RC N Watch: Luftlandeoperation in Kundus

Die Kollegen von der FAZ sind konsequent in ihrer Trennung von Print und Online. Die Story über die erste Bundeswehr-Luftlandeoperation im Kampfeinsatz Ende 2010 bei Kundus ist nicht im Internet, noch nicht mal für Abonnenten. Da hilft nur, sich die gedruckte FAZ vom heutigen Montag zu besorgen und auf S.2 zu gucken.

(Um meine Leser nicht ganz im Regen stehen zu lassen: Ich hoffe, es bewegt sich im Rahmen des Zitatrechts, wenn ich die ersten Sätze hier widergebe:)

Bundeswehr, amerikanische Armee und afghanische Kräfte haben zwischen Weihnachten und Silvester weite Teile der Provinz Kundus von den Taliban zurückgewonnen. Dabei gingen konventionelle Streitkräfte gemeinsam mit Spezialkräften in einem Gebiet um die Ortschaft Gor Tapa nordwestlich von Kundus vor. In der Operation “Towse a Garbe III” (“Hopeful Valley”) wurden erstmals in der Bundeswehrgeschichte in einem Kampfeinsatz konventonelle Kräfte mit Hubschraubern ins Feindgebiet verbracht.

In ihrer zurückhaltenden Art hatte die Bundeswehr ja durchblicken lassen, dass da was läuft:

Am 29. Dezember gegen 11.50 Uhr mitteleuropäischer Zeit (15.20 Uhr Ortszeit) wurden deutsche ISAF-Kräfte bei einer Operation an der auch Soldaten der US Army sowie der afghanischen Streitkräfte (ANA, Afghan National Army) und der afghanischen Polizei (ANP, Afghan National Police) teilnehmen, circa 18 Kilometer nordwestlich des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kundus, mit Handfeuerwaffen angegriffen.
Es wurden keine Soldaten verwundet. Es entstanden keine Schäden.
Die Operation wird weiter fortgesetzt.

und einen Tag später

Am 30. Dezember gegen 9.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit (13.00 Uhr Ortszeit) wurden deutsche ISAF-Kräfte und Soldaten der afghanischen Streitkräfte (ANA, Afghan National Army) circa 13 Kilometer nordwestlich des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kundus mit Handwaffen angegriffen.
Es wurden keine Soldaten verwundet. Es entstanden keine Schäden.
Der Auftrag wird weiter fortgesetzt.

Die Erfolgsmeldungen durften dann afghanische Polizei und ISAF abgeben:

AFP: A top Taliban commander and his bodyguard were killed during an overnight operation by Afghan and NATO forces in northern Afghanistan, police said on Friday. Mawlawi Bahadur was killed Thursday night in Chahar Dara, a militant-plagued district of Kunduz province, provincial police spokesman Haroon Aryayenezhad told AFP. Bahadur was the Tailban’s shadow governor for the northern Afghan province. One of his bodyguards was also killed and four others accompanying him injured in the operation, Aryayenezhad said.

New York Times: Coalition forces killed the top-ranking Taliban official in restive Kunduz Province during an overnight raid, according to Afghan police and a local governor.
The officials said Mullah Bahador, the Taliban’s shadow governor in the province, was killed in the raid late Thursday night. Abdul Rahman Saidkhaili, the provincial police chief, said the raid targeted a house in the Chardara district.

ISAF:  KABUL, Afghanistan (Dec. 31) – Afghan and coalition forces detained several suspected insurgents in Kunduz province as they targeted a Taliban leader during a joint security operation yesterday.
Recently promoted to the role of area attack leader for Gor Tapa district, the targeted insurgent makes improvised explosive devices and suicide vests, leads a group of Taliban fighters and employs anti-aircraft weapons against Afghan and coalition forces. He also works closely with Taliban shadow governors in the area planning attacks against Afghan and coalition forces.
The joint security force followed intelligence reports to a compound in Chahar Darah district. Upon arrival to the target location the security forces shot and killed an armed insurgent who fired upon the force. The security force recovered on the man an AK-47, multiple grenades and chest rack.
The force then continued to the targeted compound where Afghan forces used a loudspeaker to call for all occupants to exit the compound peacefully before the joint force cleared and secured the buildings. Afghan and coalition forces detained the suspected insurgents based on initial questioning at the scene.

ISAF UPDATE: KABUL, Afghanistan (Jan. 2) – International Security Assistance Force confirmed Bahadur was killed during a combined Afghan and coalition force operation in Kunduz Dec. 30.
Bahadur was the Taliban deputy shadow governor for Kunduz province. He provided funding, weapons and supplies to Taliban leaders and fighters. He also conducted attacks and provided operational guidance to senior Taliban leaders in the province. His connections included a Taliban leader in the Baghlan province and members of the Islamic Movement of Uzbekistan terrorist group.
Recent reporting indicated that he arranged the distribution of improvised explosive devices to Taliban groups operating in Kunduz and Balkh provinces.

Oder, wie Spiegel Online schrieb: Erfolgreicher Schlag im Kampf gegen die Taliban: In der Region Kunduz haben afghanische Soldaten und internationale Truppen einen Anführer der Radikalen und seine Leibwächter getötet.

(Ob die das auch so formuliert hätten, wenn da nicht internationale Truppen, sondern Bundeswehrsoldaten gestanden hätte?)

28 Kommentare zu „RC N Watch: Luftlandeoperation in Kundus“

  • Hohenstaufen   |   03. Januar 2011 - 22:55

    Nach fast 9 Jahren Einsatz in Afghanistan hat die Bundeswehr also nun zum ersten Mal einen Kampfeinsatz mit Hilfe von Transporthubschraubern durchgeführt ?
    Wäre es in einem Land mit schlechter Verkehrsinfrastruktur und Bedrohungen durch verminte Straßen nicht sinvoll gewesen, bei Kampfeinsätzen schon ein paar Jahre früher auf Hubschrauber zurückzugreifen ? Luftlandetruppen gibt es doch schon seit circa 80 Jahren.

  • T.Wiegold   |   03. Januar 2011 - 23:11

    … aber deutsche Kampfeinsätze nicht…. Und überhaupt die Möglichkeit, so mit Hubschraubern zu operieren, erst seit Verlegung von U.S.-Helikoptern in den Norden Afghanistans.

    (Muss man mal in den nächsten Tagen versuchen, mehr Einzelheiten zu erfahren.)

  • Memoria   |   04. Januar 2011 - 0:44

    Warum haben wir so wenig CH-53 im Einsatz? Weil der Einsatz halt weiterhin ein Störfaktor für den Grundbetrieb ist. Wenn man gewollt hätte, dann könnten wir auch knapp 20 CH-53GS bzw. GA im Einsatz haben. Im Krieg entscheidet der Wille…

  • StFwdR   |   04. Januar 2011 - 6:45

    (Ob die das auch so formuliert hätten, wenn da nicht internationale Truppen, sondern Bundeswehrsoldaten gestanden hätte?)

    Nein, mit Sicherheit nicht, dann würde es eher lauten :

    Blutiges Gefecht mit mehreren Toten. In der Region Kunduz haben Bundeswehrtruppen einen mutmaßlichen Anführer der Taliban und seine Leibwächter getötet.Untersuchungsausschuss wird eingesetzt.

    Natürlich nebst dem wutschnaubenden Gezetere des Verteidigungsexperten der SPD
    Arnold : Geziehltes Töten nicht erlaubt ! Fordern Rücktritt von Guttenberg. blablabla…

    Eigentlich war es zu erwarten und anhand der Meldungen auch zu vermuten, das sich dort im Raum Kunduz eine größere Operation abspielt. Offensichtlich wird jetzt nachgeholt was in den Jahren zuvor mangels Kräfteansatz nicht möglich war.

    Siehe auch das Statement von G.Bolz
    Dadurch, dass wir mit den längst überfälligen Verstärkungen, insbesondere von US-Seite, seit Sommer 2010 Taliban in Räumen herausfordern können, in denen es Ihnen seit Jahren nicht mehr an den Kragen ging, stieg die Zahl der gewaltsamen Konfrontationen.

    Das ist doch auch vollkommen normal und wenig verwunderlich.
    Und letztendlich, mal ehrlich, so kurz vor einer Mandatsverlängerung, macht sich eine zu offensichtliche Beteiligung deutscher Truppen an Kampfhandlungen doch nun wirklich nicht gut, jedenfalls nicht für diejenigen welche immer noch der Meinung sind das wäre ein “Polizeieinsatz” mit Brunnenbohren und Strassenbauen.

    Das die deutsche Politik hier in der Realität angekommen ist, ist auch nach den jüngsten Äusserungen der Kanzlerin (“Kannte ich nur aus Erzählungen der Großeltern…”) wohl eher nicht zu erwarten.

    @Memoria
    An der Front / auf dem Gefechtsacker ist die eine Seite. Politisch ist dieser Wille zum Aushalten der Konsequenzen nicht vorhanden ;-)

  • Tom   |   04. Januar 2011 - 8:32

    Beim Lesen der Überschrift und des auf der Startseite sichtbaren Textes sah ich schon Rundkappen vor meinem Auge.

    Schade. Aber ein Helikoptertransport für einen Kampfeinsatz ist auch schon mal ein Schritt. Nur die wieder leiser gewordene Bw-Informationsarbeit passt für mich nicht ins Bild.
    OPSEC kann wohl kaum der Grund sein. Die INS erfahren ja aus Erster Hand, was los ist/war.

  • Kommentator   |   04. Januar 2011 - 8:33

    Hinsichtlich der Beteiligung der deutschen Soldaten muss man auch immer die Rolle der Soldaten in der Gesamtoperation betrachten. Bei dieser Operation ist davon auszugehen, dass die deutsche Kompanie mit Hubschraubern der Amerikaner in der Flankensicherung eingesetzt war und die Amerikaner in Zusammenarbeit mit den afghanischen Sicherheitskräften der Kern der Arbeit an den Objekten und somit auch die Festnahme durchgeführt haben.
    Luftlandeoperation im kleineren Rahmen wurden vor Verlegung der amerikanischen Hubschrauber aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit nicht durch konventionelle Kräfte durchgeführt. Operationen mit Hubschrauber, die auch deutsche Kräfte im Kern hatten, gab es allerdings in den deutlich spezialisierten Bereichen einige.

  • Memoria   |   04. Januar 2011 - 8:52

    @ StFwdR:
    Bei der Einteilung kämpfende Truppe vs. Politik bitte ich jedoch eine nicht unerhebliche Gruppe nicht zu vergessen: die militärische “Führung”.

    Gerade beim Thema CH-53 war der politische Wille schon da deutlich mehr zu tun, aber dann wäre Generalsspielzeug in Gefahr gewesen… und so wurde – wieder einmal – nicht vom Einsatz her gedacht. Der Wille ist also auch bei der mil. Führung und deren Unterbau (BMVg, EinsFüKdo) nicht vorhanden.
    Wie sagte schon E. Zimmermann von Aktenzeichen xy ungelöst: “und dies ist leider kein Einzelfall”.

    Und genau diese Denkweise der Generalität hat auch KT nicht durchbrochen.

  • StFwdR   |   04. Januar 2011 - 9:20

    Er kann halt auch nicht über Wasser wandeln. :o)

    Und das Thema “Generalsspielzeug” ist und war schon immer ein besonderes.
    Im Prinzip haben Sie aber Recht, das die “Politik” zu unpräzise ist und um die Führungsetage der Bundeswehr ergänzt werden müsste. :-(

    Bis sich das ändert, wird wohl noch ne Menge Wasser den Rhein langfließen.

  • politisch inkorrekt   |   04. Januar 2011 - 10:10

    Wie man leicht an den Zeiten der Kommentare ablesen kann ist wohl kaum ein Leser in der Lage gewesen sich noch rechtzeitig die FAZ zu besorgen.

    Wie komme ich jetzt an eine FAZ von gestern ran?

    Zumindest besteht eine Hoffnung, dass Bundeswehr.de den Artikel nachträglich online stellt.

    pi

  • J.R.   |   04. Januar 2011 - 11:46

    Nur die wieder leiser gewordene Bw-Informationsarbeit passt für mich nicht ins Bild.

    Wieso? Im Norden dominieren immer mehr Milizen das Geschehen, zumindest laut nicht-deutschen Quellen wie etwa ANSO und Pajhwok.

    Auch wenn die Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind: Laut Pajhwok kämpfen in der Provinz Kundus 1500 Milizionäre auf Regierungsseite. In Baghlan scheint die Situation ähnlich zu sein, allein im Januar 2010 sollen dort 10 Milizgruppen (mal wieder) die Seiten gewechselt haben.

    Wenn man sich anschaut, wer bei Bundeswehr und BMVg zu Milizen im RC North Stellung bisher Stellung bezogen hat, dann war da das höchste glaub ein Kompanieführer – und selbst der spricht nur von den “Aussteigern”, mit denen er persönlich zu tun hat.

    Milizen scheinen schlicht nicht in das “Konzept” von Bundeswehr und Verteidigungsministerium zu passen – da ist man ja noch beschäftigt sich für die Ankündigung des “Partnering” mit den offiziellen afghanischen Sicherheitskräften auf die Brust zu klopfen. So ein dreckiger kleiner Gang-Krieg mit wechselnden Loyalitäten und Verbrechen auf beiden Seiten dürfte in der deutschen Öffentlichkeit nicht gut ankommen – nicht zuletzt, weil das Vertrauen in die Bundeswehr, einen “Polizeikrieg” zu führen (und zu gewinnen), nicht gerade ausgeprägt sein dürfte. (Wie langwierig und blutig das werden kann hat man ja im Irak gesehen. Dass es mit dem richtigen Vorgehen gewinnbar ist auch – aber das scheint für die deutsche Politik und Gesellschaft derzeit eher zweitranging…)

  • Thomsen   |   04. Januar 2011 - 12:01

    Hört, hört!

    Was lange währt wird endlich gut. Nur mit Drehflüglern kann ich schnell und räumlich weit weniger begrenzt Trupen in die Einsatzräume verlegen, ohne zeitlich schon weit vorher aufgeklärt zu werden. Ich bin mir sicher, daß es diesbezüglich schon länger Planungen gab, es jedoch an der Umsetzung in Ermangelung von Hubschraubern scheiterte.

  • Voodoo   |   04. Januar 2011 - 12:48

    Hm, vielleicht ist ja einer von den Beschaffern mit in den Chinooks geflogen und wir bekommen bald welche *träum*

  • Thomsen   |   04. Januar 2011 - 13:06

    Die sind ungefähr 50 Jahre älter als der NH90. Man kann aber was reinpacken und sie fliegen, was letzterer ja bekanntlich noch nicht so recht unter Beweis gestellt hat.

  • Voodoo   |   04. Januar 2011 - 13:12

    Exakt, ich dachte auch eher an die Zuladung. Bei 12.700 kg geht schon was, da kriege ich mindestens einen Zug in eine Maschine und muss nicht, wie momentan nicht anders machbar, alles auseinander reissen.

  • Bang50   |   04. Januar 2011 - 13:29

    @Voodoo

    wird wohl alles am lieben Geld hängen und wie sich der Wehretat jetzt tatsächlich entwickelt. Wer ein CSAR-X Pflichtenheft schreibt, welches im den Kriterien der Lieferbarkeit und der Reichweite so definiert ist, das nur eine CH47F dies erreichen kann, der liebäugelt recht ungeniert mit diesem Muster.

    Es könnte sich bei diesem Deal auch um Wirtschaftspolitik von hinten durchs Kreuz handeln.

    Den die Frage nach der Nachfolge für die CH53 Flotte steht mit immer größeren Druck an. Dabei wird entweder die CH53K zum Zug kommen, welche dann ausschließlich in den USA gefertigt werden würde. Oder eben das joint venture zwischen Eurocopter und Boeing mit ihrem Future Transport Helicopter, bei dem es sich um einen aufgebohrten Chinook handelt.

    Die Denke könnte also wie folgt laufen: Eurocopter ist nicht konkurenzfähig mit seinem NH90 (das weis Eurocopter selbst) in der CSAR Ausschreibung. Aber Boeing bietet das leistungsfähigste Muster an, welches somit das erste Tandemrotorsystem in der Bundeswehr werden würde. Die Bundeswehr würde also in dieses Techniksegment einsteigen und Piloten ausbilden welche die Besonderheiten einer solchen Platform meistern. Irgendwann steht die Frage nach dem CH53 Nachfolger an. Die Bundeswehr hat die Wahl zwischen FTH und CH53K, bei ersterem ist ein europäischer Konzern involviert und die Fertigung auch teils in Deutschland. Hinzu kommt, das man ja schon Erfahrungen mit so schweren Tandemhubschraubern hat. Boeing, hingegen braucht Eurocopter um den Fuß in den europäischen Markt zu bekommen und einen Partner um die Entwicklungskosten zu Schultern und hat das know how einen vergrößerten Chinook zu bauen (was die BW Beschaffer beruhigen dürfte) will aber schnell in die Pötte kommen um bei den amerikanischen Beschaffungen ihren FTH als Konkurenz zur CH53K anbieten zu können.
    Deshalb würde es mich nicht wundern das Boeing ein absolutes Kampfangebot für seine 8 Chinook abgeben wird und Eurocopter gar nicht so traurig darüber sein wird. Beide Konzerne wollen den Fuß in die Tür der BW bringen.

  • Memoria   |   04. Januar 2011 - 14:08

    @Bang50:

    Das BWB hat Ende 2010 die CSAR-Ausschreibung abgebrochen.
    Wird wohl nichts mit den hochfliegenden Träumen. FTH wird auch konsequent verschlafen. Eigentlich ist es schon jetzt zu spät. Erste CH-53 sollen 2020 ausgephast werden. Intensivnutzung in AFG ist dabei noch nicht eingerechnet…

    Hinzukommt die “Nach-ISAF”-Bundeswehr braucht alldas noch viel dringender als die “KFOR/EAKK-Bundeswehr, die halt jetzt ISAF macht”-Bundeswehr.
    Oder wie soll die Guttenberg-Bundeswehr die von KT avisierten (!) AFG-Nachsorgeoperationen ohne brauchbare Hubschrauber durchführen?
    Aber Hauptsache wir haben viele FüInfoSys, die nicht interoperabel sind und in asymmetrischen Konflikten weitgehend irrelevant sind.

  • Bang50   |   04. Januar 2011 - 14:12

    @Memoria

    Meine Information dazu war das CSAR-X auf erstes Quartal 2011 verschoben wurde.
    Woher haben Sie die Information über einen Abbruch?

  • Memoria   |   04. Januar 2011 - 14:25

    Erstmal zum Verständnis:
    CSAR-X ist n.m.K. der Projektname für die HH-60-Nachfolge in den USA, das sich aber auch in großen Problemen befindet. Das deutsche Vorhaben heißt lediglich CSAR.

    Die Info zum Projektabbruch stammt aus dem Griephan (müßte 50/10 gewesen sein). Dort wurde ein Schreiben des BWB zitiert. Begründet wurde der Abbruch mit den Sparmaßnahmen.

    @ T.W.:
    Wäre CSAR was für nen extra Post? Da das ganze ja immer so stark politisch gewollt wurde bzw. wird… Zudem herrscht hier derzeit viel Verwirrung bzgl. verschiedener Aufgaben (CSAR, Personnel Recovery, MedEvac).

  • Memoria   |   04. Januar 2011 - 14:29

    @Bang50: Aus dem wöchentlich erscheinenden “G…….-Brief”. N.m.K. heißt aber nur das US-Vorhaben CSAR-X, das Bw-Projekt heißt schlicht CSAR.

  • Bang50   |   04. Januar 2011 - 14:31

    Ups das mit CSAR-X habe ich etwas durcheinander bekommen, das war ja die Geschichte mit dem HH-47 wo man dann die Anforderungen so lange runtergeschraubt hat bis der HH-60 gepasst hat.

    Naja war eigentlich zu erwarten. War ja schließlich keine Reform auf Grundlage von Haushaltszwängen. *ironie mode off*
    Und das als europäische “lead nation” für CSAR.

  • Fishman   |   04. Januar 2011 - 15:41

    Moin!

    CSAR ist nicht nur Hubschrauber, sondern ein System. CSAR-Operationen in alleiniger Regie zu planen und durchzuführen sind als einziges Land derzeit die USA in der Lage. Wenn DEU das auch wollte, in Kooperation mit europäischen NATO-Partnern, könnte die jeweilige Regierung gleich abdanken, denn die Kosten dafür sind unserer Bevölkerung nicht zu vermitteln. Selbst wenn das vorhaben CSAR durchgeführt würde: Der Chinook in der Version “F” käme aus den gleichen Gründen nicht zum Zuge. Favorit dürfte der AW101 (gewesen) sein.

    Statt dessen rüstet man einige CH-53 zu “Personnel Recovery” -fähigen Maschinen hoch, was in etwa, man möge mir den laienhaften Vergleich gestatten, mit CSAR-light zu übersetzen wäre. Ich bin gespannt, wie’s weitergeht mit diesem einst hochpriorisierten Vorhaben.

    Noch eine Bemerkung zu der Aussage von @Bang50, der Chinook würde das erste Tandemrotorsystem in der Bw werden. Das stimmt so nicht. Von 1957 – 1972 war die Vertol H-21C (auch als “Bimskuh” und “Fliegende Banane” bekannt) bei der Bw im Einsatz.

  • Voodoo   |   04. Januar 2011 - 15:49

    Es wäre wirklich sehr interessant, ob die CSAR Auschreibung der Bw wirklich abgebrochen wurde, bzw. wie weit sie ist. Könnten sie, Herr Wiegold, da nicht mal eine Anfrage an die betroffenen Stellen starten? Es gab ja einen Aufschrei der Empörung in der Politik, als Publik wurde, man könne seine eigenen Piloten nicht “rausholen”… Scheint mal wieder im Sande verlaufen zu sein.

  • Thomsen   |   04. Januar 2011 - 16:48

    Wer den Erprobungsbericht des NH90 kennt weiß was das System (nicht) kann. Zum Thema CSAR-Komponente ist auch bereits viel Geld in den Sand gesetzt worden in Verbindung mit dem NH90.

    Wie immer, anstatt eine 80%-Lösung dir funktioniert zu kaufen experimentiert man jahr(zehnt)elang mit der 1000%-Lösung herum, die dann nicht klappt.

  • Bang50   |   04. Januar 2011 - 16:54

    Was CSAR ist, bleibt auch bei den Amerikanern immer ein schwankender Begriff. Ich würde mich nicht zu sehr auf diesen Begriff versteifen (die sind da meist etwas pragmatischer). Auch die Amerikaner denken um und schicken keine 100 Luftfahrzeuge mehr los um einen abgeschossenen Piloten zu retten wie damals bei Scott O’Grady. Die Risiko Nutzen Rechnung geht in keinster Weise auf.

    Die Bundeswehr ist sich darüber bewusst das sie keinerlei Unterstützung auf solche Missionen mitgeben kann. Das führt dazu das CSAR Hubschrauber größer und leistungsfähiger werden müssen und auch werden ( Wie man an den CSAR Ausschreibungskriterien sehen konnte).

    Zitat:”Der Chinook in der Version “F” käme aus den gleichen Gründen nicht zum Zuge”

    Welche Gründe sollen das gewesen sein? Die Favoriten waren sicherlich AW101 und CH47F(X), wobei die Pflichtenheftkriterien ehr in Richtung CH47F abgezielt haben.

    Letztlich kann man die Diskussion wieso in der Pfeife rauchen. Die neue Bundeswehr wird genauso ein Sparverein wie die alte Bundeswehr auch. Haushaltszwang wird das Zauberwort bleiben.

  • Thomsen   |   04. Januar 2011 - 16:58

    Es gibt aber trotzdem genügend Baustellen, an denen wirklich gespart werden könnte (Sportfördergruppen etc.).

  • Kiwi70   |   04. Januar 2011 - 21:25

    Bin neu hier und den Artikel konnte ich mir nicht besorgen. Deshalb mal die Frage: Wo steht das mit der Luftlandeoperation? Kann mir jamand sagen wer da was wie gemacht hat? Noch gleich eine Frage hinterher: Warum können wir keine UH-1 in Afghanistan einsetzten. Ist nicht das modenste Kriegsgerät, aber vielleicht besser als beim Mine-Sweeping Stunden zu brauchen. Die Russen haben sowas ähnliches wohl als “Hammer und Ambos-Taktik” beschrieben.

  • T.Wiegold   |   04. Januar 2011 - 22:31

    @Kiwi70
    Ich hab’ ja immer noch die Hoffnung, dass die FAZ den Artikel doch noch online stellt. Hier einstellen kann ich ihn aus urheberrechtlichen Gründen nicht..

    Im Kern geht’s darum, dass eine deutsche Kompanie mit Chinook-Helikoptern in die Operation gebracht wurde. Da gibt’s etwas unterschiedliche Ansichten, ob das nun eine Luftlandeoperation war (FAZ) oder eine normale Verlegung, nur halt mit US-Hubschraubern (BMVg).

    Die Bell und ihre Eignung für den Afghanistan-Einsatz ist hier im Blog schon mal ausführlichst diskutiert worden, am besten googlen.

  • T.Wiegold   |   05. Januar 2011 - 11:17

    Hinweis @ all
    Der Bericht ist jetzt hier online:

    RC N Watch: Operation in Gor Tepa – der deutsche Blick