NATO warnt vor Supertanker mit Piraten
Vor zwei Wochen hatte ich auf Meldungen hingewiesen, dass somalische Piraten den gekaperten Supertanker Samho Dream als Mutterschiff für Angriffe auf hoher See nutzen könnten. Was ein bisschen unwahrscheinlich schien, schließlich ist ein Riesentanker dafür nicht das praktischste Gerät.
Jetzt hat sich das offensichtlich bestätigt. Jedenfalls warnt die NATO die Schiffahrt in einer heute aktualisierten Meldung vor genau diesem Supertanker und zwei ebenfalls gekaperten Dhows, auf denen die Piraten sich hunderte von Seemeilen von der Küste entfernt eine Basis See geschaffen haben:
As the monsoon continues to abate in the northeast and southwest Somali Basin and Arabian Sea the risk of Piracy in these areas has correspondingly increased. In the northeast there are several mother ships operating east of 55E, including the MV SAMHO DREAM which may be operating in company with two unidentified fishing dhows which may correlate with media reports concerning the pirating of two Iranian dhows near 60 degrees. There is also activity at 60 degrees east probably linked to the last known location of the FV TAI YUAN 227. Pirates frequently force these pirated vessels and crew to be mother ships, thereby extend their range and increase their endurance. The area south of 3 degrees south off the Tanzanian coast is also very active with 3 recent incidents noted and the MV ASPHALT VENTURE pirated in this area today. This area is likely to remain active for some time due to the prevailing weather conditions.
Masters should note that the Tai Yuan 227 is a white hulled fishing vessel, approximately 50 metres long, with the registration numbers BH3Z87 painted in large black letters on the hull.
VLCC SAMHO DREAM is probably being used by pirates as a mother ship in operations near the shipping lanes, approximately 190 nm SE of Socotra Island. The SAMHO DREAM is a 319,000 dwt, crude oil tanker, approximately 333 metres long, with an orange hull and white superstructure.
Pirates on these vessels represent an active threat to merchant shipping and any small boat observed in the open ocean more than 300Nm from the Somali coast should be considered to be a potential pirate vessel.
Weniger Opium, höhere Preise
Zwei Meldungen mit Afghanistan-Bezug von heute, die beunruhigend klingen:
Die Opium-Menge in Afghanistan fällt dieses Jahr schlecht aus – wegen einer Pflanzenkrankheit. Was auf den ersten Blick gut scheint, hat möglicherweise äußerst negative Folgen: Zwar wird in diesem Jahr, so schätzt die UN-Organisation UNDOC (United Nations Office on Drugs and Crime) fast die Hälfte weniger Opium produziert als im Vorjahr. Doch dafür steigen die Preise – was den Mohnanbau für die Bauern wieder attraktiver macht.
Und eine ganz andere Weltregion: Somalia, sagt der Generalsekretär von Interpol, wird das neue Afghanistan. In den nächsten fünf bis zehn Jahren werde die Bedrohung durch islamistische Terroristen aus dem Bürgerkriegsland am Horn von Afrika die Bedrohung am Hindukusch übertreffen. (Eine Strategie dagegen? Ist bislang nicht zu erkennen.)
BAKWA, AFGHANISTAN – MARCH 26: An Afghan opium farmer speaks with an Afghan policeman on patrol with U.S. Marines on March 26, 2009 near Bakwa in southwestern Afghanistan. (Photo by John Moore/Getty Images via picapp)
RC N Watch: “Clearing Operation” in Char Darrah (mit Update)
Das Vorgehen der ISAF im Distrikt Char Darrah bei Kundus, einer Taliban-Hochburg, scheint eine neue Qualität zu bekommen. Erstmals, wenn ich das richtig sehe, spricht ISAF bei den Aktionen in dieser Region von einer deliberate clearing operation – bislang war immer von gezielten Aktionen gegen einzelne Führer der Aufständischen die Rede. Ob die Meldung der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, in Char Darrah sei ein wichtiger Taliban-Kommandeur festgenommen worden, zu dieser clearing operation gehört oder eine separate Aktion ist, ist noch unklar.
Bislang habe ich auch noch keine Informationen, ob die Bundeswehr an dieser Operation neuer Qualität in dem von Taliban kontrollierten Distrikt beteiligt ist. Das ist ja
Nach Angaben der Bundeswehr sind an dieser clearing operation keine deutsche Soldaten beteiligt. Ein wenig erstaundlich, denn das wäre ja genau die Art von Vorgehen, für das die Task Force Kunduz, im deutschen (politischen) Sprachgebrauch lieber Ausbildungs- und Schutzbataillon genannt, vorgesehen ist. Und ihr Kommandeur, Oberstleutnant Christian von Blumröder, war ja schon im August entsprechend zitiert worden: The new German commander of the battalion in Kunduz province expects to begin a series of attacks in October. “This is a new mission,” said Lt. Col. Christian von Blumröder, who took command this month. “My orders are to get this done.”
Zur Begriffsklärung: In der Counterinsurgency (COIN)-Strategie der ISAF werden die Phasen shape, clear, hold, build unterschieden, die sich auch überlappen: Vorbereitung – sei es durch gezielte Angriffe auf einzelne Führungspersonen oder durch PR-Arbeit (shape), das klassisch militärische Vorgehen, einen Raum von Feinden freizukämpfen (clear), mit hinreichend starken Kräften in dieser Region dann auch präsent zu bleiben (hold) und anschließend mit Entwicklung und (Wieder)Aufbau zu beginnen (build). In dieser Terminologie wären die ISAF-Truppen jetzt beim Freikämpfen des Distrikts Char Darrah angelangt – was nach einem systematischen Vorgehen klingt, im Unterschied zu den bisherigen Einzelaktionen.
Mehr Details to follow? Mal schauen.
Update: Inzwischen habe ich gelernt (und finde es ärgerlich, dass ich das nicht vorher wusste), dass die Task Force Kunduz derzeit in Baghlan im Einsatz ist, also für Operationen rund um Kundus nicht zur Verfügung steht. Also offensichtlich als Ablösung der Quick Reaction Force. Irgendwie, scheint mir, gibt es zu wenig Kräfte im Norden.

Thomas Wiegold schreibt über die Bundeswehr, über Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Die Truppe hat er schon lange im Blick: 1993 berichtete er aus Somalia und seitdem aus fast allen Einsatzgebieten der Bundeswehr.
