Tiger nach Libyen

Die Meldung, die ich heute vormittag eher beiläufig zur Kenntnis wahrgenommen habe, versetzt mich bei näherem Nachdenken dann doch ein wenig in Erstaunen: Frankreich schickt Tiger-Kampfhubschrauber nach Libyen.

Zum einen scheint damit ein Engagement des Westens in einen Bodenkrieg in dem nordafrikanischen Land näher zu rücken – und das schien doch mit der UN-Resolution, die unter anderem Grundlage der NATO-Luftangriffe ist, weitgehend ausgeschlossen. Das ist die politische Dimension.

Mich überrascht auch eine militärische Dimension: Mir war nicht klar, dass die französischen Tiger von einem Kriegsschiff aus operieren können, in diesem Fall von dem Kommandoschiff und Hubschrauberträger Tonnerre. Mehr dazu beim Bloggerkollegen von Secret défense: Des hélicoptères de combat français au large de la Libye.

Auch wenn die Deutsche Marine keine Hubschrauberträger hat: Fregatten und Einsatzgruppenversorger, von denen aus Hubschrauber starten können, hat sie schon. Allerdings wüsste ich nicht, dass ein Einsatz eines (deutschen) Tiger von Bord auch nur überlegt würde?

Le Tonnerre

Die Tonnerre, ein Schiff der Mistral-Klasse (was die Deutsche Marine auch gerne hätte…) Foto: Béotien lambda via Wikimedia Commons

RC N Watch: Natürlich weiter Night Raids

Nachdem in der vergangenen Woche eine nächtliche ISAF-Aktion in der nordafghanischen Provinz Takhar zu gewalttätigen Protesten in der Stadt Taloqan geführt hatte, bei denen auch die Bundeswehr scharf schoss, wurde über eine Änderung der Praxis dieser Night Raids spekuliert.

Das scheint in der Tat pure Spekulation – natürlich setzt ISAF die nächtlichen Kommandoaktionen fort, mit denen vor allem führende Personen der Aufständischen festgesetzt oder auch getötet werden sollen. Und natürlich auch im deutschen Kommandobereich im Norden Afghanistans, wie ISAF heute meldet:

In Doshi district, Baghlan province, a combined Afghan and coalition security force killed several insurgents during a security operation targeting a senior Taliban leader yesterday. weiterlesen

Vereinte Nationen billigen private Sicherheitsteams gegen Piraten

Die Entscheidung war in der vergangenen Woche so erwartet worden (und ich hatte sie am vergangenen Freitag wg. meiner Abwesenheit nicht wahrgenommen): Die International Maritime Organisation (IMO), eine Unterorganisation der Vereinten Nationen, hat den Einsatz privater bewaffneter Sicherheitsteams auf Handelsschiffen in Piraten-gefährdeten Gewässern offiziell gebilligt. Dabei geht es natürlich vor allem um die Angriffe somalischer Piraten am Horn von Afrika.

Der Beschluss des Maritime Safety Committee der IMO ist zwar offiziell nur eine Interim guidance, und die Aussage ist bürokratisc/rechtlich/politisch vorsichtig abgefasst. Aber der Kern ist klar, wie ihn auch die BBC überschreibt: Piracy: IMO endorses use of armed guards on ships.

Einer der nächsten Schritte wird sein, wie sich die Schiffahrtsindustrie dazu stellt – insbesondere die International Chamber of Commerce (ICC), die ja unter anderem das Piracy Reporting Centre betreibt. Ein deutsches Mitglied der ICC ist der Verband deutscher Reeder, der bislang beim Thema private Sicherheitsdienste sehr, sehr zurückhaltend ist und statt dessen Bewaffnete in hoheitlichem Auftrag, also Polizisten oder Soldaten, als Piraten-Abwehr-Team an Bord sehen möchte. Vielleicht bekommen wir ja diese Woche noch eine neue ICC-Position zu hören.