den Link zur AP-Story – aber gerade weil es den Link gibt, bitte solche Geschichten nicht komplett einstellen. Oder soll ich eine evtl. Rechnung von AP (oder deren deutschem Vertragspartner) dann einfach an Sie weiterschicken?

  • J.R.   |   28. Januar 2012 - 21:36

    Auch wenn es hier etwas untergegangen ist, das war, was die Franzosen im Tagab-Tal betrifft, wohl der zweite solche Mordfall innerhalb eines Monats.

    29.12.2011: 2 Franzosen erschossen (link)

    Wenn ich mich nicht irre, dann waren beides mal Fremdenlegionär betroffen, und keine Soldaten aus OMLTs?
    Zum Verhalten und der Wahrnehmung von “Elite-Soldaten” im Tagab-Tal gibt es wie gesagt einen Augenzeugenbericht von 2009: Culture.
    (Und einen Post von Mitte 2011, “Der Feind im Inneren”, der solche Zwischenfälle für 16% der ISAF-Verluste verantwortlich macht.)

    Wer hier ne Weile mitliest ist wohl schon über die Links gestolpert. Aber ich finds bemerkenswert, dass es um solche nicht gerade neuen Erfahrungen so ruhig bleibt. Da entsteht schon irgendwie der Eindruck, als wolle man “so kurz vor dem Abzug” nichtmehr das eigene Vorgehen anpassen. Und wenn deswegen noch ein paar Soldaten mehr sterben, dann ist das halt so…

  • Memoria   |   29. Januar 2012 - 13:27

    @J.R.:
    Legionäre waren schon mehrfach als OMLT eingesetzt (http://www.youtube.com/watch?v=Cht8d0bO-5o), wie es bei den aktuellen Fällen war weiß ich nicht.

    Vielen Dank für die links. Dies zeigt einmal mehr wie wichtig eine spezifische Personalauswahl und Ausbildung für Mentoren ist.

    Aber das wird ja weiter oben einfach nicht verstanden. wichtiger ist die Ausplanung der hochmobilen und durchsetzungsfähigen Reaktionskräfte.
    Der Minister sorgt sich vorallem darum, dass er die Materialrückführungskompanien in nem anderen Mandat unterbekommt. Wenn Bürokraten Krieg führen.